Wer den Namen Bellas hört, denkt an Schuhe in leuchtenden Farben, Komfort und Stil. Doch hinter der Marke steckt eine Gründerin, die sich den Erfolg hart erkämpft hat – ohne klassischen Plan, ohne Ausbildung, dafür aber mit Mut und einer unerschütterlichen Intuition. Begonnen hat alles mit der Erkenntnis, dass das Standard-Leben im Büro nicht genug ist. Heute führt sie ein Unternehmen, das sich nicht vor Krisen versteckt, sondern sie als Chance nutzt.

Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt: Ich will mein Leben selbst gestalten und nicht nur funktionieren?

Rückblickend war mir das eigentlich schon in der Schule klar. Ich wusste: Ich werde keinen standardisierten Beruf machen. Ich war so ein kleiner Revoluzzer – und ehrlich gesagt auch der Meinung, dass ich vieles davon im Leben eh nicht brauchen werde. Physik, Biologie – das hat mich nie interessiert, und das ist auch so geblieben. Mich haben Sprachen interessiert.

Und dann kam dieser Moment: Ich bin in der Matheprüfung aufgestanden – mit einem leeren Blatt Papier. Ich wusste, das werde ich sowieso nicht können. Und es war ein schöner sonniger Tag. Also habe ich entschieden: Ich quäle mich da jetzt nicht weiter. Ich habe ein weißes Blatt abgegeben, und damit war das Abi für mich gelaufen.

Das war meine größte Revoluzzerphase – zur eher begrenzten Freude meiner Eltern.

Was hat Ihnen den Mut gegeben, ohne klassische Ausbildung in die Selbstständigkeit zu gehen – und das zu einer Zeit, in der das noch völlig unüblich war?

Ich habe mich als Jugendliche schon an Unternehmern orientiert. Nicht an Kollegen oder Branchenmenschen – an Unternehmern. Der Gedanke war immer: Man kann mit allem reich werden, egal ob Streichhölzer, Brötchen oder Nudeln – wenn man es ein bisschen besser oder anders macht als alle anderen.

Und mein Vater war ein Vorbild. Er war klassischer Banker, hat sich aber nebenbei einen Weinhandel aufgebaut. Er hat angefangen zu bauen, bevor die Baugenehmigung da war. Die kam, als das Dach schon gedeckt wurde. Das muss man sich einmal trauen. Und das Wichtigste, was ich als Kind gelernt habe: Aufgeben ist keine Option. Höchstens die allerletzte.

Sie haben Wege gewählt, für die es keinen klaren Plan gab. Wie trifft man Entscheidungen – ganz ohne Vorbild in der Branche?

Man denkt groß und füllt die Details mit Arbeit. Ich habe mich nie an regionalen Kollegen orientiert. Ich habe geschaut: Was machen die Besten? Was machen Hochzeitsplaner in Amerika? Ich habe internationale Hochzeitszeitschriften verschlungen, bin auf Messen in Mallorca, Mailand, Paris gegangen – eben nicht nur zur Hochzeitsmesse in Mattsee oder Mondsee.

Und dann spezialisiert man sich. Nicht auf alle, sondern auf Kunden, die genau das wollen: Qualität, Information, kuratierte Dienstleister. Das war kein Zufall. Das war Absicht.

Woher kam dieser Drang, groß zu denken?

Weil ich gemerkt habe, wie schlimm es ist, wenn man innerlich nur noch wartet. Meine ersten Jobs als Sekretärin waren für mich wirklich eine Warnung. Ich saß im Büro und habe darauf gewartet, dass der Tag vergeht. Dass wieder Freitag wird. Irgendwann wusste ich: Wenn ich das weitermache, verblöde ich nach System. Das wollte ich nicht.

Ich hatte einmal freiberuflich bei einer Eventagentur mitgearbeitet – ein Wochenende, 150 Euro. Finanziell ein Witz, kaum geschlafen. Aber ich hatte Spaß. Das hat mir gezeigt: Da liegt etwas, das ich kann. Und das mich zieht.

