Sheconomy versteht sich als zentrale Plattform für Frauennetzwerke in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Jede Woche stellen wir eines der zahlreichen Netzwerke aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaftspolitik und Kultur im Detail vor.

Der BPW Club ein international verankertes Netzwerk lebt mit 01.01.2026 in Wien und Umgebung neu auf – mit einem jungen Team, viel Erfahrung und den aktiven generationenübergreifenden Austausch. BPW wurde 1919 in den USA gegründet, der erste Club in Österreich folgte 1929 in Wien.

Wir haben uns mit den Sprecherinnen Kathrin Hirczy und Julia Jagiello unterhalten. Im Interview sprechen die Verantwortlichen über die Schwerpunkte des Clubs, die von dem Fokusthema Equal Pay über Mentoring und Leadership bis hin zu konkreten Formaten reichen. Der BPW Club Wien und Umgebung unterstützt Frauen in allen Lebens- und Karrierephasen, die sich gegenseitig stärken und gemeinsam sichtbarer werden wollen.

Wie lautet der Name Ihres Netzwerks?

„BPW Club Wien und Umgebung“ – Business and Professional Women (Gesellschaft berufstätiger Frauen) – Wien und Umgebung.

Wann wurde Ihr Netzwerk ins Leben gerufen?

BPW blickt auf bald 100 Jahre Tradition zurück: Der erste BPW Club wurde bereits 1919 in den USA gegründet, der erste BPW Club in Österreich 1929 in Wien. 1930 war Österreich Gründungsmitglied von BPW International. Mit einer Unterbrechung im Zweiten Weltkrieg, entstanden zu Beginn der 1990er Jahre die ersten Clubs mit Wien an der Spitze. Nach einem Jahr kreativer Pause lebt BPW  in Wien mit dem Club Wien und Umgebung mit 01.01.2026 neu auf,  mit viel frischem Wind und neuen Ideen.

Wie viele Mitstreiter*innen zählt Ihr Netzwerk aktuell?

Weltweit sind über 35.000 Frauen in BPW Netzwerken organisiert. Wien und Umgebung startet mit 15 Mitgliedern, und wir freuen uns darauf, weiter zu wachsen.

Was sind die Kernthemen und Schwerpunkte Ihres Netzwerks?

Das Kernthema von BPW ist gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Der Equal Pay Day ist ein geistiges Kind von BPW. In den jährlichen Kampagnen und Veranstaltungen Österreich weit macht BPW auf die bestehenden Lohnunterschiede, Benachteiligungen und Diskrepanzen hin. Für Wien und Umgebung haben wir vier Säulen definiert:

  • Viele Frauen – ein Ziel: Unabhängig davon, ob in Wirtschaft, Bildung, Gesundheitswesen: wir wollen wir mitgestalten, verändern und mitbestimmen. 
  • We share – More for us is more for you
    Egal ob selbstständig, angestellt oder in Führungsposition – jede Frau findet bei BPW das Rüstzeug und die Rückenstärkung um persönliche wie beruflichen Ziele zu erreichen. 
  • Powerful women rise by lifting others!  
    Wir fördern uns gegenseitig durch Leadership Trainings, Jobimpulse und Mentoring-Programme – und einmal oben schicken wir den Lift auch hinunter! 
  • Unabhängig von Alter, Herkunft und Wohnort: Der Austausch findet generationen- und länderübergreifend statt, internationale Vernetzung ist unmittelbar und hautnah erlebbar.

Was ist der gemeinsame Nenner aller Mitglieder, die sich in Ihrem Netzwerk zusammengefunden haben?

Die Frauen von BPW Wien & Umgebung unterstützen und fördern sich in jeder Lebens- und Karrierephase, um ihre Ziele zu erreichen.

Wie läuft der Austausch innerhalb der Community ab und über welche Kanäle?

Der Austausch läuft über mehrere Kanäle:  über unsere Website mit allen Veranstaltungen, einen Newsletter und natürlich über Social Media wie WhatsApp-Gruppe und LinkedIn speziell. Am wichtigsten ist uns jedoch der persönliche Austausch.

Wie oft treffen Sie sich?

Unsere Treffen finden monatlich statt – entweder im Rahmen größerer Events zu spezifischen Themen oder als klassisches Networking-Format. Eine Übersicht über alle Veranstaltungen finden Interessierte auf unserer Website.

Wie informieren Sie sich gegenseitig über Neuigkeiten, aktuelle Kampagnen etc.?

Der Austausch ist regelmäßig und heißt explizit Gegenseitigkeit. Aktuelle wirtschaftliche oder berufliche Themen laufen über die WhatsApp-Gruppe. Wir legen Wert auf aktives Teilen von Updates zu unseren aktuellen und individuellen Themen.

Werben Sie gezielt neue Mitglieder für Ihr Netzwerk an, und wenn ja, wie?

Der beste Einstieg in den Club ist die Teilnahme an unseren Veranstaltungen, in denen Nichtmitglieder und Interessentinnen herzlich willkommen sind. Wie überall, spielt die persönliche Weiterempfehlung für uns eine wesentliche Rolle.

