Zeit für sich selbst
Viele Frauen funktionieren im Alltag zwischen Job, Familie und sozialen Erwartungen permanent auf Höchstleistung. Welche konkreten Spuren hinterlässt das im Körper?
Dauerstress versetzt den Körper in einen permanenten Alarmzustand. In der Modernen Mayr-Medizin sehen wir sehr klar: Die Verdauung ist eines der ersten Systeme, das darunter leidet. Gleichzeitig passiert Essen im Alltag oft nebenbei. Das überfordert den Darm zusätzlich, weil die Verdauung schon im Mund beginnt. Langfristig kann das zu Blähungen, Unverträglichkeiten oder Erschöpfung führen. Der Körper zeigt damit sehr deutlich: Er braucht Entlastung. Deshalb ist etwas scheinbar Banales wie Kauen tatsächlich zentral. Oder wie wir in der Mayr-Medizin sagen: Gut gekaut ist halb verdaut.
Warum reagiert unser Verdauungssystem so sensibel auf mentalen Druck und weshalb ist Rückzug ein so zentraler Bestandteil der Therapie?
Unser Darm ist ganz eng mit unserem Nervensystem verbunden – man spricht nicht umsonst vom ‚zweiten Gehirn‘. Stress, Druck oder innere Unruhe wirken sich unmittelbar auf die Verdauung aus. In der Mayr-Therapie nutzen wir genau dieses Wissen: Wenn wir den Menschen aus dem permanenten Reiz- und Stressumfeld herausnehmen, beruhigt sich auch der Darm nach und nach. Rückzug, Ruhe und Struktur sind daher keine Nebeneffekte, sondern zentrale therapeutische Elemente.

Viele berichten, dass sie sich schon nach wenigen Tagen Auszeit wie „resetet“ fühlen. Was passiert dabei im Körper?
Schon nach kurzer Zeit beginnt der Körper, vom Stress- in den Regenerationsmodus zu wechseln. Der Parasympathikus – also der Teil des Nervensystems, der für Erholung zuständig ist – wird aktiver. Die Verdauung verbessert sich, der Schlaf wird tiefer, Entzündungsprozesse können sich reduzieren. Viele Menschen spüren das sehr schnell, weil der Unterschied zum Alltag so groß ist. Für eine nachhaltige Wirkung braucht es aber etwas mehr Zeit. Hier markieren etwa sieben Tage oft einen entscheidenden Wendepunkt – der Körper beginnt sich neu zu regulieren, Prozesse stabilisieren sich und Regeneration wird wirklich spürbar.
Digital Detox, bewusstes Essen, Reflexion – was hat aus Ihrer Sicht den größten gesundheitlichen Hebel? Und womit sollte man im Alltag am ehesten beginnen?
Am wirkungsvollsten ist oft das, was am einfachsten klingt: Aufmerksamkeit. Bewusst essen und sich dafür Zeit nehmen. Der zweite große Hebel ist Reizreduktion – also weniger Bildschirm, weniger Ablenkung. Dann: regelmäßige Pausen, in denen der Körper wirklich zur Ruhe kommen kann. Und auch kleine Anpassungen bei den Essgewohnheiten können viel bewirken – etwa abends leichtere, gut verdauliche Speisen zu wählen und auf Rohkost zu verzichten. Wer hier im Alltag kleine Veränderungen schafft, wird oft überraschend schnell positive Effekte spüren.