Wie ist Saint Savoy entstanden und was war dein persönlicher Antrieb, Schuhe zu entwerfen?

Ich habe schon immer viel Wert auf gutes Schuhwerk gelegt. Ein guter Schuh wertet das ganze Outfit auf. Als ich das Tanzen für mich entdeckte, habe ich gemerkt: Die Schuhe am Markt sind entweder total kitschig oder nicht bequem. Also habe ich begonnen, Schuhe für meine eigenen Bedürfnisse zu entwickeln. Wichtig war mir von Anfang an, dass ich sie nicht nur am Tanzparkett tragen kann, sondern auch im Alltag. Heute ist nur noch die Hälfte meiner Kund*innen wirklich Tänzer*innen. Die anderen sind Menschen, die Stil, Qualität und Komfort schätzen.

Was hast du beruflich gemacht bevor du Saint Savoy gestartet hast? War das schon in Richtung Mode und Design oder etwas komplett anderes?

Ich bin in Spanien aufgewachsen, habe dort maturiert und bin dann nach Wien gekommen. Hier war ich neun Jahre bei Austrian Airlines. Ich bin ausgebildete Bankkauffrau und war auch einige Jahre bei einer Bank. Es hat mir damals nicht besonders gefallen, aber es kommt mir jetzt zugute, besonders für alles Buchhalterische.

Wo hast du das Handwerk rund ums Schuhmachen gelernt?

Ich habe mir das im Grunde selbst beigebracht. Und ich hatte eine richtig gute Mentorin in Spanien, wo ich aufgewachsen bin. Ich kenne mich dort gut aus, spreche die Sprache, und deshalb dort sitzt auch meine Hauptproduktion.

Wann war dir klar: Daraus mache ich ein Business?

Ich habe sofort gewusst: Das kann funktionieren. Von der Idee bis zum Launch hat es dann ungefähr zwei Jahre gedauert. Ich musste ja erst alles lernen, eine Produktion aufbauen, und die ersten Modelle waren noch nicht gleich startklar. Da habe ich viel angepasst, Materialien gewechselt, Prototypen getestet. Ich habe mir außerdem von Anfang an vorgenommen, ausschließlich in Europa zu produzieren und mit europäischen Materialien zu arbeiten. Bei bestimmten Komponenten war das gar nicht so leicht, da musst du wirklich suchen und die richtigen Zulieferer zusammenbringen. 2014 habe ich dann gegründet.

Deine Schuhe sind stark von Swing und Vintage inspiriert. Was fasziniert dich an dieser Ästhetik?

Es ist vor allem die Eleganz, die mich daran reizt. Gleichzeitig bin ich selbst sehr sportlich und mag es, wenn etwas ein bisschen frech ist, aber vor allem alltagstauglich bleibt. Schuhe müssen für mich funktionieren: Man soll darin laufen, springen, spazieren gehen können. Trotzdem wollte ich dieses zeitlos Klassische. Man kann die Schuhe genauso gut zu Jeans und T-Shirt tragen und genau das macht sie für mich so besonders.

Du produzierst in Spanien und Portugal und arbeitest mit europäischen Materialien. Warum ist dir das so wichtig?

Weil das für mich einer der seltenen Fälle ist, in denen Wirtschaft und Umweltschutz wirklich am selben Strang ziehen. In Europa zu produzieren stärkt die Wirtschaft und gleichzeitig ist es aus Umwelt- und Standardsicht einfach sinnvoll. Gerade beim Leder ist der Unterschied enorm: In Europa gibt es strenge Vorgaben. Wenn du Leder aus manchen Regionen außerhalb Europas beziehst, können die Belastungen durch Gerbstoffe und Schwermetalle im Abwasser richtig massiv sein. Allein deshalb macht es für mich Sinn, hier zu produzieren.

Mir ist auch wichtig, dass das Geld und die Wertschöpfung in Europa bleiben. In Spanien arbeiten zum Beispiel noch immer viele Frauen in Heimarbeit. Das hat auch in der Corona-Zeit extrem geholfen, weil wir so weiterarbeiten konnten. Natürlich ist Produktion in Europa teurer. Aber das ist es mir wert.

Was macht einen Saint Savoy Schuh zum Allrounder?

