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Der Gehaltscoach: Neuer Job – ab wann soll man verhandeln?

Martina Ernst, Gründerin und CEO von “Salary Negotiations” (www.salarynegotiations.at) gibt der SHEconomy-Community regelmäßig wichtige Tipps um für die eigene Leistung finanziell mehr herauszuholen. Dieses Mal: Neuer Job – wann beginnt die Gehaltsverhandlung wirklich?

Die gute Nachricht: probieren lohnt sich immer! Und wenn man es richtig macht, dann ist es auch ein Signal, dass man für die Position die Richtige ist.

Wer einfach ungefragt alles schluckt, was man ihr vorsetzt, wirkt nicht sehr überzeugend. Und welche Firma möchte schon eine Mitarbeiterin, die sich nicht engagiert für die Dinge einsetzt, die ihr jetzt bei Vertragsabschluss oder später im Job wichtig sind?

Und das Verhandeln beginnt bereits vor dem Interview – aber NICHT, indem man gleich seine Gehaltsvorstellungen am Telefon bzw. online nennt, bevor man überhaupt noch weiß, ob man zueinander passt.

Nein, im Gegenteil, es beginnt damit, dass man auf die Frage nach dem Gehalt einfach nur sagt, man erwarte sich eine marktübliche Bezahlung und freue sich auf das Gespräch, um gemeinsam herauszufinden, ob man die richtige Kandidatin für das Unternehmen sei.

Wenn man partout eine Zahl nennen muss, dann sollte man eine Range angeben, bei der der unterste Wert dem entspricht, was man erhalten möchte – denn meist zahlen die Firmen nur geringfügig mehr als dieses geforderte Minimum. Und es versteht sich von selbst, dass die genannte Range innerhalb der Bandbreite für den angebotenen Job liegen muss.

Im Interview selbst kann man der künftigen Arbeitgeberin durch spannende Fragen zum Inhalt des Jobs signalisieren, wie viel Wissen, Erfahrung oder frische neue Ideen man als neue Mitarbeiterin einbringen und wie engagiert man den Bereich vorantreiben wird. 

Hast Du vielleicht Angst, dass deine Fragen lästig wirken könnten? Wenn ja, dann stell Dir bitte vor, Du musst privat Deine Wohnung renovieren und weißt nicht so recht, wo Du anfangen sollst. Also suchst Du Dir eine Firma, die das für Dich übernimmt. Nimmst Du dann eher jemanden, der nur zuhört und genau das macht, was Du anordnest (obwohl Du ja eigentlich noch keine klare Vorstellung hast, was alles nötig ist) oder bekommt die Firma den Zuschlag, die genau zuhört, was Du wirklich brauchst und willst und zusätzlich spannende Fragen stellt, die Dir deutlich machen, was Du noch alles optimieren könntest?

Bei Vertragsabschluss

Wenn die Firma sich dann – wenig überraschend – für diese engagierte Kandidatin entscheidet, wenn wundert’s, dass diese Person durchaus 5-10% mehr Gehalt als den marktüblichen Mittelwert für die Position verlangen kann?

Und sollte man noch wenig Berufserfahrung in dem geforderten Bereich haben und noch viel lernen müssen, dann liegt vielleicht das Einstiegsgehalt unter dem Median, aber man kann höchstwahrscheinlich bereits im Vertrag die nächste Gehaltserhöhung – nach der 6-12-monatigen Einarbeitungszeit – aushandeln.

Was geht noch?

Eines ist sicher, was man gleich vor Antritt des Jobs verhandelt und vertraglich festlegt, ist viel einfacher zu erreichen als nachträgliche Forderungen.

So ist zum Beispiel das Startdatum selten in Stein gemeißelt und lässt sich meistens anpassen.

Und unbedingt besprochen gehört die Einstufung in den Kollektivvertrag genauso wie die eventuelle Flexibilität der Arbeitszeiten, die Urlaubsregelung, die Homeoffice-Modalitäten, mögliche Weiterbildungsmöglichkeiten, ein Bonussystem (sofern vorhanden) und weitere etwaige Sozialleistungen.

Sollte man zum Beispiel bei der vorherigen Arbeitgeberin 30 Urlaubstage erhalten haben, dann gilt es, dass jetzt anzusprechen und zu verhandeln, wenn einem dieser Benefit besonders wichtig ist.

Oft hat man Angst, gierig zu wirken, wenn man all diese Fragen stellt – aber wie so oft im Leben: der Ton macht die Musik und offene Frage nach diesen Themen zeigen nur, dass man bereit ist, sich möglichst schnell in die Firma zu integrieren und mittel-bis langfristig wirklich dazuzugehören.

Solange all diese monetären Fragen nicht überwiegen, sondern das Interesse am Inhalt der Tätigkeit und an der Kultur des Unternehmens klar im Vordergrund ist, steht einer guten neuen Zusammenarbeit nichts im Wege.

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