Die beste Freundin von Wut ist Mut
Liebe she Community,
am kommenden Samstag erscheint die neue Ausgabe von sheconomy (03/26). In meinem Editorial habe ich über „Wut“ geschrieben – unter anderem darüber, wie unser neuer Coverstar dieses Gefühl für sich in ihrer Karriere genutzt hat. Und auch darüber, dass Wut ein (richtig guter) Grund dafür sein kann, warum Frauen gründen. Ich schließe mit dem Fazit ab, dass diejenigen, die Wut in Energie umwandeln, kaum mehr zu bremsen sind.
Seitdem ist ja so viel passiert …
Seitdem haben zwei Skandale die Entertainment- und Medienlandschaft in Deutschland und Österreich überrollt. Sie verbindet nicht nur, dass es dabei um zwei „Fernseh-Männer“ geht, sondern vor allem die Tatsache, dass das hier keine Einzelfälle sind. Sondern Produkte eines Systems, in dem Grenzüberschreitungen, Machtgefälle und strukturelle Ungleichheiten relativiert werden.
Es geht um Gesetze, die nicht schützen, und um die inoffiziellen Regeln, die Frauen, die Ungerechtigkeiten erkennen und benennen als „schwierig“ abstempeln. Oder noch schlimmer als „hysterisch“. So haben wir uns teilweise antrainiert, unsere Wut zu unterdrücken.
Dabei ist sie kein Kontrollverlust. Wut ist ein Signal. Ein innerer Kompass, der uns zeigt, wo etwas nicht stimmt.
Am vergangenen Wochenende haben tausende Frauen ihre Wut nicht mehr zurückgehalten, sondern übersetzt – in Haltung und in Handlung, indem sie auf die Straße gegangen sind und sich mit der deutschen Schauspielerin Collien Fernandes solidarisiert haben.
Vielleicht erleben wir gerade endlich den Moment, den wir auch mit sheconomy seit Jahren herbeiführen wollen: echte weibliche Solidarität, die nachhaltig politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Systeme verändern kann.
Denn wir wissen ja: die beste Freundin von Wut ist Mut.
Ihre
Lara Gonschorowski