Wie kam dann der konkrete Start in die Selbstständigkeit?

Sehr unglamourös, und sehr filmreif zugleich. Ich war in meinem letzten Sekretärinnenjob stark unterfordert. Ich war 25 und wusste: Ich sehe mich nicht bis zur Rente hier, wartend, dass die Zeit vergeht.

Und dann gibt es diesen Morgen in Salzburg: Ich fahre mit dem Fahrrad durch strömenden Regen zur Arbeit – und sehe eine Braut auf der Straße stehen. Eine asiatische Braut, glaube ich. Voll angezogen, im Regen, völlig orientierungslos. Diese Frau kommt um die halbe Welt, steht am Hochzeitstag im Regen – und niemand kümmert sich. Ich bin ins Büro und habe angefangen zu recherchieren. Und gedacht: Das könnte ich eigentlich.

Kurz darauf erzähle ich das in einem Englischkurs am WIFI einer Frau, die bei der Bank arbeitet. Sie schickt mich zum Gründungsservice der Sparkasse. Ich treffe jemanden, der das Potenzial erkennt – in mir, in der Idee oder in beidem – und der sagt: Wenn Sie das machen wollen, müssen Sie sich beeilen. Sie müssen noch die nächste Saison erwischen. Und dann kommt das nächste Puzzleteil: Mein Chef signalisiert mir ziemlich klar, dass er ungefähr so zufrieden mit mir ist, wie ich mit dem Job. Also haben wir uns getrennt.

Und ich bin ins kalte Wasser gesprungen.

Viele würden in so einem Moment sagen: „Okay, ich suche mir etwas Sicheres.“ Sie offenbar nicht.

Nein. Ich habe gesagt: Ich starte damit. Und ich habe sofort international gedacht – nicht nur Salzburg. Wenn, dann Mallorca, Südfrankreich, überall. Ich habe mir einen Smart geleast und bin damit nach Südfrankreich gefahren. Weil ich überzeugt war: Wenn die ersten Kunden kommen, muss ich alles in der Tasche haben. Ich wollte besser informiert sein als sie.

Die erste Hochzeit war ein russisches Brautpaar in Wien – russisch-orthodoxe Trauung, vier Tage Programm. Es gab Herausforderungen. Aber ich habe es geschafft. Und dann kam eine Hochzeit nach der nächsten.

Wie haben Sie damals Kundschaft aufgebaut – ohne Instagram, ohne die heutige Sichtbarkeit?

Nächtelang. Kleinanzeigen, Verzeichnisse, alles, was es gab. Facebook gab es nicht, Instagram gab es nicht. Es gab Google. Der einzige Vorteil war: Der Markt war leer. Vielleicht eine gute Hochzeitsplanerin in Deutschland, eine in der Schweiz, eine in Österreich. Das war’s. Irgendwann ging es dann über Empfehlungen. Weil anderes hatte man nicht.

Corona als Wendepunkt: Viele haben in dieser Zeit auf Stabilität gesetzt, Sie auf Expansion. Warum?

Es war keine eine Entscheidung: So, jetzt expandiere ich in Corona. Es hat sich ergeben. Eines ist zum anderen gekommen. Aber die Grundhaltung war immer da: Ich wollte nicht klein denken. Bei Bellas war für mich von Anfang an klar: Ich will nicht ein kleines Schuhgeschäft sein, irgendwo in einer Seitenstraße. Ich will, dass man Bellas als Marke versteht. So wie man bei Louboutin sofort an die rote Sohle denkt. Wenn ich einen flachen, bequemen Schuh in einer ausgefallenen Farbe suche – dann gehe ich zu Bellas. Das war die Idee. Und wenn das die Idee ist, stellt man sich automatisch die nächsten Fragen: Wo sind unsere Kunden? Welche Standorte passen? München war logisch. Hamburg wäre die Alternative gewesen.

München mitten in einer Pandemie – was hat Sie daran nicht abgeschreckt?

