Wann wurde Ihr Netzwerk ins Leben gerufen?

Unser ZFK Frauennetzwerk hat der Chef der ZFK, Carsten Wagner, im Oktober 2022 gemeinsam mit Christiane Wolff und vier weiblichen Führungspersönlichkeiten aus der Kommunalwirtschaft gegründet. ZFK ist das Leitmedium der Kommunalwirtschaft und Carsten hat in seiner überblickenden Rolle erkannt, dass es noch viel zu wenig Frauen in Führung in der Daseinsvorsorge gibt, die sich untereinander kaum kennen.

Wie viele Mitstreiter*innen zählt Ihr Netzwerk aktuell?

Aktuell stehen wir bei knapp über 4200 Mitgliedern und wachsen seit der Gründung organisch.

Was sind die Kernthemen und Schwerpunkte?

Wir beschäftigen uns vor allem mit Karrierethemen, also wie wir es als Frauen in der noch immer männerdominierten Kommunalwirtschaft in Führungspositionen schaffen. Daneben sprechen wir viel über die Themen, die in unserer Branche diskutiert werden: Künstliche Intelligenz, über Transformation, über Nachhaltigkeit, über Energiewende und Führungskompetenzen. Wir versuchen dabei, ein Gleichgewicht zwischen inhaltlichen und persönlichen Themen zu schaffen.

Was ist der gemeinsame Nenner aller Mitglieder?

Alle unsere Mitglieder sind entweder in der Kommunalwirtschaft angestellt oder haben beruflich, sei es in Dienstleistungsunternehmen oder Beratungen, mit der Branche zu tun.

Wie läuft der Austausch innerhalb der Community ab und über welche Kanäle?

Als Plattform für den Austausch nutzen wir vor allem LinkedIn und Instagram, wobei über LinkedIn der Großteil stattfindet. Dort informieren wir über kommende und vergangene Events, über die verschiedenen Angebote, über Partnerunternehmen und Neuigkeiten rund um das Netzwerk. Darüber hinaus gibt es regelmäßiger Mailings über die aktuellen Veranstaltungen und auch die ZFK berichtet immer wieder über das Netzwerk. Und als hauptberufliche Managerin des Netzwerks bin ich immer persönlich erreichbar.

Wie oft treffen Sie sich?

Wir veranstalten jeden Monat eine digitale Session, bei der bis zu 600 Frauen teilnehmen, wie zuletzt mit Janina Kugel. Ergänzend gibt es zweimal im Jahr zweitägige analoge Treffen an wechselnden deutschen Orten. Außerdem arbeiten wir in AGs zu den Themen KI und Nachhaltigkeit alle zwei Monate miteinander und veranstalten seit letztem Jahr auch regionale analoge Stammtische, die jeweils einen Nachmittag lang dauern und so die Gelegenheiten zum persönlichen Kennenlernen erweitern.

Werben Sie gezielt neue Mitglieder für Ihr Netzwerk an, und wenn ja, wie?

Das machen wir tatsächlich auf vielen Wegen: Wir regen unsere Mitglieder immer dazu an, unser Netzwerk weiterzutragen. Das ist auch der Weg, auf dem die meisten neuen Frauen zu uns finden. Ansonsten spricht der Strategiekreis immer Menschen an, die noch nicht von unserem Netzwerk gehört haben. Weitere Möglichkeiten bietet der Kommunikationskanal ZFK und auch die Kanäle des VKUs (Verband kommunaler Unternehmen). Wenn wir auf anderen Veranstaltungen sind, nutzen wir auch diese Gelegenheit für Werbung für das ZFK Frauennetzwerk.

Gemeinsam sind wir stark – was treibt Sie und Ihre Netzwerk-Mitstreiter*innen an?

Uns eint der Wunsch, etwas an den Strukturen der Kommunalwirtschaft zu verändern – einer Branche, die nach wie vor stark männerdominiert ist, insbesondere in Führungsebenen. Es geht uns nicht nur darum, dass sich einzelne Frauen wohler fühlen oder besser vernetzt sind, sondern darum, langfristig etwas an der Zusammensetzung von Führungspositionen und an der Kultur der Branche zu verändern. Der Generationenwechsel steht auch in der Kommunalwirtschaft an und stellt die Branche vor riesige Herausforderungen. Wir wollen dabei unterstützen, diese Herausforderung souverän zu meistern und kompetenten Frauen Mut zusprechen und Sichtbarkeit verleihen.

Auf den Punkt gebracht – welche drei Eigenschaften zeichnen Ihr Netzwerk aus?

Verbindend, praxisnah und beharrlich. Verbindend, weil wir Frauen aus ganz Deutschland und ganz unterschiedlichen Unternehmensbereichen zusammenbringen. Praxisnah, weil unsere Themen – von Führungskompetenz bis KI – konkret am Arbeitsalltag unserer Mitglieder ansetzen. Beharrlich, weil struktureller Wandel Zeit braucht und wir diesen langen Atem mitbringen.

Wie organisieren Sie die Arbeit im Netzwerk?

Wir haben das große Privileg, dass ich als Managerin des ZFK Frauennetzwerks fest angestellt bin und mein Job sowohl die Organisation als auch und die Strategie des Netzwerks beinhaltet. Ich kümmere mich um die Vorbereitung aller Events, um die Durchführung der Kampagnen, das Produzieren von Werbemitteln und Grafiken sowie der Social Media-Planung. Dabei unterstützt mich seit einem halben Jahr eine Werkstudentin. Bei der strategischen Ausrichtung und mit neuen Ideen und der Planung unterstützt mich der Strategiekreis, der sich aus Christiane Wolff, Carsten Wagner und mittlerweile sieben Frauen aus der Kommunalwirtschaft aus ganz Deutschland zusammensetzt. Wir treffen uns alle zwei Monate digital und kommunizieren natürlich auch außerhalb der Treffen.

