Sheconomy versteht sich als zentrale Plattform für Frauennetzwerke in Österreich, Deutschland und der Schweiz. In der Rubrik „Netzwerk der Woche“ stellen wir eines der zahlreichen Frauen-Netzwerke aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaftspolitik und Kultur im Detail vor.

Die EWMD Austria – European Women’s Management Development Austria. Das 1994 in Linz gegründete Netzwerk vereint rund 100 Frauen aus unterschiedlichen Branchen und Führungsrollen in Österreich und ist Teil von EWMD International. Unter dem Claim „Every Woman Makes a Difference“ setzt sich EWMD Austria für mehr Frauen in Management, C-Level und Aufsichtsräten, gelebte Gender Equality und starke Verbindungen über Ländergrenzen hinweg ein.

Wir haben uns mit den Sprecherinnen und Co-Presidentinnen Margit Klima-Bencic und Jennifer Gollubits unterhalten.

Wann wurde Ihr Netzwerk ins Leben gerufen?

EWMD Austria wurde 1994 in Linz als Teil von EWMD International gegründet.

Wie viele Mitstreiter*innen zählt Ihr Netzwerk aktuell?

Aktuell hat EWMD Austria wir ca. 100 Mitglieder – Unternehmerinnen, Geschäftsführerinnen, Vorständinnen, Managerinnen und Projektleiterinnen – alle aus völlig unterschiedlichen Branchen und verteilt auf die Chapter Wien, Linz, Salzburg und Graz.

EWMD International hat ca. 800 Mitglieder – verteilt auf Deutschland, Italien, Spanien, Litauen, Schweiz, Türkei und Österreich.

EWMD Kongress Zell am See 2025-199: EWMD International Conference 2025

Was sind die Kernthemen und Schwerpunkte Ihres Netzwerks?

Unser zentrales Anliegen ist es, mehr Frauen in Management- und Führungspositionen zu haben und – auf EU-Ebene – Gender Equality in allen Lebensbereichen zu verankern. Wir leben vertrauensvollen Austausch und gegenseitige Unterstützung sowie persönliche und berufliche Weiterentwicklung.

Was ist der gemeinsame Nenner aller Mitglieder, die sich in Ihrem Netzwerk zusammengefunden haben?

Gender Equality – speziell im beruflichen Kontext – ist unser Herzens-Anliegen, das wir als Impulsgeber aktiv aufgreifen – mit dem Ziel einer Erhöhung der Frauenquoten in den Führungsetagen. Wir sind überzeugt, dass gender-diverse Management-Teams Unternehmen erfolgreicher machen.

Wir unterstützen überdies die Gleichberechtigung von Frauen und Männern auf allen gesellschaftlichen Ebenen – speziell auf EU-Ebene (Brussels Declaration).

Wie läuft der Austausch innerhalb der Community ab und über welche Kanäle?

Jedes Chapter hat monatliche Netzwerk-Meetings mit Vorträgen und Austauschformaten, Power-Teams mit Kollegialer Beratung/Coaching, Kultur-Events, daneben gibt es jährliche EWMD Austria Days mit überregionalem Networking und eine jährliche Internationale Konferenz zu einem Schwerpunkt-Thema oder eine jährliche Learning Journey in ausgewählte Länder.

In diesem Jahr findet die internationale Konferenz zum Thema „Longevity in Leadership – Building Resilient Careers for Women“ von 2. bis 4. Oktober in Istanbul statt.

Wie oft treffen Sie sich?

Monatliche Netzwerk-Abende sind quasi der „rote Faden“ im regionalen Chapter. Daraus entstehen echte Verbindungen – beruflich und/oder privat. Beim jährlichen EWMD Austria Day und der jährlichen Internationalen Konferenz gibt es Vernetzungsmöglichkeiten über das Chapter hinaus. Zusätzlich werden regelmäßig überregionale Online-Treffen zu relevanten Themen angeboten.

Wie informieren Sie sich gegenseitig über Neuigkeiten, aktuelle Kampagnen etc.?

Die Kommunikation im Netzwerk erfolgt über Newsletter, in den Clubabenden und unsere Social Media Channels: LinkedIn (EWMD Austria, EWMD International) und Instagram (EWMD Austria, EWMD International)

Werben Sie gezielt neue Mitglieder für Ihr Netzwerk an, und wenn ja, wie?

Wir suchen unsere Mitglieder gezielt aus. Wichtig ist, dass sie die gemeinsame Mission aktiv unterstützen. Häufig bekommen wir Interessentinnen über Empfehlung von Mitgliedern oder Veranstaltungen oder über die Website. Wichtig ist uns auch, dass die Branchen-Vielfalt und ein offener, vertrauensvoller Austausch auf Augenhöhe unterstützt wird.

Wie organisieren Sie die Arbeit im Netzwerk?

EWMD Austria ist als Verein organisiert.

  • Der aktuelle Vorstand besteht aus zwei Co-Presidents (Jennifer Gollubits und Margit Klima-Bencic) sowie Angelika Güttl-Strahlhofer (Communications) und Eva Maria Brunnmayr (Treasurer). Im Vorstand wird strategisch geplant und operativ umgesetzt.
  • Das EWMD Austria Board beinhaltet auch noch die Chapter-Präsidentinnen; dort werden wesentliche Entscheidungen getroffen.
  • Die Mitgliederversammlung beschließt grundlegendes wie Statuten-Änderungen, Entlastung des Vorstands, etc.
  • Für spezielle Themen werden Arbeitsgruppen gebildet, die Vorschläge ausarbeiten.

