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Netzwerk der Woche: Women in Tech e.V.

SHEconomy – die neuen Seiten der Wirtschaft – versteht sich als Plattform der Frauen-Netzwerke in Deutschland und in Österreich. Jede Woche stellen wir eines der zahlreichen Netzwerke aus den verschiedensten Segmenten der Wirtschaft vor. Diese Woche haben wir Janine Mayer, Vorstand von Women in Tech e.V., über ihre Meinung befragt.

Was ist der „gemeinsame Nenner“ der Frauen, die sich in Ihrem Netzwerk zusammengefunden haben?

Unsere Vision ist, so viele Frauen in der Technik und IT zusammenzubringen, wie es nur möglich ist. Wenn es uns gelingt, die Brücke ins digitale Zeitalter zu schlagen, samt den Fähigkeiten, die es dabei braucht, um diese zu gestalten, dann stehen uns alle Wege offen, diesen Planeten zu einem nachhaltigeren und besseren Ort zu machen. Konkret sind wir Programmiererinnen, Ingenieurinnen, IT-lerinnen, Data Scientists, Technikerinnen, Beraterinnen, und Frauen aus vielen anderen Berufen. Eines verbindet uns: das Interesse an technischen Zusammenhängen und der Wunsch diese Welt zu gestalten.

Wann wurde Ihr Netzwerk ins Leben gerufen – und wie viele Frauen haben sich in dem Netzwerk organisiert?

Unser Verein wurde im August 2019 offiziell gegründet. Doch schon zuvor hatte sich in einer schnell wachsenden Facebook-Gruppe gezeigt, dass wir den Nerv der Zeit getroffen hatten und dass ein großer Bedarf an einem Netzwerk besteht, das sich gezielt an Frauen in der Technikbranche richtet – nicht nur IT, Künstliche Intelligenz oder andere Einzelthemen, sondern allgemein, branchenübergreifend und in unserem Fall mit der Zielsetzung im DACH-Raum aktiv zu werden.

Wie läuft der Austausch innerhalb Ihrer Community ab? Wie oft treffen Sie sich?

Wir sind eine aktive digitale Community, die im regelmäßigen Austausch miteinander steht und sich besonders durch eine Hands-On Mentalität auszeichnet. Jedes Mitglied kann im Rahmen von Projektgruppen die Ziele unseres Vereins voranbringen und sich vielfältig engagieren. Hierdurch fördert Women in Tech e.V. den persönlichen Erfahrungsaustausch und die nachhaltige Stärkung von Frauen in Tech. Alle zwei bis drei Monate gibt es außerdem Kennenlernen-Treffen mit unserer WiT Lounge – ebenfalls digital.

Wie informieren Sie sich gegenseitig?

Unser Hauptkommunikationskanal für die Mitglieder ist der webbasierte Messaging-Dienst Slack, der für unseren stetigen Austausch schneller, besser organisiert und sicherer ist, als ständiger E-Mail-Verkehr. Auch in der LinkedIn und Facebook Gruppe werden aktuelle Informationen geteilt.

Was uns sonst noch interessiert….

  • Netzwerk oder auch Interessen-Vertretung – wie treten Sie nach außen auf?

Wir sind ein gemeinnütziger Verein und somit sowohl Netzwerk als auch Interessen-Vertretung. Uns ist es wichtig, Frauen darin zu bestärken, ihren Weg zu gehen und wenn wir im gleichen Zug die Hürden beiseiteschaffen können, die sie davon abhalten, umso besser. Gleichberechtigung hat immer auch eine sozialpolitische Komponente und uns geht es darum, alte Denkmuster aufzubrechen, Klischees und Vorurteile zu beseitigen und uns für mehr Gerechtigkeit einzusetzen.

  • Wie steht es um den „Nachwuchs“ – schwer zu motivieren oder begeistert von der Idee eines Netzwerkes?

Die meisten neuen Mitglieder werden schnell von unserer dynamischen Community, dessen Netzwerk und den Erfahrungsaustausch begeistert. Die Benefits, die eine Mitgliedschaft bei uns bedeutet, können schnell umgesetzt und angewendet werden. Unsere Mitglieder sind sowohl Studierende als auch gestandene Women in Tech und wir leben von dieser Vielfalt.

  • Gemeinsam sind wir stark – was treibt Sie an? 

