Mischen mit Augenmaß
Nach wie vor bremsen anhaltende geopolitische Spannungen und der US-Zollstreit die Wirtschaft. Das kommende Jahr dürfte daher turbulent bleiben. Umso wichtiger ist eine breite Diversifikation im Portfolio, um Risiken zu reduzieren und Chancen zu nutzen.
Kaum ein US-Präsident hat die globalen Finanzmärkte derart bewegt wie Donald Trump. Seine Zollpolitik verunsichert und löst größere Kursschwankungen aus. Auch die geopolitischen Konflikte verschärfen sich, ein Umstand, der ebenso wenig unterschätzt werden sollte. Dies hat Einfluss auf viele Rohstoffpreise, sie haben sich deshalb zuletzt teils stark verteuert.
Noch hat das Umfeld aber auch reichlich Positives zu bieten. Marlies Kinzel, geschäftsführende Gesellschafterin bei MKP Invest, geht auf den starken Aufschwung bei Wachstumsaktien ein. Dazu zählen schließlich zahlreiche Technologietitel aus den USA. Sie wirken auf den ersten Blick aufgrund der anhaltenden Euphorie rund um Künstliche Intelligenz (KI) überhitzt. Kinzel beruhigt aber: „Jedoch werden die hohen Bewertungen oftmals von robusten Fundamentaldaten gestützt – ein Unterschied zu früheren Spekulationsblasen, bei denen die Gewinne mit den Kursentwicklungen nicht mithalten konnten.“
Auch der Blick auf Europa lohnt sich. Dort hellt sich laut Aneta Todorova, Portfoliomanagerin bei der Erste Asset Management, der Ausblick für Aktien sukzessive auf. Die Gründe sind vielschichtig, etwa wachsende Unternehmensgewinne und umfangreiche Infrastrukturpakete. Todorova meint auch, dass Aktien aus Schwellenländern in einem diversifizierten Portfolio genauso Berücksichtigung finden sollten. Die Titel böten ein überdurchschnittliches strukturelles Wachstum, seien günstig bewertet und essenziell, um an globalen Megatrends zu partizipieren.
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Eine ausgewogene und breite Diversifizierung im Portfolio halten wir generell für erstrebenswert.
Doch wie könnte es nun weitergehen? Für Alexandra Frania, Sales Director Austria & CEE Columbia Threadneedle Investments, steht fest: „Haupttreiber der Finanzmärkte werden im kommenden Jahr vor allem die Entwicklungen der Unternehmensgewinne, aber auch die geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbanken sowie die Wirtschaftsdaten sein.“ Diese Aspekte sollten nicht unterschätzt werden. So befinden sich Frania zufolge die Aktienmärkte nahe ihren Allzeithochs. Auch viele Anleihen von Unternehmen haben mittlerweile ein gutes Stück an Wert gewonnen. „Damit ist die Ausgangslage für 2026 besonders sensibel. Bereits kleine Enttäuschungen bei Unternehmensgewinnen, Wirtschaftszahlen oder den Erwartungen zur Zinsentwicklung könnten zu spürbaren Marktbewegungen führen“, so die Expertin. Alles in Allem kann eine breite Mischung des Vermögens auf mehrere Anlageklassen dabei helfen, sich gegen turbulente Zeiten besser zu wappnen. Kinzel sagt: „Eine ausgewogene und breite Diversifizierung im Portfolio halten wir generell für erstrebenswert.“
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Haupttreiber der Finanzmärkte werden vor allem die Unternehmensgewinne sein.
Ähnlich vorsichtig ist Todorova. Sie meint, es gebe erhebliche Risiken, die zu höheren Schwankungen führen könnten. So sei es etwa möglich, dass das globale Beschäftigungswachstum nachlasse.
„Auch sind Enttäuschungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Relevanz der KI möglich“, mahnt Todorova. Denkbar obendrein: Viele Staaten schrauben ihre Fiskalpakete zurück, um zu sparen. Dies und weitere Aspekte verdeutlichen, wie wichtig im Übrigen auch bei Anleihen eine Streuung ist. Frania von Columbia Threadneedle Investments betont, dass demografische Trends in westlichen Volkswirtschaften und die Aussicht auf deutlich höhere Verteidigungsausgaben die öffentlichen Finanzen zunehmend unter Druck setzten: „Bereits in den vergangenen Monaten taten sich Länder wie die USA, Großbritannien, Frankreich und Japan schwer, sich auf Haushaltspläne zu einigen. Daher konnten immer wieder Vertrauenskrisen bei Staatsanleihen auftreten.“
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Ein gemischtes Portfolio gewinnt an Bedeutung, da es ermöglicht, Chancen zu nutzen und Risiken durch eine breite Diversifikation zu mindern.
Todorova von der Erste Asset Management zieht dabei ein klares Fazit: „Vor diesem Hintergrund gewinnt ein gemischtes Portfolio an Bedeutung, da es ermöglicht, Chancen zu nutzen und Risiken durch eine breite Diversifikation zu mindern“. Doch welche Möglichkeiten zur Vermögensstreuung gibt es? Interessant könnten Mischfonds sein, bei denen Expert*innen über die Vermögensaufteilung entscheiden. So kann sich etwa der Janus Henderson Balanced Fund (IE0004445015) gut behaupten. Rund 63 Prozent sind darin in Aktien investiert, etwa aus der IT-, Finanzund Telekombranche. Der Rest des Fondsvermögens ist in Anleihen unter anderem von staatlichen Emittenten und Unternehmen veranlagt.
Ähnlich aufgestellt ist der Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 50 Fund (LU1093406186). Hier liegt der aktuelle Aktienanteil bei gut 65 Prozent, der Rest entfällt auf Renten. Nebst IT und Finanzen nehmen Aktien aus der Industriebranche ebenfalls eine durchaus hohe Gewichtung ein. Wie bei allen Investments sind jedoch auch bei diesen Produkten Verluste möglich.
Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst in der sheconomy-Printausgabe im Dezember 2025 erschienen.
Fotocredits: Erste Asset Management, Anna Waldherr Photography, Beigestellt.