Netzwerk der Woche: CEO Women Europe
sheconomy versteht sich als zentrale Plattform für Frauennetzwerke in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Hier stellen wir regelmäßig eines der zahlreichen Netzwerke aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaftspolitik und Kultur im Detail vor.
CEO Women Europe ist eine internationale Wirtschaftsplattform, die aus der 2021 in Kairo gegründeten Initiative CEO Women hervorgegangen ist. Im Juni 2026 wurde das Netzwerk im Rahmen einer Eröffnungszeremonie in Paris offiziell gestartet, mit rund 60 Entscheidungsträger*innen. Die Plattform will eine vertrauenswürdige Brücke zwischen Ost und West schlagen und vernetzt dafür weibliche und männliche Führungskräfte, Investor*innen und Unternehmer*innen über Branchen und Ländergrenzen hinweg.
Wir haben uns mit Sandrine El Khodry, President of CEO Women Europe, darüber unterhalten, wie das Netzwerk aufgebaut wurde, was sie antreibt und warum Frauennetzwerke heute mehr leisten müssen als klassisches Networking.
Was sind die Kernthemen und Schwerpunkte Ihres Netzwerks?
Führung, Investitionen und strategische Partnerschaften. Wir vernetzen Entscheidungsträger*innen branchen- und länderübergreifend, um Investitionen zu ermöglichen, Innovationen zu fördern und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu stärken, besonders zwischen Ost und West. Unser Leitgedanke ist, dass Vielfalt in all ihren Erscheinungsformen zu stärkeren Unternehmen und besseren Ergebnisse beiträgt.
Was ist der rote Faden, der alle Mitglieder verbindet, die sich in Ihrem Netzwerk zusammengeschlossen haben?
Unsere Mitglieder teilen die Überzeugung, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Fortschritt durch Zusammenarbeit, nicht durch Wettbewerb zwischen verschiedenen Regionen der Welt, entsteht. In einer zunehmend multipolaren Weltwirtschaft gewinnen internationale Kooperationen und starke Partnerschaften an Bedeutung. Unsere Mitglieder kommen aus verschiedenen Branchen und Märkten, verfolgen aber ein gemeinsames Ziel: zu wachsen, einen Beitrag zu leisten und andere beim Wachsen zu unterstützen.
Wie erfolgt die Kommunikation innerhalb der Community und über welche Kanäle?
Da CEO Women Europe erst kürzlich startete, bauen wir derzeit unseren Kommunikationsrahmen auf. Wir initiieren Konferenzen und Veranstaltungen in verschiedenen Ländern, organisieren zielorientierte Geschäftstreffen und Matchmaking, unterstützt durch digitale und Social-Media-Kanäle.
Werben Sie aktiv neue Mitglieder für Ihr Netzwerk an, und wenn ja, wie?
Wir wachsen, indem wir Führungskräfte ansprechen, die unsere Werte und Ziele teilen, und sie über Veranstaltungen, unser Netzwerk und Empfehlungen einbinden. Sichtbarkeit ist dabei entscheidend: Wir kommunizieren unseren Zweck, unsere Werte und Ziele klar und stellen inspirierende Vorbilder vor.
Ob Netzwerk oder Interessenvertretung – wie präsentiert sich Ihr Netzwerk nach außen?
Wir verstehen uns als Geschäftsplattform. CEO Women Europe ist eine handlungsorientierte Führungskräfte-Community, die konkrete Verbindungen, Chancen und Wirkung schafft. Interessenvertretung ist wichtig, aber unsere Glaubwürdigkeit entsteht durch das, was wir ermöglichen: Geschäftsbeziehungen, Mentoring, Sichtbarkeit, Zugang zu Erfahrungen und Chancen sowie stärkere Verbindungen. Wir wollen nicht nur für die Förderung von Frauen stehen, sondern Bedingungen schaffen, unter denen mehr Frauen erfolgreich sind, Führungsaufgaben übernehmen und Entscheidungspositionen erreichen.
Wie sieht es mit der „nächsten Generation“ aus – ist es schwierig, sie zu motivieren, oder sind sie daran interessiert, Teil des Netzwerks zu werden?
Sie zeigen großes Interesse. Der nächsten Generation fehlt es nicht an Ehrgeiz; sie sucht Substanz, Wirkung und Authentizität. Junge Frauen brauchen Mut, aber auch Zugang zu Vorbildern, Netzwerken, Chancen, ehrliche Karriereberatung und Führungskräfte, die sie fördern und fordern. Wenn sie sehen, dass Frauen wirklich mitentscheiden und etwas bewirken, wollen sie dabei sein.
Gemeinsam sind wir stark – was treibt Sie und Ihre Mitstreiter*innen im Netzwerk an?
