StartOpinionWenn der Friedensnobelpreis zur Requisite wird

Wenn der Friedensnobelpreis zur Requisite wird

Ein Friedensnobelpreis als Geschenk an Donald Trump: Was als politisch kluge Geste gedacht war, steht in auffälligem Kontrast zu jenen Auszeichnungen, die bewusst auf Wirkung setzten – und nicht auf Aufmerksamkeit.

Wahrscheinlich war der Friedenspreis des Weltfußballverbands FIFA für Donald Trump die bessere Idee. Denn bei der FIFA konnte der US-Präsident immerhin einen gewinnbringenden Deal abschließen. Bei María Corina Machado scheint er eher nicht daran zu glauben. Deshalb war das Verschenken ihres Friedensnobelpreises an Trump „mehr als flüssig“, wie es in einem alten Film einmal hieß – nämlich überflüssig.

Anders wäre es vielleicht gewesen, hätte die venezolanische Oppositionsführerin dem Geschenk auch gleich das Preisgeld beigelegt: 11 Millionen Schwedische Kronen, rund eine Million Euro. Dann wäre es für Trump womöglich ein „Deal“ gewesen – und mehr als eine Fotosession wert.

Bestenfalls “nice”

So aber bleibt Machado für Trump bestenfalls „nice“, politisch jedoch irrelevant. Und ihre Geste nicht viel mehr als ein social-media-taugliches Motiv, das in kürzester Zeit zu satirischen Memes auf Instagram und X verarbeitet wurde. Schlimmer noch: Sie rief eine historische Erinnerung wach, die niemand braucht. 1943 schickte der norwegische Dichter Knut Hamsun seine Literatur-Nobelpreismedaille per Post an Joseph Goebbels – ein Symbol moralischer Verirrung, das medial bis heute nachwirkt.

Das hatte Machado, die mutig Widerstand gegen das Regime von Nicolás Maduro geleistet hatte und vom Nobelkomitee für ihren Einsatz für Demokratie in Venezuela gelobt wurde, nun wirklich nicht verdient. Zumal die öffentliche Abfuhr nicht lange auf sich warten ließ: Trump machte mehrfach deutlich, Machado fehle die nötige Unterstützung im eigenen Land, um es zu führen.

Was bleibt, ist ein doppelter Schaden: ein entwerteter Friedensnobelpreis – und eine geschwächte Oppositionspolitikerin. Trump hingegen orientiert sich lieber an der anderen starken Frau Venezuelas: an Delcy Rodríguez, derzeit Vizepräsidentin, die während des Maduro-Regimes Karriere machte. Demokratie zählt dabei weniger, Deal-Making umso mehr.

Damit stellt sich zwangsläufig eine grundsätzliche Frage: Wie sinnvoll ist es überhaupt, aktiven Politikerinnen und Politikern den Friedensnobelpreis zu verleihen – erst recht, solange ihre Friedensleistung weder abgeschlossen noch nachhaltig belegt ist? Ein Blick in die Geschichte zeigt zahlreiche Kontroversen dieser Art. Eine der bekanntesten ist die Auszeichnung von Barack Obama im Jahr 2009, nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt. Die spätere Außenpolitik seiner Regierung trug allerdings wenig zur Stabilisierung des Nahen und Mittleren Ostens bei.

Zielführender wäre es – wie schon in vergangenen Jahren – Denker*innen, Philosoph*innen oder Aktivist*innen auszuzeichnen; Menschen, die nicht zwingend über politische Macht verfügen, ihr Handeln aber langfristig und konsequent am Frieden ausrichten. Ein Beispiel dafür ist die 2014 geehrte Malala Yousafzai, die sich trotz eines Attentats weiterhin unbeirrbar für Mädchenbildung einsetzt. Oder die Menschrechtlerin Narges Mohammadi, die 2023 den Friedensnobelpreis für ihren Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran erhielt.

Unter Dauerbeobachtung

Politik hat es derzeit nicht leicht. Sie agiert unter Dauerbeobachtung, muss immer schneller reagieren und hat kaum noch Raum für langfristige Wirkung. Kein guter Zeitpunkt also für Preise, die eigentlich erst rückblickend vergeben werden sollten. Natürlich produzieren Auszeichnungen Schlagzeilen – und damit Aufmerksamkeit. Aspekte, die sich natürlich auch das Nobelkomitee sichern will.

Doch statt schneller Headlines und schillernder Bilder sollte Frieden wieder echte Geschichten erzählen dürfen. Geschichten, die bleiben und Vorbildwirkung entfalten. Wie die geehrten Malala und Mohammadi zeigen: Nicht jede Geste wirkt – echte Haltung schon.

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