Diese Zahlen kamen an der Börse nicht gut an: Zu Jahresbeginn wurde bekannt, dass die Techgiganten Meta, Microsoft, Alphabet und Amazon in 2026 Investitionen in Höhe von rund 700 Milliarden US-Dollar planen. Das Geld soll unter anderem in leistungsfähige Chips, weitere Rechenzentren für die Künstliche Intelligenz sowie in den Ausbau von Netzwerktechnologie fließen. Die hohe Summe nährt aber auch Zweifel, ob sich die Investitionen rechnen werden.

„Neben der Frage der Monetarisierung herrscht implizit vor allem die Befürchtung, dass die KI weniger schnell und weniger tiefgreifend Veränderungen sowie Effizienzsteigerungen bewirken könnte, als ursprünglich gedacht“, konstatiert Karin Kunrath, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management (RCM). Die Vorsicht war an der Börse deutlich sichtbar, einige der Technologieaktien verloren teils kräftig an Wert. Hinzu kommt nun der Irankrieg. Er treibt die Energiepreise an – und verunsichert Anleger, zumal Ausgang und Dauer ungewiss sind.

Doch auch der Softwarebereich wurde an der Börse abgestraft. Ein Umstand, der einen handfesten Grund hat: Die Konkurrenz von KI-Agenten wächst. Schließlich ist die KI derart weit entwickelt, dass sie zahlreiche Agendapunkte selbstständig erledigen kann, ohne dass dafür ein eigenes Programm von einem Softwareunternehmen aufgesetzt werden muss.

Einzige Frage: Waren die Kursrücksetzer an der Börse übertrieben, oder ist die Skepsis insbesondere gegenüber den „Big-Techs“ aus den USA angebracht? Madeleine Ronner, Fondsmanagerin für globale Aktien bei der DWS, kann sie nachvollziehen und meint, „dies ist sogar ein zentraler Punkt für 2026.“ So konnten in den vergangenen Jahren die großen Player den Investitionshochlauf aus dem freien Cashflow finanzieren. Diese Kennzahl zeigt die liquiden Mittel an, die einem Unternehmen am Ende einer Periode unter dem Strich zur Verfügung stehen. „Der Spielraum wird nun kleiner“, so Ronner. Die hohen Ausgaben hinterlassen eben ihre Spuren.

Trotz des getrübten Starts in das neue Jahr bietet der Technologiesektor dennoch reichlich Chancen. RCM-Expertin Kunrath verweist auf aktuelle Innovationen. „Die jüngsten Veröffentlichungen leistungsstarker, codeschreibender Modelle wie ‚Claude Opus 4.6‘ und ‚Claude Cowork‘ haben massiven Eindruck hinterlassen. Diese Systeme sind nicht nur weitere Chatbots, sondern schreiben produktionsreifen Code und automatisieren Workflows.“ Claude wurde von der US-KI-Firma Anthropic – an der Amazon beteiligt ist – programmiert.

Auch ein weiterer Bereich dürfte im Fokus bleiben. So werden jede Menge Halbleiter für den technologischen Fortschritt benötigt. „Bereits 2025 wurde das Gewinnwachstum der US-Technologiebranche vor allem von der boomenden Nachfrage nach Computerchips für Anwendungen im Bereich KI angetrieben“, sagt Gabriela Tinti, Leiterin Aktienfondsmanagement, Erste Asset Management. Auch das gesamte dazugehörige Ökosystem, von Speicherlösungen über Netzwerke bis hin zu Chipausrüstern habe profitiert, fügt sie hinzu.

Alles in allem bleibt der weitere Ausblick trotz Chancen vorsichtig selektiv. Welche Branchen innerhalb der Technologiewelt langfristig profitieren werden und welchen die Geschäftsgrundlage entzogen wird, sei ungewiss, meint die RCM-Expertin. Vor allem jene Frage, ob sich die Investitionen der großen US Technologiekonzerne rechnen werden, bleibe offen. Bei der RCM setzt man vielmehr auf Produzenten von Speicherchips und Halbleitern sowie auf Infrastrukturausrüster. Sie alle benötigt man, damit Rechenleistungen und Speicher erhöht werden können.

Auch Ronner von der DWS liefert ein klares Fazit und meint: „Wir gehen davon aus, dass es der Technologiesektor 2026 schwerer haben wird als in den vergangenen Jahren.“

Doch welche Chancen gibt es für Anleger*innen im aktuellen Umfeld? Der Amundi US Tech 100 Equal Weight UCITS ETF (IE000Y9MG996) teilt das Vermögen gleichmäßig auf die einzelnen Sektoraktien auf. Denn im Nasdaq 100 Technologieindex haben die größten Techfirmen auch die höchste Gewichtung. In guten Zeiten ziehen sie den Index folglich stark nach oben, in schwierigen Zeiten wiederum besonders kräftig nach unten. Solch ein Klumpenrisiko schaltet das Amundi-Produkt mit der Gleichgewichtung aller Aktien aus.

Der Global X Data Center REITs & Digital Infrastructure UCITS ETF (IE00BMH5Y327) setzt auf Unternehmen, die im Bau von KI-Datenzentren sowie dem Ausbau digitaler Infrastruktur tätig sind. Dazu zählen etwa Digital Realty Trust, SBA Communications und American Tower. Alle drei stammen aus den USA. Bei beiden ETFs sind allerdings auch Verluste und größere Schwankungen möglich.

DWS, STEPHAN HUGER, ROLAND RUDOLPH, DEATH TO STOCK
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