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Netzwerk der Woche: Vereinigung Deutscher Pilotinnen

Unser Netzwerk der Woche ist dieses Mal die Vereinigung Deutscher Pilotinnen. Heike Käferle, die Präsidentin der Vereinigung, spricht im Interview mit SHEconomy über die schwer von der Pandemie gebeutelte Luftfahrtbranche.

Die Luftfahrtbranche war und ist von der Pandemie nach wie vor härter getroffen als viele andere Industriezweige – und das rund um den Globus. Und selbst ausgewiesene Optimisten aus der Branche zweifeln, ob die Luftfahrt auf absehbare Zeit wieder den Höhenflug erleben wird, der in dieser Industrie bis 2019 quasi Normalität war.

Frau Käferle – wie fühlt es sich an Präsidentin einer Vereinigung zu sein, deren Mitglieder derzeit die schwerste Krise seit Jahrzehnten durchleben?

Heike Käferle | © Heike Käferle

Die Vereinigung Deutscher Pilotinnen setzt sich aus mehreren Sparten zusammen. Finanziell am stärksten betroffen sind in erster Linie Berufspilotinnen. Aber auch die Privatpilotinnen sind teilweise in der Luftfahrt tätig und leiden ebenfalls unter Kurzarbeit oder Entlassungen. Hier kann unser Netzwerk unterstützen und Kontakte zu anderen Arbeitgebern vermitteln oder durch die Gemeinschaft psychologische Unterstützung geben.

Die Privatpilotinnen, die nicht in der Luftfahrt tätig sind, haben andere Sorgen. So fallen zum Beispiel bei den Segelfliegerinnen die Wettbewerbe aus. Auch ist es schwierig, die nötigen Flugstunden zu erreichen, wenn Plätze geschlossen sind oder Vereine zunächst schließen mussten.

Ihr persönlicher Eindruck: müssen weibliche Piloten in dieser Krise eher um ihren Job fürchten als männliche Kollegen?

Das ist wahrscheinlich so wie überall im Berufsleben: auf dem Papier sind alle gleich, in der Realität kommt es auf die Vorgesetzen an. Die Gefahr besteht aber, dass Frauen im Job zurücktreten, da die Corona-Belastungen insgesamt zu hoch wurden. Wir unterstützen, wo es geht, um die Frauen in der Luft zu halten.

Wann wurde Ihr Netzwerk ins Leben gerufen – und wie viele Frauen haben sich in dem Netzwerk organisiert?

Die VDP wurde 1968 gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören so berühmte Namen wie Elly Beinhorn und Hanna Reitsch. Zu unserem 50-jährigen Jubiläum haben wir ein Buch herausgegeben, das zum einen die Geschichte und die Aktivitäten der Vereinigung beschreibt, aber auch viele Pilotinnen mit ihren eigenen Geschichten zu Wort kommen lässt. Mit diesem Buch „Lust auf Fliegen“ möchten wir Frauen das Fliegen und unsere Gemeinschaft näherbringen. Aktuell haben wir knapp 300 Mitglieder mit steigender Tendenz.

Wie informieren Sie sich gegenseitig innerhalb Ihrer Community?

Wenn wir uns nicht bei einem Fly-in treffen, kommunizieren wir über E-Mail und WhatsApp, Online-Sessions und neuerdings auch über Wonder.me. Insbesondere die WhatsApp-Gruppe bietet die Möglichkeit, sich schnell über aktuelle Themen zu informieren oder sich auf einem Flugplatz zu verabreden.

Wie generieren Sie weitere Frauen für Ihr Netzwerk?

Die Internetpräsenz in Form unserer Homepage ist sehr wichtig. Wir sind aber auch auf Facebook und Instagram unterwegs. Neue Kontakte generieren wir häufig auch durch Mund zu Mund Propaganda unserer Mitglieder, aber auch durch Verteilen unseres Magazins, Präsenz auf der AERO, Berichte über uns in Presse, Rundfunk und TV, neuerdings auch durch Kleinanzeigen.

Wie organisieren Sie die Arbeit im Netzwerk?

Im Präsidium sind wir neun Pilotinnen der verschiedenen Sparten und zudem in Deutschland verteilt. Für Spezialaufgaben z. B. der Organisation unserer Jahreshauptversammlung finden sich glücklicherweise immer wieder Freiwillige. Das Miteinander funktioniert!

Wie steht es um den „Nachwuchs“ – schwer zu motivieren oder begeistert von der Idee eines Netzwerkes?

Das typische Eintrittsalter liegt zwischen 40 und 55. In letzter Zeit kommen aber auch wieder die Jüngeren zwischen 20 und 30 vermehrt zu uns.

Gemeinsam sind wir stark – was treibt Sie an?

Die Lust am Fliegen und wie überall in den Männerdomänen: die Stärkung der der Frauen.

Auf den Punkt gebracht – welche Eigenschaft zeichnet Ihr Netzwerk aus?

Gemeinschaftsgeist und die Lust am Fliegen.

Wichtiger denn je – oder auf Dauer verzichtbar: wie bewerten Sie die Rolle von Frauen-Netzwerken in der Zukunft?

Leider immer noch notwendig! Insbesondere so lange das „Old Boys‘ Network“ noch so gut funktioniert.

Und – abschließend: welches weitere Frauen-Netzwerk verdient Ihrer Meinung nach besondere Beachtung und sollte von SHEconomy unbedingt vorgestellt werden?

VdU Verband deutscher Unternehmerinnen.


Mehr über die Vereinigung Deutscher Pilotinnen erfahren Sie hier

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