Liebe she Community, 

ich bin heute Morgen aufgewacht und dachte, ich bin im falschen Film. Beziehungsweise im falschen Universum: überall – im Netz, im Radio, auf Social Media und in der Tagespresse … – Meldungen, in denen Frauen(-rechte) mit Füßen getreten werden. Im Iran sprichwörtlich und schlimmer … 

Wenn an irgendeiner Stelle zwei Schritte nach vorne gemacht werden, beispielsweise wenn es um die Forderung der Initiative „My Voice, My Choice“ nach einem EU-finanzierten, freiwilligen Solidaritätsmechanismus für Frauen ohne Zugang zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen geht, werden Frauen woanders gezwungen, 200 Schritte zurückzugehen. Wie im Iran, wo ein Regime seine Macht demonstriert, indem es Frauen, die für Freiheit, Selbstbestimmung und ihre Rechte einstehen, verfolgt, foltert, zum Schweigen bringt. 

Und während wir noch versuchen, diese Nachrichten und Bilder zu verarbeiten, schwappen neue, abscheuliche Enthüllungen rund um die Epstein-Akten in den Feed. Ich werde keinen Buchstaben auf die (angeblichen) Geschehnisse verwenden, denn auch diese basieren auf: Unterdrückung, Machtmissbrauch, Objektifizierung. 

Machen wir uns nichts vor: Solange wir uns gleichzeitig durch die Best-Dressed-Listen der Grammy’s klicken („Zu transparent“, „zu billig“, „zu spießig“), helfen wir keiner anderen Frau nirgendwo. Stattdessen sollten wir uns darüber klar sein, wer unsere wirklichen Gegner sind: Systeme und Menschen, die Frauen kontrollieren und klein halten wollen.

Unser Fortschritt – persönlich, wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich – hängt davon ab, ob wir uns spalten lassen oder eben nicht. Das ist nichts Neues, ich weiß, aber es schadet nicht, sich selbst regelmäßig daran zu erinnern. Starten Sie die Woche doch zum Beispiel mit einem (modischen) Kompliment an eine wildfremde Frau. Ich verspreche Ihnen, dass fühlt sich viiiel besser an, als über den kurzen Rock von Promi XY zu lästern.  

Ihre 

Lara Gonschorowski