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Lohntransparenz als Maßnahme gegen Gender Pay Gap?

Gesetze für gleichen Lohn und gegen Diskriminierung würden wenig zur Schließung des Gender Pay Gap beitragen, urteilt die OECD in einem aktuellen Bericht. Mehr Lohntransparenz könnte jedoch Verbesserung bewirken.

Frauen verdienen in allen 38 OECD-Ländern um durchschnittlich knapp 13 Prozent weniger als Männer. Um gegen diese Ungerechtigkeit anzukämpfen seien Gesetze für gleichen Lohn und gegen Diskriminierung zwar wichtig, heißt es in dem aktuellen OECD-Bericht Pay Transparency Tools to Close the Gender Wage Gap, in der Praxis würden sie jedoch wenig zur Schließung des Gender Pay Gaps beitragen. In 25 Jahren – von 1996 bis 2021 – sei der Lohnunterschied OECD-weit von knapp 19 Prozent auf 12,8 Prozent gesunken. Ein blinder Fleck sei nämlich, dass die offenkundige Diskriminierung bei gleicher Tätigkeit nur eine der Dimensionen sei, die zur schlechteren Entlohnung der Frauen führen. Bekannterweise leisten Frauen einen Großteil an unbezahlter Arbeit in der Familie, sind häufiger in schlechter bezahlten Berufen tätig (horizontale Segregation) und steigen im Beruf langsamer auf (vertikale Segregation). Letzteres liegt auch daran, dass Frauen häufiger Auszeiten für die Familie antreten.

Lohntransparenz ist „einfaches, intuitives Instrument“

Welche Maßnahmen könnten sich im Kampf gegen die Lohnlücke als zukunftsträchtig erweisen? Die OECD preist in ihrem im Winter 2021 erschienenen Bericht Initiativen zu mehr Lohntransparenz als vielversprechende Maßnahmen gegen diese „globale Ungerechtigkeit“ an. Solche Initiativen wurden zuletzt in mehreren OECD-Ländern wie Großbritannien und Frankreich eingeführt, sind meist aber noch recht neu, weshalb noch nicht viel über ihre Wirksamkeit gesagt werden kann. Das Instrument sei laut OECD jedoch aufgrund seiner relativ einfachen, intuitiven Eigenschaft besonders aussichtsreich. Ziel der Initiativen zu mehr Lohntransparenz sei es jedenfalls, „die Arbeitgeber*innen zu ermutigen, Lohnungleichheit zu verhindern und anzugehen, den Arbeitnehmer*innen und ihren Vertreter*innen mehr Informationen zur Bekämpfung der Lohndiskriminierung zur Verfügung zu stellen und den Regierungen dabei zu helfen, zu ermitteln, wann, wo und wie sie gegen geschlechtsspezifische Lohnunterschiede vorgehen können“, heißt es in dem Bericht. Lohntransparenz sei besonders wirksam, um den „discriminatory wage gap“, also jene Lücke, die sich nicht durch objektive Unterschiede wie den Bildungsgrad der Angestellten erklären lässt, aufzudecken.

Veröffentlichung alleine reicht nicht

Bereits jetzt können aufgrund der gemachten Erfahrung einige Kriterien festgemacht werden, die zum Erfolg der Maßnahme beitragen:

  • In den Prozess sollten möglichst viele Parteien – insbesondere Gewerkschaften oder Betriebsräte – eingebunden sein.
  • Die Ergebnisse sollten prominent publiziert werden.
  • Der Staat sollte den Firmen klare Vorgaben machen, welche Daten berichtet werden müssen. Zentrale „Lohnrechner“, die Firmen zur Verfügung gestellt werden, um die Daten auszuwerten und zu präsentieren, hätten sich dafür in der Schweiz bewiesen. Mit „Logib“ gibt es dort zwei Module, mit denen unterschiedlich große Unternehmen ihren Gender Pay Gap berechnen können.
  • Die Einhaltung der Vorgaben sollte kontrolliert und Abweichungen sanktioniert werden.
Gefahr von Lohnangleichungen nach unten

Untersuchungen über Firmen, die die Lohnverteilung transparent machten, haben kleine Verringerungen im Lohnunterschied gezeigt – wenn die Berichterstattung darüber sehr prominent war, oder wenn Sanktionen angedroht wurden. Allerdings: Studien von Zoë B. Cullen and Bobak Pakzad-Hurson von der Universität Harvard sind zu dem Ergebnis gekommen, dass mehr Einkommenstransparenz insgesamt niedrigere Löhne zur Folge hatte. Die Angleichung der Löhne erfolgte also eher nach unten: Frauen verdienten nicht mehr, sondern Männer weniger. Arbeitgeber*innen würden sich demnach weigern, einzelnen Arbeitnehmer*innen hohe Löhne zu zahlen, um kostspielige Neuverhandlungen mit anderen zu vermeiden. Die Forscher*innen machten jedoch die wichtige Beobachtung, dass die Löhne in Berufen mit höheren gewerkschaftlichen Organisierungsraten weniger stark sanken. Daher mahnt auch die OECD, dass Regierungen oder Gewerkschaften im gesamten Prozess eine wichtige Rolle einnehmen.

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