StartInnovationLaura Philipp: "Wir Frauen sind keine kleinen Männer"

Laura Philipp: „Wir Frauen sind keine kleinen Männer“

Frauengesundheit ist im Leistungssport noch immer ein blinder Fleck – mit Folgen für Training, Performance und Produktentwicklung. Warum es ein Umdenken braucht und was Zykluswissen damit zu tun hat, erklärt die Triathlon-Weltmeisterin im Gespräch.

Zwischen Hightech-Materialien, Produktneuheiten und internationalen Brands wird schnell klar: Die Sportwelt denkt noch oft in alten Mustern. Als wir auf der Sport-Fachhandelsmesse ISPO in München Triathletin und Weltmeisterin Laura Philipp treffen, spricht sie nicht nur über Training und Wettkampf, sondern auch über ein Thema, das im Leistungssport lange zu wenig Platz hatte: Frauengesundheit.

Philipp gehört zur Weltspitze. Sie wurde 2021 Europameisterin, lief im Ironman einen Marathon in 2:44 Stunden – eine der schnellsten Laufzeiten in diesem Format – und auf Instagram folgen ihr 176.000 Menschen. Ihren Sport hat sie zum Beruf gemacht. Und nutzt die Bühne, um eine Botschaft zu platzieren, die auf einer Messe wie der ISPO besonders relevant ist: Frauen sind im Sport nicht nur Zielgruppe, sondern auch Innovationsmotor.

Blinder Fleck im Leistungssport: der Frauenkörper

Philipp erzählt uns, wie sie sich in einer männerdominierten Sportwelt behaupten musste – von Finanzierung bis Partnersuche. Gleichzeitig sieht sie darin einen wirtschaftlichen Hebel: Der Frauenmarkt sei im Sport noch unterrepräsentiert und genau deshalb ein Wachstumsfeld.

Vor allem aber geht es ihr um die Grundlage jeder Leistung: Gesundheit. „Wir Frauen sind eben keine kleinen Männer“, sagt sie. „Und da gibt es gerade in Bezug auf Sport Unterschiede, die beachtet werden müssen, um wirklich gesund und leistungsfähig zu sein.“

Leistung entsteht, wenn Training den Körper ernst nimmt

Ein Schwerpunkt, den Philipp auch auf ihrem YouTube-Channel immer wieder aufgreift, ist Zyklus- und Hormongesundheit. Uns erzählt sie, wie sehr sich ihr Zugang verändert hat: weg vom Durchziehen um jeden Preis, hin zu einem Training, das mit dem Körper arbeitet.

„Ich habe versucht, mein Training wirklich an meinen Zyklus anzupassen“, sagt sie. „Und konnte mich über die letzten Jahre deutlich steigern – weil ich jetzt mit meinem Körper arbeite und nicht gegen ihn.“

Dass sie diese Perspektive offensiv vertritt, ist Teil ihres „Nebenjobs“: Frauen für Sport zu begeistern – unabhängig vom Alter, aber mit einem realistischen Blick auf Lebensphasen, Belastung und Nachhaltigkeit.

Produkte für Frauen: oft noch ein Nachgedanke

Auf der ISPO fällt uns die starke internationale Präsenz auf – und gleichzeitig, wie viele Unternehmen weiterhin männlich geprägt sind. Philipp bestätigt diesen Eindruck. Und beschreibt, wo sie als Athletin ansetzen will: nicht erst am Messestand, sondern früh in der Produktentwicklung. Ein Beispiel ist so simpel wie entlarvend: der Fahrradsattel. „Wir brauchen einen anderen Sattel als Männer, weil die Anatomie des weiblichen Beckens anders ist“, erklärt sie.

Philipp versteht sich dabei nicht als Aushängeschild, sondern als Sparringspartnerin. Im Idealfall sei man als Leistungssportlerin längst mit Firmen im Austausch, bevor Produkte gezeigt werden. Es ist eine klare Ansage an eine Branche, die Innovation feiert, aber weibliche Bedürfnisse noch zu oft übersieht.

Natur, Verantwortung, Unternehmerinnengeist

Privat ist Philipp stark naturverbunden: am Land aufgewachsen, Waldorfschülerin, seit der Kindheit überzeugte Vegetarierin. Sie versuche, ihren Fußabdruck zu reduzieren, ohne Perfektion zu behaupten. Dieser Anspruch, bewusst zu leben, passt zu ihrer sportlichen Haltung: langfristig denken, statt kurzfristig kaputt optimieren.

Dazu kommt ihr unternehmerischer Drive: Mit Kickass Sports bietet Philipp Trainingspakete, Coachings, Leistungsdiagnostik, Bike Fitting und Education-Seminare – für Triathlon, Laufen und ambitionierte Ziele vom ersten Wettkampf bis zur Bestzeit.

Laura Philipp zeigt, wie eng Leistungssport, Gesundheit und Markt zusammenhängen. Ihre Botschaft: Wenn Sport wirklich zukunftsfähig sein soll, müssen Frauen nicht nur Zielgruppe sein, sondern Teil der Produktentwicklung.

„Ich bin jetzt schon 38 und habe trotzdem das Gefühl, dass ich mittlerweile die gesündeste, stärkste Version meiner selbst bin und noch so viel Potenzial habe“, sagt sie. Genau diese Erfahrung will sie weitergeben – als Botschaft an Frauen und an die Branche: Frauengesundheit gehört ins Zentrum von Training und Produktentwicklung, wenn Leistung langfristig möglich sein soll.

Fotomaterial(c) Laura Philipp

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