Franziska Resinger: „Entwickle dich weiter“ statt „Bleib, wie du bist“
Die Kommunikationsbranche hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Klassische Pressearbeit wird zunehmend von Social Media, Influencer Marketing und künstlicher Intelligenz ergänzt. Franziska Resinger hat diesen Wandel als Gründerin von franCie selbst miterlebt. Die Kommunikationsagentur begleitet Marken nicht nur klassisch über Pressearbeit, sondern unterstützt sie auch strategisch und ganzheitlich beim Aufbau ihrer Sichtbarkeit.
Aus dem Ein-Personen-Unternehmen ist in zehn Jahren eine etablierte Wiener Boutique-Kommunikationsagentur geworden: Heute arbeitet Resinger mit einem vierköpfigen, rein weiblichen Team und betreut ein selektiertes Portfolio an Kund*innen aus Kunst, Beauty, Fashion, Food, Health und Lifestyle.
Für unsere Rubrik „now she knows“ erzählt sie im Interview, warum sie lieber kooperiert als konkurriert, wie sie es schafft, auch Rückschlägen etwas Positives abzugewinnen und warum „Bleib, wie du bist“ für sie der schlechteste Ratschlag überhaupt ist.
Wenn Sie auf Ihren Werdegang zurückblicken: Gab es ein Learning oder eine Erkenntnis, wo Sie sich gedacht haben, das hätte ich gern früher gewusst?
Es ist gar nicht so schlimm, wenn mal etwas schiefgeht. Diese Momente sind selten so unangenehm, wie man vorher denkt. Und es ist völlig in Ordnung, andere um Hilfe oder Rat zu fragen. Am Anfang habe ich geglaubt, man muss alles alleine stemmen, sonst wird man nicht ernst genommen. Heute weiß ich, wie wichtig der Austausch mit Kolleg*innen aus der Branche ist. Man profitiert voneinander und schafft gemeinsam mehr. Der Markt ist umkämpft, man würde meinen, die Konkurrenz wird größer. Tatsächlich ist es eher umgekehrt: Jede Agentur hat ihr eigenes Steckenpferd, man bündelt die Kräfte, und am Ende ist der Kunde happy.
Sie haben vor zehn Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Was haben Sie über das Unternehmertum gelernt?
Ich wusste immer, dass ich mein eigener Boss sein will. Das fing schon im Kinderzimmer an, mit meinem imaginären Gasthaus oder Einlaufsladen. Nur womit, das wusste ich lange nicht. Nach meinem Wirtschaftsstudium habe ich in einer renommierten PR-Agentur in München gearbeitet, das war ein ein bisschen wie bei „Der Teufel trägt Prada“, mit großen Marken und, anders als im Film, einer unglaublich tollen Chefin. Dort ist meine Leidenschaft entstanden, mich für Marken und deren Sichtbarkeit zu begeistern. Zurück in Wien dachte ich mir: Ich bin jung, ich probiere es einfach. Zehn Jahre später denke ich noch immer, dass das die beste Entscheidung war. „Selbst und ständig“, dieser Spruch stimmt wirklich, das habe ich schnell gemerkt. Trotzdem könnte ich es mir inzwischen nicht mehr anders vorstellen. Ich liebe es, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig trage ich auch viel Verantwortung, etwa für die Gehälter meiner Mitarbeiterinnen, und gerade wird sehr genau auf Budgets geschaut. Das kann einem niemand abnehmen.
Ein Weg verläuft selten nur geradlinig. Gab es auch Rückschläge, die rückblickend entscheidend für Sie waren?
Ich kann mich glücklich schätzen, es ist eigentlich immer gut gelaufen, von Jahr zu Jahr sogar besser. Man wird schneller in den Abläufen und selbstbewusster, auch bei Preisen und Angeboten, was bei Frauen ja leider oft ein Thema ist. Nach der Geburt meines ersten Sohnes habe ich weitergearbeitet, aus Angst, sonst nach einer Karenz wieder bei null anzufangen. Im Nachhinein hätte ich mir mehr Ruhe gönnen sollen. Echte Rückschläge gibt es eher bei intensiven Pitches: viele unbezahlte Stunden und wenn man am Ende Platz zwei von vierzehn Agenturen wird, ist das kurz bitter. Aber ich denke mir, dann hat es eben nicht gepasst und sein sollen, es kommt bestimmt etwas anderes. Ich versuche, bei allem im Leben das Positive zu sehen.
Heute arbeiten Sie in einem vierköpfigen Team. Was haben Sie über Mitarbeiterführung gelernt, und was sind Ihre Führungsprinzipien?
Mir ist die Stimmung extrem wichtig. Wenn zwischenmenschlich etwas in der Luft liegt, bringt mich das aus dem Konzept. Deswegen investieren wir viel Zeit ins Gemeinsame, auch wenn der Kalender voll ist: Sommerdinner, Weihnachtsfeier, spontane Afterwork-Drinks, einfach mal raus aus dem Büroalltag. Und ich werfe mein Team gern ins kalte Wasser, mit ganz neuen Aufgaben, die nicht auf Anhieb perfekt klappen müssen. Nach dem Motto „Entwickle dich weiter“ statt „Bleib, wie du bist“. Vertrauen ist mir das Wichtigste. Wenn ich jemandem vertraue, kann man sehr viel von mir haben, aber man muss sich diese Basis erst erarbeiten. In dieser Branche kann man nicht die höchsten Gehälter zahlen, deswegen versuche ich, über Stimmung, Vertrauen und Flexibilität so attraktiv wie möglich zu sein und bin da auch bereit, viel zu geben.
