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Gleichberechtigung durch Sprache

Wenn es um das Gendern in der deutschen Sprache geht wird es viele Menschen geben, die die Augen verdrehen. Die Anwendung einer gendergerechten Sprache ist zu einer erregten Debatte geworden. Mancherorts sprechen Gegner*innen der gendergerechten Sprache sogar von einer “Vergewaltigung der deutschen Sprache”. Ganz abgesehen davon, dass es ein mehr als pietätloser Vergleich ist, die Weiterentwicklung einer Sprache mit einer Vergewaltigung gleichzusetzen, hat die Debatte einige Argumente für und gegen die Gendergerechte Sprache hervorgebracht. Was ist eine gendergerechte Sprache und wieso brauchen wir sie?

Die deutsche Sprache verwendet das generische Maskulinum. Das heißt, dass die Verwendung des maskulinen Wortes für alle Geschlechter genutzt wird. Durch die Verwendung des generischen Maskulinums ist nicht ersichtlich, ob eine männliche oder weibliche Person gemeint ist. Dieser Problematik soll mit einer gendergerechten Sprache entgegengewirkt werden. Es geht darum, die verschiedenen Geschlechter in der deutschen Sprache zu repräsentieren. Hierbei muss ergänzt werden, dass sich die gendergerechte Sprache nicht auf das biologische Geschlecht, sondern auf das gefühlt und gelebte Geschlecht der Person bezieht. Besonders in Hinblick auf die rechtliche Einführung der dritten Geschlechtsoption “Divers”, die auch nicht-binäre Geschlechter mit einbezieht, ist eine Anpassung der Sprache notwendig.

Denn mit einer gendergerechten Sprache soll die Gleichbehandlung und Diversität der Geschlechter zum Ausdruck gebracht werden. Soweit in der Theorie. In der Praxis hingegen sehen die einen darin genau das – eine Ausdruck der Gleichbehandlung und Gleichstellung – andere wiederum sehen darin eine Verhunzung der Sprache und nehmen es als Bevormundung wahr, wenn ihnen die Nutzung einer geschlechtergerechten Sprache nahegelegt wird.

Doch was bringt es überhaupt zu gendern? Einerseits ist es natürlich so, dass das Projekt Gleichberechtigung mit einer gendergerechten Sprache weder fällt noch steht. Eine gendergerechte Sprache führt nicht zu einer fairen Bezahlung und schafft auch keine gerechtere Welt. Jedoch ist ist es ein Fakt, dass Sprache und Kommunikation in einem gesellschaftlichen Kontext Wirklichkeit schafft. Wenn eine Gruppe von Menschen sprachlich unterrepräsentiert ist, verliert diese an Aufmerksamkeit und Bedeutung. Zudem schafft es Bewusstsein, dass es neben dem männlichen und weiblichen Geschlecht auch noch weitere, unterschiedliche Geschlechter gibt die es ebenso zu beachten gilt. 

Die Verwendung einer gendergerechten Sprache ist zunächst einmal auch ein politisches Zeichen. Menschen erklären sich durch die Verwendung solidarisch und zeigen sich offen für eine neue, emanzipative Geschlechterordnung. Durch das aktive Gendern wird andererseits aber das Geschlecht in Situation überbetont, in denen das Geschlecht überhaupt keine Rolle spielt. Unterschiede können dadurch noch mehr in den Vordergrund rücken und in gewissen Fällen genau das Gegenteil von dem bewirken, was mit einer gendergerechten Sprache erreicht werden soll.

Abhilfe schaffen hier unterschiedliche Formen des Genderns. Grob kann hier zwischen drei Arten unterschieden werden: die Feminisierung, die Neutraliesierung und die Verwendung eines Genderzeichens. Bei der Feminisierung werden das männliche und das weibliche Geshclecht ausdrücklich genannt (Beispiel: Leserinnen und Leser). Jedoch inkludiert die Feminisierung dabei nicht Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen. Es kann in diesem Fall alsu auf die Nutzung eines Genderzeichens ausgewichen werden. Hierbei wird zwischen männlicher und weiblicher Endung ein Stern, Doppelpunkt oder Unterstrich eingefügt (Leser*innen, Leser_innen, Leser:innen). Das Genderzeichen ist dabei ein Platzhalter für alle weiteren Geschlechter im Spektrum zwischen männlich und weiblich. Die Neutralisierung arbeitet nicht mit Geschlechtern sondern nutzt geschelchtsneutrale Formen, um eine geschlechtergerechte Sprache zu formen. Hierbei wird die männliche Form substantiviert oder durch eine geschlechtsneutrale Form ersetzt (Lesende).

Es kann nicht negiert werden, dass Gendern die Sprache verändert und initial auch Nachteile bringen kann. Sprachwandel kann als negativ empfunden werden. Die Gewöhnung an neue Wörter oder Wortbilder ist für das Gehirn anstrengender. Viele Menschen sind durch die Veränderung irritiert und entwickeln zu diesem Thema eine Reaktanz. Menschen werden in ihren ablehnenden Einstellungen gegenüber der Gender Debatte extremer und unerreichbar. Das führt zu mehr Konflikt und weniger Verständnis und ist keine gute Basis, um die Sprache – und damit auch die Gesellschaft – inklusiver und gerechter zu gestalten.

Wie wir unsere Sprache geschlechtergerecht anpassen wird sich über Kurz oder Lang zeigen. Fakt ist, dass sich die Sprache verändert, seitdem es Sprache gibt. Es ist eine Entwicklung, dass wir nicht mehr so reden wie im Mittelalter, wie in den 50ern oder wie in den 90ern. Die Veränderung ist ebenso unaufhaltbar wie die Entwicklung unserer Gesellschaft Denn die Sprache passt sich an die Welt an, in der wir leben.

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