StartInnovation„Das ist eine Dauerchallenge“

„Das ist eine Dauerchallenge“

Die EU-Verpackungsverordung (PPWR) bringt tiefgreifende Veränderungen. ARA Vorstandssprecher Harald Hauke spricht mit Frutura Geschäfsführerin Katrin Hohensinner-Häupl über Herausforderungen und Chancen der PPWR und den Wert von Verpackungen.

Welchen Wert haben Verpackungen für die Kreislaufwirtschaft?

Katrin Hohensinner-Häupl: Wir produzieren frisches Obst und Gemüse und hier steht der Produktschutz an erster Stelle. Gleichzeitig ist uns wichtig, dass unsere Verpackungen recyclingfähig sind. Alles, was wir wiederverwenden können, schont Ressourcen und reduziert die Abhängigkeit von neuen Rohstoffen.

Harald Hauke: Die ARA verfolgt zwei zentrale Ziele: Erstens das „De-Coupling“, also die Entkoppelung des Rohstoffverbrauchs vom Wirtschaftswachstum. Zweitens das „De-Risking“, die Stärkung der Resilienz des Wirtschaftsstandortes durch Verringerung von Rohstoffabhängigkeiten. Durch die Sammlung und Verwertung von Verpackungen leisten wir einen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Recyclingfähige Verpackungen sind daher nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern bieten auch einen volkswirtschaftlichen und industriepolitischen Mehrwert.

Frutura ist der führende Vermarkter von Obst & Gemüse in Österreich. Wie gelingt es Ihnen, den Spagat zwischen Produktschutz und Ressourcenschonung zu meistern?

Katrin Hohensinner-Häupl: Das ist eine Dauerchallenge. Frische Produkte sind empfindlich, Gurken sind ein gutes Beispiel. Sie bestehen zu 90 Prozent aus Wasser und verderben schnell. Konsument*innen haben gefordert, Gurken ohne Kunststoff anzubieten, also haben wir die Verpackung weggelassen. Die Folge war, dass wir in unserer Lieferkette rund 20 Prozent mehr Gurken entsorgen mussten, weil der Produktschutz fehlte. Das zeigt, dass Verpackung nicht per se ein Problem ist, sondern ein notwendiger Schutz.

Katrin Hohensinner-Häupl, Frutura

Stichwort PPWR, wie bewerten Sie die Umsetzbarkeit der Vorgaben?

Harald Hauke: Die PPWR ist für die Branche eine große Herausforderung. Der
Umgang mit Verpackungen wird völlig neu geregelt. Gleichzeitig herrscht noch viel Unsicherheit, vieles ist schwammig und es fehlen Definitionen. Die nationale Gesetzgebung muss rasch an die EU-Vorgaben angepasst werden. Trotzdem bietet die Verordnung auch Chancen, etwa für Innovationen im Verpackungsbereich.

Katrin Hohensinner-Häupl: Für mich ist Rechtssicherheit ein zentraler Faktor, besonders bei Investitionen in neue Technologien geht. Wir müssen unsere Produktionsprozesse und Maschinen frühzeitig auf neue Verpackungsanforderungen anpassen. Solche Maschineninvestitionen tätigt man nicht für ein oder zwei Jahre. Die Anlagen müssen bis 2030 und darüber hinaus wirtschaftlich sinnvoll im Einsatz sein. Deshalb ist Planbarkeit für uns unverzichtbar. 


DIE ARA ALS INNOVATIONSTREIBER

Seit mehr als 30 Jahren agiert die ARA als treibende Kraft der österreichischen Abfall- und Kreislaufwirtschaft und ist Marktführer unter den Sammel- und Verwertungssystemen. Die ARA gilt als internationales Best Practice und entwickelt als Servicepartner der Wirtschaft maßgeschneiderte Lösungen: von Entpflichtung über Stoffstrommanagement bis zu Circular Design und Nachhaltigkeitskommunikation.

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