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Katja Schleicher: So geht die neue SuperPower-Kommunikation

von Katja Schleicher

SHEcomomy Kontributorin Katja Schleicher erklärt, wie man feminine UND maskuline Kommunikationsmuster virtuos nutzen kann.

Natürlich sind Frauen von der Venus, und manche können tatsächlich nicht einparken. Männer, diese Marswesen, sind oft mehr als zurückhaltend, wenn es ums Reden geht. Über Gefühle. Oder überhaupt. Vielleicht ist da etwas dran, führt aber zu meist voreiligen Annahmen über zwischenmenschliche Kommunikation, speziell im Bereich Führung.

Weiser und nachhaltiger wäre es, Wege zu finden, um in der Kommunikation die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen: Indem wir feminine UND maskuline Kommunikationsmuster (wieder) entdecken und ihr volles Potenzial für wirkungsvolle Kommunikation nutzen: in Videokonferenzen, Pitches und im Feedback-Gespräch. Denn weder Frauen noch Männer sind per se die besseren oder schlechteren Führungskräfte und Manager. Erfolgreich werden diejenigen sein, die sowohl feminine als maskuline Kommunikationsmuster virtuos beherrschen und das passende Muster je nach Situation einsetzen können.

Fragezeichen versus Ausrufezeichen

In geschäftlichen Gesprächen ist oft zu beobachten, dass Mitarbeiter nur in femininen empathischen Mustern agieren, während Führungskräfte oft ausschließlich maskuline Muster verwenden.

Ein signifikanter Indikator für feminine Muster ist das Fragezeichen, während maskuline Muster typischerweise durch Ausrufezeichen (gefühlter kategorischer Imperativ!) dargestellt werden. Virtuos wird es dann, wenn wir aus diesen Mustern gezielt situativ auswählen können, je nach kommunikativen Ziel. Mit größtmöglicher Wirkung. Auch in unterschiedlichen Kombinationen was sich leicht üben lässt. Zum Beispiel ist “Oh, warum erzählen Sie uns nicht mehr darüber?” eine viel nachdrücklichere Ermutigung zum Reden als die Anweisung “Erzählen Sie uns!”. Nochmals – keines von beiden ist per se besser oder schlechter. Sie zeigen Wirkung, wenn sie in der entsprechenden Situation eingesetzt werden.

Eine Empfehlung zur Stärkung maskuliner Kommunikationsmuster ist die konsequente Nutzung von Hauptsätzen. Nebensätze – ein überwiegend feminines Muster – disqualifizieren und schmälern die Kernaussage. Ebenso sind Nebensätze für diejenigen, die überwiegend maskuline Muster anwenden, von großem Nutzen, da sie helfen, Botschaften abzuschwächen. So oder so erweitern Sie Ihre kommunikative Toolbox.

Wer vorrangig im femininen Muster unterwegs ist, kann üben, bewusst härter klingende Schlüsselwörter und Wendungen zu verwenden, bei fragender Intonation. Oder umgekehrt: “sanftere” Formulierungen, in Kombination mit vertrauenswürdig klingender Intonation (wobei sich die Stimme am Ende einer Aussage oder eines Satzes senkt).

Senden – Empfangen

Ein markantes nonverbales weibliches Kommunikationsmuster ist die sogenannte „Vögelchen- Haltung“: das Neigen des Kopfes zur Seite (und damit das automatische Freilegen der anderen Halsseite, was verletzlich wirkt). Ein sehr rezeptives, warmes Muster, das es dem Gegenüber ernsthaft ermöglicht, seinen Gedanken zu Ende zu führen und Gesprächsinteresse signalisiert. Will Mann oder Frau aber im wahrsten Sinne des Wortes seinen Kopf durchsetzen, sind andere nonverbale Mittel stärker.

Im Intellectus, dem strukturellen Bereich oder auch der Herangehensweise, verbindet man das maskuline Muster eher mit entscheiden und priorisieren. Das feminine zeichnet sich dadurch aus, zunächst ganz allgemein und nicht wertend Informationen zu sammeln und nur grob zu sortieren.

Harte versus weiche Abgrenzungen

Worte. Phrasen. Sequenzen. Stärker segmentiert, deutlicher voneinander abgegrenzt und dadurch härter wirkend. Typisch maskulines Kommunikationsmuster. Auch in verschiedenen Sprachen lässt sich das nachweisen: Deutsch, Niederländisch, Norwegisch werden in der Lautung eher als Kommando-Ton empfunden. Der gleiche Satz, die gleiche Betonung klingt dagegen im Französischen wie ein Schmeicheln. Feminines Muster eben: dehnbarer, flexibler, weicher.

Einen eindeutigen Vorteil für das eine oder andere gibt es nicht. Eine ernstzunehmende Drohung im sachten Singsang formuliert, verfehlt ebenso ihr Ziel wie eine freundlich gemeinte Bitte, im Kommando- Ton vorgetragen. Jeder, der sich mit Muttersprache Deutsch ins Abenteuer Fremdsprache stürzt, hat eine ungefähre Idee, was das bedeutet. Denn beide Kommunikationsmuster finden sich auch in verschiedenen nationalen Kulturen wieder: Gesellschaftlich hierarchisch strukturierte Kulturen wie Frankreich oder Deutschland, in denen das männliche Kommunikationsmuster überwiegt, haben z.B. wenig oder keine emotionalen Probleme mit direkten Ansagen (klingen aber stimmlich total unterschiedlich!) Nutzt ein Unternehmen/ ein Manager das gleiche Muster für einen ähnlichen Sachverhalt in überwiegend weiblich kommunizierenden Kulturen wie in Norwegen oder den Niederlanden (die aber stimmlich wiederum sehr männlich wahrgenommen werden), handelt er sich Widerstand oder emotionales Unverständnis ein.

Zugängliches vs. vertrauenswürdiges Stimm-Muster

Leichter Vorteil für alle, denen das maskuline Muster vertrauter ist. Margret Thatcher hat es geübt, geübt und nochmal geübt, um ihre schrille Stimme zu senken, um seriöser zu wirken: die Wichtigkeit ihrer Botschaft wird akustisch verstärkt, wenn sich die Stimme am Ende des Satzes oder eines Gedankens bewusst absenkt. Wir vertrauen einer solchen Stimme mehr als einer, die sich in schrille Höhen schraubt. Sie hat automatisch eine höhere Festigkeit und erweckt mehr Vertrauen. Wenn etwas auffordernd gemeint ist, dann sollte es akustisch und inhaltlich auch so verstanden werden können. Werden die Muster verkehrt gesetzt (z.B. wenn sich der fokussierende maskuline Aspekt mit dem zugänglichen Stimm-Muster (Stimme hebt sich am Ende des Satzes/ des Gedankens) paart, kann das zu ungewollten Reaktionen -hier z.B. Panik- beim Publikum führen.

Die Autorin dieses Beitrages, Katja Schleicher, ist Gründerin und Geschäftsführerin von IMPACT! Communication Coaching, einem europaweit tätigen Trainingsbüro, das sich auf interkulturelle Kommunikation, Public Speaking und Organizational Storytelling spezialisiert hat. Sie glaubt, dass Reden Gold ist und Schweigen der Anfang allen Übels. Sowohl für Frauen als auch für Männer. Da sie selbst eine echte Europäerin ist, fühlt sie sich bei internationalem Publikum sehr zu Hause.

www.katjaschleicher.com

www.interview/training.eu

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