Frauen übernehmen eine immer größere Rolle bei finanziellen Haushaltsentscheidungen und werden dadurch zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor für die Vermögensverwaltung. Unternehmen müssen sich anpassen. Denn wenn Frauen die finanziellen Entscheidungen für einen Haushalt übernehmen, suchen sie oftmals nach neuen Vermögensverwaltungs Beziehungen, die ihren Bedürfnissen besser entsprechen.

Lange Zeit war die Vermögensverwaltung eine von Männern dominierte Angelegenheit. Doch die Lage ändert sich, denn Frauen werden reicher und kontrollieren mehr vom weltweiten Vermögen. Im Vergleich zu 2015 treffen 30 Prozent mehr verheiratete Frauen Finanz- und Investitionsentscheidungen, so eine aktuelle McKinsey-Studie über wohlhabende Verbraucher. Zudem sind mehr Frauen als je zuvor die Ernährerinnen der Familie, was das Wachstum ihres investierbaren Vermögens beschleunigt. Laut einer Centre for Economics and Business Studie, werden bis 2025 etwa 53 Prozent der britischen Millionäre weiblich sein.

Laut McKinsey spielen auch demographische Verschiebungen eine Rolle für die Veränderung von Vermögensverhältnissen. In den USA werden beispielsweise etwa 70 Prozent des investierbaren Vermögens der wohlhabenden US-Haushalte von Babyboomern kontrolliert. Zwei Drittel des Babyboomer-Vermögens liegt in gemischten Haushalten. Da in den Vereinigten Staaten Frauen ihre Männer im Durchschnitt um fünf Jahre überleben, wird erwartet, dass amerikanische Frauen bis 2030 einen Großteil der 30 Billionen Dollar an finanziellen Vermögenswerten kontrollieren werden, die Babyboomer bis dahin besitzen.

Dienstleister und Westeuropäischer Markt haben noch Aufholbedarf
Dennoch sind Vermögensverwaltungen oft nicht auf die Bedürfnisse ihrer weiblichen Kunden eingestellt, die sich oft stark von denen ihrer männlichen Pendants unterscheiden. Weibliche Entscheidungsträger sind tendenziell weniger risikotolerant und konzentrieren sich mehr auf ihre Lebensziele. Bei der Suche nach einer Beratung legen sie tendenziell mehr Wert auf das persönliche Miteinander und geben häufiger als Männer ein Lebensereignis als Motivation an, sich beraten zu lassen. Um Frauen als Kunden zu halten sollten Unternehmen den produktorientierten Ansatz der Vergangenheit gegen ein neues Vermögensverwaltungsmodell austauschen und sich stattdessen mehr darauf konzentrieren individuelle Anforderungen ihrer Klientinnen zu bedienen.

Der weibliche Einfluss im Bezug auf finanzielle Entscheidungen steigt, doch der internationale Vergleich zeigt, dass obwohl Frauen 32 Prozent des Weltvermögens kontrollieren, der Westeuropäische Markt deutlich langsamer zulegt als andere gut entwickelten Märkte. Dies könnte zur Folge haben, dass sich die Kluft im Bezug auf das Vermögensvolumen zwischen Westeuropa und Nordamerika sowie Asien, vergrößern wird. Hier herrscht auf europäischer Ebene also noch Aufholbedarf.

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