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Mann versus Frau: Die Auflösung

DUAL CAREER: Im dritten Teil unserer Trilogie von Diversity-Expertin Katrin Kärner zeigen wir ein Paar, welches Karriere und Care Arbeit gemeinsam unter einen Hut bekommt – ein WIN WIN für beide.

ER: Diplomkaufmann, 42 Jahre, 2 Kinder (4 und 7), 90% Job, ca. 36 Stunden/Woche:

“Zum Glück kann ich mich bei meinem anspruchsvollen Job einbringen und bin trotzdem als Vater für meine Kinder da! Unsere Kinder sind gut betreut – im Hort und abwechselnd durch mich und meine Frau.
Alle Männer in meinem Umfeld legen mittlerweile großen Wert auf eine gesunde Balance zwischen Beruf und Familienleben. Wenn ich an den Stress anfangs dachte, als man sich nicht mal trauen konnte, nach einer leicht reduzierten Arbeitszeit zu fragen… als ob alles wie immer weitergeht, wenn man Vater wird! Mein ganzes Leben hat sich komplett verändert und im Job wird so getan als sei nichts passiert? Komisch, wie lange wir Männer das alles mitgemacht haben bevor uns ein Licht aufgegangen ist – sind ja schließlich auch unsere Kinder!
Ich arbeite mittlerweile montags bis mittwochs 8 Stunden, donnerstags und freitags 6 Stunden.
So kann ich an den beiden Tagen die Kids abholen und wenn wir zusammen auf den Spielplatz gehen, sind da jetzt auch Männer – wir hatten schon lustige Gespräche! 5 Tage die Woche à 10 Stunden Hort – das ist too much. Dafür habe ich keine Kinder in die Welt gesetzt.
Da meine Frau auch 80% arbeitet, haben wir genug Geld. Zusätzlich habe ich mit meinem Arbeitgeber ausgehandelt, dass ich 10 extra freie Tage habe –
hier rechnen wir einfach den Bonus in Freizeit um.
So können wir auch gemeinsam die Ferienzeiten besser stemmen. Ehrlich gesagt bin ich auch ein wenig erleichtert, dass ich die Last des Hauptver- dieners ablegen konnte.
Meine Frau verstehe ich jetzt doch um einiges besser als früher. Ich weiß jetzt, dass der Job zuhause
sehr viel Arbeit bedeutet – unbezahlt und nicht weniger anstrengend als im Büro! Mittlerweile habe ich sogar begonnen unsere Sozialkontakte zu pflegen.
Klar, die Kinder werden immer noch krank, aber
dank Homeoffice klappt das gut. Generell kann ich sagen, dass ich meine Arbeit in der reduzierten Zeit gut schaffe – durch vertrauensvolle Delegation und Empowerment meines Teams – ich denke, die sind darüber sogar froh und ich bin den jüngeren Männern ein Vorbild.
Natürlich fällt der eine oder andere Plausch weg, aber das ist nicht weiter schlimm. Dafür habe ich so viel gewonnen. Ich freue mich für meine Frau, dass sie nun endlich entsprechend ihres Plans auch Karriere und Kinder vereinbaren kann! Schließlich haben wir uns im Studium kennengelernt.
Unser Führungsteam ist bunter geworden – wir sind nun bei fast 50% Frauen im Management – wow – das macht wirklich einen Unterschied. Ich kann sagen, die reinen Männerteams haben ausgedient.
Ich fühle mich ausgeglichen und viel weniger gestresst als früher, weil mein Arbeitgeber mich und meine Bedürfnisse ernst nimmt und mir das ermöglicht hat, mir vertraut hat. Meine Frau und ich – wir ziehen als Dual Career Couple an einem Strang!”

SIE: Diplomkauffrau, 40 Jahre, 2 Kinder (4 und 7), 80% Job, 32 Stunden/Woche:

“Ich liebe es, in beiden Welten zuhause zu sein – im Job und bei meiner Familie!
Über einen Personalberater, der mich und mein Unternehmen tatsächlich „beraten“ hat, habe ich eine Stelle im Management auf Basis von 80% gefunden. Er hat dem einstellenden Unternehmen einfach signalisiert, dass der Markt das einfordert… und ich habe den Zuschlag bekommen. Er hat mich sogar gefragt, wie er mir dabei helfen kann, Beruf und Familie zu vereinbaren – das nenne ich mal Kandidatenorientierung! Win/Win! Zum Glück konnte auch mein Mann reduzieren, so dass wir zusammen genügend Zeit haben für unsere Kinder da zu sein. Und durch Homeoffice wird alles noch deutlich leichter.
Ich arbeite montags und dienstags jeweils 5 Stunden, mittwochs und donnerstags 8 und am Freitag 6 Stunden. So können die Kinder unter der Woche ab 14:00 Uhr zuhause sein und am Freitag haben wir den großen Luxus, als Familie ab 14:00 Uhr gemeinsam ins Wochenende zu starten. Und keiner kommt zu kurz. Wenn es der Beruf erfordert, sind mein Mann und ich natürlich flexibel. Aber meist kommen wir mit diesem Modell super gut klar – und ich habe null Problem damit, mich abends nochmal an den Computer zu setzen!
In meinem Team im Job sind mittlerweile zwei Väter auf 80% Basis, die meine vollste Unterstützung haben! Wenn heute ein Mann Vater wird, wird das genauso geplant und besprochen, wie bei Schwangerschaften einer Mitarbeiterin. Mittlerweile teilen sich viele Paare sogar die Elternzeit 50/50 auf. Und auch andere private Belange (z.B. Pflege) finden heute bzgl. Vereinbarkeit ein offenes Ohr – nur Eltern zu unterstützen wäre auch nicht fair und würde von den anderen nicht mitgetragen.
Mein Mann und ich, wir tragen beide gleichermaßen zum Familieneinkommen bei und es gibt keine Rechtfertigungsdebatten mehr mit den Schwiegereltern oder Freundinnen.
Mein Mann übernimmt inzwischen oft das Kochen und Einkaufen – wie schön es sein kann, mit gutem Gewissen dem Job nachzugehen. Und selbst die Kids sind flexibler geworden: früher hat sich meine Kleine nur von mir ins Bett bringen lassen – jetzt ruft sie nach meinem Mann. Es tut wirklich gut auch abzugeben. Ich habe zwischenzeitlich sogar akzeptiert, dass es unterschiedliche Arten gibt, Wäsche zu falten 😉
Ich fühle mich so gut bei diesem Modell, dass ich das Gefühl habe, in beiden Lebensbereichen über mich hinauszuwachsen. Klar – es gibt auch noch stressige Tage, aber die sind mittlerweile eher die Ausnahme als die Regel.
Übrigens: im Management Team sind mittlerweile viele Frauen und Führung ist deutlich weiblicher geworden. Da kann „Frau“ auch „Frau“ bleiben. Kein Platz mehr für die blöden Sprüche von früher. Unsere Kinder sind happy und wir freuen uns, den beiden ein gutes Vorbild in Bezug auf eine gut funktionierende Familie zu sein! Übrigens – Mittwochs ist mein Sportabend! Was ich mir wünsche: dass es genauso bleibt, wie es ist!”

Zur Autorin:

Katrin Kärner ist eine HR Expertin mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in Personalleitungspositionen im internationalen Umfeld. Als alleinerziehende Mutter im Management hat sie in dieser Zeit viele Erkenntnisse gewonnen, an welchen Stellschrauben gedreht werden müsste, um mehr gender diversity im Management zu erreichen. Heute ist sie Dozentin für HR, Auditorin bei berufundfamilie und berät auf dem Gebiet Mixed Leadership.

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