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Mona Dür

Mona Dür ist Gründerin und CEO von Duervation, Wissenschafterin und eine Visionärin mit Expertise im Gesundheits- und Bildungsbereich. Sie versteht die Anwender:innen und die Entwickler:innen von Gesundheitstechnologien und wirkt als Transformator/Inkubator zwischen Industrie, Praxis und Forschung und trägt dazu bei, dass Gesundheitstechnologien für die Patient:innen und das Gesundheitspersonal umsetzbar und tatsächlich hilfreich sind.

Mona Dür ist außerdem Netzwerkerin und Frauenförderin, sie unterstützt Frauen unterschiedlichen Alters darin, die eigenen Stärken und Kompetenzen zu erkennen und diese weiterzuentwickeln, sich ihres Potentials bewusst zu werden und dieses für die Realisierung ihrer Visionen zu nutzen. Sie setzt sich für die Schaffung besserer Rahmenbedingungen im Bildungs- und Gesundheitsbereich ein. Das betrifft Patient:innen und pflegende Angehörige, das Gesundheits-, Lehr- und Forschungspersonal, Studierende, ihre Mitarbeiter:innen, Jungforscher:innen, Kinder, Jugendliche und Frauen. Sie engagiert sich für diese Personengruppen im Rahmen ihrer Coaching-, Beratungs-, Forschungs- und Lehrtätigkeiten, ihren zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten und ihren Tätigkeiten als Mentorin. Sie scheut sich nicht, unbegangene Wege zu beschreiten. Sie war die erste Ergotherapeutin, die ein PhD Studium an der Medizinischen Universität Wien absolviert hat. Sie hat das erste Regelstudium mit Abschluss Master of Health Sciences in Österreich federführend entwickelt und etabliert, und damit zahlreichen Personen der nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe eine Weiterqualifizierung ermöglicht. Außerdem war sie die Erste, die für das Fach Outcomes Research an der Medizinischen Universität Wien ein Habilitationsansuchen eingebracht hat (laufend).

Mit der Gründung von Duervation nach 17 Jahren Akademia, beschreitet sie erneut noch nicht begangene Wege. Auch hier teilt sie ihre Erfahrungen und ermutigt andere Frauen, ihre Karriere selbst zu gestalten, und bietet damit ein Rollenmodell für Frauen, speziell aus dem Bildungs- und Gesundheitsbereich. Die Entwicklung und Etablierung des Masterstudiengangs Angewandte Gesundheitswissenschaften an der IMC Fachhochschule Krems ist nur eines von mehreren Beispielen ihres Engagements für die Weiterentwicklung und Professionalisierung der angewandten Gesundheitswissenschaften in Österreich. Sie ist Gründerin und Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für Handlungswissenschaft, bei der sie zusätzlich für die Jungforscher:innenförderung hauptverantwortlich ist. Sie ist affiliierte Wissenschafterin des Karolinska Institutes in Stockholm, Gastlektorin an nationalen und internationalen Hochschulen und betreut dort akademische Abschlussarbeiten der Medizin-, Gesundheits- und Sozialwissenschaften.

Mona Dür ist Gründerin und CEO der Duervation GmbH, Wissenschafterin und eine Visionärin mit Expertise im Gesundheits- und Bildungsbereich. Bereits während ihres Ergotherapie Diplomstudiums trat sie eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an. Ihren Master erwarb sie im europäischen Ergotherapie Masterlehrgang, den sie nach einer kurzen Unterbrechung durch Schwangerschaft und Geburt des ersten Kindes mit Auszeichnung abschloss. Im Anschluss daran und zu Beginn der Schwangerschaft ihres zweiten Kindes, begann sie Ihr PhD Studium, das sie als erste Ergotherapeutin 2015 an der Medizinischen Universität Wien, ebenfalls mit ausgezeichnetem Erfolg abschloss.

Daniela D. Pollak

Die Professorin und Neurophysiologin Daniele Pollak ist unter anderem Mitglied des „Women Mentoring Programms“ der Medizinischen Universität Wien. In ihrer Arbeit setzt sie den Fokus auf die Erforschung von emotionalen und sozialen Verhaltensmustern: „The research focus of my laboratory is centered on contributing to unraveling the neural and molecular basis of emotional and social behaviors in their physiological and pathological states. We use specific animal models and a wide range of analytical methods to address at central questions about the neuroarchitectural organization and molecular mechanisms of important social and emotional behaviors in the mouse, including mating and parental care well as anxiety and depression-related behaviors. We are also interested in the role of early life experiences on the later development of these behaviors and the modulatory role of endogenous (physiological states) and exogenous (environmental) influences.“

Gertrud Götze

Gertrud Götze ist Vice President Human Resources von T-Systems und beschreibt sich selber so: „I am an out-of-the-box thinker on Top Management level, solution driver by finding the one way out of any critical situation or crisis, I do have and live a Yes-We-Can-mentality, i.e., doesn’t work and resign is not an option for me, Continuous learning and ongoing development is part of my DNA. I work with passion for results, rise business value, ensure customer satisfaction, efficiency, and innovation by applying upcoming trends, up-2-date methodologies, technologies, responsibility, and leadership. I am open minded, empathic, ambitious, precise, communicative, and full of energy.“

Julia Katovsky

Mag. Julia Katovsky ist für das Management strategischer Projekte im IT-Bereich für Aus- und Weiterbildungen bei Österreichs größten IT-Trainingsanbieter ETC – Enterprise Training Center, verantwortlich. In ihrer Rolle als Stabstelle entwickelt sie mit verschiedenen PartnerInnen innovative Konzepte, um attraktive Alternativen zu klassischen, formalen Ausbildungen zu designen. Besonderes Augenmerk bekommen hier IT-Quereinsteigerinnen, als studierte Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin liegen ihr diese besonders am Herzen. Ihnen möchte sie ihre Erfahrungen weitergeben, um so anderen ihren Einstieg in die IT-Branche zu erleichtern. Ihr Engagement lässt sie in die Arbeit als Mitglied von WOMENinICT einfließen und engagiert sich bei verschiedenen weiteren Initiativen, wie beispielsweise bei Women in IT, SHEgoesDIGITAL und #thenewITgirls, um mehr Frauen für die IT zu begeistern.

Zum Projekt #thenewITgirls Boostcamp (em)powerd by Skills Campus (entwickelt von Kristina-Maria Brandstetter, Doris Schlaffer, Astrid Wieland, Kathrin Simulak und Julia Katovsky)

Für einen gelungenen Cocktail benötigt man mindestens drei Zutaten, für ein gelungenes Projekt mit Impact auch: Im Fall vom #thenewITgirls Boostcamp (em)powerd by Skills Campus waren dies die engagierten Ladies von dem Gemeinnützige Verein #thenewITgirls, dem größte IT-Trainingsanbieter in Österreich, ETC – Enterprise Training Center und einer der größten IT-Soft-und Hardwarehersteller der Welt, Microsoft. Microsoft und ETC verbindet bereits eine langjährige Erfolgsgeschichte durch das Gemeinschaftsprojekt Skills Campus, in dem vor allem QuereinsteigerInnen Ausbildungen für eine IT-Karriere ermöglicht werden. In diesem Mindset entstand die Idee zum Boostcamp: einen Lehrgang von Frauen für Frauen zu den Themenbereichen Cloud Computing und Software as a Service(SaaS) zu kreieren. Dass das Konzept ein Erfolg auf ganzer Linie ist, beweisen zwei Ergebnisse: Erstens mehr als die Hälfte der 115 Frauen der ersten Kohorte haben ein international anerkanntes Microsoft Fundamentals Zertifikat erworben. Zweitens, aufgrund der hohen Nachfrage ging das #thenewITgirls Boostcamp (em)powerd by Skills Campus Mitte Jänner 2023 in die 2.Runde. Über 100 Frauen werden in technischen Session in AI & Automation und/oder Cloud Computing geschult und weitergebildet. Für die berufliche Zukunft der Teilnehmerinnen in der IT-Branche, gibt es Sessions zur Karriereplanung und Inputs zur Gehaltsverhandlung sowie Bewerbungscoaching. #Iamremarkable Workshops geben den Teilnehmerinnen eine Bühne, um ihre Erfolge teilen zu können. Female Empowerment in Reinkultur. 

Eveline Pupeter

Digitales Amt, Onlinebanking, Handyparken: Der Alltag kann ganz schön kompliziert sein. Die Oberösterreicherin Eveline Pupeter hat die Einfachheit zum Prinzip erhoben. Sie entwickelt, designt und produziert mit ihrem Unternehmen emporia Telecom einfach zu bedienende Smartphones, Tablets und Tastenhandys speziell für ältere Menschen und ist international Technologieführer in diesem Segment.

Eveline Pupeter: „Seit drei Jahrzehnten verfolgen wir von emporia ein Ziel: hochtechnische Kommunikationsgeräte herzustellen, die trotz ihrer Komplexität und Genialität einfach zu bedienen sind.“

Das Headquarter befindet sich in Linz, geliefert wird in mehr als 30 Länder in Europa. Niederlassungen gibt es in Brüssel, Frankfurt, Helsinki, London, Mailand, Paris und Shenzhen (China).

emporia Telecom, Senioren-Smartphone-Hersteller des Jahres 2022 in Deutschland, gelingt es immer wieder, die Fachwelt zu überraschen. Jüngst mit dem weltweit ersten Senioren-Tablet.

emporia hat auch spezielle Trainings und Schulungen sowie einen eigenen Smartphone-Führerschein entwickelt, um Senioren den Zugang in die digitale Welt zu erleichtern.

Rund 18 Millionen Telefone hat emporia verkauft, aktuell telefonieren rund drei Millionen Menschen mit einem Handy aus Linz. 

Im vergangenen Jahr wurde Eveline Pupeter zur „Unternehmerin des Jahres“ gekürt. Vor zwei Jahren erhielt sie das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich vom Bundespräsidenten verliehen. Als Würdigung ihrer Anstrengungen, älteren Menschen die Tür in die digitale Welt zu öffnen.

Andrea Mizelli-Ojdanic

Andrea Mizelli-Ojdanic hat ihr Doktoratsstudium der Materialphysik an der Universität Wien, Fakultät für Physik, im Januar 2020 abgeschlossen. Sie beschäftigte sich im Rahmen eines bilateralen Projekts intensiv mit Magnesiumlegierungen als orthopädische Implantate für biomedizinische Anwendungen. Während ihrer Forschungsarbeit war Frau Ojdanic als Lehrbeauftragte an der Fakultät für Physik tätig. Seit 2016 ist sie als Forscherin tätig, u. a. im Rahmen der CLOUD-Kampagne am CERN, um den Einfluss der galaktischen kosmischen Strahlung auf Aerosole und Wolken und deren Auswirkungen auf das Klima zu verstehen.

Ab Dezember 2019 ist sie Teil des Forschungsteams an der Fachhochschule Technikum Wien im Kompetenzzentrum Digital Manufacturing, Automation & Robotics, wo sie auch als Dozentin und Studienleiterin für den Studiengang Mechatronik/Robotik (Bachelor) und Robotics Engineering (Master) tätig ist.

Ana Simic

Ana Simic ist Österreich-Geschäftsführerin der finnisch-deutschen Data & AI Beratung DAIN Studios. Die erfahrene Marketing und Digitalisierungs-Expertin war nach Stationen bei Henkel, bwin und A1 Österreich für den internationalen Rollout von Marketing Automation und daten-getriebenen Lösungen als Head of Customer Engagement and Data2Impact in 7 Ländern der A1 Telekom Austria Group verantwortlich.

Sie ist Mitgründerin des erfolgreichen A1 Frauennetzwerks und setzt sich aktiv für mehr Frauen und mehr Diversitä in der Tech-Branche ein. Über DAIN Studios: Wir entwickeln und realisieren Daten- sowie KI-Strategien und implementieren praktische Machine-Learning- und KI-Lösungen, Datenplattformen und -anwendungen, für mehr als 100 Kunden in allen Branchen. Mit unserer DAIN Academy helfen wir Führungskräften und Experten, KI zu verstehen und anzuwenden. Verständliche KI-Modelle, sowie verantwortungsbewusster und ethischer Umgang mit Daten und KI gelten für uns als kritische Faktoren für jede KI-Anwendung.

Mariana Karepova

Mariana Karepova ist die erste weibliche Präsidentin des Österreichischen Patentamtes. Mit 20 kam sie aus der ehemaligen Sowjetunion nach Wien. Sie hat Volkswirtschaft studiert und spezialisierte sich auf Innovations- und Technologiepolitik.  Sie kennt die Welt der Innovation aus vielen Perspektiven – als Begutachterin von Forschungsprojekten von Unternehmen, als Entwicklerin neuer Fördermaßnahmen und als Beraterin von Innovations-Minister:innen. Vor ihrer Position als Patentamtspräsidentin war sie ua. in der Europäischen Kommission und bei der Forschungsförderungsgesellschaft tätig.  Sie ist aktuell auch stellvertretende Vorsitzende der Plattform Industrie 4.0, Mitglied des Universitätsrates der TU Graz, sowie Jurorin bei Fonds und Preisausschreibungen.

In Ihrer Rolle als Patentamtspräsidentin ist sie unermüdlich, wenn es um die Förderung von Frauen in der Technik und beim Patentieren geht. Ihre Initiative ist nicht zuletzt deshalb so wichtig, weil Österreich in Europa das Schlusslicht beim Patentieren von Frauen ist – nur 8% der österreichischen Erfinder:innen sind Frauen.  Die niedrige Frauenbeteiligung an Patenten ist Ausdruck dessen, wie selten Frauen Anteil an der Verwertung von Innovation haben, wie selten Frauen Unternehmen gründen und wie selten weibliche Forschungsleistungen gewürdigt werden.  Karepovas Ansporn war es immer dies aufzuzeigen, die Gründe dafür zu erkunden und dagegen anzukämpfen. In Ihrem eigenen Einflussbereich, setzt sie immer darauf, Frauen, von jungen Technikschülerinnen bis zu Projektleiterinnen, auf vielen Ebenen in ihrer Karriere-Entwicklung zu unterstützen.  Die Erfinderinnen, die sich in dieser männlich geprägten Innovationswelt durchgesetzt haben, holt das Patentamt vor den Vorhang und sorgt so für die Vernetzung mit anderen Erfinderinnen, Forscherinnen, und Unternehmerinnen. 

Nicole Prieller

Nicole Prieller ist seit 2020 Partnerin und Geschäftsführerin bei PwC Österreich. Mit ihrem Team begleitet sie Unternehmen bei den Themen People Empowerment, Leadership, Digital HR Transformation, Strategic Workforce Management, Change Management, Future of Work, Organizational Design sowie Diversity, Equity & Inclusion. Im D&I Leadership Team bei PwC Österreich sowie im internen Frauennetzwerk engagiert sie sich für die Förderung von weiblichen Talenten und Führungskräften, unter anderem durch Coaching oder die Initiierung der Studie “Duale Führung”. Darüber hinaus arbeitet Nicole Prieller seit fünf Jahren ehrenamtlich als Mentorin für weibliche Talente und Führungskräfte in der österreichischen Wirtschaft. 

2008 gründete Nicole Prieller das erste österreichische Beratungsunternehmen für Digital & Business Transformation. Zuvor verbrachte sie über 10 Jahre in Strategie-, Marketing- und Salespositionen in der FMCG-Branche, im Mobilfunksektor und im Medienbereich. Nicole Prieller ist Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

Anna Steiger

Mag. Anna Steiger, Juristin, Vizerektorin für Personal & Gender, Technische Universität Wien. Davor Vizerektorin für Personal, Ressourcen und Frauenförderung an der Akademie der bildenden Künste Wien, sowie Personalmanagerin bei Volkshilfe Niederösterreich. Vorsitzende der Task Force Gender und Diversity der uniko, Mitglied des „Board of Directors“ sowie Vorsitzende der Task Force HR  und Director bei CESAER (Netzwerk der technischen Universitäten Europa), Vorstand Verein Ute Bock.

Die Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Förderung und Gleichstellung von Frauen, insbesondere in der Technik sowie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zählen zu den Tätigkeitsschwerpunkten an der Technischen Universität Wien. 

Denn – mehr als 100 Jahre nach der Zulassung von Frauen zu technischen Studien betrachten wir Technikerinnen immer noch als Ausnahmeerscheinungen. Aber Innovationen der Zukunft sind maßgeblich von der Vielfalt der Menschen in Wissenschaft und Wirtschaft abhängig. Wer nachhaltige Lösungen für die ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme unserer Gesellschaft anstrebt, muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass auch in der Entwicklung alle Menschen im Rahmen ihrer Talente und Interessen daran teilhaben können. Unterschiedliche Sichtweisen, Ideen und Fähigkeiten werden zu neuen Lösungen und Entwicklungen und damit zu mehr Innovation führen – und unsere Welt besser machen.

Christiane Noll

Christiane Noll ist zufällig in die IT-Branche gekommen und absichtlich geblieben. Ihre Tech-Karriere startete sie Mitte der 1990er Jahre bei dem einstigen Start-up Update AG. Dieses hat sie mit aufgebaut, entwickelt und geprägt. Danach wechselte sie zum Software-Giganten Microsoft. Hier war sie Teil der Geschäftsführung der österreichischen Niederlassung. Seit 2016 ist sie Geschäftsführerin der Avanade Österreich und begleitet ihre Kunden durch den Veränderungsprozess der digitalen Transformation. Christiane Noll ist seit über zwei Jahrzehnten eine engagierte Mentorin und Netzwerkerin. Sie fördert und unterstützt Frauen – aus Überzeugung und als Herzensangelegenheit.

Silvia Kaupa-Götzl

Silvia Kaupa-Götzl ist seit 2005 im ÖBB Konzern tätig, wo die ausgebildete Rechtsanwältin in unterschiedlichen Führungspositionen tätig war, u.a. als Leiterin des Fernverkehrs im ÖBB Personenverkehr. Seit August 2015 leitet sie die Österreichische Postbus AG, das größte Busunternehmen Österreichs.

Christina Antlanger-Winter

Christine Antlanger-Winter ist seit 2019 Country Director von Google Österreich. Zuvor war sie CEO der Media-Agentur Mindshare, wo sie seit 2003 die Digital-Agenden aufgebaut und verantwortet hat. Sie hat die FH Hagenberg als Diplom Ingenieurin für Medientechnik und -design abgeschlossen, war Präsidentin des IAB Austria und ist seit 2018 Generalsekretärin der IAA Austria.

Rosmarie Steininger

Rosmarie Steininger, Gründerin und Geschäftsführerin von CHEMISTREE, findet es großartig, Beziehungen zu bewirken, und zwar mithilfe von Algorithmen. Nach einem BWL-Studium mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik entwickelte sie acht Jahre in der BMW Group Algorithmen für Logistiksysteme und leitete internationale Projekte. Während anschließender sechs Jahre in der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG entwarf und leitete sie gemeinnützige Projekte, deren Erfolg auf besonders guten Beziehungen der Teilnehmenden untereinander basierten. Beide Facetten brachte sie 2017 bei der Gründung ihres Unternehmens ein: CHEMISTREEs algorithmenbasiertes Matching verknüpft bedarfsgerecht und passgenau Menschen im beruflichen Kontext. Transparenz und Vertrauenswürdigkeit gehören für Rosmarie Steininger zu den zentralen Aspekten von algorithmenbasierter Software. Sie engagiert sich deshalb stark im gesellschaftspolitischen Diskurs und wirkt als KI-Expertin ehrenamtlich an der Fortschreibung der Normungsroadmap KI der Bundesregierung mit.

Sonja Wehsely

Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion – 3 Konstanten in der Biografie der Top-Managerin Sonja Wehsely. Bereits als Stadträtin in Wien setzte sie sich für ein integratives Miteinander und die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben ein. Damals waren in ihrem Ressort auch „Frauenfragen“ angesiedelt. „Sich mit Leuten zu umgeben, die so sind wie man selbst – das ist einfach. Die besten Ideen entstehen aber in diversen Teams und hierfür lohnt es aus der Komfortzone zu gehen. Vielfalt ist besser als Einfalt. Und Vielfalt in Teams bringt auch bessere Ergebnisse fürs Geschäft“, erklärt Sonja Wehsely zu ihrer Motivation sich für Female Empowerment, Gender Equity und Diversity einzusetzen.

Vor 6 Jahren hat Sonja Wehsely die Wiener Stadtpolitik verlassen und trägt nun beim globalen Medtech-Player Siemens Healthineers als Executive Vice President und Managing Director die Verantwortung für den Unternehmenserfolg in mehr als 30 Ländern Zentralosteuropas und -asiens. Zusätzlich ist sie bei Siemens Healthineers Chair Person des Global Diversity, Equity & Inclusion Boards. Ihre Stellung im Unternehmen nutzt Sonja Wehsely aktiv, um bei Siemens Healthineers Initiativen für Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion voranzutreiben.

Als Frau im traditionell von Männern dominierten Technologie-Sektor ist Sonja Wehsely vielen zum Role Model geworden. Ob beim firmeninternen Frauen-Netzwerk „StepUP“, bei der Gründung einer eigenen „Diversity, Equity & Inclusion Group“ oder als Mentorin für weibliche Nachwuchs­führungskräfte – Sonja Wehsely setzt sich mit Begeisterung ein. Ihrem Engagement kommt entgegen, dass ein expliziter Schwerpunkt der Nachhaltigkeitsstrategie bei Siemens Healthineers auf der Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen liegt. 2030 soll der Anteil von Frauen im oberen Management bei 30 Prozent liegen.

„We pioneer healthcare. For everyone. Everywhere“ lautet der Anspruch von Siemens Healthineers. Im Unternehmen ist man überzeugt, dass divers aufgestellte Teams innovativer und resilienter sind. Zudem könne man besser auf die Bedürfnisse von Menschen im Gesundheitswesen eingehen – die individuell unterschiedlich sind.


Über Siemens Healthineers

Die an der Frankfurter Börse notierte Siemens Healthineers AG leistet Pionierarbeit im Gesundheitswesen. Für jeden Menschen. Überall. Als eines der führenden Unternehmen der Medizintechnik entwickelt Siemens Healthineers das Produkt- und Dienstleistungsportfolio kontinuierlich weiter, mit KI-gestützten Anwendungen und digitalen Angeboten, die in der nächsten Generation der Medizintechnik eine immer wichtigere Rolle spielen. Diese neuen Anwendungen werden das Unternehmen in der In-vitro-Diagnostik, der bildgestützten Therapie, der In-vivo-Diagnostik und der innovativen Krebsbehandlung weiter stärken. Siemens Healthineers bietet auch eine Reihe von Dienstleistungen und Lösungen an, um die Fähigkeit der Gesundheitsdienstleister zu verbessern, eine qualitativ hochwertige und effiziente Versorgung zu bieten. Siemens Healthineers hat 68.000 weltweit Mitarbeiter*innen.

„Mit dem richtigen Mindset ist alles möglich“

Stefanie Putsche ist seit einigen Monaten Prozess- und Business-Analystin im Bereich „Digitalisierung, Informationssicherheit und IT“ bei VERBUND – und neu in der Energiebranche. Im Interview berichtet sie von ihren bisherigen Erfahrungen.

Sie waren 15 Jahre lang unter anderem in den Bereichen Versicherung/Banken und Direktvertrieb in der Beratung tätig. Wieso hat Ihr Weg in die Energiebranche geführt?

Ich muss zugeben, dass ich in erster Linie eine Veränderung gesucht habe. Umso mehr freut es mich, dass ich nun Teil eines Unternehmens sein darf, dessen Mission es ist, die Klimakrise zu bekämpfen und entschieden voranzugehen, um die gesetzten Ziele zur Energiewende zu erreichen. Ein Thema, das uns alle betrifft.

Auf welche Weise lassen sich Ihre Erfahrungen aus anderen Branchen in der Energiebranche umsetzen?

Wenn man in so vielen unterschiedlichen Bereichen gearbeitet hat wie ich, dann weiß man, dass sich viele Probleme und Herausforderungen ähnlich sind – ganz unabhängig von der Branche. Eines haben alle Unternehmen gemeinsam: Es sind immer Menschen und Abläufe an einer Lösung beteiligt. Das sind meiner Meinung nach zwei der wichtigsten Faktoren, die sich in jede Branche übertragen lassen.

Und was könnten umgekehrt andere Branchen von der Energiebranche lernen?

In der kurzen Zeit in der Energiebranche, und hier speziell bei VERBUND, bin ich wirklich überrascht von der Flexibilität in einem relativ strikt vorgegebenen Rahmen. Es gibt ein schönes Zitat von unserem CEO: „Wir können nicht ein Schild raushängen ,Wegen Umbau geschlossen‘“. Das heißt, die Versorgungssicherheit steht an allererster Stelle, und trotzdem werden Wege gefunden, Veränderung und Innovationen voranzutreiben. Mit dem richtigen Mindset ist eben alles möglich.

VERBUND fördert seit Jahren talentierte Frauen bei ihrer technischen Ausbildung. Warum sind solche Förderungen wichtig?

Es ist wirklich schön, dass ein Arbeitgeber großen Fokus auf seine Mitarbeiterinnen legt. Schade ist, dass wir noch über Förderungen sprechen müssen. Es gibt mehr als genug Belege, dass das Geschlecht keine Aussage über die Fähigkeiten einer Person zulässt. VERBUND ist hier sehr aktiv, um das zu ändern. Die Verantwortung dafür obliegt auf jeden Fall allen Ebenen.

Welche Erfahrungen haben Sie selbst als Frau im IT-Bereich gemacht?

Beruflich habe ich mich hauptsächlich an der Schnittstelle IT und Business bewegt und mich dort immer sehr wohl gefühlt. Als Frau tut man sich oft schwer damit, sich Erfahrungen – außerhalb der eigenen Komfortzone – zuzutrauen und sich dabei auch Fehler zuzugestehen. Wir vergessen, dass wir nicht beweisen müssen, alles zu können. Ich persönlich hatte das Glück, dass ich Vorgesetzte hatte, die mir von Beginn an Vertrauen schenkten und mir herausfordernde Aufgaben übertrugen. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, mich beruflich, aber auch persönlich weiterzuentwickeln.

„Energiewende ist auch eine soziale Wende.“

DI Theresia Vogel, Geschäftsführerin beim Klima- und Energiefonds, übergibt Ende des Jahres ihre Agenden als Botschafterin des internationalen Netzwerkes „Equality in Energy Transitions“ an Ing. Mag. Eva Dvorak, MBA, die im Haus die Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften leitet. Im Interview erzählen beide, wie man Diversität, Nachhaltigkeit und Wirtschaft erfolgreich kombiniert.

Die Projekte des Klima- und Energiefonds leisten nicht nur einen Beitrag gegen die Klimakrise, sondern auch zur Stärkung der heimischen Wirtschaft – wie bekommen Sie diese beiden Themen unter einen Hut?

Vogel: Wir arbeiten seit Jahren mit der heimischen Wirtschaft zusammen, um Innovationen für den Klimaschutz auf den Weg zu bringen. Nehmen wir als Beispiel die Automotivbranche: E-Mobilität ist ein Job- und Wirtschaftsmotor, das zeigt unsere „E-Mapp 2“-Studie deutlich. Diese prognostizierte das Wertschöpfungspotenzial bis 2030 mit einem Plus von etwa 19 Prozent, das entspricht einer jährlichen Steigerung von 645 Millionen Euro. Klimaentlastung inklusive!

Frau DI Vogel, Sie haben einmal gesagt, dass die Zusammenarbeit mit jungen Menschen zu den prägendsten Erlebnissen in Ihrem beruflichen Werdegang zählt. Warum ist Generationendiversität so wichtig?

Vogel: Um die Klimakrise bewältigen zu können, braucht es kluge Köpfe und Projekte mit rascher Klimawirkung. Meine Erfahrung zeigt, dass Projekte immer dann erfolgreich sind, wenn die Projektteams nicht nur aus verschiedenen Disziplinen kommen, sondern auch aus unterschiedlichen Generationen.

Wie könnte man heute mehr junge Frauen für technische Berufe gewinnen?

Vogel: Junge Menschen brauchen Vorbilder. Deshalb achten wir zum Beispiel bei unseren Events sehr darauf, junge Expertinnen vor den Vorhang zu holen. Diese machen Lust auf unsere großartige Branche. Ich war daher sehr gern Botschafterin des internationalen Netzwerkes „Equality in Energy Transitions“, das sich für die Chancengleichheit von Frauen in der Energiebranche einsetzt. Mit Ende des Jahres übergebe ich diese Funktion an Eva Dvorak, die bei uns im Haus die Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften leitet.

Dvorak: Energiewende bedeutet auch eine soziale Wende, wir müssen die gesamte Bevölkerung überzeugen und mitnehmen. Dabei brauchen wir in den technischen Berufen noch mehr Frauen, um alle Menschen erreichen zu können. Es gibt schon viele Expertinnen auf diesem Gebiet, die als Vorbilder fungieren.

Über welches Erfolgserlebnis würden Sie sich 2023 besonders freuen?

Dvorak: Energiegemeinschaften haben ein sehr großes Potenzial, die Dezentralisierung, Dekarbonisierung und Demokratisierung unseres Energiesystems voranzutreiben. Jede*r kann die Energiewende mitgestalten, persönliche Vorteile erzielen und aktiv werden. In der Zukunft wird die Bevölkerung eine bedeutende Rolle im Energiesystem spielen. Im Jahr 2023 sind wir dann so weit, dass sich Energiegemeinschaften einfach und rasch gründen können. Die Antwort lautet daher: Besonders viele Energiegemeinschaften 2030 sind mein Erfolgserlebnis und ein großer Schritt im österreichischen Energiemarkt.

Weitere Informationen:
www.klimafonds.gv.at
www.equality-energytransitions.org

 

Auf die Plätze, los … Minerva!

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Einige aus unserer Newsletter-Runde werden in den vergangenen Tagen von einer Nachricht oder einem Anruf meiner lieben Kolleginnen Tatjana Peters und Katharina Anna Ecker überrascht worden sein. Sie stimmen zu? Dann gehören Sie zu den Anwärter:innen für eine goldene „Minerva“, die in ziemlich genau zwei Monaten, am 26. März 2023, zum zweiten Mal von Sheconomy, Weconomy und dem Österreichischem Rundfunk in Wien vergeben werden.

