StartBusinessMehr Frauen in deutschen Chefetagen: Quote zeigt Wirkung

Mehr Frauen in deutschen Chefetagen: Quote zeigt Wirkung

Noch nie waren so viele Frauen in Führungspositionen der deutschen Privatwirtschaft vertreten. Gesetzliche Quoten für Aufsichtsräte und Vorstände haben erheblichen Druck auf Unternehmen ausgeübt, der zu signifikanten Fortschritten geführt hat. Trotzdem ist der Weg zur Parität noch weit.

Neun Jahre nach Einführung des Gesetzes zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen (FüPoG) und zwei Jahre nach Inkrafttreten des Mindestbeteiligungsgebots für Vorstände zeigt die aktuelle Women-on-Board-Index-Studie 2024: Die gesetzlichen Vorgaben haben in Deutschland zu einem historischen Höchststand des Frauenanteils in Führungspositionen geführt.

Historischer Höchststand, aber noch keine Parität

Die von FidAR durgeführte Studie untersuchte 180 Unternehmen, darunter 160 aus DAX, MDAX und SDAX sowie 20 paritätisch mitbestimmte, im regulierten Markt notierte Unternehmen. Der durchschnittliche Frauenanteil in den Aufsichtsräten deutscher Konzerne liegt bei 37,3 Prozent. Die Unternehmen, die der Aufsichtsratsquote unterliegen, nähern sich dementsprechend der 40-Prozent-Marke, was der neuen EU-Richtlinie entspricht. 75 der 180 untersuchten Unternehmen erreichen bereits 40 Prozent.

Der Blick auf die Vorstände zeigt eine weniger erfreuliche Realität. Hier liegt der Frauenanteil bei lediglich 19,3 Prozent, trotz einer positiven Entwicklung gegenüber den Vorjahren. Drei Unternehmen – Koenig & Bauer, Südzucker und Wüstenrot & Württembergische – haben nach wie vor keine Frau im Vorstand und erfüllen die gesetzlichen Vorgaben somit nicht.

Gesetzlicher Druck zeigt Wirkung

Seit 2016 gibt es in Deutschland eine gesetzlich festgelegte Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten, davon sind 104 der betrachteten Unternehmen betroffen. Für Vorstände mit mehr als drei Mitgliedern gilt seit 2022, dass mindestens eine Frau und ein Mann vertreten sein müssen. Allerdings sieht das Gesetz dies aktuell nur für börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten vor, was auf 65 der 180 untersuchten Konzerne zutrifft.

Die Studienergebnisse zeigen, dass der gesetzliche Druck maßgeblich zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen beigetragen hat. Seit der Einführung des Mindestbeteiligungsgebots ist der durchschnittliche Frauenanteil in den Vorständen um 4,6 Prozentpunkte auf nahezu 20 Prozent gestiegen. Im Gegensatz dazu stagniert der Anteil bei den 76 Unternehmen, die nicht der Quotenregelung unterliegen, bei 14,9 Prozent. Unternehmen, die der festen Quote von 30 Prozent Frauen im Aufsichtsrat unterliegen, erreichen diese Vorgabe in der Regel und übertreffen sie häufig sogar.

65 Unternehmen planen mit Zielgröße „Null“ bei Frauenanteil im Vorstand

Trotz des Fortschritts gibt es nach wie vor Unternehmen, die mit der Zielgröße Null für den Frauenanteil im Vorstand planen. 65 der betrachteten Vorstände hatten keine einzige Frau. Ihre Begründungen für die Verweigerungshaltung werden von FidAR als wenig überzeugend bewertet. Zielgrößen sollten gerade von Unternehmen, die nicht unter die festen Quotenregelungen fallen, als strategische Chance verstanden und genutzt werden, um den Frauenanteil in Führungspositionen gezielt zu erhöhen.

Der Weg zur vollständigen Parität ist zwar noch weit, doch die erzielten Fortschritte sind ermutigend. FidAR plädiert daher dafür, den gesetzlichen Rahmen auszuweiten und die Geschlechterquote sowie das Mindestbeteiligungsgebot auf mehr Unternehmen anzuwenden. Zudem sollten Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben konsequent und transparent sanktioniert werden.

Fotomaterial(c) Canva

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