„Women as Agents for Security and Peace“ Konferenz in Wien: Frieden braucht Frauen
Beim Wiener Jubiläum der UNO-Resolution 1325 wird deutlich: Frauen müssen stärker einbezogen werden. Sie sollen Verhandlungen mitgestalten, Schutz erhalten und sichtbar werden, damit Frieden hält, Konflikte abnehmen und Gesellschaft sich verändert.
Im Wien Museum ist das Licht gedämpft. Moderne Jazzklänge erfüllen den Raum. Frauen aus aller Welt haben sich versammelt. Nur vereinzelt findet man Männer zwischen ihnen. Dann richtet sich die Aufmerksamkeit nach vorne: Außenministerin Beate-Meinl-Reisinger tritt ans Pult. Sie spricht über Frieden. Darüber, warum Frieden nur gelingen kann, wenn Frauen in Verhandlungen miteinbezogen werden. Denn das ist alles andere als selbstverständlich.
Genau zu diesem Thema fand dieser Tage die Konferenz „Women as Agents for Security and Peace“ statt. Veranstaltet wurde diese vom österreichischen Außenministerium. Anlass ist das 25-jährige Jubiläum der UNO-Sicherheitsratsresolution 1325 „Frauen, Frieden und Sicherheit“.
Die am 31. Oktober 2000 einstimmig verabschiedete Resolution ist die erste UNO-Resolution, welche die besonderen Auswirkungen von Konflikten auf Frauen hervorhebt. Außerdem betont sie die wichtige und aktive Rolle von Frauen in Friedensbemühungen.
„Frieden ist nachhaltiger, wenn nicht die Hälfte der Weltbevölkerung ausgeschlossen wird“
Denn Frieden gelingt nicht trotz, sondern gerade wegen der Beteiligung von Frauen. Wenn Frauen an Friedensverhandlungen teilnehmen, halten Abkommen oft länger. Sie bringen Themen wie Bildung und Gesundheit auf den Tisch. Bereiche, die sonst schnell in den Hintergrund geraten. Statt also nur militärisch zu denken, verstehen Frauen Frieden als etwas Dauerhaftes: als sozialen Prozess und nicht bloß als Ende der Waffen.
Gegenwärtig erleben wir jedoch eine Umkehrung der Fortschritte, die im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter erzielt wurden. Anstatt diese Fortschritte zu verteidigen, werden Mittel für lebensrettende Programme gestrichen. Vor allem Frauenorganisationen seien betroffen – viele stünden vor der Schließung, warnt Pramila Patten, UNO-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt in Konflikten.
Bei den Militärausgaben wird jedoch nicht gespart. Das Gegenteil ist der Fall. Mit 2,3 Billionen Euro haben sie einen Rekordwert erreicht. Denn: Patriarchale Machtstrukturen investieren mehr in die Maschinerie des Krieges als in die Architektur des Friedens. Der Ertrag dieser Investition kann nur weitere Spaltung, Zerstörung und Tod sein, so Pramila Patten.
Daher fokussiert sich die österreichische Außenpolitik darauf Frauen vor Gewalt zu schützen und sie in Friedensbemühungen zu stärken, betont Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. „Egal, wo wir hinsehen: Krisen und Konflikte betreffen besonders die Sicherheit von Frauen und Mädchen – und dort, wo die Rechte von Frauen und Mädchen mit Füßen getreten werden, brechen leichter Konflikte und Chaos aus“, sagt die Außenministerin. „Es ist daher umso wichtiger, gerade ihre Stimmen in allen Phasen von Friedensbemühungen zu hören.“
Vorbilder stärken
Um langfristigen Frieden zu ermöglichen, müssen Frauen sichtbar gemacht und als Vorbilder gestärkt werden. Wenn Frauen repräsentiert werden, entstehe Veränderung. Gleichzeitig sind tiefgreifende strukturelle Anpassungen notwendig – in der Gesellschaft, in Unternehmen und der Kunst.
Gleichstellung bedeutet jedoch nicht, Männer auszuschließen. Im Gegenteil: Die Rolle von Männern ist entscheidend. Sie sollen an vorderster Front stehen, um Frauen sichtbar zu unterstützen und ihnen solidarisch den Rücken zu stärken. Aber vor allem, um sich bewusst für geschlechterspezifische Gleichstellung einzusetzen.
Die moderne Jazzmusik kehrt zurück. Sie füllt den Raum, Gespräche beginnen leise, der Abend klingt aus. Hoffnung erfüllt den Raum. Oder um es mit den Worten der UNO-Sonderbeauftragten Pramila Patten zu sagen: „Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist bereits auf dem Weg. An einem ruhigen Tag kann ich sie atmen hören. Unsere Aufgabe ist es, dieser schönen neuen Welt den Sauerstoff, die Aufmerksamkeit und die Möglichkeit zu geben, die sie braucht.“