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Die starke Frau des FC Bayern München

Sie teilt das Schicksal der meisten ihrer Spielerinnen: obwohl sie zweifellos zu den herausragenden Persönlichkeiten ihres Sports gehört ist sie nur innerhalb der Szene bekannt. Dort jedoch genießt sie höchste Anerkennung – wird als das weibliche Pendant zu Uli Hoeneß gepriesen. Mit 18 Jahren kam sie als Fußballerin zum FC Bayern München. Und ist geblieben: seit nunmehr 25 Jahren verantwortet sie als Abteilungsleiterin die erfolgreiche Entwicklung des Frauenfußballs bei ihrem Herzensverein. Wir sprachen mit Karin Danner über Fußball, Frauen, Geld und Netzwerke.

Frau Danner – mit fast 300.000 Mitgliedern gilt der FC Bayern München als mitgliederstärkster Sportverein der Welt. Und er gilt rund um den Globus durchaus auch als Visitenkarte des deutschen Fußballsports. Welche Rolle spielt der Frauenfußball in Ihrem Verein? Welche Aufmerksamkeit finden Sie innerhalb Ihres Vereins?

1970 wurde die Frauenmannschaft des FC Bayern gegründet, eine lange Zeit und aktuell einzigartig im Fußball. Es gibt keinen anderen Bundesligist in Deutschland, gar Europa oder auf der Welt, der im letzten Jahr „50 Jahre Frauenfußballgeschichte“ schrieb. Bayern steht für Tradition – die Frauen begleiten diese nunmehr seit 50 Jahren und wir können alle stolz auf dieses Jubiläum sein. 

Neben dem Profi-Männerfußball spielt der Frauenfußball mittlerweile eine große Rolle beim FC Bayern München. Die letzten Jahre wurden Aufmerksamkeit und Wahrnehmung immer größer. Nicht zuletzt natürlich durch unseren sportlichen Erfolg und die gute Arbeit, die die Mannschaft und mein Team leisten.

Titel zu erreichen ist für den Frauenfußball genauso wichtig wie für den Männerfußball. Da wird nicht unterschieden, wir sind eine große Familie, die gemeinsam verliert und gemeinsam Erfolge feiert.

Ist der Spielbetrieb Ihrer Frauen ohne Rückenwind der Männer-Mannschaft wirtschaftlich unabhängig?

So wie es derzeit gelebt und praktiziert wird noch nicht. Aber genau da wollen wir hin – unabhängig sein und uns selbst finanzieren können. Es gibt viele Argumente, wie zum Beispiel Diversität und Gleichberechtigung, die im Frauenfußball gespielt und gelebt werden. Wir müssen Unternehmen, Sponsoren und Partner begeistern die ungenutzten Potenziale aufzugreifen und zu begleiten. Eine große Herausforderung, aber auch eine Chance neue Vermarktungsmöglichkeiten zu schaffen, die eine Win-win-Situation für beide Seiten werden kann. 

Wie hat die Pandemie Ihr Leben verändert. Und vor allem: Ihr berufliches Leben und das Ihrer Spielerinnen?

Ich weiß gar nicht, ob die Pandemie mein Leben so sehr verändert hat. Klar musste ich mich in vielem umstellen, aber Achtsamkeit, Vertrauen und aufeinander achtgeben gehörte ohnehin schon immer zu meinem Leben.

Beruflich haben wir alle gelernt, wie gut es funktioniert im Home Office zu arbeiten. Vieles können wir in digitalen Meetings klären, das ist auf die Zukunft gesehen ein großer Mehrwert. Auch unsere Spielerinnen machen das bisher wirklich vorbildlich. Sie sind sehr diszipliniert und tun alles, um den Spielbetrieb trotz allem aufrecht zu erhalten. Trotzdem fehlt ihnen und mir der persönliche enge Austausch miteinander, auch und gerade zu den Fans und all unseren Freunden. 

Frauenfußball findet in wirtschaftlicher Hinsicht im Schatten ihrer männlichen Kollegen statt. In Deutschland verdienen Frauen laut Statistischem Bundesamt 19 Prozent weniger als Männer. Klären Sie uns auf: wie sieht die Statistik bei weiblichen Top-Spielerinnen heute aus? Hat sich die Situation in den vergangenen Jahren spürbar verbessert? Und – verdienen Frauen im Fußballsport während ihrer aktiven Zeit so gut, dass es für den „Rest des Lebens“ ausreicht?

