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Schwanger als CEO: Geht nicht gibt’s nicht!

Hélène Quériault wurde 2021 mit 35 Jahren schwanger und entschied sich zeitgleich das Jobangebot als CEO anzunehmen. Eine ungewöhnliche Konstellation? Absolut. Warum die Frau an der Spitze von lalalab daran glaubt, dass ihr Beispiel bald keine Ausnahmeerscheinung mehr sein wird, verrät sie in diesem Gespräch.

„Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland ist schwanger!“ Diese Meldung ging 2018 um die Welt. Eine Regierungschefin, die bald Mutter wird – wie soll das gehen? Selbst seriöse Medien diskutierten damals diese Frage ohne Hemmungen. Weil Fakt ist: Beispiele von Frauen, die in einer Führungsposition ein Kind zur Welt bringen, gibt es wenige.

Das weiß auch Hélène Quériault, CEO von lalalab, einer App für mobilen Fotodruck: „Nachdem mir die Stelle als CEO angeboten wurde, suchte ich bei Google nach “schwanger CEO werden“, in der Hoffnung auf eine magische Antwort – aber, wenig überraschend, gab es kaum relevante Ergebnisse. Ich hoffe, meine Geschichte kann anderen Frauen helfen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich damals .“ Wir haben mit Quériault  haben nachgefragt, wie sie ihren Alltag mit Kind und Board-Meetings meistert und welche Sprüche sie sich trotz ihres Erfolgs manchmal noch anhören muss.

Sie waren im sechsten Monat schwanger als sie 2021, nach zwei Jahren im Unternehmen die Stelle als CEO von lalalab antraten. Eine ungewöhnlicher Karriereschritt vor allem in dieser Lebensphase. Wie kam es dazu?

Quériault: Die Aktionäre hatten im Vorfeld schon darüber nachgedacht, dass ich zeitnah über Familienplanung nachdenken würde. Sie waren mir gegenüber transparent, und als ich ihnen mitteilte, dass ich schwanger bin, war ihre Reaktion sehr positiv, was mich darin bestärkt hat, die Position anzunehmen.“

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise verändert oder sogar verbessert seit sie Mutter sind? Haben Sie aus der neuen Aufgabe etwas für Ihr Arbeitsleben gelernt?

Quériault: „Ich musste hart an meiner persönlichen Organisation arbeiten. Da ich eine Nachteule bin, war ich es gewohnt, spät zu arbeiten, wenn es nötig war. Nachts ist es so ruhig, es gibt keine Besprechungen, keine E-Mails, ich konnte mich konzentrieren. Ich konnte zum Beispiel abends mit Freunden ins Restaurant gehen, nach Hause kommen und dann noch arbeiten. Aber das geht heute nicht mehr. Ich schaffe es gerade noch, nicht einzuschlafen, wenn ich mit meinem Mann einen Film schaue.

Ich musste also lernen, weniger Stunden zu arbeiten, dafür aber effizienter, und mich auf die wichtigsten Dinge zu konzentrieren – was für jeden CEO, ob Mutter oder nicht, von entscheidender Bedeutung ist. Es ist leicht bei der Menge an Themen und Terminen, die im Unternehmen anstehen unterzugehen. Daher ist mein Tipp: Setzen Sie Ihre Arbeitskraft für das ein, wodurch Sie den größten Nutzen für Ihr Unternehmen erzielen können.

Außerdem habe ich gelernt, meinem Team noch mehr zu vertrauen – es hat während meines Mutterschutzes und meiner Elternzeit eine harte Zeit durchgemacht, da ich während dieser vier Monate nicht ersetzt wurde. Ich habe immer ein Auge auf unser Geschäft geworfen, aber sie haben während meiner Auszeit alles alleine zusammengehalten.

Eigentlich war das auch eine Voraussetzung dafür, dass ich den CEO-Job annahm: Ich wusste, dass ich ein starkes Team um mich herum hatte, und dass sie es schaffen würden. Sie haben mich nicht enttäuscht. Was ich gelernt habe? Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mitarbeiterin – wenn eine Firma also Müttern hilft, im Leben als Mutter glücklich zu sein, hilft das auch dem Unternehmen. Mit dem Glück kommt die Leistung.“

Beschreiben Sie bitte die seltsamste Reaktion, als die Leute merkten, dass Sie, die junge, schwangere Frau, nun der Boss sind?

Quériault: Als ich ankündigte, dass ich jetzt CEO bin, fragten einige: „CEO, schön! Und wer ist dein Chef?“ Dabei war ich ja ab sofort der Chef. Das habe ich gleich ein paar mal erlebt und das war schon ziemlich seltsam. Aber die häufigsten Reaktionen waren sowohl Überraschung als auch echte Unterstützung.

Ich war überrascht, dass ich als schwangere Frau diese Chance bekommen habe. Ich schätze, das ist immer noch selten, leider. Die Unterstützung aus dem Umfeld war wichtig und sehr hilfreich: Wenn die Menschen um einen herum einem zutrauen, dass man es schaffen kann, fällt es einem leichter, sich der Herausforderung zu stellen.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass es in Zukunft häufiger vorkommen wird, schwanger zu sein und gleichzeitig in eine Führungsposition aufzusteigen?

Quériault: Ich bin ein optimistischer Mensch – und das ist sogar einer der Unternehmenswerte von lalalab: „Handle wie ein Optimist“, denn ich glaube fest daran, dass Menschen, die das Glas halb voll statt halb leer sehen, mehr positive Dinge erleben.

Ich denke also, dass es immer häufiger der Fall sein wird, das Frauen so eine Chance wie ich bekommen, aber es wird Zeit brauchen. Es bewegt sich schon etwas. Bei mir selbst läuft es wirklich gut, also beweist es, dass es möglich ist!

Mehr positive Beispiele werden dazu beitragen, die Denkweise zu ändern. Ich glaube auch, dass sich die Art und Weise, wie Unternehmen mit Menschen umgehen, weiterentwickelt: Es wird schwieriger, bestimmte Profile zu rekrutieren, und die Unternehmen schätzen die Menschen und das, was sie in das Unternehmen einbringen mittlerweile mehr als ihren Abschluss oder den Namen ihres vorherigen Arbeitgebers.

So erkennen Firmen, dass es in der Regel eine bessere und auch langfristig sinnvolle Entscheidung ist, ein paar Monate Elternzeit zu akzeptieren, um einen großartigen Mitarbeiter zu behalten und dann in eine strategische Position zu befördern, anstatt das Risiko einzugehen, jemanden neu einzustellen.


Über lalalab

lalalab ist eine App, die es ermöglicht es spielend leicht hochwertige Fotoalben, Kalender und Foto-Boxen via Smartphone zu drucken. Der Pionier für mobilen Fotodruck ist in über 70 Ländern und fünf Sprachen verfügbar mit mehr als 13 Millionen Downloads weltweit.

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