Das klingt so gar nicht nach dem Finanzwesen, welches als traditionalistisch und wenig veränderungsfreudig gilt. Doch Banken und Versicherungen haben sich in den letzten Jahren als „New-Work-Vorreiter“ hervorgetan und legen ihr konservatives Image ab. Bianca Dünser, Leiterin Personal der Hypo Vorarlberg, im Interview über Herausforderungen und Lösungsansätze in Zeiten von „New Work“.

Wie stellt sich Ihrer Ansicht nach die aktuelle Situation dar?

Wir erleben gegenwärtig eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitswelt durch technologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen. Arbeit ist längst mehr als nur eine Existenzsicherung – sie wird zunehmend als identitätsstiftender Bestandteil des Lebens verstanden. Diesem Wandel begegnet die Arbeitswelt mit dem Konzept „New Work“ und dem versuchen wir als Arbeitgeber gerecht zu werden.

Wie kann eine österreichische Regionalbank diesem Anspruch gerecht werden?

Insbesondere gute Führung und Work-Life-Balance sind Themen, die im Zusammenhang mit „New Work“ derzeit bei uns im Mittelpunkt stehen. Unsere erste Pilot-Schulung „Führung Neu Denken – Führungskompetenz in Remote Settings“ hat großen Anklang gefunden und weitere Schulungen zum Thema sind bereits in Umsetzung. Diese Schulungen sind entscheidend, um Führungskräfte auf die neuen Herausforderungen vorzubereiten und ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie benötigen, um Teams effektiv zu leiten, egal wo sich die Mitglieder befinden.

Die Umsetzung der Prinzipien von „New Work“ erfordert auch Veränderungen zuzulassen – was in der Regel auch auf Widerstand stößt, oder?

Korrekt – das bestätigt die Praxis. Eine flexiblere Arbeitswelt bedeutet zugleich, dass Strukturen wegfallen und Arbeitnehmer:innen daraus resultierend selbstorganisiertes Arbeiten und ein erhöhtes Verantwortungsbewusstsein zu den eigenen Kompetenzen zählen müssen. Mit erhöhter Verantwortung geht jedoch auch Resilienz einher und somit die mentale Widerstandsfähigkeit der Belegschaft. Nicht jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter kann sich von Beginn an mit New-Work-Strukturen identifizieren. Insbesondere
in der aktuellen Überschneidung verschiedener Generationen müssen Strategien entwickelt werden, die zu einem diversen Team passen.

Welche Maßnahmen verfolgen Sie diesbezüglich?

Schulungen für die Gewährleistung des Selbstmanagements der Mitarbeiter:innen sind eine sinnvolle Maßnahme für die Personalentwicklung. Darüber hinaus bieten wir ein umfangreiches Angebot mit gezielten Maßnahmen für unsere Mitarbeiter:innen zum Erhalt der Gesundheit, Leistungsfähigkeit sowie zur Stärkung persönlicher Ressourcen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Förderung von Teamarbeit und interdisziplinärem Austausch. Wir setzen unter anderem auf agile Methoden, die es unseren Teams ermöglichen, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und innovative Lösungen zu entwickeln. Dabei beschäftigen uns folgende Fragen: Wie werden wir in Zukunft arbeiten, worauf müssen wir uns einstellen, welche Fähigkeiten werden benötigt oder  wie werden wir mit den ökonomischen, technologischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der kommenden Jahre umgehen?

Wohin geht die Reise?

Insgesamt ist „New Work“ für uns nicht nur ein Schlagwort, sondern ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Bereiche der Bank betrifft. Ich bin davon überzeugt, dass Unternehmen, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, eine Kultur schaffen müssen, in der frische Ideen Freiraum bekommen. Kreativität und Innovation benötigen Gestaltungsspielraum. Abwarten ist somit keine Option – es gilt den Wandel, im Sinne der eigenen Zukunftsfähigkeit, proaktiv mitzugestalten.

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