Sie arbeiten seit Jahrzehnten im Aktien-Portfoliomanagement von
Union Investment. Wie sind Sie ins Fondsmanagement gekommen?
Ich habe 1986 an der London University studiert und bin beim Durchblättern des Evening Standard auf eine Headhunter-Annonce gestoßen, in der ich mich sofort erkannte. Ich bewarb mich – und bekam meinen Einstiegs-Job als Fondsmanagerin bei Morgan Stanley Asset Management. Davor wusste ich gar nicht, was Fondsmanagement ist, obwohl ich eine Banklehre gemacht habe. Das hatte man uns nicht beigebracht.
Was war auf Ihrem Karriereweg die schwierigste Herausforderung?
Die Lehman-Krise. Mein damaliger Chef ließ jede Empfehlung im Fonds und ging mit mir den Investmentcase durch. Was sind die Treiber für die Aktie? Wie sieht die Bilanz aus? Als es wieder bergauf ging, war mir mehr denn je klar: Man muss die Sicherheitsnetze beachten – eine starke Bilanz oder den Free Cash Flow. Das sind für mich heute noch die Grundlagen des Investierens.
Auf welche Erfolge blicken Sie gerne zurück?
Erfolg ist für mich kein einzelnes Erlebnis, sondern eine jahrelange Aneinanderreihung von Erfahrungen. Ich fühle mich bestätigt, wenn Kolleginnen und Kollegen meine Empfehlungen umsetzen und die Aktie steigt. Das ist mein größter Erfolg.
Sie wurden kürzlich von Brendan Wood International als „TopGun Investment Minds – Best of the Best – Central Europe“ gelistet. Wie kamen Sie zu dieser Auszeichnung?
Tatsächlich kam das völlig unerwartet – ich habe mich nicht beworben. Das unabhängige Investmenthaus steht weltweit mit rund 1.400 der größten Unternehmen in Kontakt, und einige davon haben meinen Namen genannt. Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Geschäft und kenne viele dieser Firmen. Umso mehr freut es mich natürlich, dass meine Arbeit gesehen wird. Ich fühle mich sehr geehrt.
Ihr Name ist einer der wenigen weiblichen auf der Liste … Wie könnte man das Fondsmanagement für Frauen attraktiver gestalten?
Indem man den Beruf bekannt macht. Selbst Kolleginnen bei uns im Haus sind oft überrascht, wenn sie hören, was man im Portfoliomanagement so tut. Und dass das spannend ist. Ich kann nächste Woche jeden Vorstand auf dieser Welt treffen und habe ihn eine Stunde lang für mich. Ich kann nach der Strategie, dem Wettbewerb, der
Lieferkettenproblematik fragen. Und dann entscheiden: Kaufe ich die Aktie oder verkaufe ich sie?
Wie kann man generell mehr Frauen dazu bringen, sich mit Investments
zu beschäftigen?
Investieren ist der Weg zur Freiheit. Frauen glauben oft, dass sie darin nicht gut genug wären. Dabei ist in zig Studien bewiesen, dass sie bessere Erfolge erzielen. Und das Thema ist interessant! Es gibt superspannende Storys und Unternehmen. Natürlich muss ich tief in die Zahlen reingucken, aber es ist keine Rocket Science. Und es gibt Instrumente – wie die KI – die mir helfen. Ausreden wie „Ich arbeite ja nur Teilzeit …“ gelten nicht. Ich kann mit 25 Euro pro Monat einen Ansparplan machen. Meine Empfehlung: Anfangen! Die richtige Zeit ist immer jetzt.
