StartBusinessSuccess"Mein Ziel mit dem Wu-Tang Clan war immer World Domination"

„Mein Ziel mit dem Wu-Tang Clan war immer World Domination“

Eva Ries war Managerin einer der erfolgreichsten Hip-Hop Gruppen aller Zeiten. Bereits früh in Ihrer Karriere fand sie durch mutige Schritte den Weg in die USA und bekam bald die anspruchsvolle Aufgabe den Wu-Tang Clan zu einer internationalen Marke aufzubauen. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen und ihr am 17. März erscheinendes Buch „Eva Ries Wu-Tang is forever“.

Wie sind Sie zu ihrem ersten Praktikum im Musikbusiness gekommen?

Das erste Praktikum habe ich über die Carl-Duisberg-Gesellschaft bekommen. Durch eine Bewerbung konnte ich an dem Programm teilnehmen, erfahren habe dadurch von einem Aushang. Damals haben wir noch gar keine Mails geschrieben. Über das Programm hab ich es dann in die USA geschafft.

Ihr erstes Praktikum in den USA verlief jedoch alles andere als günstig. Sie hatte eine sehr unfreundliche Chefin und wurden eigentlich grundlos gekündigt. Wie haben Sie dann weitergemacht?

Hat angefangen wie in einem schlechten Film. Ich wurde als unbezahlte Praktikantin gefeuert und dann von zwei bulligen Securities aus dem Gebäude befördert. Daraufhin hat mich der Mut der Verzweiflung gepackt. Ich hatte die Alternative nichts zu haben und mein Visum zu verlieren oder auf die Schnelle etwas zu finden und in den USA bleiben zu können. Misserfolg war keine Option. Also ging ich raus und holte mir über direkte Gespräche bei einer Musikmesse meinen nächsten Job.

Angefangen haben Sie ja im Rock- und Metalbereich, wo sehen Sie da die größten Unterschiede zu einer Rap-Band wie dem Wu-Tang Clan?

Eigentlich ziemlich wenig Unterschied. Dadurch war ich mit Nirvana auch ganz gut vorbereitet. Der größte Unterschied für mich lag aber vor allem in der Unprofessionalität des Umfelds der Rapper. Menschen wie Curt Cobain sind auf ihre eigene Art auch unprofessionell, aber sie haben wenigstens ein erfahrenes Management um sich herum. Bei fast allen Hip-Hop Künstler*innen, die ich hatte, bestand das Umfeld aus Familienmitgliedern, Freunden. Im Prinzip alles Ja-Sager*innen, die den Künstler*innen nicht weiterhelfen können. Oft geht es ihnen auch nur darum, von Künstler*innen zu profitieren. Der große Unterschied bei mir war, dass ich finanziell nicht von der Band abhängig war, sondern von dem Plattenlabel bezahlt wurde. Darum war es für mich auch immer leichter, meine tatsächliche Meinung zu sagen.

Wie haben Sie es geschafft, dass der Wu-Tang Clan Ihnen vertraute und auf Ihre Ratschläge hörte?

Ich habe von Anfang an klargemacht, dass ich nur meinen Job mache und das bedeutete, die Band international zu vermarkten. Es ging darum, die Band zu einer Marke zu machen. Mein Ziel mit dem Wu-Tang Clan war immer World Domination. Ich blieb, was mein Wissen über Hip-Hop betraf, auch bescheiden und habe der Band gesagt, dass ich hier noch Aufholbedarf habe und mir hier noch Wissen aneignen muss. Der Clan war zu der Zeit im Prinzip eine Streetgang und gerade Menschen aus diesem Umfeld durchschauen sofort, wenn sich jemand größer verkauft als es in der Realität ist. Es war auch wichtig, der Band gleich klarzumachen, wo bei mir die Grenze ist. Schließlich hatte ich es hier mit vielen Egos zu tun und ähnlich wie in einer Schulklasse wollten alle auf ihre eigene Art testen, wie weit sie gehen können. Ich habe versucht alle Bandmitglieder möglichst neutral zu behandeln, um auch nie das Gefühl zu vermitteln jemanden zu bevorzugen.

Wie ging es Ihnen auf der Corporate Seite? Was wurde Ihnen damals als Frau zugetraut?

Da hab ich mir überhaupt nicht schwergetan. Vielleicht hatte ich auch Glück. Mein Chef bei meiner ersten Firma RCA Records war ein eher zartbesaiteter Typ, daher hatte ich auch viel Raum um mich zu entfalten. Er hat sich sehr schwergetan dem Clan Paroli zu bieten und sich teilweise sogar im Büro eingeschlossen, wenn sie bei uns zu Besuch waren. Er hat mir auch viel zugetraut, mich einfach machen lassen. Durch den guten Job mit dem Clan wurde mir intern sogar ein gewisser Held*innen-Status zuteil. Nachdem ich damals durch Umstrukturierungen den Job verloren habe, wurde ich von Steve Rifkind von Loud Records direkt angestellt. Er hat mir sowieso alles zugetraut, weil er mich aufgrund meiner bisherigen Arbeit mit dem Clan angeworben hat.