Nun heißt es voten. Ab Mittwoch schalten wir sukzessive die unterschiedlichen Kategorien zum Voting frei. Da wir gerade beim Gewinnen und beim Scheinwerferlicht sind: Nicht nur im Ski-Zirkus hat vergangene Woche ein Interview mit Mikaela Shiffrin für Aufsehen gesorgt. Nach dem Riesentorlauf erzählte die Weltcup-Siegerin von Beeinträchtigungen: „I am, kind of, in an unfortunate time of my monthly cycle. So I am tired right now.“ Ein männlicher Reporter übersetzte dies live mit: „Ich komme nicht einmal zum Radfahren, was ich immer mache, jeden Monat, ich bin einfach zu müde.“ Peinlich. Aber nicht auch menschlich? Wer hat unter Druck nicht schon einmal Fehler gemacht. Natürlich gibt es noch immer nicht ausreichend Verständnis für das Thema Frauengesundheit. Der Mentruations-Zyklus stellt tatsächlich in manchen Köpfen ein Tabu dar. Es wäre dennoch fein, wenn wir weniger Blame Game spielen und mehr Team-Player gewinnen.

In unserer Redaktionssitzung gab es dazu übrigens heftige Diskussionen. Meine stets gut informierte und engagierte Kollegin Tatjana Peters hat gute Punkte für eine andere Sichtweise eingebracht. Das kommt bei uns ziemlich häufig vor, weil wir genau daran glauben: Wenn man darüber reden kann, wächst das Verständnis für die Welt der anderen.

Unternehmer:innentum: Vom Glück des Gründens

Valerie Bures-Bönström, Co-Founderin von Mrs. Sporty, CEO von Pixformance,  Eton Motion und VAHA) und Andrea Bury, Gründerin des Fair-Trade-Labels ABURY und der ABURY Foundation: Im Interview mit Autorin Julia Hägele verraten die beiden Vorzeige-Entrepreneurinnen, welche Fähigkeit Gründerinnen unbedingt brauchen und wie das eigene Unternehmer:innentum zu ihrem persönlichen Glück beigetragen hat.

Andrea, Valerie, wie habt ihr Euer erstes eigenes Geld verdient?

Andrea Bury: Ich habe in den Sommerferien für eine Firma Geschäftsbriefe eingetütet, da war ich etwa 14 Jahre alt.

Valerie Bures-Bönström: Ich war ähnlich alt wie Andrea und habe Hunde ausgeführt. Das war angenehmes Geld, weil ich mit meinem eigenen Hund sowieso Gassi gehen musste.

Was habt ihr Euch davon gekauft?

Valerie Bures-Bönström: Damals wurden Markenklamotten auf einmal wichtig, da habe ich mir meine erste Levi’s Jeans gekauft.

Andra Bury: Bei mir war es eine Stereoanlage – mit zwei Kassettenfächern! Die steht heute noch in meinem Wohnzimmer.

Wenn ihr auf die Zeit zwischen dem ersten Job und heute zurückblickt: Welche Fähigkeiten sind eurer Erfahrung nach die wichtigsten, um eine erfolgreiche Gründerin zu werden?

Valerie Bures-Bönström: Je älter ich werde, desto mehr denke ich, dass man sich auf seine Stärken besinnen sollte. Ich habe mich viel zu lange gefragt „Worin könnte ich gut sein?” anstatt „Worin bin ich denn jetzt schon gut und wie kann ich das nutzen?”.

Was sind Deine Stärken?

Valerie Bures-Bönström: Ich kann Organisationen aufbauen und bin sehr gut mit Menschen. Typische CEO-Tätigkeiten wie Investorensuche, Finanzmanagement und so weiter machen mir jedoch wenig Spaß. Ich dachte immer, eine erfolgreiche Gründerin ist man ausschließlich als CEO. Aber man kann auch als COO erfolgreich gründen.

Wie siehst Du das, Andrea?

Andrea Bury: Die eigenen Stärken zu identifizieren ist absolut wichtig. Daneben sollte man andere starke Leute neben sich zulassen können – zulassen, dass jemand eine Lücke füllt, der vielleicht in manchen Dingen besser ist als man selbst. Nur dann kann man ein cooles Team bilden und weiterkommen. – So schön es ist, alleine zu gründen, ich würde nie wieder alleine gründen. Ich habe oft jemanden vermisst – in guten wie in schlechten Zeiten.

Was würdest du jungen Gründerinnen noch raten?

Andrea Bury: Junge Gründer stehen außerdem oft unter einem enormen Erfolgsdruck, sie sollen innerhalb kürzester Zeit das nächste Unicorn schaffen. Ich denke, dass setzt viele Talente unnötig unter Druck. Ich würde mich vor einer Gründung immer fragen: Was bedeutet Erfolg für mich persönlich? Erfolg muss nicht nur Profitmaximierung bedeuten. Ein Unternehmen kann rentabel sein, aber gleichzeitig andere Ziele verfolgen.

Was ist Erfolg für Dich?

Andrea Bury: Ich bin fest überzeugt, das Unternehmertum Gutes in der Welt bewirken kann und habe mich daher früh mit dem Thema Social Business auseinandergesetzt, unter anderem inspiriert vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Mein Konstrukt ist dieses: 50 Prozent der Gewinne von ABURY kommt der ABURY Foundation zu, die sich sozialen Projekten widmet.

Womit handelst Du?

Andrea Bury: Mit Mode und Accessories. Beispielsweise fertigen marokkanische Frauen Handtaschen – unsere Berber Bags. Unsere Mini-Berberbag war die Idee einer unserer marokkanischen Mitarbeiterinnen. Wenn die Frauen mit eigenen Ideen auf mich zukommen, freut mich das besonders.

Was waren die größten Herausforderungen in eurer Karriere?

Andrea Bury: Bei mir war es am Anfang das Funding – es war schlicht holprig. Viele glaubten nicht an meine Idee. Freunde und Familie sind damals eingesprungen. Heute ist es für mich spannend und herausfordernd, in unterschiedlichen kulturellen Kontexten zu arbeiten, derzeit in Ruanda.

Valerie Bures-Bönström: Herausforderungen gab und gibt es am laufenden Band, sie werden nicht weniger, im Gegenteil. Sie sind mitgewachsen mit den Risiken und den Erfahrungen, die man macht.

Was hat Euch in schwierigen Phasen oben gehalten?

Andrea Bury: In schwierigen Zeiten hilft es mir, mich zu erinnern, dass man etwas macht, woran man glaubt.

Valerie Bures-Bönström: Ich habe irgendwann eingesehen, dass die Schwierigkeiten Teil des Jobs sind. Mein Vater sagt immer, es gewinnt nicht derjenige mit dem größten Talent, sondern derjenige mit dem längsten Atem. Wer nicht gewillt ist, Herausforderungen zu managen, sollte sich zweimal überlegen, zu gründen.

Was hat Dir Dein Vater, auch Unternehmer, außerdem mitgegeben?

Valerie Bures-Bönström: Am Anfang ehrlich gesagt kein schönes Bild vom Unternehmertum, weil das wirklich „selbst“ und „ständig“ bedeutete. Das war insofern gut, weil ich mir schwor, dass meine Kinder einmal Priorität haben sollten. Heute bewundere ich seine Passion, mit der er sein Business über viele Jahre verfolgt. Die gleiche Passion entdecke ich auch in mir, manchmal muss ich darüber schmunzeln.

Und was hast Du von deiner Mutter gelernt?

Valerie Bures-Bönström: Meine Mutter hat mir mit dem klassischen Rollenbild einer Vollzeit-Mutter gezeigt, dass es für mein Leben wichtig ist, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Ich habe einen Sohn und zwei Töchter, insbesondere den Töchtern sage ich immer wieder, dass finanzielle Unabhängigkeit wichtig ist. Nur so kann man auch eine Partnerschaft auf Augenhöhe führen. Eine Beziehung auf Augenhöhe bedeutet aber auch, darauf zu bestehen, dass beide Partner zu gleichen Anteilen die Popos der Kinder abwischen. So ist das einfach. Darauf müssen die Frauen bestehen, und das so früh wie möglich.

Andrea, Du hast einmal gesagt, in Deiner Familie wurde Unternehmertum eher mit Unsicherheit in Verbindung gebracht als mit Freiheit und Glück. Was war der Schlüsselmoment, der Dich trotzdem zur Unternehmerin werden ließ?

Andrea Bury: Meine Mutter war Hausfrau, mein Vater war klassischer Angestellter. Selbständigkeit war lange undenkbar für mich. Ende der Neunziger war das auch noch nicht normal, dass jeder Freelancer war. Ich war in London in einer Agentur angestellt. Es war furchtbar, null Wertschätzung, ständig hat jemand geweint wegen des cholerischen Chefs. Ich habe dann in der Probezeit gekündigt und im damals neu gegründeten Soho House an der Garderobe mein Geld verdient. Später in Marketing-Agentur in München musste ich wieder beobachten, wie jede Woche eine Frau geweint hat. Ich wollte mir dann mein eigenes Arbeitsumfeld schaffen.

Valerie, Du hast lange Hockey gespielt, was hat Dich der Sport über Unternehmertum gelehrt?

Valerie Bures-Bönström: Ich glaube, jeder Teamsport ist genial. Denn alle brauchen alle, es gibt keine Divas. Mal gewinnt man, mal verliert man. Und es geht immer weiter. Manchmal beobachte ich, wie Menschen ein Projekt oder Unternehmen starten und unfassbar enttäuscht sind, wenn es nicht funktioniert. Da denke ich mir, wenn es zwanzig Mal nicht funktioniert, dann sei traurig, aber doch jetzt noch nicht. Verlieren gehört dazu, das lernt man im Sport.

Andrea Bury: Ich habe früher Tennis gespielt, auch oft im Team. Besonders bei Turnieren habe ich gelernt, dass jeder mal Fehler macht. Dann spielt dein Partner einen derartigen Mist, aber das nächste Mal hat man selbst vielleicht einen schlechten Tag.

Valerie Bures-Böström: Sehr guter Punkt.

Gibt es eine weibliche Art des Gründens?

Andrea Bury: Ich weiß es nicht. Ich hatte gerade wieder ein Gespräch mit einer Mentee. Ich glaube, die Frauen halten sich immer noch zu viel mit Selbstzweifeln auf.

Valerie Bures-Bönström: Hundertprozentig tun sie das.

Andrea Bury: Sie hinterfragen alles, machen sich fertig, wenn mal etwas nicht läuft.

Valerie Bures-Bönström: Ich bin kein spiritueller Mensch, glaube aber, dass es weibliche und männliche Energien gibt, die einen großen Einfluss haben, auch auf die Geschäfte. Und beide Energien sind hilfreich im Entrepreneurship. Wie Andrea sagte, würde ich jetzt viel mehr darauf achten, wie ich meine Energie gut ergänzen kann. Anstatt mich zu fragen, ob meine Energie richtig oder falsch ist.

Andrea Bury: Ich denke, dass Arbeit gleich wertgeschätzt werden muss und da sind wir noch lange nicht. Dass es Gründerteams gibt und Frauen nicht immer nur HR machen und mit dem halben Gehalt abgespeist werden.

Welchen Rat würdet ihr eurem jüngeren Ich geben?

Valerie Bures-Bönström: Die Wertschätzung, von der Andrea sprach, würde ich von Anfang an auch einfordern. Ich war zu Beginn sehr nett, lieb, dachte immer, ich weiß nicht genug und muss noch lernen. In unternehmerischen Dingen muss man sich relativ früh drum kümmern, dass man genau so viel vom Kuchen abkriegt wie die anderen auch.

Andrea Bury: Das geht in eine ähnliche Richtung bei mir: Ich habe immer gedacht, ich muss alles können, damit mich die Leute mögen und dass mein Chef mich toll findet. Je eher wir Frauen das lassen, desto besser.

Habt ihr Vorbilder?

Andrea Bury: Meine Oma Rosa hat zu mir gesagt: „Kind, lache viel, wenn du jung bist, damit du glückliche Falten bekommst.“ Darin liegt viel Wahrheit, denn wer aufgeschlossen und optimistisch durch die Welt geht, dem begegnen die Menschen ebenso positiv.

Valerie Bures-Bönström: Ich habe schon als Kind sehr viel gelesen, viele Biographien, Napoleon und so weiter. Strategie und Leadership fand ich immer interessant. Unternehmer-Größen wie Richard Branson uns seine Virgin Group finde ich außerdem inspirierend.

Valerie, Kinder seien die effektivste Erziehung für Erwachsene, hast Du einmal gesagt. Wie haben Dich Deine drei Kinder erzogen?

Valerie Bures-Bönström: Kinder sind brutal ehrlich. Ich habe mit der Zeit gelernt, die Kritik meiner Kinder nicht nur abzuwehren, sondern anzunehmen. Ich habe meinem Vater vorgeworfen, zu viel zu arbeiten. Das werfen mir meine Kinder auch vor, obwohl ich wesentlich weniger Stunden arbeite als mein Vater. Ich habe versucht, beides zu verbinden: meine Passion, Mutter zu sein, und die finanzielle Unabhängigkeit durch das Unternehmertum – das ist mir mal besser, mal schlechter gelungen.

Andrea Bury: Ich kenne viele Frauen, die als Mutter ihr eigenes Leben komplett hintenanstellen. Das klingt für mich so, Valerie, als hättest du den Balanceakt gut hingekriegt.

Valerie Bures-Bönström: Es ist schwer. In dieser Hinsicht ist ein Frauenleben wohl nicht vergleichbar mit einem Männerleben.

Inwieweit hat euer Unternehmen zu eurem persönlichen Glück beigetragen?

Andrea Bury: Mir hat mein Geschäft sehr viele Begegnungen eröffnet. In andere Leben, Kulturen und Sichtweisen einzutauchen, die einen sich selbst immer wieder hinterfragen lassen, gibt mir sehr viel.

Valerie Bures-Bönström: Unternehmertum hat mir Glück und Unglück gebracht. Trotz eines großen Einsatzes ist Erfolg nie garantiert. Erfolg und Misserfolg liegen manchmal dicht beieinander, wie beim Leistungssport. Das muss man mögen – und ich mag das.

Was habt ihr als nächstes vor?

Andrea Bury: In der ABURY Foundation gibt es Neuigkeiten. Wir haben ein Female-Entrepreneurship-Programm in Ruanda gewonnen, ausgeschrieben vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Valerie Bures-Bönström: Gratulation! Bezüglich VAHA gibt es auch Neuigkeiten, aber die sind noch geheim.


Über Valerie Bures-Bönström

VAHA-Gründerin Valerie Bures gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Unternehmerinnen Deutschlands. Mit 24 Jahren war sie Mitbegründerin (neben Tennispielerin Stefanie Graf & Mark Mastrov Gründer 24hFitness) von Mrs. Sporty, Europas größter Kette von Frauen Fitnessclubs. 
2011 gründete sie die Pixformance Sports GmbH und schuf damit ein beispielloses Konzept unter den digitalen Lösungen auf dem Fitness- und Gesundheitsmarkt. Durch die Pixformance Stations werden Therapeuten wie z.b. An der Charite bei der Übungsanleitung ihrer Patienten entlastet, weil sie individuelle Trainingspläne erstellen können, die bei der Durchführung digital gefeedbackt werden und diese wiederum bekommen durch die computergestützte Therapie eine höchst effektive und komfortable Begleitung während ihrer Genesung. 
VAHA fußt auf genau dieser Idee und ist eine clevere Weiterentwicklung, die nun jedem zur Verfügung steht. Der interaktive Spiegel bietet Personal Training, Ernährungsberatung und eine wertvolle Mischung aus Achtsamkeit und Meditation in den eigenen vier Wänden; einfach alles, was Körper und Geist brauchen, um in Balance zu kommen. Valerie Bures ist selbst passionierte Sportlerin und immer auf der Suche nach neuen, guten Ideen, wie wir unser Wohlbefinden steigern können.

Über Andrea Bury

Andrea Bury, gründete nach einer internationalen Karriere im Marketing und Sponsoring (u.a. Laureus World Sports Awards, Mercedes-Benz, O2, Formel 1), das Fair Trade Lifestyle Label ABURY sowie die ABURY Foundation. 
Ziel von ABURY ist die Stärkung von Frauen in Entwicklungsländern. Dies erreicht ABURY einmal durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und auch über Förderprojekte, in welche die Frauen ausgebildet und ermutigt werden, selbst als Unternehmerin tätig zu werden. Nachhaltigkeit liegt Andrea Bury sehr am Herzen, deswegen ist ABURY auch B-Corp zertifiziert.
Aufbauend auf den eigenen Erfahrungen baute Andrea mit dem ABURY Positive Impact Lab eine Consultancy auf, mit der sie Unternehmen auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft unterstützt. Sie ist Mitbegründerin des Designhotels „Riad Anayela“ und eine der „Responsible Leaders“ der BMW Foundation.


Das Interview entstand im Rahmen der herCareer Expo 2022, bei der die beiden Gründerinnen an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Vom Glück der Freiheit“ gemeinsam mit Business Angel und Glücksforscher Florian Langenscheidt teilnahmen.

Trust Barometer: CEOs sollten sich gesellschaftlich einmischen

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Sinkender wirtschaftlicher Optimismus, drohende gesellschaftliche Spaltung – die Ergebnisse des jährlichen Edelman Trust Barometers sind speziell für Deutschland wenig rosig. Hoffnung könnte aus den Unternehmen kommen.

 

Mehr Engagement der Wirtschaft bei gesellschaftlichen Herausforderungen – das wünschen sich Menschen in Deutschland, die von der internationalen Kommunikationsagentur Edelman für das jährlich erscheinende Trust Barometer befragt wurden. An den Online-Interviews nahmen im vergangenen November mehr als 32.000 Menschen in 28 Ländern teil. Im Rahmen der Digitalkonferenz DLD Mitte Januar stellte Margot Edelman, Tochter des CEO Richard Edelman und Deputy General Manager des New Yorker Edelman-Büro einige Ergebnisse des Trust Barometer speziell mit Blick auf die Tech-Branche vor.

Warum sollten Unternehmen überhaupt ein Interesse daran haben, Vertrauen zu transportieren? Laut Margot Edelman steige durch mehr Vertrauen auch die Loyalität zu einer Marke und die Wahrscheinlichkeit, dass Produkte gekauft werden. Das Vertrauen gerade in Technologie sei jedoch in den verschiedenen Ländern gespalten, dies werde auch durch Polarisierung gestärkt. Gleichzeitig trage beispielsweise Social Media zur gesellschaftlichen Trennung bei. Nach Ergebnissen des Trust Barometers sollten die Plattformen aus Sicht der Befragten nicht selbst ihre Inhalte regulieren, hier fehlt bei der Mehrheit der insgesamt Befragten das Vertrauen in die Selbstkontrolle, aber auch in die staatliche Regulierung. Gerade Tech-Firmen sollten bei sozialen und gesellschaftlichen Themen voran gehen und sich gegen Desinformation wehren.

Diesen Appell unterstreicht auch Christiane Schulz, Deutschland-Chefin von Edelman mit Blick auf den Report. Der wirtschaftliche Optimismus befinde sich auf einem Allzeit-Tief, so Schulz. Nur 15 % der deutschen Befragten glauben, dass es ihnen und ihrer Familie in fünf Jahren besser gehen wird. 66 % meinen, dass Deutschland gespaltener ist, als in der Vergangenheit.

Die Hausaufgaben der CEOs

Die deutliche Mehrheit der Deutschen wünsche sich von der Wirtschaft deshalb mehr Engagement bei einer Reihe gesellschaftlicher Herausforderungen. Die Befragten erwarten, dass CEOs zu der Behandlung von Mitarbeitenden ihres Unternehmens (88 %), zum Klimawandel (80 %) und zum Wohlstandgefälle (77 %) öffentlich Stellung beziehen. Darüber hinaus sollen Wirtschaft und Regierung als Partner zusammenarbeiten, besonders bei Themen wie Energieknappheit, Gesundheitsversorgung oder Klimawandel.

Deutschland befindet sich aus Sicht der Befragten ebenso wie Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Italien an einem Scheideweg. Noch hält es die Mehrzahl für möglich, die drohende Spaltung zu verhindern. Doch dafür sei eben auch das Engagement der Wirtschaft nötig, so ein Ergebnis der breiten Umfrage.

Damit es gelinge, den wirtschaftlichen Optimismus wiederzubeleben, müssten insbesondere CEOs ihre Hausaufgaben machen, erklärt Schulz. Dazu zählt für die Befragten unter anderem, dass Unternehmen faire Gehälter zahlen (79 %), eine Weiterbildung bzw. Umschulung der Mitarbeitenden ermöglichen (73 %) sowie einen fairen Steueranteil leisten (69 %).

 

 

 

 

Wie Karrieremythen den eigenen Erfolg blockieren

„Eines Tages werden sie sehen, wie gut ich bin“: Nach den Bestsellern „Ambition“ und „Freiheit für Manager“ entlarven die zwei Topmanagement-Beraterinnen Dorothea Assig und Dorothee Echter in ihrem aktuellen Werk, wie Karrieremythen den eigenen Erfolg blockieren. Drei Fragen an die Autorinnen.

Eva Müller: Der Titel Eures neuen Buches „Eines Tages werden sie sehen, wie gut ich bin“ markiert auf treffendste Weise die wohl am meisten verbreitete Traumvorstellung, nicht nur von Kunstschaffenden: Entdeckt werden! Warum klappt das nicht, selbst wenn man viel leistet?

Dorothea Assig und Dorothee Echter: Lange Zeit werden Menschen für ihre Leistungen belohnt und wertgeschätzt. In der Schule, am Anfang des Berufslebens, überall zählt die Leistung und sichert das Fortkommen. Es ist ein bewährter Modus, der solange anhält, bis das Können erwiesen ist. Die Leistung ist die Basis. In der Kunst, der Wissenschaft, den Unternehmen gibt es viele herausragende Talente, echte Könner*innen. Menschen unterschätzen, wie viele Höchstleister*innen und großartige Künstler*innen es gibt. Deshalb reichen Leistung und Talente nicht mehr für die Karriere. Jetzt ist Sichtbarkeit entscheidend, um aus der Menge herauszutreten. Sichtbarkeit herstellen ist ein Karriereprozess, der selbst initiiert werden muss, um Empfehlungen und Aufmerksamkeit zu erhalten. Das ist sehr schwer, weil das bewährte Exzellente-Leistung-Karrieremuster lange galt. Es kommt einer Kränkung gleich, gut zu sein und nicht gesehen zu werden. Die Verantwortung für die eigene Karriere wird dann anderen Menschen zugeschoben, sie sollten mich entdecken. Wirksam ist es, selbst die Regie zu übernehmen.

Ihr entschlüsselt neun Karrieremythen und die entsprechenden Erfolgsstrategien. Lohnt es sich, gerade für ambitionierte Menschen, ihren Karriereweg zu verfolgen? Kann man nicht auch so glücklich werden?

Es gibt viele Möglichkeiten, glücklich zu sein und ein erfülltes Leben zu führen. Karriere zu machen ist einer davon. Wer eine Ambition hat, ein grosses Talent und das Können besitzt, sich weiterzuentwickeln, hat keine Wahl, als für die eigenen Ideen und Werte eine grössere Bühne oder immer mehr Gestaltungsmacht anzustreben. Künstler*innen wie Kae Tempest, Elena Ferrante oder Paul Auster haben dieses Sehnen beschrieben, gesehen zu werden, Anerkennung zu finden. Zu dem eigenen ambitionierten Selbstausdruck gehört nicht nur die Arbeit, die Kunst zu machen, sondern auch die, gesehen zu werden.

Gibt es einen gemeinsamen Nenner zu den von Euch beschriebenen Mythen? Weshalb halten sich manche so hartnäckig daran? Oder vermitteln sie sogar anderen?

Karriere zu machen ist schwer und Scheitern gehört dazu. Dann kommen Karrieremythen gerade recht, die äussere Gründe suggerieren: dass ohne Glück nichts zu machen ist, der Zufall entscheidet, dass die Kontakte fehlen oder es sich in diesen miesen Unternehmen mit diesen miesen Chefs sowieso nicht lohnt. Schon ist die Rechtfertigung da, nichts lernen und sich nicht selbst anstrengen zu müssen. Karrieremythen sind Karrierekiller und der gesellschaftsfähige Ausdruck von inneren Ambivalenzen: Wenn sie Karriere machen wollen, doch die Psyche nach Sicherheit sucht. Dann gelingt es Menschen nicht, zu ihrer eigenen Grösse zu stehen und sie zu benennen. Der Karriereprozess selbst trägt bereits die Belohnung in sich: Langweilig wird es nie, das Selbstwirksamkeitsgefühl wächst, der Lernmodus ist bereit zu staunen, es gibt Flow-Gefühle, das Lebensgefühl ist alterslos, weil soviel Neues zu erleben ist. Die Ambition hat neue Ideen parat, immer.

Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Input, liebe Dorothea Assig, liebe Dorothee Echter!

Mit inspirierten Grüssen
Ihre Eva Mueller


„Eines Tages werden sie sehen, wie gut ich bin“ ist im Ariston Verlag, Penguin Random House erschienen. Am besten erhältlich bei der eigenen, kleinen Lieblingsbuchhandlung!

Nachhaltige Investments als Zukunftsthema?

Für viele Frauen gewinnt nachhaltiges Investieren an Bedeutung. Das Finanzministerium legt im Zuge der Nationalen Finanzbildungsstrategie unter anderem einen Fokus auf das Thema Finanzbildung für Frauen und schafft ein stärkeres Bewusstsein für Vorsorge und nachhaltiges Finanzverhalten.

Wie Unternehmen Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) in ihre Unternehmensstrategie einbeziehen, hat nicht nur Auswirkungen auf die finanziellen Ergebnisse, sondern auch auf unsere Umwelt und Lebensweise. Jede Person, die Geld veranlagen möchte, kann durch nachhaltige Investments einen aktiven Beitrag leisten. Die Möglichkeiten reichen vom klimafreundlichen Sparbuch bis zu einer nachhaltigen Investition in Aktien, Fonds oder Anleihen. Fonds mit Umweltzeichen machen derzeit etwa 12 % des gesamten Fondsvolumens privater Haushalte aus. Diese Zahl hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppelt. 

Nachhaltig anlegen 

Durch nachhaltige Investments kann man einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leisten und Unternehmen bei der „green transition“ unterstützen. Mit einer grünen Aktie beteiligen Sie sich beispielsweise an einem Unternehmen, das sich verstärkt im Umweltschutz engagiert. Mit einer grünen und sozialen Anleihe (Green und Social Bond) werden ausschließlich ökologische und klimafreundliche, sowie soziale und gemeinnützige Projekte finanziert. Mit nachhaltigen Fonds werden Anteile an Unternehmen erworben, die ökologisch, sozial und nachhaltig geführt werden. Zudem gibt es nachhaltige ETFs (Exchange Traded Funds), also börsengehandelte Indexfonds, die die Wertentwicklung bekannter Marktindizes abbilden. Durch nachhaltige themenbezogene ETFs kann z. B. auch in erneuerbare Energien investiert werden.

Nachhaltig Investieren mit Rendite?

Ein gutes Gewissen bei der Geldanlage und gute Ertragschancen schließen sich nicht aus. Mittlerweile gibt es viele nachhaltige ETFs, die diversifiziertes Anlegen ermöglichen und eine hohe Performance aufweisen. Wie bei konventionellen Investments, sind auch nachhaltige Investments (externen) Schocks wie Krisen oder Marktschwankungen ausgesetzt. Informieren Sie sich deshalb auch bei nachhaltigen Investments ausführlich, passen Sie die Anlageziele auf Ihre Lebenssituation an und setzen Sie auf einen langfristigen Anlagehorizont, um eine stabile Rendite zu erzielen. Das Portfolio sollte außerdem auf die eigene Risikobereitschaft ab gestimmt sein und die Kosten für Depotführung, Kauf- und Verkauf im Auge behalten werden.

Nachhaltigkeitssiegel als Qualitätskriterium

Oft fällt es schwer zu erkennen, wie nachhaltig ein Produkt wirklich ist oder ob es sich beispielsweise um „Greenwashing“ handelt. Von „Greenwashing“ spricht man, wenn Unternehmen gezielt irreführende Informationen über die Umweltfreundlichkeit eines Produkts verbreiten. Durch Marketing- und PR-Maßnahmen wird ein falsches „grünes Image“ vermittelt. Bei der Auswahl des Finanzprodukts können „ESG-Kriterien“ helfen, aber auch Nachhaltigkeitssiegel zur Beurteilung herangezogen werden. So ist das Österreichische Umweltzeichen 49 (UZ 49) ein staatlich geprüftes Zertifikat für nachhaltige Finanzprodukte, das FNG-Siegel kennzeichnet nachhaltige Investmentfonds.

Mehr Informationen auf bmf.gv.at/finanzbildung

Laura Fellner wird Chief Commercial Officer von smartmove

Nach nur knapp einem Jahr im Unternehmen steigt die Kommunikationsexpertin Laura Fellner bei smartmove zum Chief Commercial Officer im Managementteam von Geschäftsführer Florian Löschenberger auf.

„Klimaschutz und wachsender Kostendruck sowie die Anforderungen einer neuen Generation von Arbeitnehmer.innen lassen alle Unternehmen ihre Mobiliätskonzepte neu denken. (…) Gemeinsam mit meinem bereichsübergreifenden Team werden wir neue Wege beschreiten, um unsere Partner:innen bei der Implementierung neuer Mobilitätskonzepte zu unterstützen“, sagt Fellner zu ihrer neuen Aufgabe.

Die 35-jährige gebürtige Oberösterreicherin studierte Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien. Bereits während ihres Studiums sammelte sie internationale Marketingerfahrung in Australien, Kanada, Mozambique und Zimbabwe. Von 2009 bis 2016 arbeitete sie als Conference Officer für die Vereinten Nationen in Wien, bevor sie 2016 zu Wien Nord Serviceplan wechselte. Bei der vielfach prämierten Agentur zeichnete sie für Kunden wie unter anderem Agrarmarkt Austria (AMA), Bellaflora, CA Immo, ING, Kapsch, Ö1, Österreichische Kontrollbank oder Wiener Linien verantwortlich. Seit Frühjahr 2022 ist Fellner für smartmove tätig und verantworte zuletzt die Marketingagenden.


