Endometriose: Linzer HealthTech-Startup Diamens erhält sechsstelliges Investment
Tampons werden heimlich unter den Schultischen weitergereicht – fast so, als wären sie verbotene Ware. Was im jungen Alter beginnt, zieht sich bis ins Erwachsenenalter. Denn die Scham rund um Menstruation ist in unserer Gesellschaft fest verankert. Das Linzer Startup Diamen will genau dieses Tabu brechen – und nutzt Menstruationsblut erstmals als Schlüssel zur frühen Diagnose von Endometriose.
Diamens wurde 2024 in Österreich gegründet. Hinter dem Linzer Start-up steht ein interdisziplinäres Team aus Biomedizin, Bioinformatik, Regulatorik und Business. Die Gründerinnen rund um CEO Marlene Rezk-Füreder verfolgen ein klares Ziel: den jahrelangen Diagnoseweg von Endometriose-Betroffenen zu beenden.
Denn oft müssen menstruierende Personen einen langen Weg zurücklegen, bis sie die Diagnose Endometriose erhalten – im Schnitt dauert es sieben Jahre. Dazu gehören Fehldiagnosen und Unverständnis. Die Krankheit wird fälschlicherweise oft als Regelbeschwerde abgetan und betrifft weltweit rund 190 Millionen Frauen – das heißt jede zehnte. Die chronische Krankheit führt zu Wucherungen von gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Die Folgen können chronische Schmerzen sein, aber auch Organverwachsungen und Unfruchtbarkeit.
Bisher ist der gängigste Weg zur Diagnose eine ein operative Bauchspiegelung unter Vollnarkose. Der invasive Eingriff lässt viele Patient*innen zurückschrecken. Dabei entscheidet eine frühe Diagnose darüber, ob moderne Therapiekonzepte greifen und bleibende Organschäden verhindert werden können. Genau hier setzt das österreichische Start-up an.
Diamens entwickelt einen nicht-invasiven Selbsttest zur Diagnose von Endometriose – also einen Test, den die Anwender*innen selbstständige zu Hause durchführen können, ohne, dass dabei die Haut verletzt oder ein Instrument in den Körper eingeführt wird. Seit ihrer Gründung wurde das Start-up bereits als „Spin-off of the Year“ beim EY Scale-up Award 2025 und beim Brigitte-Bierlein-Frauenpreis ausgezeichnet.
Mit dem Abschluss einer sechsstelligen Finanzierung strebt das frauengeführte Team die Zertifizierung des weltweit ersten molekularbiologischen Diagnostiktests auf Basis von Menstruationsblut an. Der Lead-Investor eQventure aus Graz steigt gemeinsam mit VP Venture Partners aus Zürich, FS Life Science Investment aus Düsseldorf und der VGW Beteiligungs GmbH aus Linz ein.
Diamens will betroffenen Personen den Weg der jahrelangen Diagnose ersparen. Das Linzer Start-Up nutzt Menstruationsblut als Datenquelle für die Diagnostik.
„Die Diagnose über Menstruationsblut hat drei klare Vorteile. Es ist nahe am Ursprung vieler gynäkologischer Erkrankungen. Außerdem erfolgt die Probeentnahme immer zum selben Zeitpunkt im Zyklus. Das ist gerade bei gynäkologischen Erkrankungen, die Hormon-abhängig sein können, extrem relevant – wird aber bei klassischen Blutabnahmen leider zu oft nicht berücksichtigt. Zudem ist eine eigenständige Probenahme möglich: Sie kann von jeder Person selbstständig durchgeführt werden. Somit ermöglichen wir es auch Frauen, selbstständig zu einer Diagnose zu kommen“, sagt Clara Ganhör – Co-Founder & COO von Diamens.
Aktuell gibt es schon einen Prototyp des Selbsttests. Zusätzlich läuft die klinische Studie zum Produkt. Der Produktlaunch ist für 2027 geplant – und könnte einen Wandel einleiten: damit aus dem heimlichen Weiterreichen von Tampons unter Schultischen ein offener Umgang mit Menstruation und ihrer medizinischen Bedeutung wird.