Wie organisieren Sie die Arbeit im Netzwerk?

Der Vorstand besteht aus zwei gleichberechtigten Co-Präsidentinnen, einer Schriftführerin und eine Schatzmeisterin. Alle Mitglieder sind eingeladen, sich einzubringen, anfallende die Aufgaben werden nach Interesse, Kompetenz und Kapazität verteilt.

Netzwerk oder auch Interessenvertretung – wie tritt Ihr Netzwerk nach außen auf?

BPW ist ein starker und verlässlicher Partner für Frauen.  Auch wenn wir keiner politischen Partei angehören oder nahestehen, sind unsere Themen gesellschaftlich gesehen hochpolitisch. BPW repräsentiert Frauen aktiv in verschiedenen Gremien auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.

Wie steht es um den „Nachwuchs“ – ist es schwer, ihn zu motivieren, oder ist er begeistert, Teil des Netzwerks zu werden?

Wir sind der Nachwuchs. Der Club hat sich neu aufgestellt, mit einem sehr jungen Team, das gleichzeitig auf die Erfahrungen der „Silberfüchsinnen“ zurückgreifen kann. Dieser generationenübergreifende Austausch ist äußerst wertvoll und wird von uns gezielt praktiziert und gelebt.

Gemeinsam sind wir stark – was treibt Sie und Ihre Netzwerk-Mitstreiter*innen an?

We share – more for us is more for you.  Indem wir geben und präsent sind, bekommen wir auch reichlich von dem, was wir für unser Fortkommen brauchen, – eine absolute win-win Situation.

Auf den Punkt gebracht – welche drei Eigenschaften zeichnen Ihr Netzwerk aus?

  • Solidarität, gegenseitige Unterstützung und Förderung beim persönlichen und beruflichen Karrierewegen
  • Offene, direkte und wertschätzende Kommunikation
  • Internationale Vernetzung

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Netzwerk? Wo sehen Sie das Netzwerk in fünf Jahren?

In Wien gibt es viele Frauennetzwerke. Wir suchen verstärkt den Austausch mit anderen Netzwerken und wollen uns in 5 Jahren vervielfachen. Gemeinsam erreichen wir mehr!

Gibt es eine Erfolgsgeschichte eines Mitglieds, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? Wie hat Ihre Community dazu beigetragen?

Wir stehen noch am Anfang und werden hoffentlich viele Erfolgsgeschichten schreiben. Besonders eindrucksvoll ist eine generationenübergreifende Geschichte: Die Mutter eines Mitglieds hat zahlreiche BPW Clubs in Österreich gegründet, und nun ist auch die Tochter Teil des Netzwerks. Solche Formen der Frauenförderung über Generationen hinweg sind für uns echte Erfolgsgeschichten.

Es gibt auch die Geschichte von Margot Opferkuch bei BPW in Salzburg:
Sie ist Apothekerin, hat 4 Kinder und war Personalchefin im Bekleidungsunternehmen ihres Mannes. Nach dessen Tod hat sie im Alter von 81 Jahren ihren Berufstraum erfüllt. Sie übernahm die Sonnenapotheke in Salzburg, die sie noch 6 Jahre lang führte. Heute ist Margot 94 Jahre alt und  seit 7 Jahren in „Pension“.  Sie besucht auch immer noch die Clubabende.

Welches Klischee rund um Frauen im Wirtschaftsleben können Sie nicht mehr hören?

„Wir haben keine Frau gefunden – sei es für eine Position oder ein Panel”. Wir sind da und bereit!

Was wären Ihrer Meinung nach die nächsten wichtigen Schritte Richtung Gender Equality?

Die wichtigste Maßnahme ist eine echte Lohntransparenz in allen Unternehmen. Diese schärft die Wahrnehmung und die Sensibilität für die bestehenden, kaum zu rechtfertigenden Unterschiede im Lohngefüge zwischen den Geschlechtern. Für den privaten Bereich brauchen wir Offenheit und die Bereitschaft, für eine gerechte Verteilung von Aufgaben neue, ungewohnte Wege einzuschlagen.

Haben Sie das Gefühl, dass sich Frauen oft doppelt oder dreifach anstrengen müssen, um gleiche Positionen wie Männer zu bekommen?

Dass Frauen im Beruf vielfach doppelt so viel leisten, um in Führungspositionen zu kommen ist belegt. Die Dreifachbelastung ergibt sich ganz einfach durch die Entscheidung für Kinder oder die Pflege kranker Eltern.  Ob man schon von Fortschritten sprechen kann, lässt sich noch nicht sagen.

Wie bewerten Sie die Rolle von (Frauen-) Netzwerken in unserer heutigen Gesellschaft und in der Zukunft?

Sie sind essenziell und wertvoll.  Sie stärken Frauen und sind ein Multiplier für Rückenstärkung – einfach Zusammenhalt statt Kampf.

Last but not least – ein Wort zum Thema Frauenquote?

Die Frauenquote ist zwar unbeliebt und oft mit Vorurteilen behaftet, jedoch absolut notwendig, um bestehende Strukturen aufzubrechen.

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(c): Hanna Sachers
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