Über smartmove:

smartmove ist ein Produkt der KIR Group, eine österreichische Unternehmensgruppe, die die Digitalisierung, Elektrifizierung und den operativen Betrieb des zukünftigen Mobilitätsmarktes vorantreibt. Sie unterstützt Unternehmen, Tourismusbetriebe und Gemeinden dabei, ihre Klimaziele zu erreichen und Mobilität zu demokratisieren. Als Enabler, IT-Developer und Full-Service-Operator bietet die KIR Group ein ganzheitliches Serviceangebot an. Mit smartmove gelingt es durch flexibles Sharing mit definierbaren Nutzergruppen, die Standzeiten bestehender Flotten zu reduzieren und die Auslastung zu optimieren. Die Technologie von smartmove wird unter anderem von Hyundai genutzt.

Stellenangebot Single: Ist LinkedIn die neue Dating-Plattform?

LinkedIn will Menschen vernetzen und ähnelt dabei so manch einer Dating-App. Vernetzen ist aber nicht gleichbedeutend mit Verkuppeln, aus gutem Grund.

Die Tage sind kurz, die Nächte kalt und der Bedarf nach Zweisamkeit groß. Die Weltbevölkerung wächst um etwa 66 Millionen Menschen pro Jahr, trotzdem scheinen passende Partner:innen zunehmend Mangelware zu sein. Dating-Trend-Vorhersagen für das Jahr 2023 motivieren, die Zeit bis zum Frühjahr zu nutzen und nicht erst abzuwarten und Tee zu trinken.

Die Trendvorhersage der Match Group Company und ihrer Dating-App Plenty of Fish weist dabei so manch eine Kuriosität aus. Singles mit nordseitigen Schlafzimmerfenstern oder Pool sind beispielsweise besonders begehrt. Die Konkurrenz schläft also nicht, und wenn bei angenehmer Raumtemperatur.

Dating-Apps und Online-Plattformen sind dabei für Viele die erste Anlaufstelle und obwohl Tinder Selbstbeschreibungen wie „veni, vidi, veni” (kein Tippfehler) zwar eine Einladung zum Schmunzeln sind, geben sie Partner:innensuchenden wenig substantielle Information.

Gewisse Ähnlichkeiten, große Unterschiede

Die neue Netflix-Staffel “Indian Matchmaking” macht eine Referenz zu der Möglichkeit, LinkedIn als Dating Plattform zu nutzen. Sogar meine, technisch nicht immer affine Mutter, hatte mir in der Vergangenheit nahe gelegt mich auf der Netzwerkplattform auch romantisch zu vernetzen.

Popkulturell und gesellschaftlich scheint der Gedanke, LinkedIn zweckzuentfremden, also bereits angekommen. Aussehen, Ausbildung, Interessen — gewisse Ähnlichkeiten zwischen LinkedIn und den gängigen Dating Portalen sind auffallend.

Das Partner:innen-Portal “Elite-Partner” wirbt mit “kultivierten und niveauvollen Singles”, LinkedIn setzt eins drauf und ermöglicht das Teilen von Publikationen oder Auszeichnungen, um den eigenen Erfolg zu zertifizieren.

Durch Subkategorien, welche beispielsweise ehrenamtliches Engagement ausweisen, werden persönliche Leidenschaften preisgegeben. Primär geht es um Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt, aber auch das ein oder andere Individuum findet Erfolg und das dazu passende LinkedIn Profil attraktiv.

Zweideutige Vernetzungsanfragen

Vor einem ersten Treffen greift man gerne mal auf die gängigen Suchmaschinen zurück, um einen vorsichtigen ersten Eindruck von seinem Date zu erhalten. Wer sündlos ist, solle den ersten Stein werfen. LinkedIn mit seinen Reinnamen, ist dabei oftmals ein effizientes Tool. Vorsicht sei allerdings geboten, wenn man mit dem eigenen Account eingeloggt ist, dann wird die gesuchte Person nämlich über einen Profilbesuch informiert.

Als weiterführender Kontaktpunkt, sprich man kennt sich in der realen Welt und vernetzt sich nachträglich auf LinkedIn, hat die Netzwerkplattform auch in meinem Bekanntenkreis bereits Menschen nicht nur vernetzt sondern verkuppelt. Allerdings gibt es immer wieder auch Angebote ohne Nachfrage auf der Jobplattform.

Zweideutige Vernetzungsanfragen oder Nachrichten eindeutig nicht professioneller Natur finden ihren Weg in die Inboxen. Das ist der Knackpunkt. LinkedIn ist nicht die Plattform fürs Knistern, sondern für Kolleg:innen, Kund:innen und das Unterstreichen der eigenen Kompetenz. Anfragen romantischer Natur sind dabei zumindest unangenehm, meistens unpassend.

Zwischen Ex und Excel

Professionelles Netzwerken ist nicht gleichbedeutend mit romantischer Partner:innensuche (wohlgemerkt, diese ist auf LinkedIn Kanzleien vorbehalten.) Mit der Netzwerkplattform wurde ein Ort geschaffen, an dem Kompetenzen, gleichwohl manchmal aufpoliert, potenziellen Arbeitgeber:innen und Recruiter:innen vermittelt werden können.

Unerwünschte amouröse Kontaktanfragen schmälern aus meiner Erfahrung das Gefühl der eigenen professionellen Daseinsberechtigung als Empfänger:in. Zum Afterwork Drink vielleicht lieber auf Instagram und Konsortien verabreden und LinkedIn sein lassen, was es ist: eine Suchmaschine für Menschen mit Excel-Kenntnissen und nicht dem zukünftigen Ex.

Link: Dating-Trends 2023

Karriereboost für junge Technikerinnen

ÖBB-Infrastruktur-Vorständin Silvia Angelo sprach mit WEconomy über ihr Ziel, Frauen für technische Berufe zu gewinnen.

Welche Chancen bietet die immer noch sehr männerdominierte Branche Bahninfrastruktur für Frauen?

Sehr gute! Um mehr Chancengleichheit zu erreichen, ist etwa Digitalisierung ein echter Gamechanger. Sie eröffnet Frauen ein weites Spektrum an Tätigkeiten und Berufsbildern, die früher nur mit Muskelkraft zu bewältigen waren. Digitalisierung bringt bei den ÖBB viele neue Jobs, beispielsweise in den Bereichen Data-Science, Business-Analyse oder Systemarchitektur. Hier brauchen wir Mitarbeiter:innen mit umfassenden IT-Fähigkeiten, was gute Karrierechancen bringt – speziell auch für Frauen.

Welche Maßnahmen setzen die ÖBB, um gezielt Mädchen und Frauen im Unternehmen zu fördern?

Zur Bewerbung von Technikberufen setzen wir stark auf Role Models. Wir holen starke Frauen vor den Vorhang und zeigen: Es gibt bei uns keinen Job, den eine Frau nicht machen kann. Rund um den heurigen Weltfrauentag haben wir hierzu einen Schwerpunkt mit unserer Kampagne #joboffenSIEve gesetzt. Weiters machen wir mit der Verankerung von Frauenförderung in unserer Strategie, der Flexibilisierung von Home-Office-Regelungen, einem verbesserten Karenzmanagement, der Förderung von Top-Sharing und Job-Sharing-Konzepten sowie speziellen Mentoring- und Karriereprogrammen für Technik-Studentinnen wichtige Schritte nach vorne. Von unseren Initiativen bin ich überzeugt, und das motiviert mich jeden Tag aufs Neue.

ÖBB-Infrastruktur-Vorständin Silvia Angelo

Sie haben über spezielle Karriereprogramme für Frauen in Ihrem Unternehmen gesprochen. Können Sie uns darüber mehr erzählen?

Wir haben eine große Bandbreitean „Einsteiger:innen“-Programmen für junge Techniker:innen. Speziell für Frauen gibt es etwa das Karriereprogramm Fit4TechWoman. Dabei möchten wir HTL-Schülerinnen für die Instandhaltung von Bahnanlagen bei uns begeistern. Dieses einjährige Programm bietet einen Mix aus Praxis und Theorie. Expert:innen geben spannende Einblicke, und jede Teilnehmerin bekommt eine eigene Mentorin, die sie ein Jahr lang begleitet. Bei Exkursionen werden verschiedene ÖBB-Standorte vorgestellt, und als Krönung gibt es ein Praktikum, bei dem man direkt in die Berufswelt der ÖBB Infrastruktur eintaucht.

Die neue ÖBB-Lehrlingskampagne „Next Level Lehre“ soll junge Frauen für technische Berufe begeistern…

Bei den Lehrlingen sind wir mit einem Mädchenanteil von konzernweit 21 Prozent schon recht gut unterwegs. Ziel ist es aber natürlich, noch besser zu werden. Wir wollen noch mehr junge Frauen für die Bahn begeistern, und hier soll auch unsere neue Kampagne helfen. Deshalb haben wir ein eigenes Mädchen-Sujet entworfen und Onlinevideos kreiert, die sich speziell an Frauen richten und mit alten Job-Klischees aufräumen.

Der 7-Punkte-Fahrplan: Vom Arbeitsbienchen zur souveränen Leaderin

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Leaderinnen werden weder geboren, noch fallen sie vom Himmel. Auch gibt es bis dato kein Leadership-Vitamin. Die Frage ist: Was macht souveräne Leaderinnen zu dem, was sie sind? Ist es eher eine Frage des Tuns oder gar des Unterlassens? Leadership-Expertin Gabriele Sollak liefert in diesem Beitrag eindrückliche Antworten aus ihrer Coachingpraxis und eine klare definierte Strategie.

Egal ob introvertiert oder extrovertiert, impulsiv oder kontrolliert – eines vereint alle Leaderinnen: Sie haben sich allesamt von der typisch weiblichen Angewohnheit verabschiedet, das fleißige Arbeitsbienchen zu sein, das im Berufsleben alleine auf seine fachliche Kompetenz setzt und dabei andere wesentliche Punkte, etwa strategische Kommunikation mit Team und Vorgesetzten, komplett vernachlässigt.

Sollaks Regel Nummer 1 lautet daher: „Souveräne Leaderinnen agieren statt primär zu reagieren und abzuarbeiten, sie nehmen die Dinge selbst in die Hand und zwar in einer ganz bestimmten, aufeinander aufbauenden Reihenfolge.”

Im Anschluss stellen wir den strategisch durchdachten 7-Punkte-Plan der erfahrenen Führungskräfte-Trainerin im Detail vor:

1. Den lohnenswerten Zielkorridor definieren

Denn Tipp Ziele mit der sogenannten SMART-Formel (spezifisch-messbar-attraktiv-realistisch-terminiert) zu definieren, hast du sicher schon mal gehört. Doch mal ehrlich. Meist schwingt in unseren Zielen eine ordentliche Portion „ich sollte“ mit und weniger „ich will“.  Fehlt unseren Zielen die Attraktivität, entpuppen sie sich schnell als Neujahres-Eintagsfliegen. Wie formulieren wir also ein attraktives Ziel?

Für den Anfang reicht ein vages Ziel für einen Zeitraum von 12 Wochen. Dieser Zeitraum ist überschaubar und damit realistisch. Wir können Situation und Rahmenbedingungen ganz gut einschätzen und überfordern uns nicht.

Beispiel: Ich habe eine Abteilung übernommen und will Arbeitsroutinen entwickeln, damit mein Team hervorragend performen kann. Oder: Für den Change, den ich verantworte, will ich 90% der Stakeholder als Befürworter:innen gewinnen. Oder: Ich will mich fürs Talente-Programm meiner Firma qualifizieren. Oder: Ich will vom Projektmanagement in die Führungslinie. Oder: Ich will von der Teamleitungsebene zur Abteilungsleitung aufsteigen. Oder ich will mich im neuen Job gut positionieren. Oder: Mein neues Projekt soll fliegen.

Am einfachsten erreichen wir Ziele, wenn wir unser Unterbewusstsein stimulierend einbinden. Zum Beispiel durch Moodboards oder Bilder, die unser Ziel visualisieren. Um dranzubleiben haben sich auch Diarys und alle schriftlichen Aufzeichnungen  bewährt.

2. Leadership durch Zeithoheit zeigen

Während viele klagen: „Ich habe zu wenig Zeit, …. die Zeit läuft mir davon ….!“,  wissen Leaderinnen, dass das immer so sein wird. Zeit ist unsere kostbarste Ressource. Kostbare Ressourcen sind IMMER limitiert. Und daraus entsteht im besten Falle Kreativität und Fokus auf die Dinge, die tatsächlich wichtig sind und uns voranbringen.

Wenn dein Ziel beispielsweise ist, ein prestigeträchtiges Projekt voranzubringen oder von der Team- zur Abteilungsleitung aufzusteigen, reservierst du dir Fokuszeiten, um deinen Kommunikations- und Netzwerkplan zu erstellen und diesen umzusetzen. Sonst wirst du dein 12-Wochenziel nicht erreichen.

Diese Fokuszeiten kommunizierst du am besten deinem Umfeld, damit du ungestört bleibst. Alles, was dich ablenken könnte, schaltest du einfach auf stumm. Wenn doch jemand hereinplatzt, dann kannst du deinen Leaderinnen-Anspruch zeigen, indem du ein freundlich-klares Nein aussprichst: „Max, ich bin gerade intensiv in einem Thema. Bitte komme morgen um 9:40 Uhr vorbereitet wieder, da nehme ich mir für dich und dein Anliegen 10 Minuten Zeit.“ Meist wird Folgendes eintreten. Max hat bis dahin Zeit, in den Arbeitsanweisungen nachzuschlagen, in anderen Quellen zu recherchieren, Kolleg:innen zu fragen und eine Runde länger nachzudenken …. Wenn er begrenzte 10 Minuten Gesprächszeit bekommt, wird er besser vorbereitet sein als in Tür und Angel-Gesprächen.

Zeithoheit steht für selbstbestimmtes Handeln. Das brauchst du, um erfolgreich zu sein. Wenn du den ganzen Tag Dinge für andere erledigst und erst am frühen Nachmittag zu den Tasks kommst, an denen du gemessen wirst, wirst du selbst zu wenige Ergebnisse vorweisen können. Auch deshalb, weil bei vielen die Konzentration am Nachmittag abnimmt.

3. Ergebnisse sind die Basis für Erfolg und Anerkennung

In deinen Fokuszeiten erarbeitest du an deinen persönlichen Ergebnissen. Wenn du Mitarbeiter:innen führst, sorge dafür, dass sie alles bekommen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Frage dich immer: Welche Ergebnisse brauchen wir im Unternehmen, um erfolgreich am Markt zu performen. Dafür werden wir bezahlt.

Und noch besser: So macht das Arbeiten auch richtig Freude, das Herumjammern verflüchtigt sich. Außerdem beugt es dem Imposter-Syndrom vor, bei dem kompetente Menschen Selbstzweifel bezüglich ihrer eigenen beruflichen Leistung haben.

4. Erfolgstalk lernen

In der westlichen Welt sind wir darauf konditioniert ToDo Listen zu erstellen. Die bringen uns tatsächlich weiter, zugleich erdrücken sie uns, weil sie sich immerzu füllen und wir nie zu einem Abschluss kommen. Eine gute Balance finden wir, wenn wir ihnen DONE-Listen gegenüberstellen. Was ist mir bereits gelungen? Diese Woche? Heute?

Eine Abteilungsleiterin seufzte mal: „Weißt du Gabriele, ich sehe was meine Mitarbeiter:innen alles leisten. Ich lobe sie auch häufig und gerne dafür …. Nur bei mir selbst will mir das nicht gelingen. Da habe ich noch erheblichen Lernbedarf.“

Erfolgstalk ist lernbar. Am besten täglich gegen Ende des Arbeitstages in einer immer gleichen, ritualisierten Form. Schriftlich im Diary, mündlich in meiner WhatsApp-Gruppe mit mir selbst. Was ist mir gelungen ist? Das kann

  • ein schwieriges Gespräch sein, das ich aktiv herbeigeführt habe
  • eine Balance, die ich zwischen Kontrahenten wieder hergestellt habe
  • eine gelungene Verhandlung
  • ein NEIN zu einem neuen Projekt, das ein JA zu den aktuellen Projekten beeinträchtigen würde

Je höher wir in der Hierarchie sind, desto weniger „Werke erschaffen“ wir. Die Aufgaben haben sich verändert. Während wir auf den unteren Ebenen tatsächlich Sichtbares erschaffen – im übertragenen Sinne ‚Honig produzieren‘ – , sind unsere Tage nun primär gefüllt mit koordinieren, kommunizieren, repräsentieren und präsentieren.

5. Durch Erfolgstalk an Reputation gewinnen

Meine Erfolge selbst wahrzunehmen und für mich in Worte zu fassen, ist die entscheidende Basis, um meine Reputation in einem weiteren Umkreis aufzubauen.  Nun kann ich auch gegenüber anderen über meine Ergebnisse gewinnend sprechen.

Besonders effektiv ist der Erfolgstalk, im Nebenbei ohne großes Getue. So als wäre es mir selbst gerade eingefallen, dabei habe ich mir vorher schon überlegt, wem gegenüber ich welchen Inhalt fallen lassen werde, sobald sich die Gelegenheit ergibt – zum Beispiel bei der Autofahrt zu einem gemeinsamen Termin, noch kurz bevor eine (Video-)Besprechung beginnt und man auf die anderen wartet …

Warum ist der Erfolgstalk wichtig? Gefördert, befördert und promotet werden Menschen, an deren Potential die Vorgesetzten glauben. Das ist selten datenbasiert. Häufig schlägt sogar ein negativer Gender-Bias zu. Die meisten Personal-Entscheidungen werden intuitiv getroffen und sachlich-konstruiert argumentiert: Glauben Entscheidungsträger:innen, dass diese Person das Thema x lösen kann? Dazu muss Person x bereits lange Zeit davor in einer positiven Weise mit Ergebnissen sichtbar geworden sein.

6. Statussprache anpassen und Rangbotschaften geben

Wie wirken Menschen auf dich, die häufig im Konjunktiv sprechen? Die gerne mal mit einem „Entschuldigen Sie, ich wollte nur kurz sagen, dass ….“ ein Gespräch eröffnen? Die in Besprechungen mit auffallend schweigendem Zuhören keinen nennenswerten Beitrag liefern, obwohl sie etwas zu sagen hätten? Anders gesagt, die bevorzugt im Niedrigstatus agieren?

Wir drücken durch Körpersprache, Gestik, Mimik, Stimme und die Wahl unserer Worte unseren Status aus. Der sollte stimmig mit unserer Funktion sein und stimmig zu dem Gegenüber, mit dem ich gerade kommuniziere. Will ich in diesem Moment auf Augenhöhe rüberkommen? Als Vorgesetzte, die eine freundlich-klare Ansage macht? Als Mitarbeiterin, die ihren Vorgesetzten in seiner Funktion respektiert, obwohl sie inhaltlich vielleicht eine andere Position in die Debatte einbringt?

Wer situativ die Statussprache anpassen kann, wird gehört, wahrgenommen und respektiert. Besonders in männlichen Umfeldern müssen Frauen die Spielregeln von Hierarchie und Loyalität verstehen, um ihre Projekte voranzubringen und erfolgreich zu sein.

Ich kenne kompetente Frauen, die nahezu lustvoll ihren Vorgesetzten signalisieren, dass er (auch sie) – ihren Job suboptimal macht. Kurzfristiger Gewinn: die eignen negativen Gefühle entladen sich. Mittelfristig bewirken diese unbedachten Respektlosigkeiten auf der anderen Seite Widerstand und schaden einem selbst. Stichwort: nächster Urlaub, Gehaltserhöhung, Zeitausgleich, nächstes prestigeträchtiges Projekt – kann man gleich mal vergessen.

7. Machtspiele entlarven und aktiv Einfluss nehmen

„Ich habe keine Lust auf Machtspielchen, da mache ich nicht mit!“, höre ich oft – meist gepaart mit einem Ton der moralischen Überlegenheit. Die Wahrheit ist, nur wer Macht und Einfluss hat, kann etwas bewirken. Weil Macht meist negativ konnotiert ist, kommen viele Frauen mit dem Begriff  „Einfluss nehmen“ besser zurecht. In meinem Buch “Boost your career, Sister!“ bringt es Sandra Schneider, Geschäftsführerin von Evonik Frankreich auf den Punkt: „Wer also substanziell etwas verändern will, kann das nur in einer machtvollen Position ….!“

Einfluss nehmen kann man auf konstruktive und destruktive Weise. Um uns selbst schützen zu können, brauchen wir Wissen um die destruktiven Ausformungen. Um etwas bewirken zu können, brauchen wir Wissen, um unser positives Handlungsrepertoire gezielt zu erweitern. Ein erster Ansatz ist, die Interessen der relevanten Stakeholder zu erkennen und die Überschneidungen mit den eigenen Anliegen zu erkennen.

Fazit: Leadership ist planbar. Mit Sollaks bewährter 7-Punkte-Strategie an der Hand kann sich jede Frau in ihrem Job so in Stellung bringen, dass sie bei der nächsten Beförderung eben nicht übergangen wird.


Boost-Club für weibliche Fach- und Führungskräfte

Leadership-Programm | 12 Wochen | Start 3. Februar 2023

In einer Gruppe von unterstützenden Peers setzen die Teilnehmerinnen diese 7 aufeinanderfolgenden Schritte um. Das abwechslungsreiche Lernformat mit relevanten Inputs in den Live-Plenums-Sessions, Peer-Group-Sessions und Einzelcoachings garantiert schon nach wenigen Wochen auf einem vollkommen neuen Level zu arbeiten. Mit einem wöchentlichen Investment von 1,5 Stunden erschaffen sich die Teilnehmerinnen ihr Arbeitsumfeld neu und bekommen das Gefühl, trotz hoher Workload das Ruder wieder in der Hand zu haben, gelassen zu agieren und für ihre Ergebnisse sowie als Person respektiert und anerkannt zu werden. Details: www.sollak.at

Julia Übeleis ist neue Head of Financial Services Industries bei Zühlke Österreich

Julia Übeleis (45) baut als neue Head of Market Unit Financial Services Industries (FSI) den Bereich Banking bei Zühlke Österreich aus.

„Frei nach Heraklit ist die einzige Konstante die Veränderung – wer dieser innovativ und agil begegnet, kann das Potenzial für sich als Unternehmen nachhaltig nutzbar machen“, sagt Julia Übeleis. Die diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin widmet sich bereits seit 20 Jahren den Themen Digitalisierung, Innovation, Regulatorik und Transformation, speziell im Finanzsektor. Julia Übeleis kommt aus Oberösterreich und war zuvor bei Unternehmen wie Accenture, Raiffeisen Bank International und Stadt Wien tätig.

Ihr Fokus für 2023 liegt auf den Themen Data-driven Banking und Sustainable Finance. Das Gelingen der grünen Wende, unterstützt durch den Einsatz von Cutting-Edge Technologien, ist ihr dabei ein besonderes Anliegen.


Über Zühlke:

Zühlke ist ein weltweit tätiger Innovationsdienstleister und wurde 1968 in der Schweiz gegründet. Die 1600 Mitarbeitenden sind in Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Hongkong, Österreich, Portugal, der Schweiz, Serbien, Singapur sowie in Vietnam tätig und betreuen Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen. Darüber hinaus bietet der Zühlke Venture-Capital-Service Finanzierungen für Start-ups im Hightech-Bereich an.

Weibliche Doppelspitze: RecycleMe und Reclay Systems erhalten Geschäftsführerinnen

Positive Ausnahme – Eva Müller-Axmann und Marisa Pia Scholz steigen in die Führungsebene der beiden österreichischen Tochtergesellschaften der Raan Gruppe auf. 

2022 lag der Frauenanteil in der Geschäftsführung der 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs lediglich bei 8,9 Prozent. Im Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums (WEF) aus dem Jahr 2021 erreichte Österreich unter 157 Ländern den ernüchternden 88. Rang, was die wirtschaftliche Partizipation von Frauen betrifft. Deshalb ist jeder zarte Hoffnungsschimmer, dass sich auf diesem Gebiet etwas tut, mehr als willkommen. Die Raan Gruppe setzt mit ihren zwei Neubestellungen ein wichtiges und richtiges Zeichen.

RecycleMe – International agierende Beratungsgesellschaft

Eva Müller-Axmann übernimmt gemeinsam mit Raffael A. Fruscio die Geschäftsführung der RecycleMe GmbH in Österreich. Erfahrung und Expertise für die Führungsposition bringt Eva Müller-Axmann aus ihrer vorangegangenen Tätigkeit als „Head of Consulting Austria“ mit, wo sie für die Leitung des gesamten österreichischen Teams zuständig war. Ab sofort ist sie für die komplette strategische Ausrichtung und operative Weiterentwicklung von RecycleMe verantwortlich.

Reclay Systems – Zweitgrößtes Sammel- und Verwertungssystem Österreichs

Marisa Pia Scholz übernimmt gemeinsam mit Gottfried Bieglmayer die Geschäftsführung der Reclay Systems GmbH. Zuvor war die Juristin als Branchen-Quereinsteigerin in der Position „Director Legal“ für den Rechtsbereich in Österreich zuständig. In ihrer neuen Rolle trägt sie nun die Verantwortung für die strategische Führung und den operativen Ausbau neuer Geschäftsfelder von Reclay Systems.

Den neuen Geschäftsführerinnen der Schwestergesellschaften RecycleMe und Reclay Systems wollen auch in Zukunft  innerhalb der Raan Gruppe eng zusammenzuarbeiten.

„Wir freuen uns sehr auf unsere neuen Aufgaben. In Österreich gibt es in den Bereichen der Kreislaufwirtschaft und des Verpackungsrecyclings noch großes Potenzial. Wir wollen die Dynamik, die derzeit auf politischer und gesellschaftlicher Ebene herrscht, nutzen, um dieses Potenzial auszuschöpfen“, erklären Eva Müller-Axmann und Marisa Pia Scholz.


Über RecycleMe

Die RecycleMe GmbH ist eine internationale Unternehmensberatung im Bereich der Circular Economy. Die Tochterfirma der Raan Gruppe fokussiert sich auf nachhaltiges Verpackungs- und Produktmanagement sowie kreislaufwirtschaftliche Marktentwicklungen. Das Team berät und unterstützt renommierte Kunden aus unterschiedlichen Branchen bei der Optimierung der Recyclingfähigkeit ihrer Verpackungen sowie bei der Erfüllung internationaler Verpflichtungen rund um die erweiterte Produzentenverantwortung. Die Marke RecycleMe vereint modernste technische Möglichkeiten, digitale Bewertungstools und innovative Lösungen, wodurch Unternehmen durch ganzheitliche Betrachtungsweisen von nationalen und internationalen Anforderungen in einer modernen Kreislaufwirtschaft profitieren können.

Über Reclay Systems GmbH

Die Reclay Systems GmbH gehört zu den führenden Sammel- und Verwertungssystemen für Verpackungen in Österreich. Die Tochterfirma der Raan Gruppe übernimmt für Unternehmen die Rücknahme- und Verwertungspflichten von Verpackungen gemäß der Verpackungsverordnung und bietet individuelle Lizenzierungslösungen an. Das Unternehmen schließt mit seinem Angebot Produkt- und Materialkreisläufe mit dem Ziel, Abfall als Sekundärrohstoff fast vollständig in den Produktionsprozess zurückzuführen. Zu seinen langjährigen Kunden zählen klassische Retailer, Online-Händler sowie globale Marktführer im Getränkebereich. Reclay Systems ist Teil der internationalen Extended Producer Responsibility (EPR)-Branche.

Klimaschutz und Veganismus

Kaum ein anderes Thema findet am Lebensmittelmarkt in den letzten mehr Aufmerksamkeit, als Veganismus. Der Trend in Richtung tierproduktfreie Ernährung kann für Konsument:innen verschiedene Gründe haben.

Gesundheit (ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch wird mit einem erhöhten Risiko von bestimmten Erkrankungen in Verbindung gebracht) und ethische Motivationen wie Klimaschutz und Tierwohl (man denke bloß an den kürzlich bekannt gewordenen AMA-Gütesiegel Skandal, bei dem ans Licht kam, dass zertifizierte Hühnermastbetriebe in der Steiermark nicht nur grobe Missstände aufwiesen, sondern auch Fälle von Tierquälerei an die Öffentlichkeit drangen) sind unter den am häufigsten genannten. Das Angebot am Markt ist groß, zahlreiche Jungunternehmen mischen mit und revolutionieren die Lebensmittelindustrie. Aber auch etablierte Produzent:innen passen ihr Sortiment an die Nachfrage an. Schlagzeilen machte vergangenes Jahr zum Beispiel der deutsche Fleischproduzent Rügenwalder Mühle damit, den Großteil seines Umsatzes mit dem Verkauf vegetarischer und veganer Produkte anstatt mit Fleisch und Wurst zu bestreiten.

Was als strengere Auslegung des Vegetarismus begann, ist für viele Menschen mittlerweile zum Dogma geworden: Schätzungsweise ernähren sich rund 79 Millionen Menschen auf der Welt vegan, das ist rund ein Prozent der Weltbevölkerung. Trendrichtung: aufwärts. Die Daten variieren je nach Quelle, eine gesicherte Zahl gibt es aktuell noch nicht. Studien legen außerdem nahe, dass ein Großteil der Veganer:innen Frauen sind, laut einer Studie in den USA beispielsweise 74 Prozent. Außerdem spielt das Alter eine maßgebliche Rolle: Unter den Jungen ist eine fleischlose Lebensweise besonders beliebt. Der Anteil an Veganer:innen (und auch an Vegetarier:innen) in Deutschland ist unter jungen Erwachsenen zwischen 15 und 29 Jahren deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung, das zeigt der sogenannte „Fleischatlas“ 2021 der Heinrich Böll Stiftung. Auch in anderen Ländern zeigen Umfragen ähnliche Ergebnisse.

Investments im veganen Markt, volatile Aktienkurse

Der vegane Markt wächst auf jeden Fall, der globale Marktwert lag laut Statista 2020 bei 14,44 Milliarden US-Dollar, bis 2025 soll die Zahl laut Schätzungen auf 22,27 Milliarden US-Dollar ansteigen. Eine Studie der Strategieberatung Boston Consulting Group attestiert Fleischersatzprodukten bis 2035 sogar ein mögliches Umsatzwachstum auf rund 244 Milliarden Euro.

Auch für Investor:innen spielt das veränderte Verbraucherverhalten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Untersuchungen der Investmentbank UBS prognostizierten bereits 2019 dem weltweiten Konsum von pflanzlichen Fleischalternativen eine Wachstumsrate von 30% bis 2025, der Konsum tierischen Fleischs soll hingegen nur um 0,9% zunehmen.

