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Kommt der digitale Euro?

Rund 20 Jahre nach der Einführung des Euro tritt die Europäische Zentralbank (EZB) in die nächste Phase ihres Projekts zur Entwicklung eines digitalen Euro ein. Obwohl diese Phase, offiziell als „formale Untersuchungsphase“ bezeichnet wurde,  könnte der digitale Euro bald Realität werden. 

Vor der Ausgabe der Euro-Münzen und -Banknoten am 1. Januar 2002 – dem größten Bargeldumtausch in der Geschichte der 12 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) – hatte es ein dreijähriges „Schattendasein“ der Währung gegeben, die seit dem 1. Januar 1999 für Abrechnungen und elektronische Zahlungen verwendet wurde. Davor gab es eine zehnjährige Vorbereitungsphase, in der wirtschaftliche und politische Fragen gelöst werden mussten. Während viele der damaligen Hindernisse nicht mehr bestehen, gibt es heute neue Herausforderungen, die die EZB zwar mit Sorgfalt angeht, aber die Vorbereitungsphase für den digitalen Euro nur halb so lang sein soll wie die seiner analogen Mutter.

Euro-Technologien im Test

Im Oktober 2020 veröffentlichte die EZB ihren ersten Bericht, seitdem testet sie Optionen für Technologien und Infrastrukturen, die die Ausgabe des digitalen Euro im Einklang mit den Zielen des Eurosystems in Bezug auf Währungsstabilität, Integrität, Sicherheit und – als neue Anforderung speziell für die digitale Währung – Vertraulichkeit erleichtern könnten. Die EZB prüft derzeit Möglichkeit, einen digitalen Euro mit einem zentralisierten System, einem dezentralisierten System, einer Mischung aus beidem und mit Offline-Zahlungen zu betreiben. Dies geschieht in vier Arbeitsgruppen. Nach der anstehenden zweijährigen Untersuchungsphase – in der sie auch das Europäische Parlament, die Europäische Kommission, den Europäischen Rat und die Gruppe der europäischen Finanzminister konsultieren wird – plant die EZB eine Umsetzungsphase von etwa drei Jahren in Zusammenarbeit mit Banken und Technologieanbietern.

Digital, aber nicht Krypto

Es ist wichtig zu wissen, dass der digitale Euro kein Krypto-Vermögenswert sein wird. Bei Krypto-Vermögenswerten kann es sich um vermögenswertbezogene Token handeln (Krypto-Werte, die als Tauschmittel dienen sollen und durch Bezugnahme auf Fiat-Währungen, Rohstoffe oder andere Krypto-Werte einen stabilen Wert haben sollen, auch Stablecoins genannt). Sie können E-Geld-Token sein (Krypto-Assets, die als Tauschmittel dienen sollen und auf Fiat-Währung lauten). Oder sie können Utility-Token sein (Krypto-Assets, die digitalen Zugang zu Anwendungen, Diensten oder Quellen bieten und nur von Emittenten akzeptiert werden). Damit ist der Hauptunterschied umrissen: Krypto-Vermögenswerte sind digitale Darstellungen von Werten oder Rechten, die elektronisch übertragen und gespeichert werden können und auf der Verwendung der Distributed-Ledger-Technologie (Blockchain) basieren. Der digitale Euro ist weder ein Token, noch handelt es sich um E-Geld, das von beaufsichtigten privaten Stellen ausgegeben wird.

DIE EZB gab Marktberatungsgruppe für das Digital-Euro-Projekt bekannt

Die Task Force des Eurosystems für digitale Zentralbankwährungen rief am 14. Juli zur Interessenbekundung auf. Nach der Bewertung der Bewerbungen ernannte der Auswahlausschuss 30 hochrangige Wirtschaftsexpert*innen mit nachgewiesener Erfahrung und einem umfassenden Verständnis des Massenzahlungsverkehrsmarkts im Euroraum. „Ich freue mich, dass viele hochkarätige Experten aus der Privatwirtschaft bereit sind, zum digitalen Euro-Projekt beizutragen“, so EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta, Vorsitzender der hochrangigen Task Force. „Ihr Fachwissen wird es erleichtern, die Ansichten potenzieller Nutzer und Händler über den digitalen Euro während der Untersuchungsphase zu berücksichtigen.“ Die Mitglieder der Marktberatungsgruppe werden in persönlicher Funktion tätig sein und das Eurosystem in Bezug auf die Gestaltung und den Vertrieb eines potenziellen digitalen Euro aus der Sicht der Branche beraten sowie in der Frage, wie ein digitaler Euro allen Akteuren im vielfältigen Zahlungsverkehrsökosystem des Euroraums einen Mehrwert bieten könnte.

Digitaler Euro soll risikofrei sein

Die EZB beschreibt den digitalen Euro als eine risikofreie Form von Zentralbankgeld, eine digitale Darstellung des Bargelds, die ausschließlich von ihr selbst ausgegeben wird und immer ihre Haftung behält. Wie beim bestehenden Euro ist die EZB dafür verantwortlich, die Stabilität der Kaufkraft des digitalen Euro durch die Durchführung ihrer Geldpolitik zu gewährleisten. Der gängige Oberbegriff für eine solche Währung ist CBDC (central bank digital currency). Aber auch hier gilt, dass der digitale Euro selbst kein Krypto-Asset sein wird. Die Verwendung einer Blockchain würde zwar dazu beitragen, das bereits erwähnte Problem der Vertraulichkeit zu lösen, gleichzeitig aber auch die Integrität der mit dem digitalen Euro abgewickelten Zahlungen infrage stellen, da die Grundsätze der Kundenidentifizierung, der Geldwäscheprävention und der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung nur schwer umzusetzen wären. Für welche Backend-Infrastrukturlösung sich die EZB letztendlich entscheidet, wird aber noch von anderen Faktoren abhängen. Ein konkreter rechtlicher Rahmen für den digitalen Euro ist noch nicht vorhanden. Die Entwicklung der endgültigen Architektur wird daher ein sehr interessanter Prozess sein, den es zu verfolgen gilt.

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