Im deutschen Bundesland Bayern hat es die Diskussion rund ums Gendern bis ins Klassenzimmer geschafft. Lehrkräfte dürfen in offiziellen Texten keine gendergerechte Sprache verwenden. Denn: Schüler*innen sollen nicht dazu ermutigt werden, selbst zu gendern. Auf den ersten Blick geht es um Satzzeichen und Schreibweisen. Wer genauer hinsieht, erkennt jedoch nicht die Liebe zur deutschen Rechtschreibung, sondern politische Symbolpolitik.

Seit fast zwei Jahren ist das bayerische Genderverbot für Schulen, Hochschulen und staatliche Verwaltung in Kraft. Seit 1. April 2024 verbietet die Allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats Bayern (AGO) „mehrgeschlechtliche Schreibweisen durch Wortbinnenzeichen“ wie Genderstern, Doppelpunkt, Gender-Gap und Mediopunkt.

Die Regelung gilt im dienstlichen Schriftverkehr für staatliche Beamte und Beschäftigte. Sie wird jedoch nicht als Verschärfung, sondern als Klarstellung kommuniziert. Denn schon zuvor legte die die AGO fest, dass die bayerische Staatsverwaltung „die Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung“ anwenden muss. Und die Nutzung von Wortbinnenzeichen sehe diese Regeln bisher nicht vor.

Doch das bayerische Genderverbot ist weniger ein Bildungs- oder Gleichstellungsthema, als vielmehr ein Mittel, um politische Positionen zu inszenieren. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU/CDU) stellt selbst vor einem Jahr bei einer politischen Veranstaltung klar: „Gendern ist mir A zu anstrengend und B zu doof“.  

Die Regelung signalisiert Haltung: konservativ, traditionell und gegen „ideologische Eingriffe“ in Sprache und Gesellschaft. Die Ironie dabei ist, dass das Genderverbot genau das ist: ein ideologischer Eingriff in Sprache und Gesellschaft. Die eigentlichen Herausforderungen, wie Lehrkräftemangel, die Herausforderungen mit dem digitalen Wandel und Förderungen benachteiligter Schüler*innen geraten dadurch in den Hintergrund. Was Schüler*innen also vermeintlich schützen soll, schadet ihnen insgeheim.

Die Debatte verdeutlicht: Symbolpolitik ist laut, emotional und mobilisierend, aber oft folgenarm. Wer Gleichstellung fördern will, sollte sich nicht mit Sternchen aufhalten, sondern konkrete Maßnahmen ergreifen: gleiche Chancen im Unterricht, faire Bildungsressourcen und eine inklusive Lernumgebung schaffen. Und das beginnt mit einer Sprache, die alle mitdenkt und auch meint.

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