Dennoch sind die Kurse von veganen Vorzeigefirmen in den letzten Monaten stark eingebrochen. So ist der Aktienkurs von Beyond Meat, dem weltweit größten Produzenten veganer Fleischalternativen, in den letzten Monaten um rund 81 Prozent gesunken, auch Oatly, der größte Hafermilchproduzent machte mit einem Kurseinbruch von über 80 Prozent Schlagzeilen, ebenso Veganz, der vegane Supermarkt aus Deutschland. Diese Entwicklung ist jedoch auch unter Berücksichtigung der aktuell schwierigen Weltlage zu betrachten.

Fleischverzicht für’s Klima

Das Argument für den Klimaschutz ist eines der am schwerwiegendsten in der Debatte um die vegane Lebensweise: Studien legen nahe, dass vegane Ernährung eine positive Auswirkung auf den Umweltschutz hätte. Alleine eine Veränderung der Ernährungsweise einkommensstarker Länder könnte zur weltweiten Senkung der Treibhausgase führen, suggeriert eine Studie, publiziert vergangenes Jahr im Fachmagazin „Nature Food“. Ernährung sei für 26 Prozent der jährlich produzierten menschengemachten Treibhausgase verantwortlich. Die Studie suggeriert ebenfalls, dass nur durch die Ernährungsumstellung auf fleischlose Alternativen in reichen Ländern das 1,5-Grad Ziel des Pariser Klimaabkommens erreicht werden könnte. Wieso aber gilt fleischhaltige Ernährung eigentlich als so klimaschädlich? Grund dafür ist die Tierhaltung, für die einerseits große Flächen für Tierfutter benötigt werden. In Österreich fallen beispielsweise drei Viertel der landwirtschaftlichen Fläche für die Herstellung von Milch- und Fleischprodukten ab. Andererseits entsteht bei der Viehhaltung durch die Verdaungsprozesse der Tiere selbst viel Methan, das als Treibhausgas in der Atmosphäre Strahlung aufnimmt und Wärme speichert und das unmittelbar und kurzfristig etwa 85 mal so stark wie das Treibhausgas CO2. Damit heizt Methan die Erderwärmung an, weniger Emissionen hätten eine positive Auswirkung auf den Klimaschutz.

Natürlich gibt es auch Kritik an einer veganen Ernährung. National Georaphic berichtete über eine WWF-Studie, die sich Veganismus und Wasserverbrauch beschäftigt. Darin wird darauf aufmerksam gemacht, dass Obst, Gemüse und Schalenfrüchte, die in Deutschland konsumiert werden, oft aus Anbaugebieten stammen, in denen Wasserknappheit herrscht. Die künstliche Bewässerung würde die Trockenheit dieser Gebiete zusätzlich verstärken. Viehwirtschaft hingegen würde zwar mehr Wasser benötigen, sie finde aber in Regionen statt, in denen mehr Niederschlag fällt. Lösungsvorschlag des WWF ist, mehr heimischen Anbau zu betreiben.

Die Problematik mit der „Klimaneutral“-Werbung

Problematisch ist es für Konsument:innen, wenn irreführende Werbung mit Begriffen wie „klimaneutral“ oder „nachhaltig“ betrieben wird. Das betrifft zwar nicht nur vegane Produkte, aber auch diese werden damit beworben. Viele Produzent:innen verwenden solche Begriffe, um ihre Produkte in ein gutes Licht zu rücken und das Gewissen der Verbraucher:innen zu beruhigen. Nicht selten stammen diese Behauptungen durch einen Zertifikatskauf, der die Emissionen der Produktion aufwiegen soll. Das Konzept: Treibhausgase, die durch Industrieländer entstehen, sollen durch Umweltprojekte wie Aufforstung und ähnlichen Projekten ausgeglichen werden. Rewe und Aldi (in Österreich: Hofer) kauften bis vor Kurzem solche Kompensationszertifikate ein, um so ihre Produkte als klimaneutral präsentieren zu können. In einem Beitrag der WirtschaftsWoche war beispielsweise von einem Wald in Uruguay die Rede, in dem auf rund 20.000 Hektar Bäume gepflanzt werden, die mit jedem Jahr mehr Treibhausgase wie CO2 binden sollten. Recherchen des ZDF-Magazins Frontal 21 und der Konsument:innenschutzorganisation Foodwatch zeigten, dass in es der Region in Uruguay viele ähnliche Baumplantagen gibt. Das warf Zweifel auf, ob die Bäume nicht sowieso gepflanzt worden wären, das wiederum würde den zusätzlichen Klimanutzen durch das Projekt aufheben. Die Vermittler:innen des Projekts in Deutschland, Climate Partner, wiesen die Kritik zurück. Rewe verzichtete dennoch auf Werbung mit Begriffen wie „klimaneutral“, Aldi nicht. Grundsätzlich besteht die Problematik in der Irreführung der Konsument:innen – oft wird davon ausgegangen, dass klimaneutrale Produkte tatsächlich mit minimalen Treibhausgasemissionen produziert werden und sich Produzent:innen um die Reduzierung ihrer Emissionen bemühen. Tatsächlich basiert die Behauptung auf dem Kauf der kompensierenden Zertifikate. Solche Projekte können umwelttechnisch sinnvoll sein, allerdings kann das Ausmaß der CO2 Kompensation nicht sicher bestimmt werden, daher ist Vorsicht angebracht.

Vegane Ernährung ist ein Trend, für den viele verschiedene Faktoren wie positive Auswirkung auf den Klimaschutz und weniger Tierleid sprechen. Auch aus Wirtschaftssicht ist es ein Thema, das Aufmerksamkeit verdient, beachtet man das steigende Interesse von Konsument:innen und das Wachstumspotential der Branche. Vegan bedeutet aber nicht automatisch klima- oder umweltfreundlich – eine kritische Auseinandersetzung mit Produkten und Produzent:innen ist daher gefragt. Auch bezüglich der eigenen Gesundheit wird Veganer:innen geraten, sich gründlich zu informieren, um einem Nährstoffmangel vorzubeugen.

Ski-economy

Nachhaltigkeit boomt! Outdoor-Kleidung sollte nicht nur funktional sein, sondern auch umweltfreundlich und ressourcenschonend – so wie die Natur, in der wir uns bewegen. Aber woran erkennt man, ob eine Marke nachhaltig und fair produziert?

Mit Fellen auf den Skiern, unberührte Hänge hinauf gehen, mit Schneeschuhen eine Bergwanderung machen oder klassisch eine erstklassig präparierte Piste hinunter wedeln, nirgends sind wir der Natur so nah wie in den Bergen. Damit uns unsere Kleidung in der kalten Jahreszeit draußen warm und trocken hält, braucht es leider oft viele umweltschädliche Chemikalien, um die Ski-Jacke oder -Hose wasserabweisend zu machen oder thermisch zu isolieren.

Aber wie kann man im Material-Dschungel den Überblick bewahren und auf den Produktetiketten der Kleidung ablesen, ob es tatsächlich umweltfreundlich produziert wurde? Eine gute Grundregel lautet: Je transparenter ein Unternehmen auf seiner Homepage agiert und Auskunft über Materialien und Herkunft gibt, desto glaubwürdiger ist es. Manche Labels haben ihre eigenen grünen Auszeichnungen, man sollte aber immer hinterfragen, was genau sich dahinter verbirgt.


Was heißt eigentlich …? Das Nachhaltigkeits-ABC im Überblick

B-Corp 

Benefit Corporation ist ein internationales Zertifikat, das Unternehmen für ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen auszeichnet. 

Blue Sign 

Ist ein Nachhaltigkeitsstandard für die Produktion von Textilien und garantiert vor allem die Sicherheit von Chemikalien zum Schutz von Mensch und Umwelt. Werden Produkte zu mindestens 90 % in Blue Sign Fabriken hergestellt, dürfen sie das Textil Siegel Blue Sign tragen. 

CDC 

Cradle to Cradle bedeutet „Von der Wiege zur Wiege“ beziehungsweise „vom Ursprung zum Ursprung“). Es handelt sich dabei um Abfallprodukte, die wiederaufbereitete und -verarbeitet werden und damit für eine unendliche Kreislaufwirtschaft konzipiert sind.

DRYDYE® 

Drydye ist ein Färbeprozess für Polyester, der kein Wasser verbraucht und keine chemischen Zusätze erfordert. Es ist damit eines der umweltfreundlichsten Färbeverfahren, weil es 50 Prozent weniger Energie verbraucht als herkömmliche Prozesse und den CO2-Abdruck von Polyester, dem schädlichsten aller Materialien, signifikant verringert.  Heute werden ca. 8 Millionen Meter  Polyester pro Jahr mit dem DRYDYE®-Verfahren gefärbt

ECONYL® 

Econyl, ein regeneriertes Nylon, wurde 2011 von der Firma Aquafil in den Markt eingeführt. Die Faser besteht zu 100 Prozent aus Plastikmüll aus dem Meer, wie alte Fischernetze oder herkömmliches Industrieplastik. Durch den Regenerationsprozess wird aus Abfall wieder Nylon generiert, das sich genauso verarbeiten lässt wie neues, erdölbasiertes Nylon. Nur werden dafür keine neuen Ressourcen verbraucht, sondern vorhandene genutzt. www.econyl.com

EMAS-Zertifizierung 

Eco Management and Audit Scheme wurde von der Europäischen Union gegründet und ist ein Gemeinschaftssystem aus Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung für Organisationen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. www.emas.de

Fair Wear Foundation 

faire Arbeitsbedingungen bei der Textilproduktion u.a. in Asien und Afrika. Mitglieder sind unter anderem Jack Wolfskin, Vaude und Schöffel. www.fairwear.org

Higg Index 

ist die international anerkannte Skala, die den Einfluss eines Materials auf Umwelt und Mensch misst. Es werden Daten entlang der Produktionskette über Arbeitsbedingungen und Umweltschädlichkeit gesammelt und bewertet. www.higg.com

Klimaneutral 

bedeutet, dass bei der Herstellung von Produkten die Umwelt nicht  belastet wurde, das Produkt sich also neutral verhält. Geht das überhaupt? Produkte, die aus recycelten und/ oder biobasierten Materialien hergestellt werden, verringern ihren CO2-Abdruck, weil entweder bereits vorhandene Ressourcen genutzt werden (Recycling) oder Biomaterialien keine Pestizide oder andere Giftstoffe enthalten. Klimaneutrale Produzenten nutzen erneuerbare Energien statt fossiler Brennstoffe, haben kürzere Transportwege und verwenden kein Verpackungsmaterial. Aber jedes Unternehmen stößt CO2 aus. Um ein Produkt trotzdem klimaneutral nennen zu dürfen, muss ein Unternehmen den CO2-Ausstoß mittels Zukauf von Zertifikaten kompensieren. Mehr zum Thema Klimaneutralität und wie diese laut EU Klimagesetz bis 2050 erreicht werden soll unter www.europarl.euopa.eu

PFC-frei 

Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) werden aufgrund ihrer imprägnierenden Eigenschaften vor allem bei Outdoor und Arbeitskleidung eingesetzt. PFC kann nicht abgebaut werden und verbleibt in der Umwelt und im Körper. Alternative ist eine schmutz- und wasserabweisende Imprägnierung ohne Fluor-Kohlenwasserstoff Verbindungen, das bedeutet, dass die chemischen Verbindungen biologisch abbaubar sind. Diese wird bereits von Marken wie zum Beispiel VAUDE eingesetzt. Mehr zu den Gefahren von PFC unter www.umweltbundesamt.de

Primaloft®

Stellt hochwertige Isolierungen, zum Beispiel Fütterungen für Jacken, aus PET-Flaschen her. www.primaloft.com

RDS 

responsible down standard ist ein führender Standard für den Tierschutz. Mehr unter www.textileexchange.org


Gipfelerlebnis: Vaude, die nachhaltigste Outdoor-Marke Deutschlands, lässt einen den Wintersport mit gutem Gewissen genießen.

Umweltsünder Polyester

Die Grundlage von wetterfester Kleidung ist leider immer Polyester, Umweltkiller Nummer 1. Aber es gibt bereits Alternativen. Viele Sportartikelhersteller nehmen ihre Verantwortung mit der Liebe zur Natur ernst und forschen an umweltschonenden Stoffen auf Rizinusölbasis, die erdölbasierte Stoffe ersetzen können.

Vaude 

Das deutsche Unternehmen ist spezialisiert auf Outdoor-Bekleidung und Produkte und produziert seit Jahren unter strengen Nachhaltigkeits-Auflagen. Es werden neben biobasierten Kunststoffen, die mit Rizinusöl statt Erdöl arbeiten, auch viele Recyclingmaterialien verwendet. Dazu werden Garne aus PET-Flaschen und Econyl ® gemischt. Sogar Kaffeesatz wird geschmolzenem Polyester Granulat beigefügt, da er schnell trocknend mit einem natürlichen UV-Schutz ausgestattet ist und eine antibakterielle Wirkung hat, die Gerüche vermeidet. Kaffee mal anders! 2015 wurde VAUDE zu „Deutschlands nachhaltigster Marke“ prämiert. Gründer Albrecht von Dewitz, seine Initialen vD sind namensgebend, legte schon früh den Schwerpunkt auf Recycling. Bereits 1994 startete VAUDE das Ecolog Recycling Netzwerk, bei dem daran gearbeitet wurde, Outdoorbekleidung zu 100% zu recyceln. Seit 2022 werden alle Produkte bei VAUDE klimaneutral produziert, seit 2008 ist das Unternehmen EMAS zertifiziert. Außerdem bietet VAUDE ein eigenes Reparaturservice an, um so die Lebensdauer ihrer Produkte zu verlängern. www.vaude.com

Frauenschuh

Das österreichische Traditionsunternehmen aus Kitzbühel setzt seit Jahrzehnten auf Nachhaltigkeit durch sorgsam ausgewählte Materialien. Das Lamm-Leder stammt aus nachhaltiger Tierhaltung, das ökologisch gefärbt wurde. Die Merino-Wolle kommt ebenfalls aus nachhaltiger Haltung und wird ökologisch weiterverarbeitet. Das Design und die Qualität verleihen der funktionalen Sportbekleidung eine überdurchschnittliche Langlebigkeit und ein nachhaltiges Leben. www.frauenschuh.com

Ecoalf

Das 2009 in Spanien gegründete Label setzte von Anfang an auf nachhaltige und ressourcenschonende Produktion durch Verwendung von recycelten Materialien. Die 2015 gegründete Ecoalf Foundation unterstützt seither das Projekt „Upcycling the Oceans“. Meeresmüll wird gesammelt und zu einem neuen Faden verarbeitet, der vielseitig in der Textilindustrie eingesetzt werden kann. Auch andere Materialien wie Baumwolle, Nylon oder Wolle werden nur in recycelter Form verwendet. Isoliert sind die Ecoalf Jacken mit Primaloft®. Seit 2018 ist das Unternehmen eine B-Corp und will bis 2030 klimaneutral produzieren. www.ecoalf.com

Eisbär

Das Familienunternehmen aus Oberösterreich ist vor allem durch seine bunten Hauben bekannt, die zum größten Teil am Standort in Feldkirch/Donau produziert werden. Bei den Materialien legt Eisbär Wert auf zertifizierte Herkunft und nachhaltige Färbeprozesse. Bei Kaschmir wird ein hoher Anteil an recycelter Wolle verwendet. www.myeisbaer.com

Löffler

Der österreichische Hersteller von Sportbekleidung produziert den Großteil seines Sortiments am Standort in Ried/Innkreis. Rund 70 Prozent der verwendeten Materialien werden in der hauseigenen Strickerei erzeugt, der Rest am Standort in Bulgarien. Das Ziel von Löffler ist es, die Produktlebenszyklen zu schließen. Jedes Produkt zeichnet sich durch Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit und Wiederverwertbarkeit aus. Die Forschung und Entwicklung von Cradle-to-Cradle-Produkten (= der Abfall eines alten Produktes wird zum „Nährstoff“ eines neuen Produkts) sowie das Recycling Projekt Re-tex bilden dafür die Grundlage. www.loeffler.at

Peak Performance

Die 1986 in Schweden gegründete Marke ist seit 2007 Mitglied im BCSI (amfri Business Social Compliance Initiative), ein wirtschaftlicher Verband zur Verbesserung der sozialen Standards in einer internationalen Wertschöpfungskette – ein Verhaltenskodex, der Unternehmen beim Aufbau einer ethischen Lieferkette unterstützt. Seit 2012 hat das Unternehmen die RSL-Liste in ihren Herstellungsprozess aufgenommen (RSL = restricted substances list for finished products), eine Liste von schädlichen und gefährlichen Substanzen, die in keinem Kleidungsstück vorkommen dürfen. 2013 wurde der HIGG Index auf Produkte von Peak Performance eingeführt – der Higg-Index ist ein Selbstbewertungsstandard der Bekleidungs- und Schuhindustrie zur Bewertung der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette. Somit konnte jede Faser, die verwendet wurde, zurückverfolgt werden und ihr Einfluss auf Menschen und Umwelt genauestens bemessen werden. 2015 begann das Unternehmen die Drydye® Technologie in seiner Produktion zu implementieren und wurde dafür mit dem ISPO Gold Award für Innovation ausgezeichnet. 30 Prozent der Produkte von Peak Performance sind bereits Kreislaufprodukte. Bis 2030 will das Unternehmen 100 Prozent erreicht und damit seinen CO2-Ausstoß um die Hälfte verringert haben. Ein eigenes Reparatur-und Rücknahmeservice gibt den Kunden die Möglichkeit, die Kleidungsstücke einfach im Kreislauf zu halten. www.peakperformance.com

Weniger Wegwerfen, mehr Reparieren!

Die Tragedauer unserer Kleidung hat einen großen Einfluss auf den CO2-Abdruck des einzelnen Stücks. Je länger wir etwas tragen, im Kreislauf halten und nicht wegwerfen, desto mehr verringert sich der schädliche Umwelteinfluss, und wir kaufen nichts Neues. Deshalb bieten sehr viele Marken bereits Reparaturservices an oder nehmen alte Skikleidung zurück. Im Gegenzug erhält man dafür Ermäßigungen auf den nächsten Einkauf (z.B. Peak Performance). Denn das nachhaltigste Kleidungsstück, das es gibt, ist das, das wir bereits haben!

Welche Geschichte erzählen Sie?

Häufig sind wir uns gar nicht bewusst, welche Geschichten wir immer wieder erzählen. Wie wir uns für einen bestimmten Beruf entschieden haben. Eine Firma. Einen Lebensweg. Partnerschaften.

Wieso es Schwierigkeiten gab. Alles ganz leicht ging. Ob wir Erfolg auf „Glück gehabt“, allein auf unseren Willen, unsere Durchsetzungskraft, kooperatives Verhalten, den richtigen Moment oder breite Unterstützung zurückführen.

Turbulente Zeiten erfordern, dass wir so schlüssig erzählte Geschichten überprüfen. Was wäre, wenn wir unsere persönliche oder unternehmerische Geschichte aus einem anderen Blickwinkel betrachten? Ergeben sich ganz neue Erkenntnisse? Stärken und Schwächen? Freiräume für neues Handeln?

Welche Geschichte erzählen Sie in Ihren Arbeitsräumen? Was vermitteln Sie Kolleg:innen, unterschiedlichsten Besuchergruppen, Ihrem Kundenkreis? Sich selbst? Oder glauben Sie gar nicht, dass Räume etwas repräsentieren können?

Dabei ist unser visuelles Urteilsvermögen sehr viel schneller als das verbale. Bevor Sie einige Worte gewechselt haben, hat Ihr Gegenüber bereits einen ersten Eindruck gewonnen. Werbeplakate im Empfang oder Flur – was erzählen Sie über Ihre Firma? Dass Sie selbst Menschen, die im Unternehmen arbeiten oder zu Besuch kommen, noch überzeugen müssen? Lieber kein Geld ausgeben wollen, weil die Plakate ja sowieso da sind? Bei Ihnen gibt es kahle Wände, alles funktional – glauben Sie Menschen sollten einfach hier arbeiten und ihre Gefühle zu Hause lassen? Nein, Sie wollen es den Leuten gemütlich machen, spielen gern mit allen möglichen Dekoelementen, die es günstig im Internet zu bestellen gibt – welchen professionellen Eindruck vermitteln Sie damit?

Welche Geschichte erzählen Sie?

Mit herzlichem Gruss
Ihre Eva Mueller

Cybersecurity: Gefahren im Netz bedrohen Unternehmen und digitale Gesellschaft

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Ob Weltwirtschaftsforum in Davos oder Digitalkonferenz DLD:  Cybersecurity beschäftigt Unternehmen und Regierungen weltweit, denn die Bedrohung nimmt in jeder Minute zu.

 

Rund 4 Millionen Euro – diese hohe Summe kostet es ein Unternehmen, wenn es Opfer einer Cyber-Attacke wird. Die Zahl der betroffenen Firmen, Organisationen und Staaten nimmt jährlich um 50 % zu, rechneten die Expertinnen Dorit Dor (CPO und CTO Checkpoint Security Technologies) und Gabi Dreo Rodosek (Leitende Direktorin des Forschungsinstituts CODE und Inhaberin des Lehrstuhls für Kommunikationssysteme und Netzsicherheit der Universität der deutschen Bundeswehr) in der vergangenen Woche auf dem Innovationstreff DLD Conference in München vor. Nach Ansicht von Bob Lord (Senior Vice President IBM) ist das Thema Cybersicherheit die wichtigste Aufgabe dieses Jahrzehnts, die international und im Verbund gelöst werden muss. Denn: „Cybersicherheit ist das Fundament der digitalen Gesellschaft“, so der IBM-Manager.

Dorit Dor machte die Motivation der Angreifer deutlich: „Wir müssen die Natur von Cybersecurity verstehen.“ Was wir auch im Internet tun, es werde immer jemanden geben, der sich dabei denkt: Wie kann ich das für meine Zwecke nutzen? Im Bereich der Cyberkriminalität müssen sich die Täter nicht offen zeigen, das senke die Hürden.

Dorit Dor rät:“ Es ist wichtig, dass Unternehmen bei den wichtigsten Daten auch den meisten Aufwand betreiben, um diese möglichst unangreifbar zu machen.“ Aus Sicht von Gabi Dreo Rodosek müsse die Gesellschaft zusammenarbeiten, um ein sicheres Ökosystem im Internet zu erreichen. Der Krieg in der Ukraine könnte dazu führen, dass sich in der Cybercrime-Szene viele neue Methoden entwickeln, um nicht nur Firmen, sondern auch Regierungen anzugreifen. Gleichzeitig sei die Hilfe für die Ukraine aber auch ein gutes Beispiel dafür, wie viele Nationen auch digital für eine Sache zusammenarbeiten.

Da Umfang und Geschwindigkeit der Attacken eine neue Stufe erreicht haben, müsse dringend stärker international gehandelt werden. Dieser Appell kam in dieser Woche auch aus den Reihen des Weltwirtschaftsforums in Davos, wo der aktuelle Global Cybersecurity Outlook 2023 vorgestellt wurde.

Demnach schätzen 93 % der international befragten Cybersicherheits-Führungskräfte das Risiko eines katastrophalen Cyber-Ereignisses innerhalb der nächsten zwei Jahre als „hoch“ oder „mäßig hoch“ ein – beispielsweise durch einen lähmenden Ransomware Angriff mit einer erpresserischen Attacke. Laut Bericht erhöht sich das Risiko für Unternehmen in allen Sektoren. Geopolitische Unsicherheiten verschärfen die Situation. „Dies ist eine globale Bedrohung und erfordert eine globale Reaktion sowie verstärkte und koordinierte Maßnahmen, sagte Jürgen Stock, Generalsekretär von INTERPOL in Davos.

„Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nicht geben“, erklärte Gabi Dreo Rodosek beim DLD in München. Es müsse darum gehen, Systeme resilienter gegen Angriffe zu machen, beispielsweise die wichtigsten Daten mehrfach abzusichern, um Totalausfälle zu verhindern.

Ein wichtiger Baustein dafür sei auch der so genannte Zero Trust-Ansatz, der sicherstellt, dass alle Nutzer – auch diejenigen innerhalb eines Netzwerkes in Organisationen – für jede Aktion authentifiziert werden müssen.

Vor allem aber gelte: Nicht zögern. Laut Dorit Dor mangele es vielfach noch an der Bereitschaft, in Sicherheit zu investieren. „Diese große Herausforderung braucht viel Geld, Zeit und Aufmerksamkeit.“

Den Global Cybersecurity Outlook 2023 können Sie hier herunterladen.

Grün ist in Österreich grüner

Nachhaltige Investments sind bei Frauen besonders beliebt. Aber nicht überall, wo Nachhaltigkeit draufsteht, steckt sie im erwarteten Ausmaß drin. Die gute Nachricht: Laut einer Studie hat Österreich bei der Zertifizierung die Nase vorn.

Aktienfonds, die sich als nachhaltig ausgeben, können bei genauerer Betrachtung eine große Enttäuschung sein. Auch in Österreich sind bei Weitem nicht alle Fonds klimafreundlich. Allerdings sind sie im Durchschnitt nachhaltiger als die in Deutschland – wie eine Studie von ESG Plus, Obergantschnig Financial Strategies und Ethico zeigt.

Grüntöne unter der Lupe

Für die Forschungsarbeit wurden 2.000 österreichische und deutsche Aktienfonds einer detaillierten CLEANVEST-Analyse zugeführt. Die zentrale Frage lautete dabei: Sind nachhaltige Fonds gemäß SFDR (EU Offenlegungsverordnung) wirklich nachhaltiger als konventionelle Fonds? Die Antwort ist zunächst wenig überraschend: „Dunkelgrüne“ Artikel 9-Fonds sind nachhaltiger als „hellgrüne“ Artikel 8-Fonds, die wiederum nachhaltiger sind als „graue“ Artikel 6-Fonds, die das Thema Sustainability gar nicht berücksichtigen.

Allerdings kann die Nachhaltigkeitsgüte innerhalb einer Fondsgruppe stark variieren. So finden sich etwa im Segment der Artikel-8-Fonds sehr nachhaltige Produkte, aber auch solche, die eine geringeres Sustainability Level aufweisen. „Das bedeutet, dass Privatanleger:innen die reine Einstufung als hellgrünen Artikel 8-Fonds nicht als „Qualitäts-Label“ sehen sollten, da dies keinerlei Rückschlüsse auf die Nachhaltigkeitsgüte zulässt,“ sagt Studienautor Armand Colard, CEO von ESG Plus. So weit, so kompliziert.

Einfaches Erkennungsmerkmal

Eine klarere Orientierung bietet hingegen das Österreichische Umweltzeichen, das ebenfalls in der Studie berücksichtigt wurde: Von den 1963 analysierten Aktienfonds (nur Publikumsfonds) weisen jene 39 Fonds, die diese Zertifizierung tragen, die höchste Nachhaltigkeitsgüte auf. Mit anderen Worten: Gesetzliche Produktkategorisierungen und Transparenzanforderungen können seriöse Gütesiegel wie das Österreichische Umweltzeichen nicht ersetzen. Das zeigt auch die Detailanalyse der Studie: Umweltzeichenfonds weisen zum Beispiel bei sechs von zehn Kriterien (z.B. „Frei von Atomenergie“, „Frei von Waffen“, „Frei von Kohle“ etc.) das beste Ergebnis auf. „Das

Österreichische Umweltzeichen kann Privatpersonen als Garant für Nachhaltigkeitsgüte dienen,“ sagt Josef Obergantschnig, Studienautor und Präsident des Vereins Ethico.

Kreislaufwirtschaft als Kriterium

Das von Friedensreich Hundertwasser entworfene Umweltzeichen, das als Verbandsmarke gemäß § 63 des Markenschutzgesetzes registriert ist, wird von der Republik Österreich verliehen. Grundlage für die Zertifizierung eines bestimmten Produktes oder einer Dienstleistung bilden verbindliche Kriterien. Dabei wird ein „Lebenszyklus-Ansatz“ angewendet: Er umfasst die Umweltauswirkungen bei Gebrauch, Herstellung und der Entsorgung. Der Rohstoff- und Energieverbrauch fließt ebenso in die Bewertung ein wie die Toxizität der Inhaltsstoffe, Emissionen, Abfälle und Recyclingfähigkeit, Verpackung, Vertrieb und Transport. Zudem werden Qualität und Gebrauchstauglichkeit sowie Sicherheit, Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit geprüft.

Länder-Fondsvergleich: Österreich – Deutschland 1:0

Aber Österreich punktet nicht nur mit dem Umweltzeichen. Generell ergibt der direkte Ländervergleich mit Deutschland, dass Fonds, die von einer österreichischen Kapitalanlagegesellschaft (KAG) verwaltet werden, eine höhere Nachhaltigkeitsgüte (6,7 auf der CLEANVEST-Skala von 0 bis 10) als Fonds von deutschen Asset-Managern (6,2) aufweisen. Auch die Spannweite der Sustainabilitywerte ist in Österreich geringer als in Deutschland – was als weiteres Zeichen für eine höhere Nachhaltigkeitsqualität österreichischer Fonds gewertet werden kann. „Bei einer Fonds-WM hätte Österreich somit die Nase vor Deutschland“, bestätigt Obergantschnig von Ethico. Und Armand Colard, geschäftsführender Gesellschafter von ESG Plus, ergänzt: „Nachhaltige Fonds haben in Österreich seit den frühen 2000er Jahren eine lange Geschichte, dies zeigt sich auch deutlich im Ländervergleich mit Deutschland.“

„Keine Angst – es kann nichts kaputt gehen!“

Wie macht man als Frau im IT-Management Karriere? Mit Spaß am Thema, meint Lilian Weinberger, MA, die als Head of IT bei DB Schenker Österreich tätig ist.

Sie sind Head of IT bei einem großen Logistikunternehmen. Was sind in Ihrer Branche die großen Herausforderungen für die IT?

Die Herausforderungen in der IT in einem Speditions- und Logistikunternehmen sind sicher die Anpassbarkeit der Systeme an Kundenanforderungen und an die internen Prozessanforderungen. IT ist in unserem Fall als Enabler zu sehen: Wir sind meist im Hintergrund tätig und ermöglichen mit viel Know-how und Fingerspitzengefühl unseren Kolleg:innen das operative Arbeiten. Zudem sind wir beratend tätig, wenn es um die Digitalisierung von bestehenden Prozessen geht – und begleiten die erfolgreiche Umsetzung.