Die Situation für Top-Fußballspielerinnen hat sich in den letzten Jahren definitiv verbessert. Leider aber auch nur in Top-Vereinen. Nicht alle Bundesligaspielerinnen können von dem, was sie monatlich verdienen, leben – geschweige für den Rest des Lebens nach ihrer aktiven Karriere. Bei den großen Clubs, die in europäischen Wettbewerben spielen, ist das Gehaltsniveau in den letzten Jahren stark angestiegen, aber natürlich mit dem der Männer nicht zu vergleichen.

Wird auf dem Transfermarkt im Frauenfußball mit ähnlich harten Bandagen gekämpft wie bei den Männern?

Zwischenzeitlich gibt es auch in der Bundesliga fast keine Spielerin mehr, die keinen Berater hat. Topspielerinnen, auch aus dem Ausland, haben alle Berater und eine Verpflichtung wird für uns zur großen Herausforderung. Alle europäische Männer-Top-Clubs wie Olympic Lyon, PSG, Chelsea, Manu, Arsenal, Barcelona, Madrid, Juve usw.  haben inzwischen Frauenteams und wollen sportlichen Erfolg. Ein Transfer einer Topspielerin weckt Interesse bei allen Clubs und macht es dadurch nicht leichter. In erster Linie kommt es auf das Gesamtpaket an. Das Gehalt muss auf internationalem Niveau liegen, gute Infrastruktur im Verein vorhanden sein, beste Trainingsmöglichkeiten sind Voraussetzung und eine professionelle medizinische Versorgung ist absolute Pflicht. Erfüllt man all diese Kriterien, dann ist man im Gespräch .

Wir wissen um die vorbildliche Nachwuchsförderung von männlichen Fußball-Talenten beim FC Bayern. Programme, die bei der schulischen Laufbahn im eigenen Internat anfangen. Wie werden junge Frauen bei Ihnen gefördert?

Neben der Frauen-Profimannschaft haben wir noch drei weitere Mannschaften, darunter zwei Mädchenmannschaften, im Spielbetrieb. Unsere 2. Frauen-Mannschaft spielt in der 2. Frauen Bundesliga und unsere U17 I Juniorinnen spielen ebenfalls in der Bundesliga, die U17 II in der Bayernliga. Alle vier Teams sind somit in den höchsten Ligen und Spielklassen vertreten. Zudem findet ein sehr intensiver Austausch zwischen den Trainer*innen und der sportlichen Leitung statt und zum anderen haben die jungen Spielerinnen bei uns am FC Bayern Campus die besten Voraussetzungen ihr Talent zu zeigen. Es ist uns wichtig, junge Spielerinnen den Sprung in die Frauen-Teams zu ermöglichen. Bestes Beispiel ist unser Eigengewächs Sydney Lohmann. Sie kam zu unseren Juniorinnen, schaffte den Sprung in die 2. Frauenmannschaft und ist nun mit 20 Jahren eine ganz wichtige Spielerin unser Profimannschaft und zudem bereits deutschen A- Nationalspielerin. 

Im aktuellen Vorstand des FC Bayern hält man vergeblich nach einer Frau Ausschau. Damit befindet sich Ihr Arbeitgeber in „bester“ Gesellschaft. In Deutschland kommen in den 160 börsennotierten Unternehmen auf eine Vorstands-Frau neun Männer. Wie hält es der FC Bayern mit „Mixed Leadership“? Und was denken Sie: wann wird eine Frau in diesem von Männern dominierten Verein auch ein Wort mitzusprechen haben?

(Lacht.) Meine Rede, wenn es nach mir ging wäre schon lange eine Frau mit im Vorstand. Beim FC Bayern München mahlen in dieser Hinsicht die Mühlen etwas langsam. Viele denken immer noch „Fußball ist eine Männerdomäne“ – falsch gedacht. Inzwischen hat auch beim FC Bayern ein Umdenken stattgefunden welches spürbar ist, nun muss es auch sichtbar werden. Was mich immer wieder erstaunt und letztendlich richtig ärgert ist die Thematik, dass Frauen immer ihren „Mann“ stehen müssen. Wir wollen keine Frauen Quote, es gibt so viele Frauen mit Qualität, nur die Männerwelt erkennt dies nicht. Wir leben im 2100 Jahrhundert und müssen uns nicht mehr mit Männern messen. Wir blicken nicht zurück – die Zukunft ist und wird weiblicher!!!

