Da wächst kein Unkraut mehr
ÖBB so relevant ist, und welche Technik dahintersteckt
Warum ist es wichtig, die Vegetation entlang der Gleisanlagen regelmäßig
zu kontrollieren?
Pflanzenbewuchs kann die Sicherheit im Bahnbetrieb massiv beeinträchtigen. Wurzeln destabilisieren Bauwerke, Vegetation verdeckt Anlagen und zugewachsene Randwege behindern den sicheren Zugang für Mitarbeiter*innen. Besonders die invasiven Neophyten richten enorme Schäden an und bergen gesundheitliche Risiken wie Allergien.
Wie gehen Sie bei der Bewuchsentfernung im Sinne der Nachhaltigkeit vor?
Als ÖBB haben wir eine Vorbildfunktion und setzen seit 2022 bewusst kein Glyphosat mehr ein. Die Alternativen wirken selektiver und erfordern präzise Planung. Mechanische und weitere nicht-chemische Verfahren sind aufwendig und oft mit Streckensperren verbunden. Umso wichtiger ist es, exakt zu wissen, wo welche Pflanzen wachsen.
Und hier hilft Ihnen die KI?
Genau. Wir haben ein System entwickelt, das Vegetation großflächig und zuverlässig erfasst – während der Zugfahrt. Dadurch erhalten wir georeferenzierte Daten zum Pflanzenaufkommen, zur -dichte und zu den Hotspots der Problempflanzen. So können wir Maßnahmen viel gezielter planen und Streckensperren reduzieren.
Wie funktioniert das System technisch?
Im Pilotprojekt haben wir ultrahochauflösende Kameras vorne an der
Lok montiert. Auch bei bis zu 100 km/h liefern diese Geräte detailreiche Bilder. Die Daten werden dann von neuronalen Netzen ausgewertet, die wir mit tausenden Pflanzenbeispielen trainiert haben. Der Fokus liegt auf der Bewuchsdichte sowie den sieben wichtigsten Problempflanzen. Die Erkennungsrate liegt derzeit bei 86 bis 96 Prozent.
Welche Vorteile bringt das für die ÖBB-Infrastruktur?
Wir setzen Ressourcen effizienter ein, vermeiden unnötige Einsätze und timen umweltfreundliche Methoden optimal. Durch die frühe Erkennung von Problempflanzen stoppen wir ihre Ausbreitung – und fördern zugleich die Biodiversität.
Wie geht es weiter? Wird das KI-System bereits im Regelbetrieb eingesetzt?
Wir befinden uns noch in der Testphase. Hier zeigte sich das System als robust und praxistauglich. Wir arbeiten daran, die Erkennung aus Streckenbildern zu ermöglichen, die mit geringerer Auflösung und bei höherer Geschwindigkeit (160 km/h) aufgenommen werden. So können wir künftig Aufnahmen aus Standard-Messzugfahrten für die Vegetationserkennung verwenden. Zudem wurden bereits eine Datenplattform und Schnittstellen konzipiert – das System steht damit unmittelbar vor der Serienreife.