Der IT-Bereich gilt nach wie vor als Männerdomäne. Wie setzt man sich da als Frau auf der Management-Ebene durch?

Ich denke, da gibt es kein Patentrezept. Wenn man Spaß am Thema hat und sich einsetzt und immer dranbleibt, kann man auch in einer Männerdomäne wie der IT erfolgreich sein. Auf der Management-Ebene ist man als Leiterin der IT eine Spezialistin und hat dadurch natürlich auch eine ganz andere Zugangsweise und einen anderen Blickwinkel. Dieser andere Blickwinkel wird im Management Board in Österreich sehr geschätzt und auch begrüßt.

Wie wird generell bei DB Schenker mit dem Thema Diversität umgegangen?

Ich bin der Überzeugung, dass wir als DB Schenker Diversität leben. In allen Ebenen werden allen Mitarbeitenden dieselben Chancen eingeräumt. Vielfalt ist gut und wichtig. Sie ist meiner Meinung nach der einzige Weg, um Diskriminierung abzubauen und mittels Chancengleichheit den Zusammenhalt innerhalb eines Unternehmens und auch der Gesellschaft zu stärken.

Welche Tipps geben Sie jungen, technikinteressierten Frauen?

Keine Angst – es kann nichts kaputt gehen! Spaß beiseite. Es hat mich schon immer sehr gewundert, dass es so wenige Frauen in der IT gibt. Ende der 80er Jahre waren es in den USA noch um die 40 Prozent Frauen, die maßgeblich an der Entwicklung von Software beteiligt waren. Wenn wir uns heute die Beschäftigungsstatistik der WKO 2020 ansehen, dann haben wir einen Frauenanteil in der IT-Dienstleistung von rund 31 Prozent Ich denke, was immer noch vermittelt wird, ist ein sehr eng gefasstes Bild der IT. Ich habe den Eindruck, dass man immer noch der Meinung ist, IT wäre entweder Computer zusammenschrauben, wie wir es in meiner Jugend getan haben, oder irgendwelche Server aufzusetzen. Hier muss es zu einem besseren Verständnis kommen. Wenn wir meine Teams hernehmen, gibt es viele unterschiedliche interessante Jobs wie etwa IT-Projektmanager, IT-Demandmanager, Solution Designer, Datenbankspezialist:innen, Systemadmins, Developer und vieles mehr!

Phänomen Marlene Engelhorn: Über Geld spricht man!

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Marlene Engelhorn polarisiert. Seit die 30-jährige Millionenerbin 2021 an die Öffentlichkeit getreten ist, hat sie ordentlich Staub aufgewirbelt. Mit ihrem kürzlich erschienenen Buch „Geld“ geht der Tabubruch rund um die Themen Erbschafts- und Vermögenssteuer in die nächste Runde.

Kurz nach der Veröffentlichung der Monographie trafen sich Engelhorn und der Wirtschaftsjournalist Michael Nikbakhsh zum Gespräch auf der Bühne des Vorstadt-Beisls „Zur Kulisse“ in Wien Hernals. Sheconomy war dabei und hat sich die Diskussion live angehört.

Die Spur des Geldes

„Ein Prozent der Österreicher:innen besitzt 50 Prozent des Vermögens. Die unteren 50 Prozent teilen sich drei Prozent.“ – Das ist einer der ersten Sätze, die an diesem Abend von Marlene Engelhorn zu hören ist. Und tatsächlich gehört Österreich zu den internationalen Schlusslichtern, was Vermögenssteuern betrifft. Diesen Umstand greift sie auch in ihrem Buch auf und erklärt, warum es aus historischer Sicht durchaus Sinn machen würde Einkommen zu entlasten und Vermögen zu belasten und wie es ihr vor diesem Hintergrund als befremdlich erscheint, dass sich vor allem das Lager der traditionsbewussten Konservativen so vehement dagegen stemmt. 

Im Laufe des Abends erzählt sie, wie es war, in einem sehr vermögenden Haushalt aufzuwachsen. Davon, wie in solchen Familien über Geld nie gesprochen wird, denn es ist ja schließlich immer genügend da und somit einfach kein Thema. Aber auch davon, wie abgeschottet die Elite ist, in der man von Kindesbeinen an gelernt hat, das eigene Ich über Käufliches zu definieren. Vermeintliche Luxusprobleme für Normalsterbliche, markerschütternde Existenzkrisen für die Superreichen: „Wer bin ich ohne dieses Geld?“

Ein Käfig aus Gold 

Dass sie sich heute so energisch für eine Besteuerung von Vermögen einsetzt, schreibt sie dem Studium an einer öffentlichen Universität, der Uni Wien, zu. Dort sah sie sich zum ersten Mal mit gänzlich anderen Lebensrealitäten als ihrer eigenen konfrontiert. Das war der Zeitpunkt, an dem sie anfing, Fragen zu stellen. Bis heute ist sie all jenen Personen sehr dankbar, die sich damals mit ihr zusammengesetzt und geredet haben. Die Worte eines Kommilitonen sind ihr besonders in Erinnerung geblieben: „Du willst auch aus deinem Käfig ausbrechen. Aber vergiss nicht: er ist aus Gold.“

Dass Engelhorn mit ihrer Sicht der Dinge nicht alleine ist, beweisen Initiativen wie taxmenow und Millionaires for Humanity. Im Rahmen der von ihr mitbegründeten Initiative taxmenow setzen sich Vermögende im deutschsprachigen Raum für Änderungen im Steuersystem ein. Um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, nutzen sie, unter anderem, ihren privilegierten Zugang zu den Medien. Ein ähnliches Ziel verfolgt Millionaires for Humanity auf internationaler Ebene.

Engelhorn und Nikbakhsh harmonieren miteinander. Was beide verbindet, ist ihre unaufgeregte Art. Ihnen gelingt es einfach, faktenbasiert und möglichst unpolemisch an die Materie heranzugehen. Etwas, woran die meisten scheitern, wenn es um so emotional aufgeladene Debatten wie etwa zur Verstrickung von Macht und Geld geht. Denn was der Diskussion rund um Vermögenssteuern oft fehlt, ist die Greifbarkeit für den:die Durchschnitts-Österreicher:in. Umso erfrischender ist es, dass die beiden nicht wahllos mit Fachbegriffen und leeren Worthülsen um sich werfen, sondern klare und nachvollziehbare Worte für den Status Quo finden. 

Mit ihrem Buch beleuchtet die Germanistik-Studentin das Thema Geld aus politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, historischer und ganz persönlicher Sicht. In verständlicher Sprache wird erklärt, warum (zu) viel Geld auch (zu) viel Macht bedeutet und dieser Umstand unsere Demokratie gefährde. Was sie meint, wenn sie von „Überreichtum“ spricht und es ihr eigenartig erscheint, dass wir zwar eine klar definierte Armutsgrenze haben, aber keine Definition für den Punkt an dem Wohlstand in Überreichtum kippt. An anderer Stelle versucht sie mit Mythen wie dem:r „Selfmade-Millionär:in“ aufzuräumen und erzählt, weswegen die Philanthropie reicher Menschen nicht so barmherzig sei wie sie zunächst erscheinen mag und sie vor diesem Hintergrund nicht viel von Stiftungen halte. Ihre persönliche „Geldgeschichte“ und Erfahrungen ziehen sich als roter Faden durch die 175 Seiten. Der konstante Wechsel von Fragen, Fakten und persönlichen Erfahrungen macht „Geld“ zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. 

Seit der Erscheinung ihres Erstlingswerks hat es Engelhorn international in zahlreiche namhafte Medien geschafft, darunter die New York Times und Le Monde. Anfang dieses Jahres wurde das Buch im Rahmen des Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch mit dem Anerkennungspreis ausgezeichnet, in der Jahresumfrage von FM4, „FM4 Exit Poll 2022“, wurde „Geld“ in der Kategorie „Buch des Jahres“ auf den 8. Platz und Marlene Engelhorn in der Kategorie „Held:in des Jahres“ auf den 6. Platz gewählt.


Zur Person

Marlene Engelhorn ist die Enkelin der 2022 im Alter von 95 Jahren verstorbenen Traudl Engelhorn-Vechiatto und deren bereits 1991 verstorbenen Gattens Peter Engelhorn. Peter Engelhorn war seines Zeichens ein Ur-Enkel Friedrich Engelhorns, dem Gründer des deutschen Chemiekonzerns BASF. Rund 20 Jahre nach der Gründung des BASF schied Friedrich Engelhorn aus dem Vorstand des Unternehmens aus und wurde Mitgesellschafter der Boehringer-Mannheim-Gruppe. Die großen Anteile an dem Pharma-Unternehmen verkaufte die Familie 1997 um 11 Milliarde Dollar. Laut eigenen Angaben wird Engelhorn einen zweistelligen Millionenbetrag erben. 

 

Ana Simic: „Als Führungskraft macht man mit KI einen besseren Job“ 

Ana Simic, Geschäftsführerin bei DAIN Studios Österreich, verrät, wie Algorithmen die Entscheidungsfindung von Führungskräften erleichtern können.

Erzählen Sie uns von Ihrer Rolle in einem der spannendsten KI-Unternehmen in Europa.

Ich habe zwei Rollen in DAIN Studios. Als Geschäftsführerin kümmere ich mich um unsere Kund:innen und unser Team in Österreich. Als Practice Lead für Customer Analytics bin ich für unsere Angebote im Bereich Vertrieb, Marketing und Service verantwortlich. Das bedeutet, dass ich viel Zeit damit verbringe, darüber nachzudenken, wie Daten und KI (Künstliche Intelligenz) den Führungskräften helfen können, bessere Ergebnisse mit Hilfe von KI zu erzielen.

Wie begann Ihre Reise in die KI? Was hat Sie zum Bereich ML/KI geführt?

Viele Jahre war ich als Marketing-, Produkt- und Serviceverantwortliche in unterschiedlichen Branchen tätig. Vor etwa sieben Jahren begann ich, nach Ideen und Lösungen zu suchen, um meine Arbeit mithilfe von Daten zu verbessern, und probierte die ersten ML/KI-basierten Tools – zuerst Chatbots und Recommendation Engines. Später habe ich mich an die komplexeren Fragestellungen gewagt, wie zum Beispiel, wie man das wertoptimale Produkt für jeden Kunden im richtigen Kanal anbietet. Das ist auch der Grund, warum ich so sehr an dieses Thema glaube. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass uns die Algorithmen die Entscheidungsfindung erleichtern können. Sie unterstützen uns bei der Lösung komplexer Probleme und machen uns so schneller und effektiver. Natürlich tragen wir als Führungskräfte immer noch die Verantwortung, aber die KI nimmt uns einen Teil der Komplexität ab.

Sie sagen also, dass sie mit Hilfe von KI einen besseren Job als Führungskraft machen?

Definitiv – und es macht auch mehr Spaß. Man fängt an, Dinge zu erkunden und lernt dadurch sehr viel. Der Job wird zu einer spannenden Erkundungsreise, und man beginnt, die Welt besser zu verstehen. Das geht natürlich nur mit Offenheit und der Bereitschaft, Risiken einzugehen und Fehler zu machen. Und mit einem diversen Team zuallererst!

Welche Rolle spielt Diversität in der Welt der KI?

Alles, was wir in den digitalen Welten erschaffen, muss für viele Menschen nützlich sein. Daher sollte auch ein diverses Team dahinter die Lösungen entwickeln. Bei uns in DAIN Studios haben wir über 20 Nationen, 50 Prozent Frauen im Leadership Team und sind über viele Standorte und Länder verteilt. Daher weiß ich aus erster Hand: Frauen können in KI-Berufen sehr erfolgreich sein. Am besten einfach ausprobieren!

 


DAIN Studios wurde 2016 in Helsinki und Berlin gegründet. Wir entwickeln und realisieren Daten- sowie KI-Strategien und implementieren praktische Machine-Learning-Lösungen, Datenplattformen und -anwendungen für mehr als 100 Kunden in allen Branchen. Mit unserer DAIN Academy helfen wir Führungskräften und Experten, KI zu verstehen und anzuwenden.

Yaël Maier: „Erfahrung korreliert nicht zwingend mit dem Alter“

Jung und alt – ein ewiger Quell von Missverständnissen. Yaël Maier, Unternehmensberaterin in Sachen Gen Z, weiß, woran der Gap heute hakt und wie er sich schließen ließe. Ein Gespräch über Generationen-Pairing, Social Media als Recruiting-Pool und das große Loslassen.

Eines der Ziele von Diversität ist das gewinnbringende Zusammenwirken von durchmischten Gruppen. Von wem kann die Generation Z derzeit am meisten „lernen“: von den durch alle Krisen geschüttelten Millennials oder von den „Alten“, also der Generation 50+?

Yaël Meier: Ich denke, von allen. Das ist ja das Spannende daran. Wir können alle voneinander viel lernen und sollten das auch tun.

Wir können alle voneinander viel lernen und sollten das auch tun.

Ist Diversität für Ihre Generation überhaupt noch ein Thema?

Meier: Auf jeden Fall. Ich würde sagen, die Gen Z ist die aufgeschlossenste Generation und setzt sich stark gegen Ungerechtigkeiten ein. Durch Social Media finden sich für jedes Thema Gleichgesinnte.

In einem Interview haben Sie unlängst den sehr interessanten Satz gesagt: „Wir wollen schnell Verantwortung übernehmen und nicht erst fünf Jahre warten müssen, bevor wir etwas Spannendes machen dürfen.“ In der Wirtschaft gelten fünf Jahre als ein zuverlässiger Gradmesser für Erfahrung. Würde man künftig darauf verzichten, was könnte diese Erfahrungslücke ausgleichen?

Meier: Dazu zwei Punkte. Erstens: Was bedeutet Erfahrung? Die Welt verändert sich schnell und damit die Lebenswelten, in denen junge Leute leben. Sie sind digital aufgewachsen, kennen eine Welt ohne Internet nicht und nutzen neue Technologien intuitiv. Heute korreliert Erfahrung nicht mehr zwingend mit Alter. Viele Unternehmen denken allerdings immer noch sehr traditionell und nutzen das Wissen junger Leute nicht. Dadurch geht enorm viel Potenzial verloren.

Und der zweite Punkt?

Meier: Nur weil man junge Mitarbeitende dazu ermutigt, Verantwortung zu übernehmen, heißt das nicht, dass sie gleich CEOs sein müssen. Es ist ein Lernprozess, der gleichzeitig eine agile Organisation schafft. Eine Firma, in der Leute mit Selbstbestimmtheit Entscheidungen treffen können, wird schneller vorankommen. Denn Mitarbeitende, die nicht berechtigt sind, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen, können sich weder entwickeln noch innovativ sein. Wieso sollte man das jungen Menschen verwehren, nur weil sie jung sind?

Ihr Fachgebiet ist die Generation Z. Wo sehen Sie aber die Generation der über 40-Jährigen, die ja einen großen Teil des Arbeitsmarktes ausmacht. Wo müssten die sich hinbewegen für eine produktive, konstruktive Arbeitswelt?

Meier: Sie müssten kollaborativer werden.

Sind sie nicht?

Meier: Die Arbeitswelt ist es nicht. Und damit sie es wird, müssen wir alle mehr zusammenarbeiten.

Dieser Vorwurf richteten bereits die Boomer an die Älteren. Ist das nicht ein zutiefst menschlicher Zug?

Meier: Vielleicht – aber nur weil es früher schon so war, kann dies kein Grund dafür sein, dass es weiterhin so bleibt. Es hat sich ja auch verändert, dass Frauen gefälligst zuhause zu bleiben haben, um für die Kinder zu sorgen, und die Männer die Karriere machen.

Erfreulicherweise, selbst wenn es da noch viel zu tun gibt! Dennoch: Das eine ist gesellschaftliche Veränderung, die erkämpft wurde, das andere steckt in den meisten Menschen drinnen – nämlich, dass sie nicht gerne abgeben, was sie sich hart erarbeiten mussten. Gibt es Überlegungen von Ihnen, wie so ein Anreiz für Kooperation aussehen könnte?

Meier: Ich denke, das muss in einem Unternehmen gelebt werden. Es muss von oben nach unten passieren. Auch Innovation muss ehrlich gewollt sein. Das ist ja das Ding: Die Welt verändert sich und man muss mit dieser Veränderung mitgehen. Das bedeutet ja nichts Schlechtes. Davon profitieren schlussendlich alle. Junge Leute können nicht selbst alles machen, sie müssen ebenfalls von den Älteren lernen. In einem gemeinsamen Prozess wird dies jedoch möglich.

Die Welt verändert sich und man muss mit dieser Veränderung mitgehen.

Eine weitere Aussage von Ihnen: „Der Gen Z sind Prestige und ein gutes Gehalt wichtiger als der Generation Y“. Liegt dies möglicherweise daran, dass die Generation Y häufig von den Eltern unterstützt wurde und die Generation Z spürt, dass dieser Zustand nicht weiter aufrecht zu halten ist – etwa weil die Boomer in Pension gehen, der Mittelstand erodiert, die Leute generell das Geld ein bisschen mehr zusammenhalten und große Zukunftsängste haben?

Meier: Möglicherweise. Die Gen Z weiß jedenfalls, dass sie in eine Gesellschaft einsteigt, in der Krisen herrschen und man sich nicht einfach zurücklehnen kann. Gleichzeitig, denke ich, dass die Gen Z eine Generation ist, die sich viel zutraut und die weiß, dass sie durchwegs Forderungen stellen kann. Mit diesem Selbstbewusstsein kommt dann auch die Karriereorientiertheit.

Das Selbstbewusstsein ist ein interessanter Punkt, denn Arbeitgeber haben oft Probleme mit diesem „jungen“ Selbstbewusstsein: Sie fordern zwar einerseits unglaublich viel – Auslandssemester, Praktika ohne Ende. Und wundern sich dann, dass sie es mit so selbstbewussten jungen Leuten zu tun haben. Wie sehen Sie das?

Meier: Unsere Bildungserziehung ist sicher ein Grund für das Selbstbewusstsein. Der andere Grund ist, dass wir alle auf Social Media sind und uns dort mit den anderen Leuten vergleichen. Wir vergleichen uns nicht mehr nur mit Nachbarskindern oder Bekannten, sondern mit Leuten auf der ganzen Welt. Wenn jemand bei seinem Unternehmen vom Strand in Lissabon aus arbeiten darf, dann will ich das auch.

Wir vergleichen uns nicht mehr nur mit Nachbarskindern oder Bekannten, sondern mit Leuten auf der ganzen Welt.

Dazu kommt der Fachkräftemangel: In den nächsten zehn Jahren werden 30 Prozent mehr Leute in Pension gehen, als ins Arbeitsleben einsteigen. Da entsteht eine unglaubliche Lücke, die gefüllt werden muss. Unternehmen merken, dass sie sich bis zu einem gewissen Punkt auf die Forderungen der Jungen einlassen müssen. Sonst werden Top-Talente zu einem Unternehmen gehen, das es tut. Deshalb müssen Unternehmen jetzt umdenken und sich mit den Anforderungen der Berufseinsteiger:innen auseinandersetzen.

Weitere spannende Artikel rund um Diversität können Sie in unserem im Dezember 2022 erschienen Special Issue Weconomy Diversity Works lesen. Als Einzelausgabe, E-paper oder als Teil eines Jahresabos in unserem Shop erhältlich.


Zur Person

Yaël Meier (22), wurde bereits mit 17 Jahren Kolumnistin der Schweizer Tageszeitung „Blick“. Dabei fiel ihr rasch auf, wir oft sie gefragt wurde: „Kannst du mir erklären, wie junge Leute ticken?“, „Kannst du mir erklären, ob junge Leute dieses oder jenes neue Produkt cool finden?“.

Sie kam zu dem Schluss, dass viele Unternehmen heute die junge Zielgruppe nicht mehr verstehen würden – „für mich aber war das alles selbstverständlich, weil ich ja selbst jung war“, erzählt sie rückblickend.

Ihrem ZEAM-Mitbegründer Jo Dietrich, der zum damaligen Zeitpunkt u.a. für die Ringier-Gruppe als Trendscout arbeitete, erging es ähnlich. Die zwei taten sich zusammen und gründeten vor zwei Jahren ZEAM, „Die Agentur fürs Jungsein“.

Seither unterstützen sie Unternehmen dabei, die Generation Z authentisch zu erreichen und zu begeistern. Mit ihrem mittlerweile fast 30-köpfigen Team analysieren sie, woran es scheitert, wenn Unternehmen gezielte Projekte starten oder Produkte lancieren, die dennoch an den Jungen vorbeiziehen. Sie entwerfen Strategien, Tik Tok-Kampagnen und unterstützen Organisationen und Betriebe bei ihrem Eintritt ins Metaverse.

Neu in der Geschäftsführung der ÖRAG Immobilien Vermittlung: Elisa Stadlinger

Elisa Stadlinger trat mit 1. Jänner in die Geschäftsführung der ÖRAG Immobilien Vermittlung ein.

„Die vielen Veränderungen und Weiterentwicklungen der letzten Jahre sehe ich als Chance, unsere Dienstleistungen noch weiter zu entwickeln und so auch in Zukunft unserem hohen Qualitätsanspruch gerecht zu werden“, freut sich die junge Geschäftsführerin.

Elisa Stadlinger ist seit 2006 in der Immobilienbranche tätig. Nach Ihrem Abschluss an der FH Krems für Tourismusmanagement startete sie Ihre Karriere bei PKF hotelexperts in der Beratung für Hotelimmobilien, leitete dann den Bereich Research/Portfoliostrategie der Immofinanz und wechselte anschließend zur Bareal Immobilientreuhand, wo sie den Bereich Büroimmobilien verantwortete. Seit 2017 ist sie in der ÖRAG Immobilien Vermittlung tätig und leitet seit 2018 den Bereich Gewerbeimmobilien. Sie ist „Member of the Royal Institution of Chartered Surveyors“ (MRICS), einer weltweiten Vereinigung von Immobilienexperten.

Elisa Stadlinger betreut mit ihrem 9-köpfigen Team alle Themen rund um die Verwertung und bei der Suche von Immobilien im Bereich Büro, Retail, Logistik-und Industrieliegenschaften.


Über ÖRAG

Die ÖRAG Immobilien Vermittlung zählt zu den führenden Maklerunternehmen Österreichs und ist eine Gesellschaft der ÖRAG Gruppe.

Die ÖRAG Gruppe ist einer der stärksten Immobilien-Dienstleister in Österreich. Die Geschäftsfelder umfassen Immobilienvermittlung, Immobilienbewertung und Liegenschaftsverwaltung sowie Facility Management, Architektenleistungen und Baumanagement.

Die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Wien verfügt über Tochtergesellschaften in Wien (ÖRAG Immobilien Vermittlung, Österreichische Facility Management, Friedrich & Padelek, Businesspark Management), in Salzburg (ÖRAG Immobilien West) sowie in Frankfurt (DRG Deutsche Realitäten). Mit rund 300 Mitarbeiter*innen verwaltet die ÖRAG Gruppe aktuell ca. 1.100 Liegenschaften mit einer Nutzfläche von ungefähr 3,3 Mio. m².

DLD: „2023 ist das Jahr der Künstlichen Intelligenz“

Unter dem Motto „Beyond Now“ diskutierten Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Kultur beim DLD 2023 in München, wie nachhaltige Innovationen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gelingen können.

 

Der Chatbot Chat GPT, veröffentlicht von Open AI (Sheconomy berichtete) ist in der Business-Welt derzeit das Gesprächsthema Nummer eins. Die DLD Conference in München lieferte unter dem Motto „Beyond now“ dazu wertvolle Einordnungen. Die Konferenz gilt als eine der wichtigsten Innovations-Konferenzen in Europa.

Die Co-Gründerin des DLD – DLD steht für Digital, Life, Design –  Stephanie Czerny erklärte als Geschäftsführerin der DLD Media GmbH das Motto des Events: „Aktuell ist die Situation weltweit von Unruhe geprägt. Krieg, Wirtschaftskrisen und innerländische Konflikte bestimmen die Gespräche. Daher ist es wichtig „beyond now“, also über das Jetzt zu blicken, um über Innovationen, Ideen und Problemlösungen zu sprechen. Es ist wichtiger die Möglichkeiten zu sehen als das Unheil. Wir müssen alle unsere Gewohnheiten anpassen, um das System aufzurütteln und Veränderungen und Lösungen anzustoßen.“ Diesem Credo folgten auch in diesem Jahr die mehr als 200 Speaker:innen aus mehr als 25 Nationen sowie die rund 1700 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Technologie.

Traditionell nimmt der DLD die Chancen der Digitalisierung für Wirtschaft und Gesellschaft in den Blick. Doch in diesem Jahr waren auch zahlreiche mahnende Stimmen der Vordenker:innen auf den Bühnen im „House of Communication“ der Agenturgruppe Serviceplan zu hören.

Sridhar Ramaswamy, CEO und Co-Founder des Search-Startups Neeva fasste seinen Appell so zusammen: „Wir müssen uns entscheiden, welches Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell die Technologie unterstützen soll – nicht Konzerne sollten das vorgeben.“

Stephanie „Steffi“ Czerny, Co-Gründerin des DLD.

Disruption Generative AI und Chat GPT

Kein Zweifel: „2023 wird das Jahr für Künstliche Intelligenz“, erklärte die bayerische Staatsministerin für Digitales Judith Gerlach. „Es ist erstaunlich, was diese Technologie kann, die Grenzen zwischen Mensch und Maschine schwinden zusehends.“ Stellt sich für sie die Frage, ob KI hilfreich ist oder schädlich, wenn in den falschen Händen. Wichtig sei ein entsprechendes politisches und smartes Regelwerk, so Gerlach. Die EU müsse hier die Verantwortung übernehmen. Um Vertrauen zu schaffen, brauche es einen transparenten Austausch zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Bürgern. 

James Landay von der Stanford University erklärte dazu: „Künstliche Intelligenz sollte von menschlicher Intelligenz inspiriert werden.“ Er verweist auch darauf, dass Künstliche Intelligenz es bisher nicht geschafft habe, den Menschen zu überholen. Insofern seien entsprechende Vorhersagen auch gescheitert. Doch Landay gesteht: „Wir wissen nicht, wie wir KI designen müssen, damit die einen positiven Einfluss auf den Menschen hat.“

Viele der Diskussionen drehten sich vor diesem Hintergrund um die so genannte „Generative AI“ und Chat GPT: Der mächtige Chatbot, der gerade in der Breite die Möglichkeiten von KI im Bereich Dialog und Sprache aufzeigt, könnte eine der wichtigsten Disruptionen seit der Einführung des iphone oder des World Wide Web sein. In der letzten Dekade seien jedoch viele Technologien veröffentlicht worden, bevor die Gesellschaft dafür bereit war, warnten Experten in München, auch Chat GPT könnte dazu gehören. So befürchtet etwa Michele Ruiz von Bias Sync, dass Chat GPT vorhandene Vorurteile weiter verstärkt, da auch die Trainingsdaten Biases enthalten. „Biases führen zu fatalen Ergebnissen“, so Ruiz. John Clippinger aus dem MIT Media Lab unterstreicht: „Wer hat die Kontrolle?“ Auch JP Ragaswami von Web Science Trust gibt zu bedenken: „Welche Fähigkeiten haben wir nicht, um die Technologie zu nutzen? Und welche Skills könnten wir durch sie verlieren?“

Die Chancen sollten jedoch ebenso gesehen werden, so zahlreiche Speaker:innen. Ein Verbot des mächtigen Tools, wie es bereits verschiedene Institutionen ausgesprochen haben sieht etwa KI-Expertin Tina Klüwer, Director AI des K.I.E.Z. (Künstliche Intelligenz Entrepreneurship Zentrum) aus persönlicher Sicht kritisch. „Vielmehr muss sich die nächste Generation von Fachkräften mit den neuen Tools auskennen. Wir sollten die Menschen ermutigen sich damit zu beschäftigen.“

Denn, so der Tenor der Sprecher:innen: Nicht die AI ersetze den Menschen, sondern die Kreativen oder Unternehmen, die AI smart für sich zu nutzen wissen.

Mit einem Klick ins Metaverse

Mehrheitlich positive Ausblicke gab es im Bereich Robotics. „Roboter sind nicht mehr nur isolierte Helfer, sondern interagieren zunehmend mit den Menschen in komplexen Systemen“, zeigte Quirin Görz, CIO des Herstellers Kuka. Aus seiner Sicht eröffnen die Maschinen sogar die Chance, den Wohlstand unserer Gesellschaften abzusichern, der beispielsweise durch den Mangel an Arbeitskräften weltweit entstanden sei, etwa im Care- oder Gastronomiebereich. Es könnten grundlegend neue Instrumente für die Menschheit entstehen, so Görz. Bei der Simulation von verschiedenen Szenarien könne das Industrial Metaverse eine entscheidende Rolle spielen, beispielsweise für die virtuelle Zusammenarbeit von Ingenieuren. Der Einstieg könnte die sogenannte Mixed Reality sein, wie verschiedene Datenbrillen sie bereits ermöglichen. Roboter könnten über die virtuelle Welt angesteuert werden.

Die Expert:innen in München zeigten anhand konkreter Beispiele, wie weit sich das Metaverse bereits entwickelt hat, viele Impulse kommen dabei aus der Gaming-Branche. Was genau das Metaverse sei, das sei noch immer nicht ganz klar, zeigte Micaela Mantegna von Abogamer. „Es ist viel mehr als Internet in 3D“, machte die Unternehmerin und Professorin für Ethik in der KI klar. Das bringe auch zahlreiche ethische Themen mit sich, die nicht geklärt seien, trug die Expertin vor. Wie werden beispielsweise Gesellschaft und Menschenrechte beeinflusst? Wie könnte es die Umwelt be- oder entlasten?

Wie auch in anderen Technologiefeldern müsse Europa aufpassen, nicht den Anschluss im Metaverse zu verlieren. „Es geht darum, sehr gute Produkte zu entwickeln“, sagte Marjorie Hernandez, die mit den von ihr gegründeten Unternehmen Lukso und The Dematerialised die Blockchain Ethereum und das Web3 von Berlin aus einen Wandel in der Fashion Industrie erreichen will.

