Wie sorgt die IT:U für eine gleichberechtigte Teilhabe in projektbasierten Lerngruppen?

C. N.: Projektbasiertes Lernen bildet das Herzstück unseres didaktischen Lehr- und Lernmodells. Es verbindet Theorie und Praxis, fördert interdisziplinäres Denken und bereitet auf reale Herausforderungen vor. Damit es gelingt, muss Zusammenarbeit gleichberechtigt sein – sonst entstehen Hierarchien, die Innovation behindern. Deshalb durchmischen wir Gruppen gezielt nach Disziplin, Hintergrund und Identität – Diversität ist bei uns kein Zufall, sondern Programm. Für echte Teilhabe sorgen klare Strukturen und gezielte Begleitung durch Lerncoaches. Rollen wechseln regelmäßig, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, und Peer-Evaluation belohnt individuelle Leistungen wie auch kooperatives Verhalten. Über digitale Plattformen wird jede Form der Mitarbeit sichtbar – auch unsichtbare Aufgaben wie Koordination, Recherche oder Editieren erhalten so Anerkennung.

Yufang Hou

Warum ist die Beteiligung von Frauen in der Entwicklung von KI-Modellen essenziell?

Y. H.: Die Digitalisierung verändert sämtliche Lebensbereiche – von Gesundheit über Bildung bis hin zur Kommunikation. Wenn Frauen nicht an der Entwicklung dieser Systeme beteiligt sind, besteht die Gefahr, dass ihre Perspektiven, Bedürfnisse und Werte unberücksichtigt bleiben. Viele Datensätze, die KI-Systeme trainieren, sind historisch verzerrt – Frauen kommen entweder zu selten vor oder werden klischeehaft dargestellt. Eine weibliche Perspektive erkennt solche Verzerrungen früher. In meiner Arbeit mit NLP habe ich oft erlebt, dass Frauen häufiger mit häuslichen Rollen, Männer hingegen mit beruflichen Rollen assoziiert werden. Forscherinnen, die solche Muster hinterfragen und korrigieren, tragen entscheidend dazu bei, KI-Systeme fairer, realistischer und repräsentativer zu gestalten.

Stefanie Lindstaedt

Welche Rolle spielen weibliche Lehrkräfte bei der Gestaltung von Hochschulpolitik?

S. L.: Vielfältige Teams, in denen Frauen vertreten sind, spielen eine entscheidende Rolle, da sie neue Perspektiven und Herangehensweisen einbringen, die zu innovativen Ergebnissen führen. Solche Teams agieren in der Regel flexibler, problemlösungsorientierter und können sich besser auf unterschiedliche Anforderungen einstellen. Ohne die gleichberechtigte Teilhabe aller Geschlechter können wir das volle Potenzial nicht ausschöpfen, das zur Bewältigung globaler Herausforderungen – wie Klimawandel, Künstliche Intelligenz oder Cybersicherheit – notwendig ist. Geschlechtervielfalt ist daher nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine zentrale Voraussetzung für digitale Transformation und Innovation. Das gilt ebenso für alle weiteren Dimensionen von Diversität.