Eine meiner Lieblingsansagen aus den letzten zwölf Monaten stammt von der IT-Topmanagerin Rachel Linnemann: „Ich protze gern mit Zahlen.“

Anlässlich des Weltfrauentags 2025 begann sie so – Linnemann ist Vice President Global Hyperscaler bei T-Systems International – ihren Vortrag bei der „Female Vision Gala“ im Hamburger Hotel Atlantic. Was sie damit sagen wollte: Wenn sie als Frau, die sich überwiegend in einer Männerwelt bewegt, echte Aufmerksamkeit erzeugen will, untermauert sie alles mit Zahlen.

Gerade dieser Tage ist mir ihr Statement wieder sehr präsent. Denn zwischen Equal Pay Day (in Österreich am 11. Februar; in Deutschland am 27. Februar 2026) und dem Weltfrauentag am 8. März prasselt traditionell ein regelrechtes Zahlengewitter auf uns alle nieder. Es geht um Geld, Einkommen, Arbeit, Unabhängigkeit, Vermögen, Anlageverhalten – und manchmal sogar um Partnerschaftsmodelle.

Ich mag diese Zahlen. Einerseits, weil sie ein interessantes Puzzle des Status quo ergeben, das sich gut mit früheren Jahren vergleichen lässt. Und ich mag sie nicht. Denn sie zeigen uns Jahr für Jahr, dass die Dinge immer noch viel zu langsam vorankommen. Sie machen einen lästigen Lärm, diese Zahlen.

Beginnen wir beim Equal Pay Day: In Österreich beträgt der Einkommensunterschied aktuell noch immer 11,6 Prozent (Deutschland: 16 Prozent). Das ist deutlich besser als zur Gründung von sheconomy im Jahr 2018, als der Gender Pay Gap in Österreich bei rund 20 Prozent lag, in Deutschland bei 21 Prozent. Man sieht also: Es bewegt sich etwas in die richtige Richtung. Von echter Gleichstellung sind wir aber weiterhin ein gutes Stück entfernt. Möglich, dass das neue Lohntransparenzgesetz, das im Juni 2026 in Kraft treten soll, Tempo in die Sache bringt. Wir bei sheconomy hoffen es – die gesetzliche Grundlage dafür wäre jedenfalls endlich vorhanden.

Wenige Tage später wurden neue Teilzeitdaten veröffentlicht: In Deutschland und Österreich arbeitet (fast) jede zweite Frau in Teilzeit. Sobald Kinder unter 15 Jahren im Haushalt leben, springt die Quote in Österreich sogar auf 79,5 Prozent (Deutschland 68 Prozent). Gleichzeitig würde ein Großteil der Frauen seine Arbeitszeit gern um durchschnittlich zwölf Stunden erhöhen. Oft scheitert das aber an leistbaren und verfügbaren Kinderbetreuungsplätzen.

Zwischen diese beiden Veröffentlichungen fällt rund um den Valentinstag eine weitere Studie. Sie zeigt fast zynisch: Für 74 Prozent der Befragten steigert finanzielle Unabhängigkeit die Attraktivität des Partners/der Partnerin. Vor dem Hintergrund der zuvor genannten Fakten macht das die Sache für Frauen nicht gerade einfach. Wenig Wunder, dass bei rund jedem fünften Paar Geldfragen regelmäßig zu Konflikten führen. Frauen berichten dabei häufiger von Diskussionen oder Streit als Männer.

Und während diese Kolumne erscheint, werden bereits die nächsten Erkenntnisse publiziert: 90 Prozent der Frauen streben nach finanzieller Unabhängigkeit. Gleichzeitig bremsen Gender Pay Gap, Gender Pension Gap (ca. 40 Prozent in Österreich), sowie die weiterhin ungleich verteilte unbezahlte Care-Arbeit Frauen strukturell aus.

Das Gesamtbild, das sich aus all diesen Zahlen ergibt, ist laut – aber nicht zum „Protzen“, sondern zum Heulen: Es zeigt Frauen, die oft besser ausgebildet sind als Männer, große Pläne für ihr Leben haben – und dennoch im Fangnetz traditioneller Zuständigkeiten hängen bleiben. Dafür bekommen sie nicht einmal die Anerkennung, die ihnen zustehen würde.

Die Zahlen liegen längst auf dem Tisch.
Was fehlt, ist nicht Erkenntnis, sondern politisches Tempo.

Man fragt sich ernsthaft, warum Gleichstellungspolitik seit Jahrzehnten wie ein Langstreckenprojekt behandelt wird, während andere politische Vorhaben, etwa Steuer- oder Abgabenerhöhungen, erstaunlich schnell umgesetzt werden können. Das zeigt: Wenn etwas politisch gewollt ist, geht es oft überraschend rasch, präzise und verbindlich.

Warum also nicht Frauenpolitik mit derselben Entschlossenheit? Der Nutzen wäre offensichtlich – mit zahlreichen positiven Nebenwirkungen: mehr qualifizierte Arbeitskräfte am Markt, mehr wirtschaftliches Wachstum, stabilere Sozialsysteme – und, wie internationale Vergleiche mit verlässlicher Kinderbetreuung zeigen, oft höhere Geburtenraten. Eine seltene Gelegenheit, gleichzeitig die Konjunktur zu stärken, Fachkräfte zu sichern und gesellschaftliche Fairness zu erhöhen.

Genau das ist der Punkt: Die Zahlen sind längst laut genug.
Nur die Konsequenzen sind es (noch) nicht.

Quellen:

  • Equal Pay Day: BPN Austria, Deutschland, 2026
  • Teilzeit: AK/WIFO, 2026 und Mikrozensus Deutschland, 2025
  • Valentinstag: Bank99, 2026
  • Finanzielle Unabhängigkeit: Erste Bank und Sparkassen, 2026
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