Eine Ankündigung, die aufhorchen ließ, lieferte Marcus Ko CVO & President der Unternehmen Digigooz, Dimple und Gurufin. Über einen Avatar nahm er das Publikum mit zum Metaverse-Konzert von Lady Gaga und erklärte: Mit der Technologie der Unternehmen aus Südkorea werde es möglich, NFT-Tickets und Gadgets mobil mit nur einem Klick zu erwerben und virtuelle Erlebnisse unkompliziert zu buchen – bislang steht davor ein mehrstufiger Prozess, wie das Einrichten einer Wallet.

Verbindung von Mensch und Natur

Nicht nur im Bereich des Metaverse steigt das Bewusstsein der Tech-Branche für den Klimawandel als ernste Bedrohung. Start-ups wie Marvel Fusion, das sich selbst als deutscher Technologiepionier auf dem Gebiet der Fusionsenergie sieht, baut deshalb sein Wissenschaftsteam weiter aus, um seine CO2-freie Energielösung als entscheidenden Beitrag zur globalen Energiewende voranzubringen. Marvel Fusion entwickelt eine neuartige Fusionstechnologie, die auf sich rasch beschleunigenden Innovationen in der Laser- und Nanotechnologie aufsetzt und Quanteneffekte auf atomarer Ebene nutzt, um die Fusionswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Heike Freund, COO des Münchner Unternehmens, hat sich als nächsten Schritt zum Ziel gesetzt, möglichst schnell 350 Mio. Euro einzusammeln, um an eigenen Demonstratoren forschen und weiter entwickeln zu können. „Dafür benötigen wir jedoch die richtige politische Unterstützung“, sagte sie mit Blick auf USA und China.

Auch Transformationsforscherin Dr. Maja Göpel, drückt aufs Tempo. „Es ist Crunchtime“, appellierte die Nachhaltigkeitsexpertin – also die kritische Phase, in der noch etwas verändert werden könnte. Dafür brauche es aber klare systemische Veränderungen, die endlich die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur anerkennen und nicht weiter zur Ausbeutung der Umwelt beitragen. „Wir müssen auf die Dringlichkeit, das Ausmaß und die Interkonnektivität zwischen uns und unserer Heimat, dem Planeten Erde, reagieren“, so Göpel.

Die Sessions der DLD Conference sind auf Youtube abrufbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

Willkommen im „New Normal“

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Mit Verspätung ist es da, das „New Normal“. Endlich wieder Raum für Zufälle – und für Unternehmen die Chance, ihren Mitarbeitenden mehr Flexibilität zu bieten.

 

Ein bisschen zu spät kommen, das ist für die meisten schon ok. Beim viel beschworenen „New Normal“ sind es gleich ein paar Jahre mehr geworden. Wurden die ersten Rückschlüsse in den Medien schon nach dem ersten Corona-Lockdown gezogen, sind wir aus meiner Sicht eigentlich erst in diesem Jahr an einem neuen Startpunkt angekommen. Fast selbstverständlich blättere ich den Event-Kalender für 2023 durch, suche spannende Konferenzen und weltweite Ausstellungen, die eine Reise lohnen. Sogar eigene Feiern zu planen, fällt endlich leichter. Und das Wunderbare, auf das mich eine geschätzte Kollegin in der vergangenen Woche gestoßen hat: Es ist endlich wieder mehr Raum für Zufälle, für nicht geplante Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse.

„Ein Zurück zum Alten wird es nicht geben“, erklärte Janina Kugel – Beraterin, Aufsichtsrätin und zuvor Arbeitsdirektorin und Vorstandsmitglied der Siemens AG – vor kurzem beim Datev-Kongress und blickte auf berufliche und persönliche Veränderungen gleichermaßen. Der Wunsch nach höherer Flexibilität der Beschäftigten nehme zu, die Wechselbereitschaft ebenso. Unternehmen, so der eindringliche Appell von Janina Kugel, sollten die neuen Erwartungen der Mitarbeitenden ernst nehmen. „Wer keine Flexibilität anbietet, verliert an Attraktivität“, mahnt die Expertin. Dies gelte vor allem im Hinblick auf den Wettbewerb um Fachkräfte.

Auch das Bewusstsein für Mental Health ist endlich auf der Agenda angekommen. Wir alle schauen inzwischen sehr genau darauf, für was und vor allem für wen wir täglich unsere Energie einsetzen. Was zieht Menschen zurück ins Office? Was müssen Büros heute bieten, welche Tätigkeiten machen dort überhaupt noch Sinn? Und welchem Sinn, welchem Purpose folgt die Organisation, für die ich arbeite – geht es nur um immer mehr Wachstum? Wie gestalten wir die Zusammenarbeit in hybriden Teams?

Darauf die passenden Antworten zu finden und neue Strukturen zu schaffen – keine leichte Aufgabe für Unternehmen, die mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert werden, in diesem Jahr vielleicht sogar mit einer Rezession. Mut machen da die Berichte von zahlreichen Unternehmens-Lenker:innen, die in der Rückschau einen großen Teil der Corona-Phase als „Luckdown“ bezeichnen. Denn nach den ersten Umsatz-Einbrüchen entstanden auch neue Räume abseits des Tagesgeschäfts. Räume, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder Ideen umzusetzen, die schon lange in den Schubladen lagen.

Veränderung ist das neue Normal. Das galt für Unternehmer:innen zwar schon immer, hat aber durch die Überlagerung verschiedener Krisen eine nicht gekannte Dimension erreicht. Auf der Digital Konferenz „DLD“ in München, bei der sich jährlich internationale Vordenker:innen, Entscheider:innen und Start-ups treffen, wehte trotz aller Krisen der Spirit des Machbaren durch die Event-Location „House of Communication“ der Agenturgruppe Serviceplan. Der Name liefert einen Teil der Lösung für das, was uns erwartet. Denn Kommunikation und Austausch über Branchengrenzen hinweg ist die Basis für neue Lösungen und neue Ecosysteme. Wie gut, dass dieser Austausch nun wieder persönlich vor Ort stattfinden kann, aber durch digitale Tools auch die ortsunabhängige Vernetzung heute deutlich einfacher ist.

In bester Gesellschaft

Dorli Muhr, Gründerin der PR- und Marketing-Agentur Wine+Partners, wurde vom Eventmarketingboard Austria (emba) in die Hall of Fame aufgenommen. In der 2015 gegründeten „Ruhmeshalle“ des Livemarketings sind bereits Eventpioniere wie André Heller, Lotte Tobisch, Hannes Jagerhofer und Elisabeth Gürtler vertreten.

„Wenn jemand für den Begriff Kulinarik in der Eventbranche sinnbildlich stehen würde, dann wäre es Dorli Muhr“, ist in der Begründung der emba für diese Auszeichung zu lesen. Laudatorin Maria Großbauer ließ vor einer illustren Gästeschar beim Festakt im Wiener Palais Ferstl noch einmal die Meileinsteine von Wine+Partners der vergangenen 30 Jahre Revue passieren.

Vom „East West Wine Summit“ (1992), dem ersten Großevent des Österreichischen Weines über eines der allerersten Gourmetfestivals des Landes „Days of Wine and Roses“ (Alois Kracher und Taubenkobel), bis zur Inszenierung ganzer Regionen mit „Tafeln im Weinviertel“ oder der „Carnuntum Experience“ und zu Gipfeltreffen internationaler Experten wie dem „Single Vineyard Summit“ im Schloss Grafenegg hat Dorli Muhr mit gutem Gespür für das Besondere stets Events organisiert, die außergewöhnlich waren und ihre Kunden zum Top-Image führten.

Die Event-Agentur ist nicht nur in Österreich tätig, sondern organisiert seit vielen Jahren auch Veranstaltungen in aller Welt: von Italien, Deutschland, Portugal, über die USA bis Brasilien, China und Japan hat die Agentur Erfahrung in der Planung und Durchführung von anspruchsvollen kulinarischen Events.

Dorli Muhr (mitte), die Gründerin von Wine+Partners, flankiert von Life Ball-Organisator Gery Keszler (li) und Ennstal Classic-Gründer Helmut Zwickl (re), die ebenfalls in die Hall of Fame der emba aufgenommen wurden.

Insgesamt wurden an dem Abend offiziell drei Personen in die Hall of Fame aufgenommen: Life Ball-Organisator Gery Keszler, Ennstal Classic-Gründer Helmut Zwickl und eben Dorli Muhr. „Wegbereiter und Wegbereiterinnen, die mit ihrem Engagement und ihren Ideen die Welt spannender, schöner und lebenswerter machen“, so emba chairman David Strolz.


Über Wine+Partners:

Dorli Muhr gründete die Agentur Wine+Partners 1991. Zunächst kommunizierte sie für österreichische Weingüter auf dem Heimmarkt. Bald aber wurden die Leistungen der ausgebildeten Dolmetscherin international nachgefragt. Die Agentur, ihre geographische und ihre inhaltliche Bedeutung wuchsen stetig. Gemeinsam mit Geschäftspartnerin Ute Watzlawick führt Dorli Muhr heute ein Team von 17 Kommunikationsexpertinnen mit Kulinarik-Expertise, die Weingüter, Bierbrauer, Bäcker, Restaurants, Hotels, Tourismusregionen und Feinkostproduzenten in ihrem analogen und digitalen Auftritt betreut.  

Wine+Partners ist international die einzige Agentur, die Kulinarik-PR und -Events weltweit anbietet. Damit ist Wine+Partners ein besonders guter Partner für Unternehmen, die eine präzise Markenbotschaft in die ganze Welt tragen wollen. 

Über emba:

Die Emba ist der Branchenverband der Live-Marketing Agenturen Österreichs. Gegründet 1999, ist es Ziel der emba, die Alleinstellung von Events in der Ansprache aller fünf Sinne und die Bedeutung des Live Marketings für das emotionale Gedächtnis zu unterstreichen. Jährlich werden beim Austrian Event Award die besten Projekte des Live-Marketings ausgezeichnet. Die Vordenker und Visionäre der Branche werden in der „Hall of Fame“ geehrt.

„Eine Win-win-Situation für alle!“

Wie profitieren Start-ups von Diversität? Kambis Kohansal Vajargah, Head of Startup-Services bei der WKÖ, erklärt die positive Wirkung der Vielfalt und gibt einen Überblick über neue Entwicklungen.

Welche neuen Entwicklungen gib es auf dem Start-up-Sektor – und welche Rolle spielt Gender-Diversität dabei?

Österreich hat EU-weit den höchsten Anteil an Start-ups mit mindestens einer Gründerin. Während laut EY 36 Prozent solche „Female Start-ups“ sind, haben aber nur 16 Prozent ein Investment im ersten Halbjahr 2022 bekommen. Auch beim Finanzierungsvolumen zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Mehr als 90 Prozent des in Start-ups und Scale-ups investierten Kapitals kam rein männlich zusammengesetzten Gründungsteams zugute. Es ist also noch Luft nach oben. Wir werden unter anderem in unseren beiden Flagship-Initiativen, dem Internationalisierungsprogramm Born Global Academy und der Startup Collaboration Challenge înno up, verstärkt Richtung Gender Diversität setzen. Auch der erst kürzlich gestartete Fund F hat sich zum Ziel gesetzt, nur in Female Start-ups zu investieren.

Aufgrund der gezielten Ausrichtung auf Diversität können ganz neue Geschäftsmodelle entstehen. Was ist die Voraussetzung für solche Innovationen?

Voraussetzung ist, dass man das Team gezielt dafür aufbaut und ein Verständnis für die Zielgruppen entwickelt. International interessante Beispiele sind Jamba aus Bulgarien, das Menschen mit Behinderung und Betreuungspersonen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Beschäftigung verschafft oder die Zusammenlegung von Kindergarten und Seniorenheim in Japan. Auch hierzulande gibt es viele Beispiele, wie die Vollpension, die Pensionist:innen inklusiv in ihr Geschäftsmodell integrieren, BioBalkan, das regionale Delikatessen aus dem Balkan anbietet oder myAbility, das den Schwerpunkt auf Unternehmensberatung zu Inklusion setzt.

Welches Potenzial bieten die internationalen Studierenden in Österreich?

Aus Zahlen der Statistik Austria lässt sich ablesen, dass Selbstständige, die nicht in Österreich geboren sind, überdurchschnittlich oft Arbeitnehmer:innen beschäftigen. Durch den internationalen Hintergrund ist der Drang für eine frühe Expansion in neue Märkte, vor allem Richtung Herkunftsländer, stark gegeben, und wie wir wissen, lebt und gedeiht Österreich vom Export. Unter anderem sind gezielte Förderungen in der Gründungsphase ein Instrument, um internationale Studierende zu motivieren, Unternehmen zu gründen.

Im Jänner startet die WKÖ-Initiative „Mentoring für Migrant:innen“ in die nächste Runde. Worum geht es bei diesem Programm?

Ich bin selbst Mentor und möchte Menschen mit Migrationshintergrund dabei unterstützen, besser Fuß am Arbeitsmarkt zu fassen. Der internationale Know-how-Transfer trägt absolut zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts bei. Mentoring für Migrant:innen schafft eine Win-win-Situation, sowohl für Mentees als auch für Unternehmen und somit für uns alle.

„Weg von Befindlichkeiten und hin zur professionellen Zusammenarbeit“

Sonja Lucchis Karriere ist geprägt von Engagement, Offenheit und Disziplin. Die Mutter von drei Töchtern will als Person und nicht primär als Frau im MINT-Bereich wahrgenommen werden. Konsequent setzt die Datenschutzkoordinatorin und Expertin für Genderbalance der Salzburg Netz GmbH auf Gleichbehandlung und lebt ihren drei Töchtern vor, Verantwortung zu übernehmen.

Ihr beruflicher Werdegang ist vielseitig. Was waren die wichtigsten Stationen?

Ich habe eine Lehre absolviert und dann im zweiten Bildungsweg maturiert und Rechtswissenschaften studiert. Das war nicht immer leicht. Heute denke ich, dass ich dadurch aber belastbarer und unabhängiger geworden bin. In meinem ersten Job war ich als Leiterin der Personal- und Rechtsabteilung im Bewachungsgewerbe tätig. Nach der Geburt meiner ersten Tochter wechselte ich als Personalreferentin zur Salzburg AG. Nach meiner letzten Karenz wechselte ich schließlich in die Netzgesellschaft der Salzburg AG. 

Welche Aufgaben haben Sie dort?

Ich bin Fachexpertin im Department „Strategie, Kommunikation, Regulierung & Recht“ sowie Datenschutzkoordinatorin. Außerdem bekleide ich zusammen mit einer Kollegin die Anlaufstelle für Genderbalance im Netz. Sie ermöglicht es Kolleginnen, sich bei Genderfragen vertrauensvoll an uns zu wenden. 

Sie sind im MINT-Bereich tätig und haben viel mit Männern zu tun. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Ich habe im Laufe meines Berufslebens gelernt, dass es eine Basis für die Zusammenarbeit braucht, bei der das Geschlecht keine Rolle spielt. Mein berufliches Gegenüber ist für mich primär kein Mann und auch keine Frau, sondern eine Person, so wie ich. Wir müssen weg von Befindlichkeiten und hin zu einer professionellen Zusammenarbeit.

Wie kann man Stereotypen durchbrechen? Was hilft Ihnen im Unternehmen dabei?

Klischees sind menschlich, und jeder von uns hat sie. Wichtig ist, wie man ihnen begegnet. Als Tochter einer Migrantin und als Frau war ich Vorurteilen ausgesetzt. Durch das eigene Verhalten kann man diese aber beim Gegenüber ausräumen. Wichtig ist auch die Bewusstseinsbildung der Gesellschaft und im Unternehmen. Die Salzburg AG tut viel dafür, vor allem mit #DIEzukunft, einem Programm zur Chancengleichheit.

Sie sind Mutter von drei Mädchen. Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?

Durch Selbstmanagement, Delegation und das Setzen von Prioritäten. Unsere Kinder verstehen, dass jeder Rechte hat und Aufgaben übernehmen muss. Dadurch sind meine Töchter selbstständig und lernen, Verantwortung zu übernehmen. 

Gibt es Strukturen im Unternehmen, die Ihnen die Vereinbarung von Beruf und Familie erleichtern?

Die Salzburg AG trägt mit einer großzügigen Gleitzeit- und Homeoffice-Regelung sowie mit der familienfreundlichen Haltung einen Großteil dazu bei, dass die Vereinbarkeit bei mir so gut funktioniert.

Sie sind Mitglied im Team von #DIEzukunft. Was ist das Besondere an diesem Programm?

Ich spüre, dass sich durch das Programm viel verändert. Der Frauenanteil steigt in Fach- und Führungspositionen, und wir werden offener wahrgenommen. Das Besondere ist, dass man echtes Engagement – auch von ganz oben – spürt. Sonst würde das nicht funktionieren und Gleichbehandlung nur am Papier bestehen.

Sabine Mlnarsky wird Personalvorständin bei der Commerzbank

Die 47-jährige Managerin tritt Anfang nächsten Jahres die Nachfolge von Sabine Schmittroth an.

Sabine Mlnarsky wird das Ressort Group Human Resources der Commerzbank übernehmen und als Personalvorständin und Arbeitsdirektorin die Nachfolge von Sabine Schmittroth antreten. Die Juristin leitete seit 2016 den Bereich Human Resources bei der  der österreichischen Erste Group Bank, zuvor verantwortete sie von 2013 bis 2016 die Personalarbeit der Lufthansa-Tochtergesellschaft Austrian Airlines.

„Wir freuen uns, mit Frau Mlnarsky eine ebenso erfahrene wie dynamische Führungskraft für uns gewonnen zu haben, die nicht nur unsere Branche bestens kennt, sondern sich auch in Umbruchphasen bewährt hat“, sagte Aufsichtsratschef Helmut Gottschalk. „Sie wird der Personalarbeit in der Commerzbank frische Impulse geben.“


Über die Commerzbank

Die Commerzbank ist eine Bank für den Mittelstand und Partner von rund 28.000 Firmenkundenverbänden sowie rund 11 Millionen Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland. In zwei Geschäftsbereichen – Privat- und Unternehmerkunden sowie Firmenkunden – bietet die Bank ein umfassendes Portfolio an Finanzdienstleistungen. Die Commerzbank wickelt rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels ab und ist im Firmenkundengeschäft international in knapp 40 Ländern vertreten. Im Jahr 2021 erwirtschaftete die Commerzbank mit rund 46.500 Mitarbeiter:innen Bruttoerträge von rund 8,5 Milliarden Euro.

Vegan Boom: 4 Foodtech Start-ups im DACH-Bereich

Global gesehen lässt sich seit einigen Jahren ein deutlicher Trend zu veganen Lebensmitteln und, auch bei Nicht-Veganer:innen, zu weniger Fleischkonsum erkennen. Viele Start-up Gründungen bewegen sich in diesem Bereich. Wie sieht die Situation im DACH-Umfeld aus? Wir haben uns die Konzepte und Investmentsituationen von vier verschiedenen Start-ups angesehen.

Der Markt für vegane Lebensmittel boomt, und das auch im DACH-Raum: 106.000 Veganer:innen lebten laut Statista 2021 in Österreich, in Deutschland lag die Zahl 2022 bei rund 1,6 Millionen – ein Anstieg von rund 170.000 Personen innerhalb eines Jahres. Auch in der Schweiz stieg der Anteil an Veganer:innen im Jahr 2021 von 0,3 auf 0,7 Prozent in 2022 an. Das ist zwar eine klare Minderheit, ein Trend in Richtung weniger Konsum tierischer Produkte lässt sich aber durchaus erkennen. Darauf lassen auch die Umsatzzahlen des weltweiten Marktes für vegane Lebensmittel schließen: 2020 lag der globale Marktwert bei rund 14,44 Milliarden US-Dollar. Bis 2025 wird ein Wachstum auf 22,27 Milliarden US-Dollar prognostiziert.

Zahlreiche Foodtech Start-ups sind in diesem Umfeld tätig und suchen mittels innovativen Technologien und wissenschaftlichen Erkenntnissen nach neuen Wegen, um fleisch- und tierlose Ernährung nachhaltig, gesund, zugänglich und schmackhaft zu machen. Wir haben uns vier Start-ups im DACH-Raum im Detail angesehen.

RevoFoods – Lachs aus dem 3D-Drucker

Das Wiener Start-up RevoFoods hat sich auf die Produktion pflanzenbasierter Fischalternativen spezialisiert. Die drei Gründer:innen Theresa Rothenbücher, Manuel Lachmayr und Robin Simsa möchten mit ihrem Start-up dem globalen Problem der Überfischung entgegenwirken. Das Konzept: Mithilfe eines Bio-3D-Druckers werden vegane Fischfilets hergestellt. Das erste Produkt, der Revo Räucherlachs, wurde 2021 auf den Markt gebracht, mittlerweile wurde das Sortiment um vegane Thunfisch- und Lachsaufstriche erweitert. Im Sommer wurde das erste vegane Lachsfilet präsentiert, das in Textur und Geschmack dem Original ähneln soll und zudem einen hohen Protein- und Omega-3-Fettsäure-Gehalt aufweist. 2023 soll es für Konsument:innen erhältlich sein. Das Start-up ist mittlerweile in über 15 europäischen Ländern tätig und hat zwei Finanzierungsrunden hinter sich gebracht: Im April 2021 erhielt Revo Foods ein VC Investment von rund 1,5 Millionen Euro. Neben privaten Investor:innen beteiligten sich der dänische VC-Fonds Hazelpond Capital sowie das deutsche VC Investmentunternehmen friends2grow und die österreichische MKO Holding. Die zweite Finanzierungsrunde wurde mit rund 800.000 Euro im August 2021 abgeschlossen, damals investierte die Biogena Group mit einer Zwischenfinanzierung in das Unternehmen. 2022 konnten Revo Foods ihren Umsatz verdoppeln, erzählte Co-Founder Robin Simsa in einem Artikel von Profil. RevoFoods Co-Founderin Theresa Rothenbücher sprach übrigens im Rahmen der SHEtech 2022 zum Thema Greentech und Kreislaufwirtschaft.

Perfeggt – Eiersatz auf Pflanzenbasis

Alternativen für Fleisch- und Milchprodukte gibt es am veganen Markt in beträchtlichen Mengen. Aber für Eier? Aktuell noch eher selten. Perfeggt setzt an dieser Marktlücke an. Das Berliner Foodtech-Start-up wurde 2021 von Tanja Bogumil, Gary Lin und Bernd Becker gegründet. Perfeggts Eialternative ist flüssig, wird auf Erbsenbasis produziert und eignet sich für Gerichte wie Omeletts und Rühreier. Gestartet wird der Vertrieb laut Bogumil zunächst in Restaurants, Cafés und Hotels in Deutschland. Ab 2023 soll Perfeggt auch im Einzelhandel erhältlich sein, so die CEO in einem Interview mit dem Onlinemagazin vegconomist. Die Markteinführung ist in einem ersten Schritt für Deutschland, Österreich und die Schweiz geplant. In einer ersten Pre-Seed-Runde im November 2021 erhielt das Jungunternehmen 2,5 Millionen Euro, Investor:innen waren unter anderem der „Company Builder“ EVIG Group (deren Geschäftsführer Perfeggt Co-Founder Gary Lin ist), Stray Dog Capital, Good Seed Ventures und Shio Capital. Im März 2022 wurde bekannt, dass die Investor:innengruppe rund um Perfeggt erweitert wurde: Gorillas Gründer Jörg Kettner, Just Spices Gründer:innen Béla Seebach und Ole Strohschnieder sowie Lea-Sophie Cramer, Verena Pausder, Maru Winnacker von Urania Ventures, Deepali Nangia via Atomico Angels sowie Albert Schmidbauer von Biogena, der ebenfalls in Revo Foods investierte, sind unter den Neuinvestor:innen. Insgesamt beträgt das Investmentvolumen nach beiden Finanzierungsrunden 3,5 Millionen Euro.

Die Pflanzerei – Die vegane Metzgerei

Bei der Pflanzerei dreht sich alles um die Klassiker der österreichischen Küche – nur eben in veganer Ausführung. Das erste Produkt des Start-ups, das sich als der „vegane Metzgerei“ bezeichnet und von 2021 Nadine Ruedl gegründet wurde, ist veganer Leberkäse. Dieser ist unter dem Produktnamen „Gustl – Der vegane Leverkas“ bekannt und soll bei der Herstellung um bis zu 89 Prozent weniger CO2 Emissionen erzeugen, als konventionelles Flesch. Neben Erbsenprotein als Eiweißbasis sind im Produkt auch verschiedene regionale Gemüsesorten wie Rote Rübe, Kartoffeln, Zwiebeln und Karfiol enthalten. Neben „Gustl“ bietet das Unternehmen auch fleischlose Bratwürste und kalte Wurstalternativen an, Vorzeigeprodukt bleibt aber der „Gustl“. Leberkäse ist ein besonders beliebter Snack in Österreich, laut einer Umfrage wird er von 1,3 Millionen Österreicher:innen wöchentlich gegessen. Im Februar startete die Pflanzerei eine Pilotphase, in der der vegane Leberkäse als erster seiner Art in ausgewählten Billa und Billa Plus Filialen in Wien erhältlich war. Das Ergebnis war positiv, die Zusammenarbeit wurde erweitert. Seit September 2022 ist der „Gustl“ in 130 Billa-Filialen in ganz Österreich in der Feinkostabteilung zu finden. Die Pflanzerei holte sich im Februar 2022 in der Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ finanzielle Unterstützung: Katharina Schneider, Martina Rohla und Leo Hillinger investierten gemeinsam 100.000 Euro in das Start-up, im Gegenzug erhielten sie 12 Prozent an dem Unternehmen.

Planted – Größte europäische Produktionsstätte von Fleischersatzprodukten

Planted ist ein 2019 gegründetes Startup aus Zürich, das Fleischersatzprodukte aus alternativen Proteinen wie Erbsen, Hafer und Sonnenblumen herstellt. In den ersten drei Jahren seit der Unternehmensgründung wurde neben der Produktionstätte ein Forschungszentrum aufgebaut, insgesamt sind dort über 150 Mitarbeiter:innen beschäftigt. Pro Stunde wird circa 1 Tonne veganes Fleisch produziert, das auf sieben euorpäischen Märkten vertrieben wird. Der Standort im Schweizer Kempthal ist die größte europäische Produktionsstätte für pflanzenbasierte Fleischalternativen. Erst im September 2022 gab das Foodtech Start-up bekannt, dass seine Serie-B-Finanzierungsrunde in Höhe von 70 Millionen Schweizer Franken (rund 69,6 Millionen Euro) erfolgreich abgeschlossen wurde. Investor:innen des Start-ups sind unter anderem Vorwerk Ventures, Movendo, ACE, ETH Zürich, Tengelmann Ventures sowie der Anführer der aktuellsten Finanzierungsrunde, L Catterton, einem der größten globalen Private-Equity Unternehmen.

Period of Change

„Für mich ist Kunst ein Heilmittel. Kunst und Kultur zeigen dir deinen Seinszustand. Ohne Kunst und Kultur kann die Welt sehr krank werden“, sagt Anna Boghiguian. Sie ist eine international gefeierte, ägyptisch-kanadische Künstlerin mit armenischen Wurzeln, 2015 auf der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

Wir spüren gerade tiefgreifende Prozesse des Wandels. So vieles ändert sich. Muss sich transformieren. Dabei ist unsere Zeit natürlich nicht die erste, die mit fundamentalen Neuausrichtungen konfrontiert ist.

In ihrer aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Bregenz erzählt uns Boghiguian von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen. Auf einem verspiegelten Schachbrett begegnen uns bedeutende Figuren der Geschichte. Da tritt uns Königin Marie Antoinette aus der Zeit der französischen Revolution entgegen, begleitet von ihrer Mutter, Kaiserin Maria Theresia. Der Schriftsteller Stefan Zweig, der eine Biografie von Marie Antoinette und die berühmte Schachnovelle schrieb, musste später vor den Nazis fliehen und beging Selbstmord. Bertha Suttner hatte sich so sehr für den Frieden eingesetzt und starb vor dem 1. Weltkrieg. Der Künstler Egon Schiele trägt einen Mundschutz, wie wir in aktuell kennen, gegen die spanische Grippe. Nur 28jährig verstarb er an dieser Pandemie der 1920er Jahre, die vor allem junge Menschen traf.

Neben dem Begründer des Zionismus, Theodor Herzl und dem grossen Psychoanalytiker Sigmund Freud finden wir auch den grausamen KZ-Lagerarzt Aribert Heim, der bis zu seinem Tod unbehelligt in Kairo lebte. Der Heimatstadt von Anna Boghiguian. Selbst Putin taucht in weiteren Zeichnungen auf, gemeinsam in der Ostsee mit Zar Peter, als deren Nachfolger er sich wohl begreifen möchte.

Boghiguian wirft mit ihrem Werk natürlich die Frage auf: Wo stehen wir auf diesem Schachbrett der Geschichte?

Mit herzlichem Gruss
Ihre Eva Mueller

Mit Menstruationsblut zur Health-Tech-Revolution

Das Berliner Start-up theblood sorgt für frischen Wind am FemTech-Markt. Das Gründerinnen-Duo Isabelle Guenou und Miriam Santer hat das vernachlässigte Potenzial der Menstruationsblutung erkannt und setzt mit seinem Produkt genau dort an.

Dank ihrer außergewöhnlichen Idee haben es die deutschen Unternehmerinnen aus dem Stand auf die diesjährige „Forbes 30 Under 30“-Liste im DACH-Raum geschafft. Isabelle Guenou und Miriam Santer sind davon überzeugt, dass die Analyse von Menstruationsblut eine Reihe an bereits überfälligen Antworten auf weibliche Gesundheitsprobleme liefern kann.

Miriam Santer (li) und Isabelle Guenou revolutionieren mit ihrem Start-up theblood den wissenschaftlichen Umgang mit Menstruationsblut.

Was als Start-up-Idee in einer Lehrveranstaltung im gemeinsamen Masterstudium begann, wurde zum ersten Health-Tech-Start-up in der EU, das Menstruationsblut für einen nicht-invasiven Bluttest nutzt. Mit ihrem Produkt wollen sie Menstruierenden mehr Selbstbestimmung und Autonomie über den eigenen Körper geben. Ihr Ziel ist es, dort Bewusstsein zu schaffen, wo es nach wie vor fehlt und Ressourcen zu nutzen, die bisher unbeachtet geblieben sind. Menstruationsblut, das lange Zeit als Abfallprodukt betrachtet wurde, enthält nämlich nicht nur wichtiges Serum, Plasma und Gewebe, sondern kann auch ganz neue Erkenntnisse über Frauen, deren Körper und Krankheiten liefern. Was an der Idee außerdem noch gut ist: die Probenentnahme erfolgt in den eigenen vier Wänden!