Uns treibt die Überzeugung, dass individueller Erfolg wächst, wenn er Chancen für andere schafft. Niemand baut seine Karriere allein auf. Ein starkes Netzwerk vervielfacht diesen Effekt über Grenzen hinweg. Indem wir Erfahrungen teilen, Türen öffnen, Talente fördern und unseren Einfluss konstruktiv nutzen.
Kurz gesagt – welche drei Eigenschaften zeichnen Ihr Netzwerk aus?
International. Kooperationsorientiert. Wirkungsorientiert.
Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Netzwerk? Wo sehen Sie das Netzwerk in fünf Jahren?
Wir wollen eine vertrauenswürdige Brücke zwischen Ost und West schlagen; wirtschaftlich und durch Vielfalt in Führung und Investitionen. Starke Verbindungen lokal und grenzüberschreitend schaffen und schrittweise eine aktive internationale Community aufbauen. Mit einer starken europäischen Präsenz wollen wir zu einer globalen Gemeinschaft beitragen.
Welches Klischee über Frauen in der Geschäftswelt können Sie nicht mehr hören?
Ich habe es satt, dass Frauen immer noch rechtfertigen müssen, warum ihre Präsenz in der Wirtschaft und in Führungspositionen wichtig ist, oder ständig den Wert von Vielfalt erklären müssen. Frauen sollten ihren Platz am Tisch nicht rechtfertigen müssen. Führungskompetenz wird nicht durch das Geschlecht definiert, sondern durch die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, Vertrauen aufzubauen, Menschen zu inspirieren und Ergebnisse zu erzielen. Frauen und Männer sollten letztendlich anhand ihrer Führungsqualitäten, ihrer Leistung und ihres Potenzials beurteilt werden und nicht anhand veralteter Erwartungen darüber, wie sie führen sollen.
Was wären Ihrer Meinung nach die nächsten wichtigen Schritte in Richtung Gleichstellung der Geschlechter?
Es geht darum, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen innerhalb von Organisationen zu verändern: Frauen Chancen zu geben, ihnen Verantwortung zu übertragen, sicherzustellen, dass ihre Stimmen gehört werden, und ihren Beitrag und ihre Wirkung anzuerkennen. Geschlechtergleichstellung erfordert kulturellen Wandel, unterstützt durch Führung, Bildung, Kommunikation und die Bereitschaft, langjährige Stereotypen in Frage zu stellen. Wir brauchen mehr Kommunikation, sichtbare Vorbilder, Mentoring und Förderung, und wir brauchen Männer am Tisch als Verbündete bei diesem Wandel.
Haben Sie den Eindruck, dass Frauen oft doppelt oder dreimal so hart arbeiten müssen, um die gleichen Positionen wie Männer zu erreichen?
Ich würde das nicht in eine feste Formel pressen. Jede Karriere und jede persönliche Erfahrung ist anders. Aber seien wir ehrlich: Für viele Frauen ist der Weg an die Spitze mit zusätzlichem Druck verbunden. Dazu kommen berufliche Hürden, Erwartungen aus dem persönlichen Umfeld und manchmal sogar Schuldgefühle wegen der Entscheidungen, die sie auf diesem Weg treffen.
Wie beurteilen Sie die Rolle von (Frauen-)Netzwerken in der heutigen Gesellschaft und in der Zukunft?
Frauennetzwerke sind sichtbarer geworden. Heute gibt es sie fast überall. Doch Sichtbarkeit allein reicht nicht. Die eigentliche Frage lautet: Welche Wirkung erzielen sie? Entscheidend werden in Zukunft die Netzwerke sein, die mehr leisten als klassisches Networking. Sie müssen greifbare Ergebnisse schaffen: Geschäftsmöglichkeiten, Mentoring und Förderung, Zugang zu Entscheidungsträgern, Investitionsmöglichkeiten und interkulturelle Verbindungen. Außerdem sollten sie Frauen mit dem breiteren Ökosystem vernetzen, also mit männlichen Verbündeten, Unternehmen, Investoren, Institutionen und jüngeren Generationen.
Zu guter Letzt – ein Wort zum Thema Frauenquoten?
Quoten können Türen öffnen. Das ist wichtig. Aber Plätze nur zu besetzen, um eine bestimmte Zahl zu erreichen, darf nicht das Ziel sein. Die eigentliche Frage ist, ob Frauen, die mit am Tisch sitzen, Gehör finden, Vertrauen genießen und strategische Entscheidungen beeinflussen können. Letztlich würde ich lieber eine Unternehmenskultur sehen, in der Frauen für den Einfluss anerkannt werden, den sie ausüben, als eine Kultur, in der ihre Anwesenheit nur als Erfüllung einer Vorgabe gilt. Quoten können den Anfang beschleunigen. Dauerhafter Wandel entsteht aber erst, wenn Vielfalt Teil der Kultur wird und nicht nur eine Verpflichtung ist.