Der wichtigste Punkt ist die Sohle. Im Alltag brauchst du eine Sohle, die du wirklich auf der Straße tragen kannst, nicht nur am Parkett. Unsere Modelle sind keine offenen Riemchenschuhe, sondern geschlossenes Leder. Damit sind sie alltagstauglicher. Viele Modelle kann man in der Arbeit tragen, auf der Bühne oder eben auf der Tanzfläche.

Es kommen Tänzerinnen zu mir die sagen, sie können und wollen nicht mehr auf diesen langen Stiletto-Absätzen tanzen. Und ich habe viele Kundinnen mit empfindlichen Füßen oder Fußproblemen. Für mich ist ein guter, bequemer Schuh Lebensqualität. Ich will gut aussehen, ja – aber ich will auch den ganzen Tag unbeschwert gehen können. Und genau das ist für mich das Besondere: Oft bekommst du entweder Komfort oder Eleganz. Ich will beides zusammenbringen.

Worauf du bei Design und Herstellung ganz besonders, damit Komfort und Eleganz wirklich zusammengehen?

Erstens muss man sehr genau beobachten, wie sich Füße und Bedürfnisse verändern. In den letzten Jahren merke ich, dass viele Sneakers tragen und dass Schuhe – und Füße – insgesamt wieder breiter werden. Dafür brauchst du engen Kundenkontakt und musst immer wieder nachfragen, was wirklich gebraucht wird.

Ich entwickle breitere Leisten und passende Fußbetten selbst, aber so, dass das Design trotzdem nicht klobig wirkt, sondern elegant bleibt. Ich glaube, genau das ist meine Stärke. Manche Leisten sind vom Komfort her eigentlich das, was man früher mit „Oma-Schuhen“ assoziiert hat, wie diese bequemen Klettverschluss-Modelle. Ich „bespiele“ diesen Komfortleisten einfach anders. Und das ist am Ende der Punkt: Du spürst den Komfort, aber du siehst ihn nicht. Dazu kommen niedrige Absätze mit einer breiteren Auflagefläche, das macht beim Gehen und Tanzen extrem viel aus.

Wenn du an die Anfänge von Saint Savoy zurückblickst: Was waren die größten Herausforderungen?

Eine große Herausforderung war und ist der internationale Markt, vor allem außerhalb der EU. Das war anfangs komplex und ist es gerade mit Blick auf die USA auch wieder. Dort habe eine riesige Community. Dazu kommt die Produktion. In Europa gibt es deutlich weniger Produzenten als früher, die Produktionsweisen haben sich verändert – oft musst du größere Mengen auf einmal machen und anders einkaufen. Und wenn ein Hersteller oder ein Supplier wegfällt, musst du sofort reagieren. Das ist herausfordernd, aber auch spannend.

Würdest du etwas anders machen, wenn du heute nochmal bei null starten würdest?

Ich habe am Anfang viel zu wenig Zeit in Marketing und Sichtbarkeit gesteckt. Ich bin einfach ein Produktmensch. Wenn du mich jetzt fragst, habe ich in dieser Sekunde 20 neue Schuhideen im Kopf, die ich am liebsten sofort auf den Markt bringen würde. Das ist das, was ich wirklich gerne mache: entwickeln, produzieren, verbessern. Ich könnte mir auch gut vorstellen, noch mehr für andere Marken zu produzieren. Mir sind Schuhe wichtig und ich mache sie einfach gern. Was ich am Anfang unterschätzt habe, ist, wie entscheidend es ist, das Ganze auch zu zeigen und aktiv zu kommunizieren.

Zum Schluss ein Blick nach vorn: Was sind deine nächsten Schritte mit Saint Savoy?

Ein großer nächster Schritt ist, die Modelle, die es schon gibt, noch besser „auf die Straße“ zu bringen – also Vertriebspartner zu finden, damit die Schuhe mehr gesehen werden. Und parallel merke ich, dass mir Projekte für andere sehr viel Freude machen. Ich produziere zum Beispiel gerade Schuhe für einen orthopädischen Schuhmacher. Neue Modelle für Saint Savoy gehören natürlich auch dazu, aber dieses „für Bedürfnisse gestalten“ reizt mich gerade besonders.

Mehr dazu: https://www.saintsavoy.com/

(c) Markus Schlögl
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