Und umgekehrt gefragt: Was sind für Sie Red Flags in Unternehmenskulturen?
In einem meiner ersten Jobs gab es verfeindete Teams, da wurde kreuz und quer gelästert. Am schlimmsten finde ich aber, wenn Führungskräfte ihren Stress, Druck und schlechte Laune direkt an ihre Mitarbeitenden weitergeben. Das ist ein absolutes No-Go!
Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?
Bitte mach das, worauf du Bock hast, und verkopf dich nicht so sehr. Eine gute Ausbildung ist die Basis, aber man sollte sich nicht von Erwartungen aus dem Umfeld leiten lassen. Ich wollte eigentlich Architektur studieren, hatte aber Angst vor Mathematik und Physik, dabei war ich darin richtig gut. Meine Interessen, etwa für Mode, habe ich oft selbst belächelt, statt sie ernst zu nehmen. Nach der Schule hat mir meine Mama vorgeschlagen, ein Jahr als Au-pair in Australien zu verbringen, aber ich hatte Angst, etwas zu verpassen, wenn ich nicht wie alle anderen nach Wien gehe. Und heute denke ich mir, wieso habe ich das nicht einfach gemacht?! Ich war früher viel verbissener, habe zum Beispiel ein Praktikum in New York wegen ein paar Uni-Prüfungen sausen lassen. Wenn man selbst Kinder hat, sieht man das noch mal anders. Der Leistungsdruck, den die Kleinen heute schon so früh spüren, oft übertragen von den Eltern, ist schlimm.
Wie hat sich die Rolle von Agenturen in den letzten Jahren verändert?
Am Anfang musste ich oft gegen das Vorurteil ankämpfen, PR sei ein teures Standardprogramm ohne echten Output. Zuerst hatten wir noch den Untertitel „Public Relations“, mittlerweile sagen wir „Kommunikationsagentur“ oder „Boutique Communication Agency“, weil PR nach wie vor negativ behaftet ist. Wir sind bekannt für unser Netzwerk und versuchen, wo es zum Produkt passt, etwas zu inszenieren, etwa ein Dinner oder ein Frühstück, und laden vor allem die richtigen (!) Leute ein. Das können beispielsweise auch Menschen mit nur 400 Followern sein, die eigentlich Privatpersonen sind, aber trotzdem die passende Bubble erreichen. Mittlerweile wird das von den Kund*innen immer mehr angenommen. Es geht wieder mehr um echten Austausch statt oberflächliches Gerede, die Leute haben wieder Lust auf persönliche Gespräche. Bei klassischen Medien braucht es heute eine bewegende Geschichte, Prestige allein reicht nicht mehr. Wenn wir merken, dass es eigentlich nichts zu erzählen gibt, sagen wir das unseren Kund*innen auch ehrlich und überlegen uns etwas Passenderes. PR ist dadurch komplexer geworden, aber auch strategischer und kreativer, und genau diese Strategiearbeit macht mir persönlich enorm viel Spaß.
Ein Thema, das aktuell alle beschäftigt, ist künstliche Intelligenz. Was wird KI bei Ihrer Arbeit nie ersetzen können?
Ganz klar, die Empathie und das persönliche Netzwerk, echte Verbindungen. Ich habe KI lange ignoriert und war fast stolz darauf, sie nicht zu brauchen. Inzwischen bin ich aber schockiert, wie viele sie ungefiltert einsetzen, gerade im E-Mail-Verkehr. Wir arbeiten sehr kreativ und strategisch, da ist die Versuchung natürlich groß, ich überlege mir Ideen deshalb immer zuerst selbst. Sobald man nämlich einen KI-Vorschlag sieht, blockiert das die eigene Kreativität. Ich sage nicht, dass man KI gar nicht verwenden sollte, sie ist oft hilfreich und wirklich effizienter. Aber man muss sie entsprechend füttern, damit wirklich etwas Gutes dabei herauskommt.
Zum Abschluss: Was war die wichtigste Lektion, die Sie in Ihrer Karriere gelernt haben?
Ich war nie ein Fan von klassischen Press Days. Wir haben uns dann trotzdem entschieden, einen zu machen. Davor war ich unsicher: Wird das überhaupt angenommen, kommt überhaupt jemand? Am Ende war jeder begeistert, und wir konnten ein Event endlich einmal genau nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten. Wenn man hinter einer Idee zu hundert Prozent steht, schafft man es auch, sie erfolgreich umzusetzen. Also: Bei einer Idee bleiben und sie durchboxen, auch wenn der Weg schwierig erscheint. Einfach machen, statt zu viel über Dinge nachzudenken, die noch gar nicht eingetreten sind.