Immer wieder ist Annina Haslinger-Galipeau auf inspirierende Initiativen und Formate gestoßen, die Frauen vernetzen, stärken und sichtbar machen – nicht selten jedoch erst im Nachhinein oder eher zufällig. Aus dieser Beobachtung heraus entstand die Idee, über neue Wege nachzudenken. Mit femvents.at ist im vergangenen Jahr eine Plattform entstanden, die sich diesem Anspruch widmet.
Was war Ihr persönlicher Game-Changing-Moment?
Mein persönlicher Game Changer war die Erkenntnis, dass ich nicht in bestehende Strukturen passen muss, um erfolgreich zu sein. Als mir klar wurde, dass meine größte Stärke darin liegt, eigene Ideen zu entwickeln und Verantwortung für meine Projekte zu übernehmen, statt mich in fremde Systeme einzufügen, hat sich mein Blick auf Karriere grundlegend verändert. Diese Erkenntnis hat mir den Mut gegeben, meine Erfahrung aus Marketing, Content Management und Community-Building gezielt weiterzuentwickeln und meinen eigenen Weg konsequent zu gehen.
Was hätten Sie zu Beginn Ihrer Karriere gebraucht, was damals noch nicht vorhanden war, aber heute verfügbar ist?
Sichtbarkeit von Frauen gab es zwar schon, aber sie war nicht so leicht zugänglich wie heute. Ich konnte 2014 erfolgreich starten und relativ schnell Umsätze generieren, doch das Selbstbewusstsein, laut und mit einer eigenen Idee sichtbar zu sein, hat mir damals noch gefehlt. Heute ist es einfacher, Role Models zu finden, sich zu vernetzen und sich als Unternehmerin klar zu positionieren – das macht einen großen Unterschied!
Was hatte den größten Impact auf Ihre Laufbahn?
Die Selbstständigkeit selbst. Seit vielen Jahren mit Internet-Portalen zu arbeiten, hat mir nicht nur Selbstbestimmtheit gebracht, sondern vor allem unternehmerisches Denken. Entscheidungen selbst zu treffen, Verantwortung zu tragen und gleichzeitig frei zu sein – das hat mich beruflich und persönlich am stärksten geprägt und möchte ich nie mehr missen.
Was war der größte Karriere-Boost?
Der größte Karriere-Boost war der Moment, in dem ich begonnen habe, mich klar zu positionieren. Mit femvents habe ich bewusst ein Herzensprojekt gestartet, das auf meiner langjährigen Erfahrung im Aufbau digitaler Plattformen aufbaut. Heute kann ich Unternehmertum und Leidenschaft verbinden. Genau das bringt Fokus und vor allem Glaubwürdigkeit. Am Ende glaube ich, macht das den größten Unterschied – und am Ende auch den Erfolg.
In welchen Situationen denken Sie heute: „Hätte ich das bloß früher gewusst“?
Dass es nicht perfekt sein muss. Hauptsache, man setzt um. Ich hätte mir früher erlauben sollen, schneller zu starten, Dinge auszuprobieren und unterwegs nachzuschärfen. Außerdem hätte ich gerne früher verstanden, dass Netzwerken kein „Nice-to-have“, sondern ein echtes Business-Asset ist. Und dass ich laut sein darf – und auch sein muss! Um langfristig gesehen zu werden, braucht man eine Stimme und sollte diese auch nutzen.
Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit mehr Frauen Führungspositionen erreichen und erfolgreicher als Unternehmerinnen werden?
Es braucht echte Wahlfreiheit: flexible Arbeitsmodelle, faire Finanzierungsmöglichkeiten und mehr Sichtbarkeit von Frauen in Führung. Vor allem aber braucht es ein gesellschaftliches Verständnis dafür, dass Erfolg nicht nur linear oder klassisch aussehen muss. Frauen brauchen Räume, in denen Ambition, Familie, Selbstbestimmung und Wachstum gleichzeitig möglich sind. Ganz entscheidend: Frauen in Führungspositionen müssen gesehen werden. Denn ohne sichtbare Vorbilder wird es für die nächste Generation schwerer, diesen Weg für sich zu denken.
Ihr persönlicher Rat an alle, die eine erfolgreiche (Konzern-)Karriere anstreben?
Kennt eure Stärken und findet ein Projekt, für das ihr wirklich Leidenschaft habt – gerade in der Selbstständigkeit ist diese innere Motivation entscheidend. Baut euch früh ein Netzwerk auf, tauscht euch mit anderen Frauen aus und sucht aktiv Kooperationen, denn gegenseitige Unterstützung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Und vor allem: Es gibt keinen vorgegebenen Karriereweg – Erfolg kann viele unterschiedliche Formen annehmen! Geht konsequent euren eigenen Weg.
Porträts aus der Serie „Hätt ich das bloss früher gewusst“