#letsclosethegenderdatagap

Einer der Hauptmotivatoren für die Köpfe hinter theblood ist die Gender Data Gap, zu deutsch die geschlechtsspezifische Datenlücke. Damit ist die fehlende Erhebung von gesellschaftlich, wirtschaftlich oder medizinisch relevanten Daten über Frauen gemeint. Seit Jahrhunderten werden Konzepte, Gegenstände und Medizin an Männer angepasst, obwohl sie für alle gedacht sind. „Das mangelnde Verständnis für den weiblichen Körper und frauenbezogene Themen beeinträchtigt auch heute noch die Gesundheit und das Leben von Frauen. Bei Frauen betreiben Mediziner:innen immer noch medizinisches Gaslighting. Frauen leiden jahrelang unter chronischen Schmerzen und Problemen, werden falsch diagnostiziert, falsch behandelt und missverstanden“, so die leitende Forscherin von theblood, Amy Whitbread. 

Besonders deutlich wird dieses verheerende Datengefälle anhand folgender Zahlen: auf jede Forschungsarbeit zu PMS (prämenstruelles Syndrom) kommen ganze fünf Studien zum Thema Erektionsstörung. Letzteres betrifft schätzungsweise 15 Prozent der Männer in Deutschland, während 90 Prozent der Menstruierenden an prämenstruellen Beschwerden leiden.

Ein weiteres Beispiel: Endometriose. Laut dem deutschen Robert-Koch-Institut ist sie die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung bei Frauen. Es wird geschätzt, dass etwa 10 bis 15 Prozent aller Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter von der gutartigen, aber oft sehr schmerzhaften, Krankheit betroffen sind und jährlich kommen um die 40.000 Neuerkrankungen hinzu. Dennoch vergehen im Schnitt 10,4 Jahre vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose. Bis heute gibt es zur Diagnosestellung keine andere wissenschaftlich etablierte Methode als eine Operation.

Diesen Status Quo wollen Guenou, Santer und der neu ins Boot geholte dritte Co-Founder Dr. Lucas Mittelmeier, der ab sofort für die wissenschaftliche Seite der Produktentwicklung zuständig ist, so nicht hinnehmen. Dafür arbeitet das mittlerweile achtköpfige Team von theblood eng mit einem medizinischen Beirat zusammen, der aus renommierten Forscher:innen, Fachärzt:innen und Laboren besteht. Dazu zählen, unter anderen, auch die Berliner Charité und der deutsche Krankenhausbetreiber Vivantes. Denn für theblood ist klar: Um ihr Produkt auf den Markt bringen zu können, wollen und müssen sie sicherstellen, dass die Wissenschaft dahinter sicher und solide ist.

Auf dem Foto noch zu siebent, mittlerweile zu acht. Das Team des Berliner Start-ups theblood.

Und das funktioniert wie? 

Das Konzept von theblood basiert auf einem At-Home-Test. Die Menstruationsblutprobe kann ganz einfach selbst Zuhause abgenommen und dann eingeschickt werden. Anhand der Analyse dieser Probe wird ein individueller Gesundheitsbericht über Vitamin- und Hormonhaushalt erstellt und mit Empfehlungen bezüglich Ernährung und Supplements ergänzt.

Was viele Betroffene nicht wissen: Viele dieser Parameter lassen sich bereits durch verbesserte Lebensumstände beeinflussen. So kann beispielsweise eine gesündere Ernährung in vielen Fällen nachhaltig Beschwerden wie Regelschmerzen lindern. Dieses und ähnliches Wissen rund um den weiblichen Zyklus möchte das Label mit anderen Menschen teilen und im besten Fall auch seine Nutzerinnen und deren Ärzt:innen bei einer Diagnosefindung unterstützen.

Zum aktuellen Zeitpunkt umfasst das Angebot drei verschiedene Kits: Das Starter-Kit ist auf gesundheitsbewusste, neugierige Frauen ausgerichtet, die keine konkreten Beschwerden haben, aber gerne mehr über ihren Zyklus erfahren möchten. In dem Kit werden Vitamin B12, Eisen und CRP (C-reaktives Protein, ein Entzündungsparameter) bestimmt. 

Variante zwei ist das Hormon-Test-Kit. Dieses zielt auf all jene Personen ab, die Beschwerden während oder im Zusammenhang mit der Menstruation haben. Wie es der Name bereits verrät, liegt der Fokus bei diesem Kit auf den Hormonwerten. Getestet werden Estradiol (das wichtigste Östrogen, Östrogene sind eine von zwei Gruppen von weiblichen Sexualhormonen), Progesteron (Gelbkörperhormon, zählt zur zweiten Gruppe der weiblichen Sexualhormone, am höchsten während der zweiten Hälfte des Zyklus), Testosteron (das wichtigste männliche Sexualhormon, das in geringen Mengen auch im weiblichen Körper vorkommt), FSH (Follikenstimulierendes Hormon, regt die Reifung der Eizelle an, erreicht seinen Höhepunkt während des Eisprungs), LH (Luteinsierendes Hormon, regt den Eisprung an, erreicht seinen Höhepunkt ebenso während des Eisprungs), Prostaglandine (ein Gewebshormon, Prostaglandine der Gruppe 2 fördern Entzündungen und verstärken die Schmerzwahrnehmung) und AMH (Anti-Müller-Hormon, gibt Auskunft über die Anzahl reifungsfähiger Eizellen).

All diese Werte können Hinweise auf etwaige Störungen (wie zum Beispiel PCOS – Polyzystisches Ovar-Syndrom oder Endometriose) geben und die Ergebnisse können beim nächsten Gynäkolog:innen-Besuch eine zusätzliche Hilfestellung sein.

Das dritte Kit ist das Biohacker Test-Kit. Dieses umfasst die Analyse von Vitamin A, Vitamin D, Vitamin B12, Cholesterin, Ferritin, Eisen, Folsäure, CRP, FSH, LH, Estradiol, Progesteron, Testosteron, AMH und DHEA. Dieses Kit ist für Personen gedacht, die ihre Leistung verbessern und ganz genau wissen möchten, was ihr Körper braucht.

Der Markt ist größer als gedacht

Die Nachfrage nach dem Produkt ist groß, das beweisen auch die Zahlen. Allein für den ersten großen Produkttest im vergangenen Jahr haben sich innerhalb von nur drei Tagen 500 Personen angemeldet. Und das, obwohl nur 50 nötig gewesen wären. Der große Ansturm hat selbst Guenou und Santer überrascht. Mittlerweile sind die Tests abgeschlossen und es wird eifrig an der Datenauswertung gearbeitet. Damit ist ein riesiger Schritt in Richtung Markteintritt gelungen. Wenn alles nach Plan läuft, passiert der Launch des ersten Produktes bereits 2023.

„E-Mobilität ist viel komplexer als man glaubt“

Laura Popp ist für den Fachvertrieb E-Mobilität bei Verbund zuständig. Im Interview mit sheconomy erzählt sie, wie ihr bisheriger Karriereweg aussieht und teilt ihre Tipps für Frauen, die eine ähnliche Position in der Energiebranche anstreben.

Frau Popp, erzählen Sie mal, wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? Wie sah Ihr Karriereweg bis heute aus?

Laura Popp: Ich habe ein Gymnasium mit Informatik-Ausrichtung besucht, da mich die naturwissenschaftlich-technische Richtung interessiert hat. Es wäre aber eine Lüge zu behaupten, ich hätte in der Oberstufe schon einen Plan gehabt, was ich einmal beruflich machen möchte. Ganz im Gegenteil, ich habe sehr lange nicht gewusst, was mich interessiert. Schlussendlich bin ich eher durch Zufall auf die FH Technikum Wien gekommen und habe das Bachelorstudium „Verkehr und Umwelt“ begonnen. Durch meinen Vater, der in einem Erdölkonzern beschäftigt war, bin ich mit dem Verkehrsbereich in Kontakt gekommen und habe Interesse dafür entwickelt. Er war im Innovationsumfeld tätig und hat dabei auch Hybridfahrzeuge getestet. So bin ich auf diese neuen Technologien aufmerksam geworden und konnte sie teilweise miterleben. Auch das Thema Energie- und Klimakrise war präsent sowie der Fakt, dass wir dringend Alternativen zu Erdöl benötigen. Ich bin also ursprünglich über mein Interesse an Fahrzeugtechnologien in die Energiebranche gekommen. Das Schöne ist, dass es in diesem Umfeld so viele verschiedene Jobmöglichkeiten gibt. Die Entscheidung diesbezüglich habe ich mir während dem Studium offen gelassen. Man hat nach dem Abschluss eine solide Basis, die Berufsmöglichkeiten sind breit. Den dazu passenden Master „Integrative Stadtentwicklung – Smart City“ habe ich ebenfalls absolviert, wobei mich der Verkehrsaspekt sehr interessiert hat, das hat mich in meiner Studienwahl bestätigt.

Nach dem Studium waren Sie bei der Mobilitätsagentur Austria Tech tätig, wo Sie sich mit Themen wie E-Mobilität beschäftigt haben. Später sind Sie zu Ihrem jetzigen Job bei Verbund gewechselt. Wie hat diese berufliche Reise ausgesehen und was waren Ihre Motivationsgründe für den Wechsel?

Die Austria Tech ist, wie Sie es schon angesprochen haben, eine Mobilitätsagentur, die im Eigentum des Verkehrsministeriums ist. Im Studium habe ich festgestellt, dass mich vor allem neue Technologien sehr interessieren. E-Mobilität ist dabei der wichtigste und brennendste Aspekt der aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich. Ich bin dann immer stärker in dieses Thema gerutscht und war schlussendlich nur mehr für E-Mobilität zuständig. Durch den Wunsch, mich weiterzuentwickeln und einen größeren Konzern kennenzulernen, bin ich zu Verbund gekommen.

Was kann man sich unter dem Fachvertrieb von E-Mobilität vorstellen?

Es ist wichtig, zwischen Vertrieb und Fachvertrieb zu unterscheiden. Im Vertrieb geht es darum, neue Kund:innen zu akquirieren und sie erst einmal davon zu überzeugen, dass E-Mobilität die beste Lösung ist. Im Fachvertrieb kommen  Menschen zu mir, die bereits an einer E-Mobilitätslösung interessiert sind.

Welche Aufgabenbereiche gehören zu Ihrer täglichen Arbeit?

Wir sind im Businessbereich tätig und haben dementsprechend Kontakt zu Firmenkund:innen. Viele von ihnen verfügen bereits über ihre ersten E-Autos und möchten diese laden können. Wir richten Ladestationen am Standort der Unternehmen ein und übernehmen die komplette Verrechnung; auch über die öffentlichen Ladungen, sodass die Firmen einen möglichst geringen Aufwand haben. Im täglichen Geschäft kommt vieles oft anders als erwartet. Ich erhalte zum Beispiel dringende Anrufe von Kund:innen, die die Tagesplanung auf den Kopf stellen. Das ist aber bei Jobs mit viel persönlichem Kontakt häufig der Fall. Es braucht in unserem Bereich viele Abstimmungen mit den unterschiedlichsten Abteilungen – von der Auftragsabwicklung bis zur juristischen Abteilung, beispielsweise bezüglich Vertragsverhandlungen.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am besten?

Die gesamte Abwicklung und der Kontakt zu Menschen machen mir viel Spaß. Einerseits ist der Aspekt der E-Mobilität nach wie vor in meiner täglichen Arbeit vorhanden, ich bekomme aber auch viel von neuen Entwicklungen mit. Diese Abwechslung sowie das Erfolgsgefühl, mehrere Projekte mit verschiedenen Kund:innen in kurzer Zeit abzuschließen, sind große Motivationsfaktoren. Man glaubt kaum, wie komplex der Bereich E-Mobilität eigentlich ist. Bei Verhandlungen von neuen EU-Vorschriften mit dabei gewesen zu sein, war zum Beispiel auch Teil meines vorherigen Jobs. Es ist wahnsinnig interessant mitzubekommen, wie die Situation in anderen Ländern aussieht und welche die neuesten Entwicklungen sind. Diese Komplexität finde ich sehr spannend.

Wo sehen Sie den größten positiven Einfluss von Diversität in Ihrem Arbeitsumfeld?

Wir sind noch ein relativ kleines Team, dafür aber sehr divers. Es gibt sowohl viele junge als auch viele erfahrene Kolleg:innen. Das schätze ich sehr, weil man dadurch unglaublich viel lernen kann. Die Geschlechterverteilung in unserem Team liegt bei Fifty-Fifty. Aber auch abgesehen davon sind wir alle sehr unterschiedliche Personen, die gut miteinander arbeiten können. Außerhalb des Teams kommt es auf den Bereich an. Ich persönlich habe im Unternehmen mit mindestens genau so vielen Frauen Kontakt, wie mit Männern.

Haben Sie Tipps für Frauen, die eine ähnliche Funktion wie Sie anstreben?

Wichtig ist, dass man für sich selbst evaluiert, wann der Schritt für eine Weiterentwicklung reif ist. Ein Tipp: Wenn man feststellt, dass ein bestimmter Bereich interessanter ist, den Mut haben, sich für andere Positionen zu bewerben, Neues auszuprobieren und sich in neue Themen zu vertiefen. Gute Kontakte sind ebenfalls immens wichtig. Ich habe zum Beispiel erlebt, dass mich Kolleg:innen für Vorträge vorgeschlagen haben; das war gerade am Anfang sehr hilfreich und hat mich in die richtige Richtung gepusht. Und zu guter Letzt: Sich mit Branchenkolleginnen vernetzen. Women in Mobility ist ein gutes Beispiel für ein Netzwerk in der Mobilitätsbranche. Wichtig ist es, die gewonnenen Kontakte dann auch tatsächlich zu nutzen!

Drei Tech-Trends zum Mitreden

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Das neue Jahr startet mit zahlreichen Tech- und Nachhaltigkeit-News. Wir haben drei Trends und Entwicklungen herausgepickt, über die aktuell gesprochen wird.

Talk to me – ChatGPT und Co

Künstliche Intelligenz ist längst in unserem Alltag angekommen. Ein mächtiges Tool liefert das Unternehmen OpenAI mit „ChatGPT“ – vereinfacht gesagt ein Chatbot, der derzeit als Prototyp öffentlich getestet werden kann und weiter trainiert wird. Von Schul-Hausaufgaben über Businesspläne bis hin zu wissenschaftlichen Abhandlungen erstellt das Instrument Texte, die kaum oder gar nicht mehr von menschlichen Werken zu unterscheiden sind. Das Modell wird durch die Verwendung von Algorithmen trainiert, indem es versucht, die Trainingsdaten möglichst genau nachzuahmen. Es ist somit in der Lage, Benutzern zunehmend sinnvolle Antworten auf ihre Fragen zu liefern. Doch nicht nur ChatGPT ist in der Lage, mit Usern zu kommunizieren. Kuki oder Replika bieten sich quasi als virtuelle Freunde an, bei der Arbeit hilft beispielweise Jasper dabei, schneller Texte zu verfassen. Kritiker sehen die Gefahr, dass falsche Antworten in die Welt gelangen oder nicht klar erkannt werden kann, wer die so generierten Botschaften aussendet.

Hier können Sie ChatGPT ausprobieren.

Neues vom Balkon-Kraftwerk

Regenerativen Energien gehört die Zukunft. Auch auf dem eigenen Balkon können kleine Solarkraftwerke Strom erzeugen. Doch für Interessierte ist es gar nicht so einfach, die so generierte Energie tatsächlich zu nutzen und damit Geld zu sparen oder sogar ins Netz einzuspeisen und damit vielleicht noch etwas hinzu zu verdienen. Ein wichtiges Signal sendet zum Jahresbeginn der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik e.V.), eine der größten Technologie-Organisationen Europas. Der VDE vereint Wissenschaft, Standardisierung, Prüfung, Zertifizierung und Anwendungsberatung unter einem Dach, für Verbraucher bietet das VDE Zeichen höchste Sicherheitsstandards. Aus Sicht des Vereins, der u.a. an der Erstellung von Normen für die Industrie arbeitet, ist es Zeit für einfachere Regeln für Balkonkraftwerke. VDE Chef Ansgar Hinz: „Die Grundlage für die elektrische Sicherheit der Anlagen bildet das VDE Vorschriftenwerk. Wir wollen mit den Vorschlägen zur Vereinfachung dazu beitragen, dass sich die Verwendung von Mini-Energieerzeugungsanlagen in der Zukunft flächendeckend durchsetzen kann, ohne dabei Abstriche bei der Sicherheit zu machen.“ Auf europäischer Ebene wurde mit der Regulation for Generators (RFG) eine Bagatellgrenze bis 800 W eingeführt, in Österreich dürfen auf dieser Grundlage die kleinen Stationen schon betrieben werden. Im Rahmen der europäischen Vereinheitlichung schlägt der VDE vor, diese Bagatellgrenze auch in Deutschland zu übernehmen. Somit wären Anlagen bis 800 W aus Sicht der Netzbetreiber nicht mehr als „netzrelevant“ anzusehen. Und auch die Inbetriebnahme per Schuko-Stecker in Eigenregie könnte für diese kleinen Anlagen künftig genehmigt werden.

Technik für die guten Vorsätze

Mehr Bewegung und gesünder leben im neuen Jahr, diesen Vorsatz dürften viele Menschen teilen. Die technischen Voraussetzungen dafür sind inzwischen weit verbreitet. Der Markt für die so genannten Wearables wie Fitness-Tracker oder Smart Watches ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Im deutschen Markt wurden zwischen Januar und Oktober 2022 insgesamt bereits mehr als 5,5 Millionen Wearables verkauft. Das Umsatzvolumen zeigte in diesem Zeitraum eine Steigerung um zwölf Prozent auf mehr als 1,1 Mrd. Euro – und das noch vor dem Weihnachtsgeschäft.

„Mit einem echten Mehrwert für die Konsument:innen, praktisch am Handgelenk, zeigt diese Produktkategorie seit ihrem Marktstart kontinuierliches und starkes Wachstum. Aufgrund dieses Mehrwerts und des ständig größeren Funktionsumfangs gehen wir davon aus, dass sich dieses Wachstum auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird“, erklärt Dr. Sara Warneke, Geschäftsführerin der Branchenorganisation gfu Consumer & Home Electronics GmbH. In Österreich wird laut Statista bis 2026 wird eine Steigerung auf 186 Millionen Euro vorausgesagt. Für Fitness-Apps, die über das Smartphone genutzt werden können, erwarten Expert:innen ebenfalls weiterhin ein rasantes Wachstum.

Mit mehr Fitness im Homeoffice oder im Büro will Hersteller Acer punkten – und wirbt dabei noch mit Nachhaltigkeit: Acer stellte u.a. jüngst auf der CES in Las Vegas ein echtes Hingucker-Kombiprodukt vor. Der Fahrradschreibtisch eKinekt BD 3 (das BD steht für Bike Desk) ist Sportgerät und Arbeitsplatz in einem – zusätzlich erzeugt er eigenen Strom, sobald das Radeln unter dem Tisch beginnt. Bei einem Einsatz von einer Stunde Fahrradfahren und 60 Umdrehung pro Minute werden laut Hersteller 75 Wattstunden produziert – etwa zum Aufladen des Smartphones. Das Gerät kann in einem Arbeits- und einem Sportmodus verwendet werden. Ob es mehr ist als ein Werbegag wird sich ab Mitte des Jahres zeigen, dann ist die Entwicklung in Europa für rund 1000 Euro zu haben.

Software Support Customer Service (m/w/d)

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Software Support Customer Service (m/w/d)
Standort: Leoben
Tätigkeit: Vollzeit, Automatisierungslösungen
Gesellschaft: KNAPP Systemintegration GmbH

Wir bieten intelligente Automatisierungslösungen inklusive Software für die gesamte Wertschöpfungskette: von Produktion über Distribution bis zum Point-of-Sale. Insbesondere aus den Bereichen Gesundheitswesen, Textil und Mode, Handel, E-Commerce und Omnichannel Retail, Lebensmittelhandel und Produktion. Wir leben und lieben Logistik und verstehen uns als Partner der Industrie. Deswegen liefern wir keine Lösungen von der Stange, sondern erarbeiten gemeinsam mit unseren Kunden eine individuelle Automatisierungslösung, die auf deren logistischen Anforderungen und Wachstumsziele abgestimmt ist.

#yourmission

  • Die Behebung von Software- und steuerungstechnischen Problemen an unseren Anlagen im Rahmen eines 2nd Level Supports (nach ITIL Standard) gehört zu deinem Aufgabengebiet
  • Du betreust unsere Kunden weltweit
  • Du analysierst Probleme von bestehenden Prozessen und förderst damit die langfristige Optimierung der Gesamtsysteme
  • Du hast nichts dagegen, zum Know-how Aufbau einmal quer über den Globus zu reisen
  • Du hast kein Problem in Schichten zu arbeiten sowie die Bereitschaften, gelegentlich an Wochenenden zu arbeiten 

#youareknapp

  • Du hast eine abgeschlossene IT-Ausbildung oder bringst Berufserfahrung im Umgang mit Betriebssystemen (Windows, Unix) und/oder Datenbankerfahrung in Oracle und PL/SQL
  • Du bist belastbar und ein Organisationstalent
  • Wenn du über Teamgeist und Eigeninitiative verfügst, bist du bei uns richtig
  • Deutsch und Englisch beherrschst du in Wort und Schrift
  • Kommunikationsstärke, Initiative und Ideenreichtum zählen zu deinen Stärken

#weareknapp

Karrierewege sind individuell: Manche sind geradlinig, andere kurvenreich. Hauptsache du findest deinen Weg und verfolgst ihn mit Leidenschaft. Vielleicht führt dich dein persönlicher Karriereweg ja zu uns. Wir bieten dir fachliche und persönliche Weiterbildungsprogramme sowie die Mitarbeit in einem motivierten Team, in dem die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und die Begeisterung für die Umsetzung von Ideen willkommen sind. Für diese Position gilt ein Mindestgehalt von EUR brutto 2.650,- pro Monat. Wir bieten jedoch eine marktkonforme Bezahlung in Abhängigkeit von deiner Qualifikation und Vorerfahrung.

Du bist interessiert?

Dann besuch die Stellenausschreibung unter https://www.knapp.com/jobs/software-support-customer-service-m-w-d/ und bewirb dich über unser Online-Anmeldeportal. 

Bildung für Mädchen: Eines der nachhaltigsten Investments der Welt

Minerva Nominees: Die Linzer Bankiers-Familie Ettehadieh setzt mit der Two Wings Foundation seit über 25 Jahren auf den Leitgedanken „Mit Ausbildung Zukunft stiften“ und hat damit weltweit bereits tausenden Frauen und Mädchen die Perspektive auf ein besseres Leben geschenkt.

Wir  haben beschlossen, dieses außerordentliche Engagement muss gewürdigt werden und nominieren das weibliche Führungs-Trio von Partner Bank & Two Wings – die Schwestern Jasmin Ettehadieh, Elham Ettehadieh und Sarvenas Enayati – für einen Award in der Minerva Kategorie „Community“. Noch bis einschließlich 15. Jänner können von unserer Community weibliche Role Models und Projekte von und für Frauen eingemeldet werden. Aber zurück zu Two Wings und den Gründen, warum wir das Netzwerk, die Mission und den verfolgten Ansatz dahinter großartig finden.

Bildung für Mädchen macht sich doppelt bezahlt

Gesellschaftlicher Wandel lässt sich nicht erzwingen. Wer tiefgreifende Veränderungen bewirken will, braucht einen sehr langen Atem und eine nachhaltige Strategie. Ausbildungsorientierte Projekte, und hier ganz besonders jene für Frauen, zählen nachweislich zu den effektivsten Formen der internationalen Entwicklungsarbeit. Two Wings engagiert sich seit dem Gründungsjahr 1996 genau in diesem Bereich und hat seither gemeinsam mit internationalen Partnern insgesamt 12 Programme in 15 Ländern realisiert. Aktuell sind Projekte im Kongo, Papua Neuguinea und Kolumbien am Laufen und sorgen dort für maximalen Impact. Denn: Laut einem Bericht des Weltwirtschaftsforums bringt „jeder Dollar, der für die Rechte und Bildung von Mädchen ausgegeben wird, einen Ertrag von 2,8 Dollar – das entspricht einem zusätzlichen BIP in Milliardenhöhe.“

Warum? Weil Mädchen als die Mütter zukünftiger Generationen eine Schlüsselrolle in der sozioökonomischen Entwicklung einer Gesellschaft einnehmen. Sie sind es, die dafür sorgen, dass Armut nicht in den Familien weitergegeben wird. Bildung ermächtigt Mädchen und Frauen nicht nur aktiv am Erwerbsleben teilzunehmen und damit ihre finanzielle Situation zu verbessern, sie beugt Krankheiten vor, bricht verkrustete patriachale Strukturen auf und hilft bei einer bewussten Familienplanung. Ein ganz essentieller Aspekt in den ärmsten Länder der südlichen Hemisphäre.

Frauen als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel

Ein weiteres akutes Argument dafür mit Entwicklungsarbeit genau an diesem Punkt anzusetzen und was sich –  obendrein bemerkt – auch noch perfekt in den Nachhaltigkeits-Schwerpunkt fügt, den wir in diesem ersten Quartal 2023 thematisch setzen möchten: Gemäß der jüngsten Reports von Project Drawdown – einer weltweit agierenden NGO, die sich intensiv mit dem Thema Klimawandel und globalen Lösungsansätzen auseinander setzt – hätte der uneingeschränkte Zugang aller Frauen zu Bildung und Gesundheitsvorsorge eine ähnlich hohe Auswirkung auf die Reduktion von CO2 Emissionen wie die Wiederaufforstung von mehr als 230 (!) Millionen Hektar Regenwald. Das entspricht etwa der 27-fachen Fläche Österreichs.

Was für ein unglaublicher Win-win!

Paragraphinnen: Erste Notarpartnerin in Wien & Niederösterreich

Mag. Marion Andrea Puhr, LL.M. von der Boutiquekanzlei Puhr & Partner ist die erste Notarpartnerin in Wien und Niederösterreich bei den Paragraphinnen. SHEconomy hat bei der jungen Juristin nachgefragt, wie sie durch ihre Mitgliedschaft bei den Paragraphinnen mehr Frauen für den Beruf der Notarin begeistern möchte und welche Rolle Vorbilder auf ihrem Karriereweg gespielt haben.

Was hat Sie dazu bewegt, dass Sie Mitglied für Paragraphinnen werden wollten?

Marion Puhr: Ich finde die Idee eines Frauennetzwerkes wirklich toll. Insbesondere jüngere Berufsanwärterinnen – egal welcher Sparte – haben so die Möglichkeit, sich zu vernetzen, neue interessante Bekanntschaften zu machen und von anderen lernen. Das sind alles Dinge und Erfahrungen, von denen ich selbst nicht profitieren konnte. Daher ist es mir ein Anliegen, junge Juristinnen zu unterstützen und ihnen den ein oder anderen wertvollen Tipp oder Ratschlag zu geben.

Wie wichtig waren für Sie Vorbilder vor und zu Beginn Ihrer Karriere?

Marion Puhr: Ich kann mich noch genau an den Beginn meines Studiums an der Karl-Franzens-Universität in Graz erinnern. Ich saß in einer Strafrechtsvorlesung und war ganz beeindruckt von der Strafrechtsprofessorin, die mit lateinischen Rechtsbegriffen nur so „um sich geworfen“ hat. Ich muss zugeben, dass ich während meines Studiums eigentlich nicht wirklich ein (weibliches) Vorbild hatte. Ich habe mein Studium mit dem Ziel begonnen, eine fleißige und wissbegierige Studentin zu sein. Klar war für mich, dass ich immer einen klassischen Rechtsberuf wählen wollte. Bei einem Blick auf die Homepages der damaligen Wirtschaftskanzleien in Graz, waren Frauen stark in der Unterzahl und nur vereinzelt vorzufinden. Erst am Ende meines Studiums, wo ich mich dann auch für die Absolvierung eines Praktikums interessiert habe, haben mich die wenigen Frauen, die als Anwältin tätig waren und ihren Beruf mit großem Engagement ausgeübt haben, sehr beeindruckt. Ich glaube, diese Anwältinnen waren in gewisser Weise ein Vorbild für mich.

Wenn Sie auf Ihre Ausbildung und Ihren Berufsstart zurückblicken, was würden Sie anders machen, was würden Sie wieder tun?

Marion Puhr: Als ich nach dem Studium in Wien begonnen habe in einer großen Wirtschaftskanzlei zu arbeiten, ist mir sofort aufgefallen, dass die meisten meiner Kolleg:innen bereits ein oder mehrere Praktika in großen Wirtschaftskanzleien absolviert haben. Ich selbst habe in Mindestzeit mein Studium absolviert, nebenbei immer gearbeitet und war damals bereits in den Sommermonaten Rechtshörerin beim Bezirksgericht und habe als juristische Mitarbeiterin bei einem Notar gearbeitet. Rückblickend würde ich jedenfalls auch versuchen, mehr Praktikumserfahrungen in großen Wirtschaftskanzleien zu sammeln. Dies deshalb, da ich der Meinung bin, dass man sich dadurch seine Persönlichkeit weiterentwickelt, über den Tellerrand blickt und sich einfach einen gewissen effizienten Arbeitsstil aneignet, der mir jedenfalls sehr hilfreich ist.

Hatten Sie eine(n) Mentor:in?

Marion Puhr: Ein solches Privileg hatte ich leider nie. Der Weg bis zur eigenen Kanzlei war sehr steinig, die Erfahrungen die ich als Frau in typischen Rechtsberufen gemacht habe, waren teilweise alles andere als „frauenfreundlich“ und ich habe immer das Gefühl gehabt, als müsste ich immer sehr viel mehr leisten und wissen, um Anerkennung zu bekommen.

Welche konkreten Ratschläge geben Sie Juristinnen, die Notarin werden möchten?

