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Reicher dank KI?

Immer mehr Tools versprechen ihren Nutzer*innen, mit Hilfe von Algorithmen klügere Anlageentscheidungen treffen zu können. Doch was leistet Künstliche Intelligenz beim Vermögensaufbau tatsächlich? Und wo bleibt der Mensch unersetzlich? Hier die Antworten …

Hilft Künstliche Intelligenz wirklich, schlauer zu investieren?

KI kann zweifellos unterstützen – vor allem dort, wo große Datenmengen analysiert werden müssen. Goldman Sachs schätzt, dass KI langfristig die Weltwirtschaft um rund sieben Prozent wachsen lassen könnte. Das heißt: Sie verändert auch, wo Renditen entstehen – besonders in technologiegetriebenen Branchen.

„KI kann heute riesige Mengen an Daten gleichzeitig auswerten – Finanzberichte, Nachrichten, Transkripte von Analysten-Calls – und Muster erkennen, die Menschen übersehen“, erklärt Karolina Decker, Finanzexpertin und Gründerin des vielfach prämierten Beratungsunternehmens Finmarie. Zur Illustration nennt sie Folgendes: „Eine KI erkennt, dass Unternehmen, die in ihren Quartalsberichten besonders häufig über ‚Kostenkontrolle‘ sprechen, später tendenziell unterdurchschnittliche Gewinne haben.“ Solche Zusammenhänge nutze sie, um Anlageideen zu finden.

Auch Marietta Babos, Finanzberaterin und Gründerin von Damensache, betont den Mehrwert datenbasierter Unterstützung: „KI liefert Fakten, vergleicht unzählige Produkte
und erkennt Trends, die einem einzelnen Menschen vielleicht entgehen würden.“ Aber: KI
trifft keine Entscheidungen – sie schlägt bloß vor. Und weiter: „Geldanlage ist nicht nur Mathematik, sondern Psychologie, Verantwortung und Lebensplanung“, gibt Marietta Babos zu bedenken.

Wie zuverlässig sind KI-Empfehlungen – und worauf sollte man achten?

So klug KI-Modelle auch erscheinen mögen – sie bleiben abhängig von der Qualität ihrer Daten. „KI kann sehr zuverlässig sein – wenn sie richtig eingesetzt wird. Aber sie ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie basiert“, so Karolina Decker. „Wenn sich Märkte stark verändern oder Angaben unvollständig sind, kann das zu Fehleinschätzungen führen.“

Auch Expertin Marietta Babos warnt: „Viele KI-Tools werden von Finanzinstituten entwickelt, die natürlich auch eigene wirtschaftliche Interessen haben. Ein unabhängiger Finanzberater filtert das – er kennt den Markt, die Produkte, aber vor allem den Menschen dahinter.“

Wo liegen die Vorteile gegenüber klassischen Finanzberater*innen?

Eine KI kann täglich zehntausende Finanzberichte und Marktkommentare auswerten. Ein Mensch schafft vielleicht 20. Dennoch ersetzt sie keine persönliche Begleitung. „KI kann Prozesse effizienter machen, sie kennt aber keine Biografien, keine Emotionen
und keine Verantwortung“, sagt Simone Klein, Investment Advisorin bei der österreichischen Schoellerbank. „Sie kann unterstützen, analysieren und beschleunigen –
doch die Entscheidung selbst bleibt beim Menschen. Vertrauen bleibt die wichtigste Währung in der Vermögensanlage.“

Auch Marietta Babos sieht in der Kombination von Mensch und Maschine den größten
Mehrwert: „Ein Algorithmus weiß, was rentabel sein könnte, aber nicht, was für jemanden richtig ist. Finanzberater*innen bringen Erfahrung, Intuition und Verantwortung ein – und helfen, langfristig dranzubleiben.“

Wo stößt KI beim Vermögensaufbau an ihre Grenzen?

Ereignisse wie die Finanzkrise 2008, die Pandemie 2020 und auch Panikverkäufe an den Märkten konnte und kann kein Modell vorhersagen. „Auch die beste KI kann nicht
in die Zukunft sehen“, sagt Karolina Decker. „Sie erkennt Muster aus der Vergangenheit, aber wenn sich die Spielregeln ändern, liegt sie daneben. Marietta Babos ergänzt: „Gerade Frauen brauchen oft einen Raum, um Fragen zu stellen. Eine gute Finanzberatung schafft diesen vertrauensvollen Raum – KI liefert Informationen, aber sie baut kein Vertrauen auf.“

Ein noch ungelöstes Problem ist auch der hohe Energieverbrauch: Goldman Sachs etwa rechnet damit, dass der Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 um mehr als 160 Prozent steigen wird. Das kann teuer werden und Engpässe verursachen.

Wie wird sich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Investments in näherer Zukunft entwickeln?

Einigkeit herrscht bei allen drei Expertinnen: KI wird bleiben – aber sie wird den Menschen nicht ersetzen. „KI macht den Beratungsprozess effizienter bei all dem, was automatisiert werden kann. Das eröffnet Berater*innen mehr Zeit für das, was am stärksten zählt: das persönliche Gespräch“, so Marietta Babos. Karolina Decker sieht die Zukunft ähnlich: „Ich glaube an den Ansatz von Mensch plus Maschine. Im kurzfristigen Handel werden Algorithmen dominieren; im langfristigen Vermögensaufbau bleibt der Mensch unverzichtbar.“ Oder wie es Simone Klein formuliert: „Den größten Mehrwert sehen wir in der Verbindung von Tradition und Innovation. Langfristiger Anlageerfolg entsteht dort, wo Technologie die Erfahrung ergänzt – und Vertrauen die Basis bildet.“


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