Es ist zu beobachten, dass alte Rollenklischees immer noch aktuell sind. Sozialer Applaus geht selten an Frauen, die zum Thema Karriere, Frauen in MINT-Berufen oder Female Leadership schreiben. Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder, die zeigen, dass die Tech-Branchen unser „place to be“ sind. Frauen repräsentieren 50% der Bevölkerung. Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft. Ein Wandel, der für uns ohne Frauen undenkbar ist! Es gibt nichts Spannenderes, als Teil dieser Bewegung zu sein und die Welt am Puls der Zeit zu verändern. Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder, die das vermitteln und Anreiz für andere Frauen und Mädchen schaffen, den Schritt in Tech zu gehen!

  • Auf den Punkt gebracht – welche drei Eigenschaften zeichnet Ihr Netzwerk aus?

Authentizität – Kollektivität – Erfahrungsschatz

Und Ihre Meinung zu/Fragen….

  • Welches Klischee rund um Frauen im Wirtschaftsleben können Sie nicht mehr hören?

“Frauen können nicht …” – Es gibt nichts, was Frauen nicht mindestens genauso gut können wie Männer.

  • Was wären Ihrer Meinung nach den nächsten wichtigen Schritten in Richtung Gender Equality?

Hierfür ist ein gesamtgesellschaftlicher Wandel die Grundvoraussetzung, um auf allen Ebenen diverser zu werden sowie faire und gerechte Bedingungen zu schaffen. Hierbei ist es ebenso wichtig die Männer einzubeziehen, um langfristig die Gender Pay Gap zu schließen.

  • Wichtiger denn je – oder auf Dauer verzichtbar: wie bewerten Sie die Rolle von Frauen-Netzwerken in der Zukunft

Wir müssen sicherstellen, dass Bildungsoptionen die folgenden Generationen vollumfänglich erreichen. Es ist häufig festzustellen, dass Kinder von heute von Berufen von gestern träumen. Warum? Weil es ihnen die Gesellschaft vorlebt. Es ist unser Job und vor allem unsere Vision, aufzuzeigen, dass es genauso cool ist, Programmierer*in, wie Feuerwehmann*frau oder Ärztin zu werden. Und aus diesem Grund stufen wir Netzwerke, wie Women in Tech e.V. es ist, als unverzichtbar ein. Tech ist cool und mit dieser Einstellung werden wir Mädchen und Jungs gleichermaßen für MINT begeistern!

  • Last but not least – ein Wort zur Quote???

Was fehlt sind flexible Arbeitszeiten, höhere Gehälter für Frauen und ein familienfreundliches Berufsumfeld. Andernfalls würden wahrscheinlich viele Frauen das Projekt “Chefetage” energischer angehen. Wo Erfolg an ein möglichst hohes Quantum von Anwesenheit im Büro gekoppelt ist, verschenkt ein Unternehmen die Chance, Menschen einzubinden, die mehr vom Leben wollen. Denn Frauen bringen andere Qualitäten in einen Beruf ein als Männer. Sie haben das bessere Gespür für Stimmungen, für Zwischenmenschliches, sie sind diplomatischer und anpassungsfähiger – auch disziplinierter – und haben meist ein super Organisationstalent. All das sind Gründe, weshalb zahlreiche Frauen um uns herum bereits Führungskräfte und Managerinnen geworden sind. Niemand sollte den Männern die Chance lassen, diese Frauen als Quotenfrauen zu belächeln.

Letztlich sollten die Qualifikation und die Eignung für eine bestimmte Tätigkeit darüber entscheiden, wer die Position erhält und nicht das Geschlecht.

Denn allein weibliche Chefs werden das Problem sicher nicht lösen. Jedenfalls nicht, wenn sie sich den alten Strukturen anpassen, auf Kinder verzichten oder deren Erziehung anderen überlassen. Langfristig gibt es nur einen Ausweg: Eltern in der Chefetage. Nur Führungskräfte – Frauen wie Männer – die selbst arbeiten und erziehen, werden neue Modelle nicht nur entwerfen, sondern auch umsetzen.

Und – abschließend: welches weitere Frauen-Netzwerk verdient Ihrer Meinung nach besonderer Beachtung und sollte von SHEconomy unbedingt vorgestellt werden?

Female Tech Leaders (https://www.femaletechleaders.org)


Zum Blog von Women in Tech e.V. geht’s hier.

 

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