Netzwerk oder auch Interessenvertretung – wie tritt Ihr Netzwerk nach außen auf?

Wir sind ein politisch unabhängiges Netzwerk.

Wie steht es um den „Nachwuchs“ – ist es schwer, ihn zu motivieren, oder ist er begeistert, Teil des Netzwerks zu werden?

In den letzten Jahren haben wir viele junge Frauen – teils auf dem Karriereweg, teils bereits in Führungsverantwortung gewinnen können. Gender-Equality ist speziell seit Corona, der einen Backlash für Frauenkarrieren mit sich brachte, und der Tradwife-Bewegung (seit den 2020-er Jahren über Plattformen wie TikTok und Instagram verbreitet, die an das konservative Hausfrauen-Ideal der 1950er Jahre angelehnt ist) aktueller denn je!

Gemeinsam sind wir stark – was treibt Sie und Ihre Netzwerk-Mitstreiter*innen an?

Gemeinsam erreichen wir mehr Sichtbarkeit. Vertrauensvoller Austausch unter Gleichgesinnten ist im eigenen Unternehmen nicht immer möglich. Sich ausprobieren in einer Leader-Rolle im Netzwerk ist eine exzellente Chance zu lernen.

Auf den Punkt gebracht – welche drei Eigenschaften zeichnen Ihr Netzwerk aus?

International, vertrauensvoll, divers

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Netzwerk? Wo sehen Sie das Netzwerk in fünf Jahren?

Langfristige Ziele: Erhöhung der Frauenquote in Management, C-Level und Aufsichtsrat

EWMD in 5 Jahren: 200 aktive Mitglieder in Österreich, die aktiv für die Gleichberechtigung von Frau und Mann eintreten und 3-5 Corporate Mitglieder – also Firmen, die Frauenförderung über EWMD machen.  

Gibt es eine Erfolgsgeschichte eines Mitglieds, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? Wie hat Ihre Community dazu beigetragen?

Während der Corona Pandemie fanden die Clubabende online statt.

„Ich erinnere mich noch gut, wie die Event-Agentur einer erfolgreichen Unternehmerin dann kurz vor dem Aus ihrer Firma stand, die sie und ihr Mann über Jahre hinweg aufgebaut hatten. Im Netzwerk gab es die Möglichkeit zu geschütztem Austausch, es wurden Ideen geschmiedet und Coaching gratis zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen ist nun wieder erfolgreich und zeichnet verantwortlich für viele Firmen- und Großveranstaltungen”.

Welches Klischee rund um Frauen im Wirtschaftsleben können Sie nicht mehr hören?

Frauen sind nicht Technik begabt.

Was wären Ihrer Meinung nach die nächsten wichtigen Schritte Richtung Gender Equality?

Wir brauchen männliche Verbündete in den Unternehmen, in der Verwaltung und in der Politik, die die Potenziale von qualifizierten Frauen erkennen und aktiv fördern. Und Frauen sollten mutiger sein, Herausforderungen anzunehmen.

Haben Sie das Gefühl, dass sich Frauen oft doppelt oder dreifach anstrengen müssen, um gleiche Positionen wie Männer zu bekommen?

Speziell in männlich dominierten Berufen/Branchen haben wir das Gefühl, dass sich Frauen mehr anstrengen müssen als Männer, um beruflich weiterzukommen. Frauen werden oft nach ihrem Äußeren bewertet und schnell wird einer eloquenten Frau zugeschrieben sie sei „männlich“ oder „hart“.

Wie bewerten Sie die Rolle von (Frauen-) Netzwerken in unserer heutigen Gesellschaft und in der Zukunft?

Frauennetzwerke sind aktueller denn je – auch wenn Johanna Dohnal viele grundsätzliche Rechte für Frauen erst ermöglicht hat. Die Tradwife-Bewegung, die auch nach Europa schwappt oder auch das schleppende Vorankommen bei den Frauenquoten in den Geschäftsführungs-Etagen der Unternehmen, erfordert ein „Dranbleiben“. Es geht einerseits um Role-Models und andererseits um die Überzeugung, dass Frauen und Männer gemeinsam erfolgreicher Unternehmen und Politik gestalten.

“Beim 30-Jahr Jubiläum von EWMD Austria 2024 haben wir uns mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt. Seit Corona ist ein Backlash zu beobachten. Dem gilt es mit starken Netzwerken entgegenzuhalten.”

Last but not least – ein Wort zum Thema Frauenquote?

Die Frauenquote gefällt uns zwar nicht, weil sie den Anschein erweckt, dass Frauen, egal welche Qualifikation sie haben, den Männern vorgezogen werden. Das haben wir Frauen nicht nötig! Allerdings schaffen wir in Österreich ohne Frauenquote keine Gleichstellung in Politik, im öffentlichen Dienst und in Aufsichtsräten von Großunternehmen. Solange Gleichstellung strukturell nicht erreicht ist, kann sie helfen, Bewegung zu schaffen.

EWMD Austria
Conny Faistauer, Fotoatelier
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