Die Bierbranche kämpft mit sinkenden Absätzen – doch eine Zielgruppe wächst: Frauen. Vier von fünf greifen gern zum Bierglas, wobei sie, anders als Männer, bewusster konsumieren und zu leichteren sowie verstärkt auch alkoholfreien Sorten tendieren. Darüber hinaus schenken sie sich nicht nur ein, sondern stehen selbst am Sudkessel, im Wirtshaus und auch an der Spitze einer Brauerei. Wir stellen drei Bier-Baroninnen aus Österreich und Deutschland vor, die neue Ideen, Geschmack und Haltung in eine Branche bringen, die lange als Männerdomäne galt.

„Bier ist in der Damenwelt salonfähig.“

An ihr erstes gutes Bier erinnert sich Catherine Demeter, als wäre es gestern gewesen: „Der entzückende alte Brauereidirektor hat meine Mutter und mich als 17-Jährige in den Biergarten des Augustiner Kellers eingeladen. Wir saßen unter kühlenden Kastanienbäumen, aßen warme Brezeln und da habe ich meinen ersten ,Schnitt’ Edelstoff mit viel Schaum für das Aroma genossen.“ Das Haus und das Bier haben die in Paris geborene, nunmehrige Wirtschaftsmanagerin nicht losgelassen.

Seit 2013 ist sie die Erste Vorständin der Edith-Haberland-Wagner Stiftung, die die Mehrheitseigentümerin der Augustiner-Bräu Wagner KG ist. Dass sie als Frau mit Führungsverantwortung eine Ausnahme in der Bierbranche ist, bedauert sie. „Frauen, die Leidenschaft und Liebe zum Bier in sich tragen, so wie ich, sollten unbedingt eine Karriere in dieser Branche anstreben und Mut, Durchhaltevermögen und Durchsetzungskraft mitbringen“, lautet Catherine Demeters Rat. Nach ihrer Beobachtung ist das Interesse von Frauen an der Welt des Bieres gestiegen, seit die Fußball-WM 2006 in Deutschland stattgefunden hat. „Bier wurde in der Damenwelt plötzlich salonfähig“, sagt sie. Aktuell beobachtet Catherine Demeter, dass das dunkle und malzhaltige Bier bei Frauen sehr beliebt ist. Ein Marketingkonzept für Frauen verfolgt die Brauerei übrigens nicht. Auf den Etiketten für das alkoholfreie Bier ist ein tanzendes Paar vor der Münchner Frauenkirche zu sehen. „Es soll alle gleichermaßen ansprechen“, so die Augustiner-Chefin.

„Frau zu sein ist ein Asset.“

Wie es gelingt, einer altehrwürdigen Brauerei einen frischen Anstrich zu verleihen und sie für hippe Events zu öffnen, weiß Christiane Wenckheim. Als ihr Vater sie 1997 um Unterstützung im Marketing bat, wollte sie zwei Monate bleiben. Daraus sind knapp 30 Jahre geworden. Die reiselustige Kunstliebhaberin ist heute Aufsichtsratsvorsitzende der Ottakringer Getränke AG. Zuvor war sie im Unternehmen für Markenrelaunches und kreative Eventformate wie das „Erntetankfest“ und verschiedene Clubbings verantwortlich.

Innovationen – Radler mit Melonen- oder Mangogeschmack etwa – liegen ihr am Herzen. Forbes nannte Christiane Wenckheim kürzlich: „Die fröhliche Bierbaronin“. Dem Magazin sagte sie, dass sie es als Frau in der Branche nie schwer gehabt und eine Quotenregelung nicht zuletzt deshalb lange für unnötig gehalten habe. Bis ihr klar wurde, dass Österreich Schlusslicht ist, wenn es um Frauen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen geht. Eine Frau zu sein, war für sie selbst „eigentlich immer ein Asset, weil es so ungewöhnlich war“ in der Branche, sagt sie, und denkt an manchen Vorteil zurück. Wirte waren offen und als neue Kunden schnell interessiert an ihrer Arbeit. Gegen nationale und internationale Konkurrenz kann sich Ottakringer als Familienkonzern derzeit gut behaupten, wenngleich der Bierkonsum der Österreicherinnen und Österreicher abnimmt.

„Frauen, die ihren eigenen Stil finden, machen ihren Weg.“

Ob in der Brauerei oder im Wirtshaus, die Branche scheint männerlastig. Dabei gibt es fantastische Braumeisterinnen und Sommelièren. Ich stelle immer wieder fest, dass in den nachfolgenden Generationen großartige Frauen am Start sind. Die, die ihren eigenen Stil finden, werden ihren Weg definitiv machen“, meint Silja Steinberg und liefert selbst das beste Beispiel: Sie ist Wirtin im Hofbräukeller am Wiener Platz in München und im Hofbräu-Festzelt auf dem Oktoberfest. Die Wiesn kennt sie, seit sie ein kleines Mädchen war, auch vom Bierschaum durfte sie schon als Kind kosten. Ihren Berufswunsch Wiesnwirtin hat sich Silja Steinberg erfüllt – und zwar nicht, ohne unter den Fittichen ihrer Eltern jede Station zwischen Schank und Gästen kennenzulernen. Das Vorurteil, dass Frauen kein Bier, sondern lieber Prosecco und Wein trinken würden, bringt Silja Steinberg zum Schmunzeln. Denn sie weiß, dass Bier bei Frauen gefragt ist – beim Frühschoppen und beim Weißwurstfrühstück bestellen sich weibliche Gäste Weißbier, der Mix aus Bier und Aperol kommt als Aperitif gut an und im Biergarten darf’s immer öfter ein saures Radler sein. „Wer auf die Figur achten will, trinkt eben Bier mit Sodawasser“, sagt sie. Und zu welcher Variante greift die Wirtin selbst am liebsten? „In meinem Kühlschrank steht unser ,Hofbräuhaus Hell’ in der kleinen 0,33-Liter-Flasche. Wenn ich abends heimkomme oder koche, dann mach’ ich mir so ein Fläschchen auf.“

MICHAEL LEIS, CHRISTIAN STEINBRENNER/OTTAKRINGER, www.christophgrothgar.com
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