Österreich spart viel – doch vergleichsweise wenig davon fließt in Beteiligungen an Unternehmen. Wie sich das ändern lässt, war eine zentrale Frage bei der sechsten invest.austria conference im Apothekertrakt von Schloss Schönbrunn. Rund 450 Investor:innen, Unternehmer:innen und politische Entscheidungsträger*innen aus 22 Ländern kamen unter dem Motto „Postcard or Powerhouse – The European Imperative“ zusammen. ie Konferenz brachte mehr als 130 persönliche Meetings zustande; über 26 Start-ups präsentierten ihre Innovationen.

Daniela Haunstein, Geschäftsführerin von invest.austria, brachte Europas Herausforderung in ihrer Eröffnungsrede auf den Punkt: „Wir sind hervorragend darin, die Postkarte zu sein. Wir haben die Geschichte, die Kultur, die Lebensqualität. Aber Tourismus allein wird unseren Wohlstand in Zukunft nicht sichern. Wir brauchen Innovation und global erfolgreiche Unternehmen.“

Das mögliche Volumen ist beachtlich: Laut einer Analyse des Internationalen Währungsfonds könnten rechnerisch 6,9 Milliarden Euro zusätzliches Beteiligungskapital auf Österreich entfallen, wenn europäische Pensionskassen und Versicherungen anteilig ähnlich viel in Private Equity und Venture Capital investierten wie ihre US-Pendants. Zugleich zeigt der EY M&A-Index Österreich 2025, dass Finanzinvestor:innen bislang nur selten an Transaktionen mit österreichischer Beteiligung mitwirken: bei 20 von 221 erfassten Fällen.e

Ein Zukunftsdepot als Einstieg ins Investieren

Auch bei privaten Haushalten liegt viel Geld, das bislang nur teilweise für Investitionen genutzt wird. Barbara Eibinger-Miedl, Staatssekretärin im Bundesministerium für Finanzen, verwies bei der Konferenz auf rund eine Billion Euro an Ersparnissen und Finanzvermögen. Etwa ein Drittel davon liege auf traditionellen Bankkonten. „Wir müssen ein Land werden, das nicht nur spart, sondern investiert“, sagte sie.

Ein geplanter Ansatz soll schon bei den Kindern starten: Jedes Kind, das ab dem 1. Jänner 2027 geboren wird, soll ein Zukunftsdepot erhalten. Der Staat soll einmalig 500 Euro einzahlen und Etern oder Erziehungsberechtigte könnten jährlich bis zu 5.000 Euro zusätzlich veranlagen. Vorgesehen sind regulierte Fonds und ETFs mit höchstens einem Prozent laufenden Kosten oder der Bundesschatz.


Mit 18 Jahren soll das Kind den Depotwert steuerfrei entnehmen können, beispielsweise für Ausbildung, Wohnen oder den Start ins Berufsleben. Auch bereits geborene Kinder sollen ein Depot nutzen können, allerdings ohne staatlichen Startbonus. Die jährlichen Kosten des Startkapitals bezifferte Eibinger-Miedl laut den bei der Konferenz präsentierten Informationen auf rund 40 Millionen Euro..

Wachstumskapital für Unternehmen

Die Debatte über das Zukunftsdepot reicht über private Vorsorge hinaus: Sie berührt die Frage, wie Menschen früh an Investitionen herangeführt werden und auch wie Kapital im nächsten Schritt Unternehmen erreicht. Für Gründerinnen und Unternehmerinnen, die ihre Unternehmen weiterentwickeln oder international skalieren wollen, ist der Zugang zu Wachstumskapital dabei ein konkreter Teil der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Bei der Konferenz ging es deshalb auch um Beteiligungskapital für Start-ups und den Mittelstand. Es kann Unternehmensnachfolgen ermöglichen, Internationalisierung finanzieren und etablierten Betrieben helfen, neue Technologien einzuführen. Als Hindernisse nannten die Diskutant*innen unter anderem Bürokratie, komplexe Investitionsprozesse und eine geringe Bereitschaft, unternehmerische Risiken einzugehen.
Österreich verfüge über international wettbewerbsfähige Forschung und innovative Unternehmen – etwa in Robotik, Quantentechnologie, DeepTech und Cybersecurity. Der nächste Schritt sei, daraus erfolgreiche Geschäftsmodelle und international skalierende Unternehmen zu entwickeln. Dafür brauche es laut den Diskussionen neben Investor*nnen auch mutige Erstkund:innen, die neue Technologien früh einsetzen, und kürzere Entscheidungswege.

Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, rückte die Menschen hinter neuen Unternehmen in den Mittelpunkt: „Wenn wir darüber sprechen, dass Europa ein Powerhouse werden soll, beginnt das immer bei den Menschen, die sich entscheiden, etwas aufzubauen.“

Alexander Müller
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