StartBusinessEqual Pay Day: Bitte nicht zu früh freuen

Equal Pay Day: Bitte nicht zu früh freuen

Eine Woche zu früh dran? Keineswegs. Der Equal Pay Day fällt in Österreich dieses Jahr auf den 15. Februar statt wie gewöhnlich auf den 21. Februar. Warum wir uns dennoch nicht zu früh freuen sollten.

Na, wie viele Stunden haben Sie heuer bereits gearbeitet? Wenn Sie Vollzeit arbeiten waren es wahrscheinlich rund 260 Stunden, wenn Sie Teilzeit beschäftigt sind könnten es zwischen 100 und 230 Stunden gewesen sein. Pflegen Sie Familienangehörige oder erziehen Sie Kinder ist es ohnehin kaum möglich zu messen, wie viele Stunden Sie heuer bereits im Einsatz waren. Da Sie im Prinzip 24/7 verfügbar sein müssen. Aber nun zum Grund meiner Frage, wie viele Arbeitsstunden Sie in diesem Jahr bereits gesammelt haben. Es spielt nämlich keine Rolle. Eigentlich hätten Sie sich nämlich all die Minuten, zumindest jene, die in die Lohnarbeit geflossen sind, sparen können. Denn der heutige 15. Februar kennzeichnet jenen Tag, bis zu dem Frauen 2022 gratis gearbeitet haben. Der Equal Pay Day.

Frauen verdienen in Österreich 13 Prozent weniger als Männer, das entspricht aufs Jahr gerechnet 46 unbezahlten Arbeitstagen. Letztes Jahr waren es 52. Doch obwohl der Gender Pay Gap statistisch gesehen gesunken ist, gibt es keinen Anlass zur Freude. Grund für die Verkleinerung ist die Pandemie, den diesjährigen Berechnungen liegen nämlich die Zahlen des ersten Pandemiejahrs 2020 zugrunde. Darauf wies die Frauenring-Vorsitzende Klaudia Frieben bereits gestern hin und griff einem übereilten potenziellen Jubel am heutigen Tag vor: „Die strukturelle Ungleichheit ist geblieben.“  Auch die Ökonomin Katharina Mader hielt einen Tag vor dem Equal Pay Day fest, dass vor allem schlecht bezahlte, gering qualifizierte Frauen in der Pandemie ihren Job verloren hatten, während besser bezahlte und qualifizierte Frauen in der Statistik blieben. Zudem seien Männer stärker von der Kurzarbeit betroffen gewesen, weshalb ihr Durchschnittslohn geringer ausfiel. Bemerkenswert ist wie jedes Jahr die Tatsache, dass sich der Lohnunterschied von 13 Prozent nur auf Vollzeitbeschäftigte bezieht. Werden auch Teilzeitbeschäftigte in die Statistik miteinbezogen, sei das Einkommen der Frauen laut Arbeiterkammer sogar um 35 Prozent geringer als jenes der Männer.

Ebenfalls wie jedes Jahr um diese Zeit wird die Forderung nach gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit wiederholt. Umgesetzt wurden die Mittel, die dazu führen sollen, bisher dennoch nicht. Darunter das Lohntransparenzgesetz, eine Neubewertung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, der Ausbau der Kinderbetreuung, eine Neuverteilung der Care-Arbeit, finanzielle Anreize zur Frauenförderung, sowie Sanktionen für Unternehmen bei echter Einkommensdiskriminierung. Da der Equal Pay Day und der Valentinstag heuer beinahe zusammenfallen, ließen sich viele zu einer Verknüpfung der beiden Tage hinreißen. Von Seiten der AK-Präsidentin, Renate Anderl, hieß es etwa: „Frauen brauchen einen Strauß voll fairer Bezahlung.“ Ja, bitte.

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