Nachhaltigkeit lohnt sich – nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich. Das bestätigt nun die bislang größte ESG-Datenanalyse weltweit: Das Synesgy Global Observatory 2024 des internationalen Informationsdienstleisters CRIF hat 500.000 Unternehmen aus 144 Ländern untersucht und konnte feststellen, dass ein hoher ESG-Score maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen beiträgt.
Die Studien Ergebnisse
Unternehmen mit hoher ESG-Performance, also einer starken Ausrichtung auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, erwirtschaften nicht nur höhere Umsätze, sondern sind auch signifikant seltener von Insolvenz bedroht. Firmen mit ESG-Scores der Klassen A oder B erzielen 72 Prozent des Gesamtumsatzes aller zertifizierten Unternehmen – bei gleichzeitig bis zu 35 Prozent geringerem Insolvenzrisiko. Besonders auffällig ist, dass Unternehmen mit einem hohen Governance-Score im Schnitt 5,7 Prozent pünktlicher zahlen als der Branchendurchschnitt. Für Ruth Moss, Head of Sustainability bei CRIF Austria, steht fest: „Es geht nicht mehr um die Frage, ob wir uns Nachhaltigkeit leisten können. Vielmehr ist Nachhaltigkeit essenziell für wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit.“
Die Analyse untermauert damit einen Paradigmenwechsel in der ESG-Diskussion. Was bisher vielfach als Reputations- oder CSR-Thema behandelt wurde, zeigt sich zunehmend als Wirtschafts- und Risikofaktor. Die Ergebnisse gelten branchen- und größenunabhängig und vom Großkonzern bis zum KMU. Ein weiteres zentrales Ergebnis der Analyse zeigt, dass Unternehmen, die regelmäßig ESG-Tools einsetzen, ihre ESG-Performance langfristig verbessern. Die Anwendung können dabei sowohl die strukturierte Selbsteinschätzung als auch die Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen unterstützen, da Nachhaltigkeit ein langfristiger Prozess ist.
Zusätzliche Einblicke liefert eine aktuelle österreichische Studie: Sie beleuchtet konkrete interne Erfolgsfaktoren für eine starke ESG-Performance – insbesondere Diversität im Führungsteam.
Frauenanteil im Management und ESG-Erfolg
Im ESG-Performance-Ranking 2024 von PwC Österreich konnte festgestellt werden, dass ein höherer Frauenanteil im Top-Management zu einer höheren ESG-Performance beiträgt. Im Ranking wurde die Nachhaltigkeitsleistung der 140 umsatzstärksten Unternehmen des Landes erhoben. Im Zuge dessen konnte nachgewiesen werden, dass sich der Frauenanteil in der Geschäftsführung oder im Vorstand positiv auf die ESG-Performance der Unternehmen auswirkt. Die Unternehmen mit mindestens 30 Prozent Frauenanteil schnitten in der Bewertung um 50 Prozent besser ab als der Durchschnitt aller analysierten Unternehmen. Dies lässt eine enge Korrelation zwischen ESG-Performance und Frauenanteil vermuten. „ESG-Management ist ein interdisziplinäres Themenfeld. Es muss aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachtet werden. Vielfalt – nicht nur im Geschlechterverhältnis, sondern auch im Hinblick auf Ausbildung und Themenexpertise – ist sicherlich förderlich für ein gutes Verständnis der ESG-Risiken und Chancen. Vielfalt ist kein Add-on, sondern ein Must-have, um auf das komplexe Thema Nachhaltigkeit gut vorbereitet zu sein, so Philipp Gaggl, Director ESG & Climate Change Consulting bei PwC.
Beide Studien zeigen deutlich: Nachhaltigkeit ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Während die globale CRIF-Analyse die ökonomische Relevanz von ESG umfassend belegt, liefert die PwC-Studie wichtige Hinweise auf strukturelle Erfolgsfaktoren wie Diversität im Management. Nachhaltigkeit beginnt nicht nur mit Strategie und Tools, sondern auch mit den richtigen Menschen an der Spitze.