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#Sofagate: Den Platz am Tisch einfordern

Ein Gastkommentar von Martina Ernst.

War ich schon immer ein politischer Mensch, der für seine Überzeugungen einsteht und kämpft?

Ehrlich gesagt nein!

War ich immer für. die Frauenquote?

Nein!

Im Gegenteil, in der Vergangenheit war ich strikt dagegen.

Warum jetzt?

Genug ist genug.

Ich rede nicht von Erdogan – sondern ausschließlich von Charles Michels Verhalten als zentrale Figur in der europäischen Politik und Kultur und davon, wie die Fotos und Videos seines “Fauxpas” traditionelle Stereotype zementiert haben denn leider sagt ein Bild mehr als tausend Worte.

Um den Vorfall besser zu verstehen, las ich Tonnen von Artikeln und Kommentaren und die meisten männlichen UND leider auch weiblichen Kommentatoren schrieben, wir sollten nicht so viel Aufhebens darüber machen und einfach weitermachen. Schließlich sehe das EU-Protokoll eine klare Unterscheidung zwischen den beiden politischen Rollen vor: Der EU-Ratspräsident sei angeblich wichtiger als die EU-Kommissionspräsidentin.

Und doch ist es ein echter Schlag für die Gleichstellung der Geschlechter.

Warum?

In meiner Zeit als HR-Chefin begann ich, mich tiefer mit dem Thema Frauen und Karriere zu befassen, mit den klassischen Ursachen für den Gender Pay Gap und warum eine Frauenquote für Führungspositionen eine echte Notwendigkeit ist – und alles andere als ein Schaden fürs Unternehmen.

Und ich erkannte immer mehr, dass es nicht ausreicht, unterstützende männliche Chefs zu haben, sondern wir – Frauen – müssen unsere Solidarität stärken und uns gegenseitig auf die Karriereleiter hieven bzw. uns dabei helfen, uns als Chefinnen und Unternehmerinnen zu behaupten. Networking und Mentoring sind dabei mächtige Instrumente, die uns helfen, zu wachsen, die Perspektive zu ändern und Mut und Ausdauer zu erhöhen.

Warum? Weil das Thema der Gender Equality eng mit unseren Rollenbildern und unserem Verhalten als Frauen verbunden ist.

Um den gender pay gap zu ändern und uns unseren Platz am Verhandlungstisch-Tisch zu sichern, müssen vier Dinge passieren:

  • Politik, Gesetzgebung und nicht zuletzt die Infrastruktur (Kindergartenöffnungszeiten etc.) unseres Landes bestimmen, ob wir unsere Plätze am Verhandlungstisch-Tisch überhaupt einnehmen können
  • Unternehmen müssen Diversität als ökonomischen Mehrwert erkennen und sich des gender bias in ihren Strukturen und Prozessen bewusst werden
  • Kultur, Tradition und Symbole prägen unsere gesellschaftlichen Glaubenssätze und unser Verhalten als Frauen/Mütter/Arbeitnehmerinnen – und deshalb war “Sofagate” ein wirklicher Schlag ins Gesicht der gender equality. Ist uns das wirklich bewußt??
  • Selbstbild – beginnen wir, uns zu akzeptieren, wie wir sind, und suchen wir uns starke Allianzen mit anderen gleichgesinnten Frauen

Also, was können wir aus diesem Vorfall machen, was ist das Gute im Schlechten? Sollten wir weitermachen? Ja, NICHT durch Vergessen oder Herunterspielen des Vorfalls – sondern, indem man ihn nützt, um politische und unternehmerische Strukturen  transparent zu machen und seinen Einfluss auf  unser kollektives Selbstbild aufzuzeigen.

Ein wenig erinnert der Vorfall an die #metoo Debatte, in der lautstark unser Rollenverständnis diskutiert wurde, und transparente Diskussionen sind bekanntlich der erste Schritt, um unsere weiblichen/männlichen Glaubensmuster und unsere Art, uns selbst zu denken und zu untergraben, weiter in Frage zu stellen. Und wie Wasser den Boden im Laufe der Zeit erodiert, indem wir ständig neue Facetten der Geschlechterungleichheit aufzeigen, so zeichnen wir langsam ein neues kollektives Bild.

Eine kleine Anekdote:

Als junge Area-Managerin hatte ich einen Termin beim Europachef des Unternehmens.  Als wir von einem Besprechungsraum in einen anderen gingen, stellte ich fest, dass er immer vor mir durch die Tür ging, anstatt sie mir zu öffnen. Als wir das nächste Mal bei der Tür ankamen, wartete ich bewusst vor ihm an der verschlossenen Tür und sagte: “Danke!”. Er erkannte seinen Fauxpas und bewahrte künftig – Rang unabhängig –ein Mindestmaß an Höflichkeit.

Also, was kann ich tun, um die Veränderung zu sein, die ich in der Welt sehen möchte: Groß denken und klein beginnen (https://youtu.be/9ylRsAmAdbI). Jeden Tag einen Tropfen Wasser in den Fluss – und eines Tages wird er seine Richtung ändern.

Und das wusste schon Ghandi. Angeblich stammte das Zitat in der Überschrift von ihm – in Wirklichkeit hat er folgendes gesagt:

“Wir spiegeln nur die Welt. Alle Tendenzen, die in der äußeren Welt vorhanden sind, finden sich wieder in der Welt unseres Körpers. Wenn wir uns selbst ändern könnten, würden sich auch die Tendenzen in der Welt ändern. Wenn ein Mensch seine eigene Natur verändert, ändert sich auch die Haltung der Welt ihm gegenüber. Dies ist das höchste göttliche Geheimnis – eine wunderbare Sache und die Quelle unseres Glücks. Wir brauchen nicht darauf zu warten, was andere tun.” – Mahatma Gandhi

Den Blog auf Englisch gibt es hier: https://www.salarynegotiations.at/de/be-the-change-you-want-to-see-in-the-world-or-how-to-claim-your-seat-in-the-aftermath-of-sofagate-2/

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