Ich war in Wien vom Zulauf verwöhnt. In München ist es schleppender gestartet – und ich habe die Mentalitätsunterschiede unterschätzt. Die Deutschen sind in Corona-Zeiten auch ohne Lockdown zu Hause geblieben. Die Österreicher haben das lockerer genommen. Wenn Lockdown war, haben sie trotzdem Wege gefunden – Pizza to go, im Park sitzen, irgendwie rausgehen. In München war das anders. Das waren harte Jahre. Schlaflose Nächte, graue Haare, Fixkosten, Verantwortung für ein Team. Aber: Aufgeben war keine Option. Also haben wir durchgezogen.

Was war die mutigste unternehmerische Entscheidung, die Sie getroffen haben?

Ich kann nicht die eine nennen. Jede unternehmerische Entscheidung muss mutig sein. Wenn es einem keine Angst macht, ist der Plan nicht groß genug.

Porsche aufgeben war mutig. München war mutig – 400 Kilometer entfernt, keinen Handwerker gekannt, trotzdem gesagt: In einem Monat sperren wir auf. Und wir haben es geschafft. Salzburg haben wir in neun Tagen eröffnet. Neun Tage. In der Getreidegasse klebte an jedem Fenster ein Stellengesuch. Jeder suchte Verkaufspersonal. Und ich habe ein Geschäft aufgemacht, ohne zu wissen, wer drinsteht.

Bereut? Nein. Einfach war es nicht. Aber bereut habe ich es nie.

Wann lohnt es sich, gegen rationale Stimmen zu handeln?

Wenn man sich ehrlich fragt: Was ist im schlimmsten Fall zu verlieren? Und ist dieses Risiko tragbar? Wenn ja, muss man es machen. Weil sonst kommt irgendwann der Moment, wo man sich mehr ärgert, es nicht probiert zu haben. Ich würde mich in 20 Jahren mehr ärgern, wenn ich es nicht versucht hätte, als wenn es schiefgeht. Und wenn man es macht, dann mit vollem Bewusstsein und hundertprozentiger Überzeugung.

Stichwort Südafrika: Was hat Sie dazu bewegt, auch international zu denken?

International zu denken war eigentlich immer da. Schon bei den Hochzeiten. Und bei Bellas genauso: Wer eine Marke sein will, denkt überregional.

Südafrika ist strategisch. Ich kenne das Land, weil ich dort früher Hochzeiten gemacht habe. Die Saison ist komplett gegenläufig zu unserer: Wenn wir Winter haben, ist dort Hochsommer. Wir nehmen Ende unseres Winters die Winterkollektion und verschicken sie nach Südafrika – dort beginnt gerade der Herbst. Das ist eine Wertschöpfungskette, die das ganze Jahr abdeckt.

Dazu kommen sehr viele deutschsprachige Touristen, die in Urlaubslaune Zeit haben zu shoppen und die wir über Filialen in Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf gar nicht alle erreichen würden. In Südafrika treffen sie sich. Und es gibt dort fast keine Schuhgeschäfte. Wenn man sich den Markt anschaut, ist es fast zwingend, das zumindest zu prüfen.

If you can dream it, you can do it – ist das der Ratschlag, den Sie anderen geben würden?

Ja. Aber mit einem Zusatz: Träumen allein reicht nicht. Man muss machen. Sehr viel arbeiten. Und man muss bereit sein, auch negatives Herzrasen auszuhalten.

Ich habe heute manchmal negatives Herzrasen. Aber eben auch positives. Wenn ich damals einfach jeden Tag ins Büro gegangen wäre, hätte ich wahrscheinlich weder das eine noch das andere gehabt. Einen sicheren Job hätte ich gehabt. Aber ich hätte mich nicht lebendig gefühlt.

Also: Dream it. Aber vor allem: Do it. Und mach es groß genug, dass es dir ein kleines bisschen Angst macht.

Mang
Erfolg Salon Rolemodels Mode & Beauty Uncategorized