Sabine Schnabel: „Ich habe viele Chancen angenommen, ohne zu wissen, ob ich es schaffe“
Manche Karriereschritte fühlen sich erst im Rückblick wie Wendepunkte an. Bei Sabine Schnabel waren es oft Chancen, deren Ausgang offen war: der Wechsel aus der Kommunikationsberatung auf Kundenseite, der Schritt ins Unternehmertum und schließlich die Gründung ihrer eigenen Agentur. Heute ist die CEO von BSH advisors ihrem früheren Ich dankbar, dass es diese Möglichkeiten angenommen hat – auch ohne zu wissen, ob es klappen würde. In unserer Reihe „Now She Knows“ spricht sie über entscheidende Begegnungen, Role Models und darüber, warum man gerade am Anfang der Karriere öfter Ja sagen sollte.
Was war Ihr persönlicher Game-Changing-Moment?
Da gab es einige! Rückblickend sicher mein ursprünglicher Einstieg in die Kommunikationsberatung, dann mein Sprung als Berater auf Kundenseite, zum damaligen DAX-Konzern Metro – und von dort dann die Agenturgründung in Wien. Rückblickend kann ich sagen, dass es fast erschreckend ist, wie viele wegweisende Momente, Begegnungen und Entscheidungen es gibt. Also hätte man das oder das nicht gemacht, wäre man nicht da wo man heute ist. Ich bin meinem früheren Ich sehr dankbar, dass ich so viele Chancen angenommen habe, auch wenn ich meist keine Ahnung hatte ob ich das schaffe oder nicht.
Was hätten Sie zu Beginn deiner Karriere gebraucht, was damals noch nicht vorhanden war, aber heute verfügbar ist?
Als ich begonnen habe, war es super ungewöhnlich, dass man sich mit Ende 20 in der Branche selbstständig macht und eine eigene Agentur gründet. Seniorität war viel wichtiger als heute, als junge Frau noch dazu. Hier gibt es heute viel mehr Role Models, sowohl im echten Leben als auch medial. Das ist sehr gut so!
Was hatte den größten Impact auf Ihre Laufbahn?
Wahrscheinlich meine juristische Ausbildung, die in dem Kommunikations- und Unternehmerumfeld, in dem ich heute zuhause bin, eine echte Positionierung und auch echte Hilfe ein der Beratung ist. Vor allem merke ich das bei Krisenmandaten oder in der Kommunikation für börsennotierte Unternehmen oder Kunden, die in ein sehr reguliertes Umfeld eingebunden sind.
Was war der größte Karriere-Boost?
Der Schritt ins Unternehmertum vor fast 14 Jahren und als dann die ersten großen Projekte kamen, ich die ersten Mitarbeiter einstellen konnte – die Jahre in der Beratung zählen in der Erfahrung sowieso doppelt und die im Unternehmertum nochmal dazu. Ich bezeichne meinen Job gerne als „Bezahlte Fortbildung“.
In welchen Situationen denken Sie heute: „Hätte ich das bloß früher gewusst“?
Dass man alles mit einer gewissen Leichtigkeit angehen sollte, nicht rein output-driven – Projekte, wo man fix davon ausgeht, dass sie umgesetzt werden – die kommen nicht, dafür andere, die völlig unwahrscheinlich schienen, werden schneller Realität als man denkt. Und über Umwege finden einen Mandanten und Kooperationspartner oft zu einem anderen Zeitpunkt als geplant. Und das ist gut so, man muss Dinge geschehen lassen!
Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit mehr Frauen Führungspositionen erreichen – und welche, damit sie erfolgreiche Unternehmerinnen werden?
Wir brauchen ganz generell ein anderes gesellschaftliches Narrativ. Es ist immer noch Standard, dass Frauen sich weniger zutrauen, sich mehr in Frage stellen, weniger oft Karrierechancen annehmen. Das fängt schon sehr früh an. Ich habe meiner Tochter immer beigebracht, dass sie alles machen kann wenn sie will und dafür arbeitet. Ich finde, dass wir hier heute schon weiter sind als vor 20 Jahren – aber immer noch nicht im Ansatz da, wo es sein soll, vor allem in Österreich. Frauenförderung wird immer gleichgesetzt mit Teilzeit, Flexibilität, Familienfreundlichkeit. Das ist in Teilen schon richtig, aber in Führungspositionen und schon gar nicht im Unternehmertum gibt es den einfachen Weg – es ist einfach hart, aber eben auch großartig! Und das gilt für Frauen genauso wie für Männer. Mit und ohne Kinder übrigens, mit Kindern ist es natürlich nicht einfacher.
Ihr persönlicher Karriere-Rat an alle?
Die ersten 10 Jahre der Karriere so viel wie möglich machen, zu allen Chancen JA sagen, auch wenn man keine Ahnung hat wie es gehen soll. Weniger auf Gehalt oder den konkreten Output schauen sondern vielmehr Erfahrungen und Netzwerk sammeln. Das ist die Basis für die späteren Karriereschritte. Wenn man mit 25 nur 80% arbeitet, kann das ein netter Job sein, darauf baut sich aber keine Karriere auf, weder im Konzern noch im Unternehmertum
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