Mehr Care – mehr Karriere
In Zeiten des anhaltenden Fachkräftemangels reicht es schon lange nicht mehr, wenn Vorgesetzte einen Obstkorb in die Küche stellen, das Jobticket bezahlen oder ab und zu Home Office gestatten. Heute braucht es andere Signale, um Talente zu gewinnen und vor allem zu binden: Bewerbende schauen sich nach „Caring Companies“ um, also nach solchen, die sich Familienfreundlichkeit nicht nur auf die Fahnen schreiben, sondern diese Werte auch wirklich leben. Laut dem Statistischen Bundesamt fehlen in Deutschland 400.000 Betreuungsplätze – und immer noch springen meistens die Mütter ein und reduzieren ihre Arbeitszeit. Dennoch unterstützen laut Statista nicht mal 800 deutsche Unternehmen ihre Mitarbeitenden mit betriebsinternen Betreuungsangeboten wie einer Betriebs-Kita. Auch das Thema „unerfüllter Kinderwunsch von Mitarbeiter*innen“ ist in deutschen Unternehmen noch ein Tabu, während man in den USA bereits deutlich transparenter damit umgeht. Dort bieten Konzerne wie Microsoft, Meta und Google finanzielle Unterstützung bei künstlicher Befruchtung oder Social Freezing an.
Aber es tut sich etwas: Unternehmen wie Onuava haben sich darauf spezialisiert, Betriebe dabei zu unterstützen, sogenannte „Family Building– oder Fertility-Benefits“-Programme zu implementieren. Denn Kinderwunsch- und Familiengründungsleistungen signalisieren Fürsorge und Wertschätzung und stärken das Arbeitgeber-Branding.
Darüber hinaus verdient auch der mentale Aspekt Beachtung. Unter ungewollter Kinderlosigkeit und möglichen Kinderwunschbehandlungen leiden mentale Gesundheit, Motivation und Produktivität. Nicht selten kündigen insbesondere Frauen während einer Kinderwunschbehandlung ihren Job, weil diese nicht mit der Arbeitsbelastung vereinbar ist. Es lohnt sich also, die Lebensphasen und Lebensqualitäten von Mitarbeitenden im Blick zu behalten. Arbeitgeber, die hier mitdenken und mitfühlen, gewinnen.

Eine neue Betriebs-KiTa bei Porsche
Porsche stärkt seine Familienfreundlichkeit mit der neuen Betriebs-KiTa „Turbo Kids“ am Stammsitz Zuffenhausen. Vorstandsmitglied Albrecht Reimold erläutert den Ursprung der Idee: „Wir haben überlegt, wie wir das Betreuungsangebot für unsere Mitarbeitenden weiter ausbauen können. Es gab viele Diskussionen, gerade in diesen Zeiten ein solches Investment zu tätigen, aber wir haben uns bewusst dafür entschieden.
Die KiTa steht für ein modernes Verständnis von Arbeitgeberverantwortung. Reimold betont: „Im Rahmen unserer gesellschaftlichen Verantwortung treiben wir Themen wie Nachhaltigkeit, Technik-Affinität und Inklusion weiter voran. Unsere Kita ist deshalb mit nachhaltigen Werkstoffen gebaut und barrierefrei.“
Der Betrieb startet schrittweise. 40 Kinder befinden sich gerade in der Eingewöhnung, rund 40 folgen bis Ende Q1 2026. Um einen behutsamen und liebevollen Start zu garantieren, setzt man auf eine stufenweise Eingewöhnung. Die Nachfrage war deutlich größer als das Angebot, weshalb Porsche die Mitarbeitenden auch weiterhin bei der Suche nach Plätzen in Kooperationseinrichtungen unterstützt.
Die Öffnungszeiten der KiTa sind flexibel: „Aktuell ist eine Betreuung von 7 Uhr morgens bis 18 Uhr abends möglich, aber je nach Nachfrage könnten die Zeiten zum Beispiel bedürfnisgerecht für Schichtarbeitende angepasst werden.“, so Reimold, der selbst vier Kinder und sechs Enkel hat. Zwar werden derzeit keine Pläne für weitere KiTas an anderen Standorten geschmiedet, doch betont der Vorstand, dass Familienfreundlichkeit bei Porsche weit über die KiTa hinausgeht – etwa durch Homeoffice-Möglichkeiten, Gesundheitsprogramme, Beratungsangebote und individuelle Arbeitszeitmodelle.
Volle Flexibilität für Familien bei Kearney
Kearney stellt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf klar ins Zentrum seiner Unternehmenskultur. „Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Kearney ein zentrales Anliegen“, betont Verena Herb, Director Marketing Communication DACH & European Industry Marketing Lead. Mit dem Benefit-Paket „FamilyFlex@Kearney“ beschreitet die Beratung seit 2023 neue Wege: Das Programm umfasst ein breites Spektrum an Angeboten. Dazu gehören bis zu sechs Monate vollbezahlte Auszeit nach der Geburt sowie ein 20-prozentiger Gehalts-Topup, wenn Eltern anschließend mindestens 60 Prozent arbeiten.
Zur Erinnerung, wie sich das Gehalt normalerweise nach der Geburt zusammensetzt: In den ersten Wochen gilt die Mutterschutzfrist, in der die frischgebackene Mama Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse und einen Arbeitgeberzuschuss erhält. Zusammen entspricht dies in der Regel dem durchschnittlichen Nettogehalt vor der Geburt. Nach Ablauf des Mutterschutzes folgt das Elterngeld: Es ersetzt meist 65 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens. Hinzu kommen bei Kearney monatliche Zuschüsse von bis zu 500 Euro pro Kind für die Betreuung bis zum Schuleintritt sowie Unterstützung bei Schwangerschaftsverlust mit bis zu zwei Wochen bezahlter Freistellung.
Die Leistungen gelten für alle Mitarbeitenden – unabhängig von Geschlecht, Familienstand oder der Art, wie ein Kind in die Familie aufgenommen wird. Ziel sei es, Gleichbehandlung zu fördern und den Angestellten in Europa zu ermöglichen, beides gut unter einen Hut bringen zu können: Zeit für die Familie und Zeit für ihren Beruf.
Fertility Benefits bei Merck
Merck ist das erste DAX-Unternehmen, das in Deutschland umfassende Fertility Benefits anbietet – ein Schritt, der die familienfreundliche Ausrichtung unterstreicht. Zu diesem Angebot gehören zum Beispiel Fruchtbarkeitstests, Hormontherapien, Social Freezing und In-vitro-Fertilisationsbehandlungen im Kinderwunschzentrum.
Merck sieht Fertility Benefits als elementaren Teil der HR-Strategie, eingebettet in eine generelle ‚Care-Kultur‘. Grundsätzlich können alle Frauen das Programm nutzen – ebenso Partner*innen. Dabei hat die Inanspruchnahme der Benefits keinerlei Einfluss auf die Länge der Elternzeit oder etwaige Kündigungsfristen.
Dabei ist dem Unternehmen wichtig, dass seine Mitarbeitenden selbstbestimmt entscheiden, ob, wann und in welcher Form sie sich Unterstützung bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches suchen möchten. Gemeinsam mit Ärzt*innen wählen Beschäftigte die passende Maßnahme, und der Konzern übernimmt die Kosten, ohne Rückfragen zu stellen oder eine Bewertung vorzunehmen. Ergänzend gibt es Beratungsangebote wie den internen „Fertility Helpdesk“, der seit Jahren stark genutzt wird. Merck überprüft sein Benefit-Portfolio kontinuierlich, um Mitarbeitende in den „Moments that Matter“ bestmöglich zu unterstützen.