Wie lange lief die Zusammenarbeit mit dem Wu-Tang Clan und was passierte danach?

Mit RZA arbeite ich beispielsweise immer noch. Wir machen jetzt eine internationale Hip-Hop-Doku für Showtime, für die ich fast alle Folgen geschrieben haben. Kürzlich haben wir auch eine Werbekooperation mit Ballantine’s Whiskey. Mit den Anderen hat es sich im Laufe des Jahres verändert, als ich dann nicht mehr an den Alben gearbeitet habe. Der Übergang verlief eher fließend, weil ich damals auch trotzdem noch Touren gebucht habe.

Sie sind ja Mannheimerin und Xavier Naidoo auch. Hatten Sie etwas mit der Kollaboration zwischen ihm und RZA zu tun?

Genau, das habe ich damals vermittelt und ich bin froh, dass es so gut funktioniert hat. Wobei es etwas gedauert hatte, bis wir einen richtigen Radiosong hatten. Da bin ich damals sogar zu RZA gegangen und hab ihm gesagt, wir müssen nochmal nach Deutschland fliegen. In Mannheim hatten wir dann nur noch drei Tage bis zur Deadline und sie hatten mir wieder keinen Radiosong geliefert. Danach bin ich zu ihnen ins Studio und hab nachdrücklich diesen Song von ihnen eingefordert. In den letzten Stunden kam dann tatsächlich noch der Song „Ich kenne nichts“ von ihnen.

Mittlerweile wohnen Sie schon wieder fest in Deutschland. Wie kam Sie zur Idee, Ihre Erfahrung mit dem Clan auf Papier zu bringen?

Die Idee war schon lange da, immer wieder kamen Freund*innen und Kolleg*innen auf mich zu, weil sie meine Geschichten über den Clan so spannend fanden. Als ich selbst auch von dieser Idee überzeugt war, bin ich es von Anfang an strategisch angegangen und habe mich dazu mit einem Agenten zusammengetan. Ich habe eine Synopsis geschrieben, er hat mir dann geholfen eine Journalistin zu finden, Anette Utermark, die dann wirklich die gesamte Story niedergeschrieben hat. Gemeinsam haben wir uns das Ziel gesetzt, das Buch in 7 Monaten fertigzustellen. Dabei sind wir sehr diszipliniert vorgegangen und haben uns regelmäßig zu bestimmten Zeiten getroffen. Ich kann nur allen raten bei solchen Projekten nicht alles in die eigene Hand zu nehmen, um Geld zu sparen, denn alleine hätte ich auch beispielsweise den Verlag nicht gefunden. Lieber mit Menschen zusammenarbeiten, die Kontakte in der Branche haben.

Welchen Ratschlag würden Sie an nachrückende Frauen geben, die im Musikbusiness Fuß fassen wollen?

Das Business hat sich sehr verändert, aber ich glaube, der persönliche Kontakt ist noch immer sehr wichtig. Vieles kann über Zoom-Calls oder Telefonate gar nicht vermittelt werden. Wichtig ist es auch sich zuzutrauen große Aufgaben lösen zu können. Oft sind Männer lauter, wenn es um ihre Arbeit geht. Frauen benötigen das Selbstvertrauen, auch wenn sie sich nicht so sicher fühlen, weil es oft genau diesen Mut braucht, um den ersten Schritt in eine Branche zu machen. In meinem Buch kommt in einem Kapitel mein erstes Bewerbungsgespräch bei Geffen Records mit Mel Posner vor. Damals fragte er mich, ob ich einen Marketingplan schreiben könnte und ich wusste eigentlich gar nicht so recht wie das geht. Trotzdem habe ich mit breiter Brust ja gesagt. Hätte ich gezögert, wäre ich wohl nicht in meinem Job gelandet.


Mehr Geschichten über Eva Ries und den Wu-Tang Clan finden Sie in ihrem am 17. März erscheinenden Buch.

Eva Ries Wu-Tang is forever – Im engsten Kreis der größten Band der Welt

Benevento Verlag

ISBN: 978-3-7109-0146-1 28,00 EUR | 38,90 CHF (UVP)

Zur Person

Eva Ries ist Geschäftsführerin der RZA Productions Europe sowie Counselor und Hochschuldozentin der Psychologie. Zuvor war sie viele Jahre im Marketing großer Musikkonzerne tätig, u. a. für das legendäre Hip-Hop-Label Loud Records in New York. Heute lebt sie nach über 25 Jahren in den USA wieder mit ihrer Familie in Mannheim.

Fotomaterial© Ivo Klujce
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