Wie sieht der Kontakt unter den Spielerinnen aus? Bewegen sich Frauenfußballerinnen in bestimmten Netzwerken. Und wenn ja – in welchen?

Unsere Spielerinnen haben einen sehr engen und freundschaftlichen Kontakt und Austausch – ein richtig gut funktionierendes Team auch neben dem Fußballplatz.

Ein paar Spielerinnen sind bei „We kick Corona“ dabei oder auch bei „We play strong“, einer UEFA Kampagne. Unsere sportliche Leitung und unser Cheftrainer sind z.B. bei CommonCoal.

Wie lange können Profispielerinnen durchschnittlich ihrer Arbeit nachgehen? Und was passiert nach dem Ende der beruflichen Karriere? Wo treffen Sie ihre ehemaligen Spielerinnen wieder?

Schwer zu sagen. Die körperliche Verfassung spielt eine große Rolle und wie man verletzungsbelastend durch die aktive Karriere kommt. Der Durchschnitt liegt bei ca.33 Jahren, aber auch nur ohne große Verletzungen. Es gibt aber auch junge Spielerinnen, die Anfang Mitte Zwanzig mit z.B. Kreuzbandrissen ihre Karriere frühzeitig beenden mussten. Viele unserer Spielerinnen haben neben der Fußballkarriere studiert und bleiben dem Fußball und Sport treu. Einige Spielerinnen haben wir mit in unser Verwaltungsteam der Frauenfußball-Abteilung genommen, wie unsere Teammanagerin und sportliche Leitung. Andere haben wir intern beim FC Bayern in der Medien Abteilung untergebracht, allen voran unsere ehemalige Spielerin Kathleen Krüger, die seit nunmehr 10 Jahren Teammanagerin unserer Männer-Profimannschaft ist.

In ihrem Sport sind Frauen zwangsläufig Teamplayer. Bringen Frauen nach ihrer Karriere als Fußballprofis besondere Fähigkeiten in das nächste Kapitel ihrer beruflichen Laufbahn ein?

Auf jeden Fall. Durch den Teamsport lernen sie früh was wichtig ist im Leben. Teamsportlerinnen bringen alles mit: Ehrgeiz, Teamgeist, Umgang mit Erfolg und Misserfolg, Ausdauer und Kampfgeist. Alles Werte, die den Einstieg in den Beruf leichter machen. Personen, die diese Charaktere mitbringen, sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt und werden gesucht, deshalb mache ich mir um unsere Spielerinnen keine Sorgen für ihre weitere berufliche Zukunft nach dem Fußball.

Eine persönliche Frage: gehören Sie einem bestimmten Netzwerk an? Und wenn ja – welchen Mehrwert ziehen Sie aus Ihrem Netzwerk?

Ja, ich bin seit Jahren mit dem Netzwerk „Frauen verbinden“ im Austausch. Neben den tollen und inspirierenden Frauen bekomme ich auch durch die Veranstaltungen wertvollen Input. Für mich ist es wichtig über den Tellerrand hinauszusehen und das ermöglicht der Austausch mit „Frauen verbinden“. Dieses Netzwerk bringt starke erfolgreiche und interessante Frauen aus allen Bereichen zusammen und man nimmt bei jeder Veranstaltung tolle und wertvolle Eindrücke mit.

Letzte Frage nach einer Prognose: wann dürfen Sie wieder vor der von Ihnen oftmals zitierten „vollen Hütte“ spielen?

Leider wissen wir das nicht. Schön wäre es, wenn wir spätestens zu Beginn der neuen Saison 2021/2022 wieder mit Zuschauern in den Stadien spielen dürften. Uns fehlen die Fans, Zuschauer und Freunde, die uns in unserem kleinen Stadion am FC Bayern Campus unterstützen. Man kann sich schnell an etwas gewöhnen, aber an Abstand, den wir alle schon über ein Jahr halten müssen, leider nicht. Uns fehlt die Stimmung auf den Rängen, all die Emotionen und die Unterstützung und vor allem eines: Erfolge gemeinsam zu feiern. 

Karin Danner, Manager, FCB Frauenfußball

FC Bayern München

Das Interview führte Yvonne Molek

Foto: Karin Danner

Fotorecht: Karsten Lauer

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