Wer investiert, entscheidet: Warum mehr Frauen im Angel Investing den Innovationsstandort verändern könnten
Rund 11.000 aktive Angel Investor*innen gibt es in Deutschland – weniger als 15 % davon sind Frauen. Diese Schieflage ist mehr als eine statistische Randnotiz: Sie beeinflusst maßgeblich, welche Geschäftsmodelle finanziert und welche Innovationen realisiert werden.
Europaweit fließt weiterhin nur ein Bruchteil des Venture-Capitals in Start-ups mit weiblichen Gründerteams. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Diversität auf Investorenseite Investitionsentscheidungen verändert: Investorinnen investieren signifikant häufiger in Gründerinnen und tragen damit zu einer breiteren Verteilung von Kapital bei.
Trotz hoher privater Vermögen liegt die zentrale Herausforderung weniger im Kapital selbst als im Zugang dazu. Angel Investing gilt nach wie vor als komplex, exklusiv und schwer zugänglich – insbesondere für Erstinvestorinnen.
Vor diesem Hintergrund gewinnen neue Formate an Bedeutung. Die Initiative „Angel Investing 101“, initiiert von Julia Bandov (Women in Tech Germany), setzt genau hier an. Der Auftakt der geplanten Eventreihe fand kürzlich in Berlin in Kooperation mit HubSpot statt, weitere Stationen – unter anderem in München – sind geplant.

Im Unterschied zu klassischen Pitch-Formaten steht hier die Praxis im Mittelpunkt: Teilnehmende analysieren Start-ups im Team, arbeiten mit realitätsnahen Cap Tables und treffen gemeinsame Investitionsentscheidungen. Der interaktive Ansatz zielt darauf ab, Wissen greifbar zu machen und Einstiegshürden abzubauen.
Die Resonanz zeigt: Formate dieser Art können nicht nur Verständnis schaffen, sondern auch konkrete Neugier auslösen – insbesondere bei Frauen, die bislang wenig Berührungspunkte mit Angel Investing hatten.
Gleichzeitig wird deutlich, welchen Einfluss unterschiedliche Perspektiven auf die Qualität von Entscheidungen haben. Werden Chancen und Risiken gemeinschaftlich bewertet, lassen sich blinde Flecken reduzieren und Annahmen kritischer hinterfragen.
Für das Startup-Ökosystem ist das mehr als eine Frage der Teilhabe. Eine breitere Beteiligung auf Investorenseite könnte langfristig auch die Kapitalverteilung verschieben und damit beeinflussen, welche Ideen überhaupt die Chance bekommen, umgesetzt zu werden.
Die Herausforderung liegt nicht mehr im Interesse – das ist vorhanden. Sie liegt in der Struktur: in zugänglicheren Einstiegsformaten, in Netzwerken, die Wissen weitergeben, und in einer Angel-Szene, die aufhört, sich selbst als Insiderclub zu verstehen.