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Wieviel darf man von sich auf Social Media teilen?

Lassen Sie uns doch ein bisschen über die Frage „Wieviel darf man von sich auf Social Media teilen, um Ernst genommen zu bleiben?“ , diskutieren.

Letzten Sommer zum Beispiel. Es war ein Sommer der Erleichterung nach dem Schock des März 2020, dem damit verbundenen Stillstand, der Isolation, dem Ende des bisher bekannten Lebens, noch dazu mit viel Angst um die eigene Gesundheit, und die der mir lieben Menschen.

Und dann kamen die Sommerferien – die Kinder im Feriencamp, ich mit meinem Hund und meinem Laptop an einem kleinen Badesee vor den Toren Wiens. Ein Traum.

Ich habe jeden Sonnenstrahl genossen, jeden Tag mit Joggen begonnen, mit Yoga beendet, mir dazwischen gutes Essen zubereitet und auch mal ein kühles Bier genossen. Oder mehrere.

Ich habe getanzt, mich an meiner, in der Sonne scheinenden, Haut erfreut, öfter am Tag zwischen Wasser und Sonnenliege gewechselt, mit der Sonnenbrille herumgespielt und ja, manchmal hatte ich auch Lust mich im Spiegel anzusehen, die Lebensfreude, den gebräunten Körper anzublicken und glücklich und dankbar zu sein.

So weit so gut. Aber: ich habe all diese kleinen Freuden auch auf INSTAGRAM geteilt, mehrere hundert Menschen konnten so an meinem Alltag teilnehmen. Viele, eigentlich die Meisten, haben mir positiv geantwortet – aber manche, und leider sehr viele von Ihnen Frauen, haben mich wissen lassen, dass sie „das“ nicht so „gscheit“ finden. Ähäm. Was denn eigentlich?

„Dass sich eine als intellektuell, gebildet, feministisch bekannte Frau, im Bikini, im Wasser, beim Sport abbildet, sich zeigt, wie sie sich im Spiegel betrachtet.“ Well.

Natürlich habe ich im vergangenen Sommer auch viel gearbeitet, ich bin selbstständig, und gerade nach den Monaten ohne Einnahmen, musste ich im Sommer 2020 viel aufholen. Ja, ich habe auch zusätzlich Alltagsarbeit verrichtet, meine Familie organisiert, mich an manchen Tagen mies gefühlt, war erschöpft und uninspiriert manchmal sogar richtig pessimistisch. Aber, diese Bilder zu teilen, hätte mich das als intellektuelle, gebildete, feministisch Frau glaubhafter gemacht? Was meinen Sie?

In meiner Welt heißt Feminismus, heißt Emanzipation: jede Frau und jeder Mann, darf so sein, wie er oder sie es für richtig erachtet. Und ja, er oder sie darf sich dabei auch zeigen.

Die Grenze ist dort überschritten, wo wir die Freiheit und die Würde eines anderen verletzen.

Ich werde diesen Sommer daher einfach antworten: Sie müssen ja nicht hinschauen, wenn es Ihnen nicht passt. Herzlichst, Sonja Kato.


Sonja Kato-Mailath, Moderatorin und systemischer Leadership Coach, ausgebildet in der Schweizer Coachingakademie St.Gallen – Zuletzt erschien ihr Buch: 10 Hoffnungen – im Verlag story.one. Sie lebt und arbeitet in Wien.

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