Investieren mit Weitblick: Was wir jetzt über Risiko, Vorsorge und Diversifikation wissen sollten
Die Finanzmärkte wirken derzeit unruhig: geopolitische Spannungen, Inflation und volatile Rohstoffpreise prägen die Schlagzeilen. Gleichzeitig zeigen viele Indizes seit Jahresbeginn eine überraschend stabile Entwicklung.
In unserer Investment Session – einer Special Edition der Career Sessions – haben Finanzexpert*innen einen Blick auf die aktuelle Marktlage geworfen und diskutiert, wie Anleger*innen ihr Portfolio in unsicheren Zeiten stabil aufstellen können.
Mit dabei waren Jörg Moshuber (Schoellerbank Invest) mit einem Marktüberblick, Angelika Wallner (VBV-Gruppe) zur betrieblichen Altersvorsorge sowie Sophie Thurner (beatvest) und Lisa Pulsinger (Moneyküre), die im Panel über Diversifikation, Risiko und Anlagestrategien diskutierten.
Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der Session.
1. Krisen gehören zum Markt – langfristiges Investieren zahlt sich aus
Auch wenn sich Nachrichtenlagen oft dramatisch anfühlen, zeigen historische Daten ein klares Muster: Märkte erholen sich nach Krisen meist schneller als erwartet.
Viele geopolitische Konflikte wirken sich kurzfristig auf die Märkte aus, langfristig setzen sich jedoch wirtschaftliche Trends und Wachstum durch. Entscheidend ist daher weniger das perfekte Timing als eine langfristige Anlagestrategie.
Die zentrale Botschaft der Expert*innen: Wer breit investiert bleibt und kurzfristige Schwankungen aushält, hat langfristig bessere Chancen auf stabile Renditen.
2. Diversifikation ist der wichtigste Schutz gegen Risiken
Ein zentrales Thema der Session war Diversifikation – also die Streuung von Investments.
Ein gut aufgebautes Portfolio verteilt Risiken über mehrere Dimensionen:
- unterschiedliche Anlageklassen (z. B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe)
- verschiedene Regionen
- mehrere Branchen und Sektoren
- unterschiedliche Währungen
Diese breite Streuung reduziert das Risiko von starken Verlusten deutlich. Studien zeigen, dass bei langfristig diversifizierten Portfolios die Wahrscheinlichkeit eines negativen Ergebnisses über viele Jahre hinweg sehr gering ist.
Ein wichtiger Hinweis der Expert*innen: Auch ETFs sollten genauer analysiert werden. Viele globale ETFs sind stark auf US-Technologieunternehmen konzentriert – was wiederum neue Klumpenrisiken erzeugen kann.
3. Frauen sind bei der Altersvorsorge strukturell benachteiligt
Ein besonders wichtiger Teil der Session beschäftigte sich mit der finanziellen Situation von Frauen im Alter.
Der Gender Pension Gap in Österreich liegt bei rund 40 %. Gründe dafür sind unter anderem:
- hohe Teilzeitquoten
- längere Erwerbsunterbrechungen durch Care-Arbeit
- insgesamt niedrigere Einkommen
- höhere Lebenserwartung
Das Ergebnis: Alleinstehende Pensionistinnen sind deutlich häufiger von Armut betroffen als Männer.
Umso wichtiger ist es, dass Frauen frühzeitig eigene Vorsorgestrategien entwickeln und finanzielle Entscheidungen aktiv mitgestalten.
4. Betriebliche Altersvorsorge wird oft unterschätzt
Eine wichtige, aber wenig bekannte Säule ist die betriebliche Altersvorsorge. In Österreich fließen beispielsweise bei der „Abfertigung neu“ automatisch 1,53 % des Bruttogehalts in eine Vorsorgekasse. Diese Beiträge wachsen über die Jahre weiter – viele Arbeitnehmer*innen beschäftigen sich jedoch kaum damit oder wissen wenig über ihre Ansprüche.
Besonders wichtig:
- Guthaben können beim Arbeitgeberwechsel übertragen werden
- freiwillige Beiträge können die Vorsorge erhöhen
- auch während der Karenz laufen Einzahlungen weiter
Wer sich früh mit diesen Möglichkeiten beschäftigt, kann langfristig einen wichtigen Beitrag zur eigenen finanziellen Sicherheit leisten.
5. Emotionen sind oft der größte Investmentfehler
Ein weiterer wichtiger Punkt: Viele Fehlentscheidungen beim Investieren entstehen nicht durch mangelnde Informationen, sondern durch Emotionen.
Typische Muster sind:
- Verkauf bei Kursverlusten aus Angst
- Einstieg bei stark steigenden Kursen aus Euphorie
- zu häufiges Überprüfen des Portfolios
Die Expert*innen empfehlen daher, klare Strategien zu definieren und regelmäßig – aber nicht zu häufig – das Portfolio zu überprüfen, etwa ein- bis zweimal pro Jahr.
6. Finanzwissen stärkt Selbstbestimmung
Studien zeigen, dass Frauen ihr Finanzwissen oft kritischer einschätzen als Männer – obwohl sie Entscheidungen häufig sorgfältiger und langfristiger treffen.
Der wichtigste Schritt ist daher, Finanzwissen systematisch aufzubauen: durch Beratung, vertrauenswürdige Informationsquellen, Bücher, Podcasts oder Veranstaltungen.
Formate wie unsere Investment Sessions sollen genau dafür Raum bieten: für Orientierung, Austausch und neue Perspektiven auf Finanzthemen.
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Die Investment Session ist Teil unserer Career Sessions, einer Webinarreihe rund um Karriere, Finanzen und persönliche Entwicklung.
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