Netzwerk oder auch Interessenvertretung – wie tritt Ihr Netzwerk nach außen auf?

Erstes Ziel ist es, Frauen in der Kommunalwirtschaft eine Plattform für Austausch, Weiterbildung und Sichtbarkeit zu bieten. Dass wir dabei mittlerweile auch als Stimme für mehr Gleichberechtigung in der Branche wahrgenommen werden, ist ein großer Zugewinn, dem wir in Zukunft noch mehr gerecht werden wollen.

Wie steht es um den „Nachwuchs“ – ist es schwer, ihn zu motivieren, oder ist er begeistert, Teil des Netzwerks zu werden?

Viele junge Frauen sind der Meinung, dass sie eigentlich gleichberechtigt sind und kein Netzwerk wie unseres brauchen. Erst wenn sie die Karriereleiter hochsteigen und merken, dass es immer weniger Frauen an ihrer Seite werden, verstehen sie die Notwendigkeit. Manche kennen auch unser ZFK Frauennetzwerk noch nicht und müssen erst auf uns aufmerksam werden – hier hilft vor allem die Weiterempfehlung durch bestehende Mitglieder. Wer einmal bei einer Session oder einem Stammtisch dabei war, bleibt in der Regel auch dabei. Die Überzeugungsarbeit passiert also eher am Anfang, danach trägt sich das Interesse meist von selbst.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Netzwerk? Wo sehen Sie das Netzwerk in fünf Jahren?

Langfristig wollen wir dazu beitragen, dass Frauen in der Kommunalwirtschaft selbstverständlicher in Führungspositionen kommen und dort bleiben. In fünf Jahren stelle ich mir das Netzwerk noch größer und noch stärker regional verankert vor, mit mehr persönlichen Formaten wie den Stammtischen, und mit einer breiteren finanziellen Basis, die auch nicht-kommunale Unternehmen als Partner einschließt. Wir wollen außerdem das Momentum, das wir mit über 4.000 Mitgliedern bereits gewonnen haben, nutzen, um auch politisch Einfluss zu nehmen, um Forderungen durchzusetzen. Ansonsten denken wir darüber nach, wie wir ein Mentoring- oder Sponsoring-Programm aufsetzen können.

Gibt es eine Erfolgsgeschichte eines Mitglieds, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? Wie hat Ihre Community dazu beigetragen?

Es gibt immer wieder Rückmeldungen von Mitgliedern, die uns erzählen, dass ihnen der Austausch im Netzwerk den Mut gegeben hat, sich für eine Führungsposition zu bewerben oder ein schwieriges Gespräch mit Vorgesetzten zu führen – oft, weil sie im Netzwerk gemerkt haben, dass andere Frauen mit ähnlichen Hürden zu kämpfen haben und trotzdem den Schritt gewagt haben. Diese Bestärkung durch die Community, das Gefühl, nicht allein zu sein, ist für mich der eigentliche Kern unserer Arbeit.

Welches Klischee rund um Frauen im Wirtschaftsleben können Sie nicht mehr hören?

Dass Frauen zu emotional oder nicht durchsetzungsstark genug für Führungspositionen seien. Das ist eine Zuschreibung, die Frauen von vornherein aus bestimmten Rollen ausschließt, ohne ihre tatsächlichen Kompetenzen zu betrachten – und die sich hartnäckig hält, obwohl sie durch nichts belegt ist.

Was wären Ihrer Meinung nach die nächsten wichtigen Schritte Richtung Gender Equality?

Aus meiner Sicht braucht es vor allem transparente und verbindliche Kriterien bei Beförderungsentscheidungen, eine bessere Vereinbarkeit von Führungspositionen mit Teilzeit oder geteilter Verantwortung, und mehr Frauen in Gremien, die genau diese Strukturen mitgestalten. Netzwerke wie unser ZFK Frauennetzwerk können dabei unterstützen, aber die eigentliche Verantwortung liegt bei den Unternehmen selbst.

Haben Sie das Gefühl, dass sich Frauen oft doppelt oder dreifach anstrengen müssen, um gleiche Positionen wie Männer zu bekommen?

Ja, auf jeden Fall. Viele Frauen in meinem Umfeld berichten, dass sie ihre Kompetenz stärker unter Beweis stellen müssen als männliche Kollegen, bevor ihnen dieselbe Verantwortung zugetraut wird.

Wie bewerten Sie die Rolle von (Frauen-) Netzwerken in unserer heutigen Gesellschaft und in der Zukunft?

Netzwerke wie das ZFK Frauennetzwerk schließen eine Lücke, die formale Strukturen in Unternehmen oft nicht schließen: den informellen Austausch, das Vorbild-Sehen, das gegenseitige Ermutigen. Solange Frauen in bestimmten Branchen und Führungsebenen unterrepräsentiert sind, sehe ich für solche Netzwerke weiterhin eine wichtige, ergänzende Funktion – nicht als Ersatz für strukturelle Veränderung, aber als Beschleuniger dafür. Ich wünsche mir aber sehr, dass Netzwerke wie unseres irgendwann obsolet sind und wir uns voller Dankbarkeit für die schöne Zeit neuen Herausforderungen widmen können.

Last but not least – ein Wort zum Thema Frauenquote? 

Notwendig!

Erfolg