Marion Puhr: Mein Tipp ist den eigenen Weg stets zielstrebig und ehrgeizig zu verfolgen, denn am Ende steht schlussendlich die eigene Kanzlei, auch wenn der Weg natürlich sehr, sehr lange ist. Das sollte jedem bewusst sein, der diesen Berufsweg wählt. Für mich war es definitiv die beste Entscheidung und ich bin jeden Tag sehr froh darüber, mein eigener Chef zu sein und Entscheidungen zu treffen, die ich für richtig halte.

Welche Bedeutung haben Frauennetzwerke für Sie?

Marion Puhr: Ich bin bis dato in keinem Frauennetzwerk Mitglied. Ich freue mich, mich mit anderen tollen und inspirierenden Frauen zu vernetzen und auszutauschen.

Haben Sie einen besonderen Tipp für erfolgreiches Netzwerken?

Marion Puhr: Ich finde die beste Möglichkeit zu vernetzen ist das persönliche Gespräch sowie eine gute Mandantenbetreuung. Ich bin weniger ein Fan davon, auf Berufs- oder Karriereplattformen wie etwa LinkedIn permanent zu posten.

Was ist Ihr persönliches Ziel als Mitglied bei Paragraphinnen?

Marion Puhr: Viele junge Juristinnen für den Beruf der Notarin zu begeistern und vielleicht auch jemand kennenzulernen, die gut in unser Team passt, weil sie für den Beruf genauso brennt wie wir und mit einem dementsprechenden Engagement an die Aufgaben herangeht.


Puhr & Partner ist ein Notariat im Herzen von Wiener Neustadt. Mag. Marion A. Puhr, LL.M. führt die Kanzlei gemeinsam mit ihrem Ehemann Mag. Peter Puhr.

Inga Leschek wird Programmgeschäftsführerin bei RTL

Die Österreicherin Inga Leschek leitet ab März den größten deutschen Privatsender RTL.

Für Inga Leschek ist es eine Rückkehr zu RTL Deutschland, wo sie bis Oktober 2021 Geschäftsführerin der Produktionsunternehmen RTL Studios und 99pro media war.

„Nach einer extrem spannenden und lehrreichen Zeit bei Netflix, die ich nicht missen möchte, fühlt es sich nun an, wie nach Hause zu kommen. Ich bin sehr glücklich über die herausfordernde Aufgabe, die linearen und digitalen Inhalte von RTL und RTL+ ausrichten und mitgestalten zu dürfen. Der Verantwortung für etablierte und neue Marken in einem herausfordernden und sich verändernden Markt bin ich mir bewusst; aber ich kann mir nichts Spannenderes vorstellen, als mit diesem starken Team an der Erreichung unserer gemeinsamen Ziele zu arbeiten“, sagt Leschek.

Die 45-Jährige begann ihre Karriere bei ATV und war später in der Unterhaltungsabteilung des ORF tätig. Seit Herbst 2021 war sie Director Unscripted & Docs bei Netflix und für den deutschsprachigen Raum, Zentral- und Osteuropa zuständig.

Inge Leschek ist nach Anke Schäferkordt die zweite Frau an der Spitze des Senders. Stephan Schmitter, Geschäftsführer Programm und Marken von RTL Deutschland: „Inga Leschek ist für uns inhaltlich und strategisch die absolute Wunschbesetzung für diese zentrale Position. Gemeinsam mit unseren Contentteams und Partnern wollen wir die Marktführerschaft für RTL im TV in 14-59 zurückerobern, das starke Wachstum von RTL+ im intensiven Wettbewerb mit den internationalen Plattformen fortschreiben und durch die einheitliche Steuerung der Marke RTL linear und non-linear unsere führende Position als streamender Broadcaster weiter ausbauen.“


RTL Deutschland ist ein deutsches Medienunternehmen mit Hauptsitz in Köln sowie einem Zweitsitz in Hamburg und einem Hauptstadtstudio in Berlin. Es wurde 2007 als Dachgesellschaft für die deutschen Firmen und Sender der RTL Group gegründet.

Vorsätze und ihre Flexibilität

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Nun ist es auch wieder eine gute Woche her, seit ich meinen ersten guten Vorsatz für das neue Jahr gebrochen habe. Er lautete: keine Nachrichten (Krise! Krieg! Katastrophe!) vor dem Aufstehen am Handy lesen.

Stattdessen: Ausschließlich positive Energie und Good Vibes zumindest bis nach dem Frühstück zulassen.

Längst spüren wir alle, dass der Overkill an negativen Einflüssen, der mit dem News-Binge-Watching einhergeht, zunehmend zur Belastung wird. Doch wie schaffen wir es, eine gesunde Distanz aufzubauen ohne die Realität zu verweigern?

Ich habe die Lösung für mich noch nicht gefunden. Der Griff zum Handy und den News-Portalen knapp nach dem Aufwachen ist mehr als ein hartnäckiger Reflex nach vielen Jahren als Journalistin. Es ist auch das halb-bewusste Verlangen immer informiert, immer mitten im Geschehen zu sein.

In den Weihnachtstagen bin ich wie viele andere auf den harmlos klingenden Krimi „Glass Onion“ auf Netflix gestoßen: Murder Mystery im Stile Agatha Christie mit Daniel Craig und Kate Hudson in glamourös-mediterranen Umfeld. Gastgeber ist ein exzentrischer Tech-Milliardär, der sich und sein Umfeld mit obszön zur Schau gestelltem Reichtum beeindrucken will. Der Olymp des modernen Helden ist mit jedem Komfort und Kunstwerken als Statussymbolen ausgestattet. Seine sogenannten Freunde bewundern ihn dafür und wollen auf seiner Erfolgswelle mitsurfen. Am Ende geht es um Verrat und Gier und um den Drang, immer am Puls der Zeit zu sein.

DISRUPTION  – die totale Zerstörung – ist schlussendlich das Schlagwort, das den Zusammenbruch des Kartenhauses herbeiführt.

Doch was kommt dann? Welche Konzepte bringen uns weiter?

Mein neuer Neujahrs-Vorsatz lautet mehr konstruktiven Austausch voranzutreiben. Nicht die Augen vor der Realität zu verschließen, aber ganz bewusst nach den positiven Anreizen zu suchen. Sehr gerne im Austausch mit unserer SHEcommunity auf all unseren Kanälen.

In diesem Sinne, auf bald!


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Alexandra Wittmann ist CFO von Gropyrus

Alexandra Wittmann ist seit 1. Jänner neue Chief Financial Officer von Gropyus.

„Ich freue mich, mit einem tollen Team zur weiteren erfolgreichen Geschäftsentwicklung beizutragen und die wirtschaftlichen Grundlagen für die Innovationsstärke im Bereich Digitalisierung und Produktion des Unternehmens weiter zu optimieren“, so Alexandra Wittmann, neue CFO von Gropyus.

Als neue Finanzvorständin verantwortet die Betriebswirtin die Bereiche Finance und Procurement und greift dabei auf langjährige Erfahrung und internationales Know-how in verschiedenen Finanzführungspositionen marktführender Industrie- und Technologieunternehmen (Hoerbiger Kompressortechnik, Riedel Crystal of America, Colt Technology Services) zurück.

Bei Hoerbiger Kompressortechnik war Wittmann zuletzt Executive Vice President und CFO der Division Compression Technology mit über 2.300 Beschäftigten. Davor arbeitete Wittmann unter anderem als CFO der Colt Technology Services in Wien und Zürich sowie für Riedel Crystal of America in New York. Ihr Studium absolvierte die neue Finanzvorständin an der Wirtschaftsuniversität Wien und schloss eine Ausbildung für Organisationsentwicklung und Führung an der Universität St. Gallen in der Schweiz ab


Über GROPYUS

Die GROPYUS AG steht für nachhaltiges, leistbares und smartes Wohnen für alle. Das PropTech- Unternehmen digitalisiert und transformiert den Wohnungsmarkt und etabliert damit Wohnen als service-orientiertes Produkt („Living as a Service“) am Markt. Damit möchte GROPYUS hochwertigen, ressourcenschonenden und leistbaren Lebensraum mit einem hohen Anspruch an Design, Komfort und Funktionalität schaffen und mit seinen plattform-basierten und voll digitalisierten Gebäuden in Holz- Hybrid-Bauweise einen neuen Standard für nachhaltiges und intelligentes Wohnen setzen. An seinen Standorten in Deutschland, Österreich und Liechtenstein beschäftigt GROPYUS aktuell rund 300 Mitarbeiter:innen.

„Empathie und Kommunikation“

Karriere im Vertrieb: Waltraud Rathgeb, Landesdirektorin UNIQA Salzburg, und Birgit Wastl, Leiterin des UNIQA ExklusivVertriebs, erklären, warum dieser Arbeitsbereich für Frauen weit attraktiver ist, als man auf den ersten Blick meinen möchte.

Obwohl der Versicherungsvertrieb ein spannendes und dynamisches Arbeitsumfeld ist, gilt der Bereich immer noch als Männerdomäne. Warum, denken Sie, ist das so?

Waltraud Rathgeb: Dass Frauen in der Versicherungswirtschaft unterpräsentiert sind, ist historisch gewachsen. Oft wissen Frauen nicht, welche Aufgaben auf sie zukommen. Wir müssen lernen, die sinnstiftende Arbeit im Vertrieb besser zu erklären und das gute Einkommen und die flexible Arbeitszeitgestaltung stärker zu promoten. Da gerade Frauen aufgrund der Kindererziehung sehr häufig in Teilzeit arbeiten, hat UNIQA begonnen, attraktivere Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

Sie sind bei UNIQA die einzige weibliche Landesdirektorin. Spielt das Geschlecht bei Führungsaufgaben in der Versicherungsbranche eine Rolle?

Rathgeb: Aus meiner Sicht spielt das Geschlecht bei Führungsaufgaben überhaupt keine Rolle. Ich denke, dass wir in der Wahrnehmung von Führungsaufgaben stark vom eigenen Lebensweg geprägt sind. Ich gehöre sicher zu den Frauen, die auf empathischer Ebene sehr viel wahrnehmen und dies auch ansprechen. Mit viel und offener Kommunikation versuche ich, eine gute Vertrauensbasis zu schaffen. Bei UNIQA arbeiten in diversen Führungspositionen engagierte und kompetente Frauen, und UNIQA geht klar den Weg, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu schaffen. Ich glaube, dass Frauen oft intensiver hinterfragen, ob sie für den Job geeignet sind. Daher lautet meine Botschaft: Seid mutig und probiert es aus, ihr schafft das!

Diversität in Unternehmen ist derzeit ein großes Thema. Wie wichtig ist sie im Versicherungsvertrieb?

Birgit Wastl: Das allgemeine Bild des „Versicherungsberaters“ ist immer noch sehr männlich besetzt und folgt meiner Meinung nach einer absolut verzerrten Darstellung. Versicherungsvertrieb ist ein spannendes, sehr dynamisches Arbeitsumfeld, befasst sich mit sinnvollen Produkten und gibt die Möglichkeit, sehr selbstständig und flexibel zu agieren. Daher ist es beim Recruiting neuer Mitarbeiter:innen wichtig, die Vorteile im Versicherungsvertrieb nicht nur männlichen Kollegen schmackhaft zu machen, sondern auch Frauen mehr und mehr für uns gewinnen zu können. Die Vielfalt unserer Kund:innen muss sich spiegelbildlich auch in der Vielfalt unseres Vertriebs wiederfinden. Erst mit ausreichender Diversität werden wir unser gesamtes Potenzial am Markt heben und eine kund:innenzentrierte Ausrichtung vollumfassend sicherstellen können.   

Welche Chancen bietet der Versicherungsvertrieb für Frauen? Und welche Eigenschaften sind für eine Karriere in diesem Bereich nötig?

Wastl: Die Stärke von Frauen im Vertrieb liegt vor allem in den Bereichen Empathie und Kommunikation. Denn die Tätigkeit erfordert Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und die Flexibilität, in einem dynamischen Umfeld zu wirken. Eine fokussierte, strukturierte und vor allem pragmatische Arbeitsweise sowie Teamfähigkeit sind hierbei Erfolgsfaktoren.

Moralophobie

Wieso ist „Gutmensch“ eigentlich ein Schimpfwort? Welche Absicht steckt dahinter, wenn Menschen, die sich für andere einsetzen, Gerechtigkeit für die unterschiedlichsten Lebensformen fordern, so verunglimpft werden?

Der Autor Jörg-Uwe Albig geht in seinem Buch „Moralophobie“ diesen Fragen nach. Von Niccolò Machiavelli, Marquis de Sade, Friedrich Nietzsche bis Al Capone und Donald Trump liefert er Beispiele, wie moralische Argumente immer dann in den Schmutz gezogen werden, wenn sich Gesellschaften ethisch weiterentwickeln.

Ziemlich schnell ist dann von „Verbotskultur“ die Rede. Die Angst geht um, es gäbe eine „Diktatur der Moral“. Was soll das sein? Steckt dahinter der Wunsch sich doch bitte weiterhin unmoralisch verhalten zu können? Ein fehlgeleitetes Verständnis von Freiheit? Beispielsweise „Minderheiten zu verunglimpfen, Mitmenschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen oder mit einem bösen Virus anzustecken und, wenn man ihm auch diesen letzten Spass noch nehmen will, mit Fackeln und Trommeln vor dem Fachwerkhaus einer Gesundheitsministerin aufzumarschieren“, wie Albig schreibt.

Vielleicht zeigt diese Reaktion eher an, dass wir auf gutem Wege sind? Unwahrheiten, politische Dilemmata mit wem wir wie unter welchen Bedingungen Handel treiben, diskriminierende Verhaltensweisen, all das wird nun heftig diskutiert. Auf die Dauer bleibt nichts mehr unentdeckt. Für einige mag das recht unangenehm werden.

Auf ein neues Jahr, das uns moralisch weiter stärkt,
mit herzlichem Gruss
Ihre Eva Mueller

Veganuary: Ein veganer Start ins neue Jahr

Neues Jahr, neue Vorsätze. Viele Menschen folgen der Tradition, sich für das neue Jahr gute Angewohnheiten vorzunehmen. Die Initiator:innen der „Veganuary“-Challenge nehmen dies zum Anlass, um Menschen über das Thema Veganismus aufzuklären und zu dem Versuch eines veganen Lebensstils zu animieren.

Vor zehn Jahren fand der erste Veganuary statt: 2014 rief das Ehepaar Jane Land und Matthew Glover in Großbritannien die Aktion (und die gleichnamige Non-Profit-Organisation) ins Leben. Die Challenge: Kein Konsum tierischer Lebensmittel von ersten bis 31. Jänner. Um offiziell mitzumachen, können sich Interessent:innen auf der Veganuary Homepage anmelden, sie erhalten via täglichem Newsletter Unterstützung in Form von Tipps und Rezepten für den Start in einen veganen Monat – oder sogar in ein veganes Leben, denn 28 Prozent der Teilnehmenden ernähren sich auch nach dem Veganuary weiterhin vollständig auf pflanzlicher Basis. 50 Prozent konsumieren zumindest weniger tierische Produkte als zuvor.

Veganuary Co-Founder: Jane Land und Matthew Glover (c): Veganuary

Der vegane Markt verzeichnet einen immer weiter wachsenden Boom. 2022 wurden laut der Organisation weltweit 629.000 Anmeldungen registriert, die Zahl stieg in den letzten Jahren sukzessive. Seit Start der Kampagne registrierten sich beinahe 2,5 Millionen Menschen für eine Teilnahme am Veganuary. Da sich nicht alle Mitmachenden anmelden, kann mit weitaus höheren Teilnehmer:innenzahlen gerechnet werden. Als Gründe für eine Beteiligung werden Tierschutz (bei einer repräsentativen Umfrage als wichtigste Motivation angegeben), Umweltschutz und die Verbesserung der eigenen Gesundheit genannt. Auch Unternehmen springen auf den Veganzug auf: Alleine in Deutschland nahmen 2022 mehr als 426 Unternehmen an der Aktion teil, weltweit wurden mehr als 1.560 neue vegane Produkte und Gerichte in diesem Zusammenhang auf den Markt gebracht.

Veganuary Initiativen im DACH-Raum

Das Schweizer Food-Tech-Startup Planted macht zum Veganuary mit der europaweiten „Check die Zutaten!“-Kampagne auf Inhaltsstoffe pflanzenbasierter Produkte aufmerksam. Ein Argument gegen Veganismus lautet, dass vegane Lebensmittel aus einer Vielzahl unnatürlicher, chemischer Zutaten bestehen würden. Das mag zum Teil stimmen, allerdings gibt es auch Fleischersatzprodukte, die keine ewig lange Zutatenliste benötigen. Planted will mit der Kampagne das Bewusstsein der Verbraucher:innen dafür schärfen, was sie ihrem Körper zuführen, und zeigt dabei analog den Einfluss auf die Umwelt auf. Planteds Produkte bestehen laut eigener Information aus 100 Prozent pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Erbsen, Sonnenblumen, Hafer, Rapsöl, Wasser und Vitamin B12. Im Jänner gibt es Österreich in Kooperation mit der Restaurantkette Vapiano, die bereits Planted-Produkte verwendet, zusätzlich zwei beliebte Gerichte mit dem Hühnerfleischersatzprodukt planted.chicken zu einem Spezialpreis.

An weiteren Initiativen mangelt es nicht: Die Deutsche Bahn nimmt zum ersten Mal am Veganuary teil und erweitert ihr Angebot an veganen Speisen. Mit dabei: vegane Currywurst, Chili sin Carne und veganer Flammkuchen. Auch Supermärkte wie Lidl, Penny, Aldi (in Österreich: Hofer) und Billa nehmen mit einer Erweiterung des veganen Sortiments teil. Ikea serviert in seinen Restaurants anlässlich des Veganuary vegane Schnitzel, außerdem sind pflanzliche Alternativen bei der Einrichtungskette seit Oktober 2022 günstiger als ihre tierischen Pendants.


Im Rahmen des Veganuary möchten wir Ihnen in den kommenden Wochen weitere Unternehmen vorstellen, die sich für einen veganen Lebensstil einsetzen. Stay tuned!

Warum sich Durchhalten lohnt: Ein Gespräch mit Nierenforscherin Dr. Rebecca Herzog

Dr. Rebecca Herzog ist Forscherin im Gebiet der Nierenersatztherapie. Im Dezember wurde sie zum Researcher of the Month der MedUni Wien ernannt. Im Interview mit sheconomy erzählt sie, warum sich Durchhalten in der Forschung lohnt, welche Vorbilder sie geprägt haben und wie ihr Karriereweg aussah.

Frau Dr. Herzog, wie würden Sie einer Person, die nicht in der Forschung tätig ist, erklären, was Sie in ihrer Arbeit tun?

Dr. Rebecca Herzog: In meinem Forschungsgebiet geht es um die Verbesserung der Nierenersatztherapie. Nicht alle Patient:innen, die Nierenleiden haben, können vor dem Erreichen des Nierenversagens eine Transplantation erhalten. Das bedeutet, sie müssen meistens für eine lange Zeit an die Dialyse, das gilt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Die Dialyse hat aber viele Nachteile. Es gibt zwei Arten, wir beschäftigen uns hauptsächlich mit jener, die eine bessere Vereinbarkeit mit dem normalen Leben zulässt, die Bauchfelldialyse. Man kann in die Arbeit gehen, die Universität besuchen und am täglichen Leben teilnehmen. Leider ist das aber nicht unbegrenzt möglich. Wir versuchen, die Dialyseart so zu verbessern, dass Patient:innen sie länger in Anspruch nehmen können und es gleichzeitig zu weniger Komplikationen kommt.

Es gibt für die Bauchfelldialyse also einen bestimmten Zeitraum, danach kann man sie nicht mehr machen?

Die Dauer kommt ganz auf auf die anatomischen und krankheitsbedingten Gegebenheiten des:der Patient:in an. Manche Patient:innen können das nur ein halbes Jahr, andere über zehn Jahre lang machen. Wir versuchen herauszufinden, wer gut dafür geeignet ist. Dadurch, dass wir auch an der Verminderung von Komplikationen arbeiten, haben Patient:innen viel länger Zeit, bevor sie die Hämodialyse, die zweite Dialyseart, machen müssen. Oder aber sie können die Zeit zur Nierentransplantation besser überbrücken.

Wie hat Ihr persönlicher Weg in die Forschung ausgesehen und wieso haben Sie sich genau für diesen Bereich entschieden?

Mein Weg in die Forschung hat schon früh im Studium begonnen. Eigentlich habe ich etwas studiert, das gar nichts mit Forschung zu tun hat, nämlich Biomedizinische Analytik. Diesen Bereich kennt man jüngst durch die Coronapandemie. Die Frauen, es sind nämlich über 75 Prozent Frauen, die diesen Beruf machen, die in einem Routinelabor die Blutproben analysieren oder die PCR-Abstriche machen, das alles zählt zu dieser Branche. Dazu ist eine dreijährige Berufsausbildung nötig, in der man im letzten Jahr eine Forschungsdiplomarbeit schreibt. Im Zuge dessen bin ich in ein Labor gekommen und habe realisiert, dass mich die Forschungsarbeit viel mehr als die Routinearbeit interessiert. Deswegen habe ich mich nach der Diplomarbeit dazu entschieden, nicht in die Routinediagnostik zu gehen, sondern in die Forschung und habe dann eine geteilte Stelle an der Kinderklinik der MedUni Wien und bei der Firma Zytoprotec gefunden. Ich arbeite einerseits an der Universität, bin aber auch Konsulentin und Angestellte bei Zytoprotec, die diese Verbesserungen der Bauchfelldialyse entwickelt. So bin ich in der Forschung gelandet, zunächst in der Forschungsassistenz und schließlich durch ein berufsbegleitendes Masterstudium in Biomedical Sciences und danach dem Doktorat der medizinischen Wissenschaften. Aktuell bin ich Senior-Post-Doc.

Ihr Job klingt sehr abwechslungsreich. Internationale Vorträge, die Lehrtätigkeit an der MedUni Wien und dann noch die Forschung selbst. Was mögen Sie denn am meisten an Ihrem Beruf?

Am allermeisten mag ich tatsächlich die Forschung an sich, das Stehen an der Laborbank. Wenn ich daran keinen Spaß hätte, könnte ich meine Arbeit nicht machen. Aktuell sind auch viele Auswertungen und das Schreiben von Publikationen dabei. Diese beiden Sachen gehören zur Forschung dazu, sie sind die Hauptfaktoren, die ich an meiner Arbeit schätze. In der Forschung ist es nicht so, dass man jeden Tag etwas Neues entdeckt. Im Gegenteil, oft findet man heraus, wie etwas nicht funktioniert. Dann man muss zurückgehen, nachdenken und einen neuen Ansatz finden oder aber das ganze Konzept nochmals überdenken. Vortragende zu sein gehört einfach dazu, das mache ich ebenfalls gerne. Dadurch hat sich auch die Lehre ergeben. Defacto ist das die Studierendenausbildung durch Vorträge und direkte Betreuung, auch das ist Teil einer Universitätskarriere. Ich wollte eigentlich nie Lehrende sein, es war nicht geplant. Jetzt gefällt es mir, Wissen weiterzugeben und ich kann mir gut vorstellen, das weiterzumachen, auch dann, wenn ich es nicht mehr unbedingt muss.

Was war bisher die größte Herausforderung in Ihrer Karriere?

Die größte Herausforderung ist tatsächlich, in der Forschung zu bleiben. Die Situation mit der Forschungsfinanzierung ist keine einfache, sowohl in Österreich als auch international gesehen. Während des Doktoratsstudiums gibt es meistens genügend Finanzierungen, man bewegt sich in einem geschützten Rahmen. Danach kommt allerdings ein Knackpunkt und damit die Herausforderung: Bleibt man in der akademischen Forschung oder nicht? Ich habe mich dafür entschieden, arbeite aber parallel auch im Christian Doppler Labor. Das ist eine Public Private Partnership, also Universitäts- und Grundlagenforschung gepaart mit einem kommerziellen Partner. Dadurch gibt es nicht nur mehr finanzielle Mittel, sondern man ist auch näher an den Patient:innen und der Entwicklungsarbeit dran.

Und was war Ihr schönster Erfolgsmoment?

In einer relativ gut finanzierten Forschung zu bleiben und gleichzeitig nah an den Patient:innen zu sein, ist in Wirklichkeit mein größter bisheriger Erfolg. Dadurch habe ich zum Beispiel auch einen Postdoc Grant erhalten, eine Förderung, die zu meinem ersten eigenen großen Forschungsprojekt im Rahmen des Christian Doppler Labors geführt hat. Gleichzeitig ist das auch die größte Herausforderung: Die Forschung nicht komplett zu verlassen, sondern diese Tätigkeit mit der Industrie, der Biotechbranche, zu vereinbaren. Die Forschungslandschaft ist nicht einfach zu erklären, kein Karriereweg gleicht dem anderen. Es gibt aber viele Ähnlichkeiten. Mein Weg ist eine Mischung aus akademischer Forschung und Industrie. Das finde ich toll, so habe ich das Beste aus beiden Welten. Aber auch die Schwierigkeiten beider Seiten. (lacht)

Sie haben vorhin schon angesprochen, dass in der Biomedizinischen Analytik viele Frauen tätig sind. In der Forschung und Entwicklung allgemein ist der Frauenanteil jedoch sehr gering. Laut einer Erhebung von Statista waren 2020 in Österreich 23,8 Prozent Frauen in diesem Bereich tätig, in Deutschland 22,7 Prozent. Andere EU-Länder schneiden weitaus besser ab, wie zum Beispiel Lettland mit 48,8 Prozent. Wie erleben Sie diesen Umstand in dem internationalen Part Ihrer Arbeit und was können wir Ihrer Meinung nach von anderen Ländern in dieser Hinsicht lernen?

In Österreich ist es tatsächlich so, dass Medizin eines der MINT-Fächer ist, in denen es vergleichsweise viele Studienanfängerinnen gibt. In den restlichen MINT-Studien liegt der Frauenanteil bei maximal 25 Prozent, das ist in der ganzen westlichen Welt so. Das ist nicht nur traurig, sondern auch ein Umstand, den man nicht so belassen kann. Das Problem ist, dass er sich viel zu langsam ändert. Wir haben das Problem der sogenannten Leaky Pipeline: Wir starten zwar in vielen Fächern mittlerweile mit über 50 Prozent Studienanfängerinnen, je höher aber das Qualifikationslevel steigt, umso kleiner wird der Frauenanteil. Das ist kein Motivationsloch, sondern eine kulturelle Geschichte. Was kann man dagegen machen? Das ist eine gute Frage. Es wurde in der Politik schon einiges getan, auch kulturell hat sich in den letzten 30 Jahren viel verändert. Das ist aber noch ganz klar zu wenig. Neue Berechnungen zeigen, dass wenn wir mit all den Verbesserungen, die wir jetzt haben, genauso weitermachen, es noch mindestens 50 Jahre dauert, bis ein 50-50 Anteil herrscht, der die Bevölkerung widerspiegeln würde. Es muss noch viel passieren, beispielsweise in der kulturellen Einstellung und dass die Kinderbetreuung nicht mehr nur als reine Frauensache angesehen wird, denn dadurch werden Frauen am Karriereaufstieg gehindert. Teilzeitarbeit ist möglich, auch in der Forschung, aber es wird zum Problem, wenn das hauptsächlich Frauen betrifft. Wenn man sich zum Beispiel den Frauenanteil bei Neuberufungen zu Universitätsprofessuren ansieht, sind die Zahlen katastrophal. Aber das ist nicht mein Forschungsgebiet, es gibt viele sozioökonomische Studien, die sich im Detail damit beschäftigen. Ich kann nur aus meiner Perspektive berichten, die genannten Umstände sind jene Gründe, die bei Frauen in meinem Umfeld zu einem Stehenbleiben bei einem gewissen Karrierelevel führen.

Role Models sind bei dieser Problematik ein wichtiger Faktor, um aufzuzeigen, wie es eben doch funktionieren kann. Hatten Sie Mentorinnen oder Vorbilder, die Sie während Ihrer Karriere motiviert und begleitet haben?

Ja, der Effekt ist mir aber erst viel später bewusst geworden. Ich hatte viel Glück als ich mich im Rahmen meiner Diplomarbeit für eine wissenschaftliche Stelle beworben habe. Meine direkte Betreuerin war eine Frau, die damals gerade habilitiert hat. Die Institutsleiterin war ebenfalls eine Frau. Meine beiden direkten Ansprechpersonen waren also zwei sehr erfolgreiche Frauen in der Forschung. Zu Beginn war das nichts Besonderes für mich, ich dachte mir nicht viel dabei. Erst als ich den Fachbereich wechselte und anfing, in der akademischen Forschung und der Biotechbranche zu arbeiten, habe ich gemerkt, wie die Realität aussieht. Seitdem sind alle meine Vorgesetzten Männer. Am Anfang habe ich das nicht so stark wahrgenommen, aber dieser Umstand hat sich in den letzten 15 Jahren nicht geändert. Ich weiß nicht, ob ich es für so selbstverständlich gehalten hätte, dass ich das alles auch erreichen kann, wenn nicht meine ersten beiden Betreuerinnen tatsächlich erfolgreiche Frauen in der Forschung gewesen wären.

Sie haben erwähnt, dass man in der Forschung viel Durchhaltevermögen benötigt. Was sind drei Eigenschaften, die man für eine Karriere in der Forschung mitbringen sollte?

Ein naturwissenschaftliches Grundinteresse muss vorhanden sein, zumindest für die Forschung in meinem Bereich. Dass man immer mehr wissen will und neugierig ist, das ist ganz wichtig. Die zweite Eigenschaft ist neben dem Durchhaltevermögen ein gesunder Umgang mit Misserfolg. 95 Prozent der Forschung sind Misserfolg, oder anders gesagt: Das Herausfinden, wie Dinge nicht funktionieren. Das ist schwierig, aber da muss man durchhalten, auch über längere Zeit hinweg. Drittens ist es wichtig, Spaß zu haben und die Forschung nicht nur als reine Arbeit anzusehen. Jede:r Forscher:in weiß, dass Forschung auch eine sehr persönliche Geschichte ist. Man diskutiert auch in der Freizeit darüber. Ich schalte das nicht einfach ab, wenn ich nachhause gehe. Wenn ich etwas Interessantes dazu lese, mache ich das auch außerhalb meiner Arbeitszeit. Niemand zwingt mich dazu, aber ich mache es, weil ich Freude daran habe. Diese Zusatzmotivation ist ein wichtiger Faktor, der sich absolut lohnt. Das Gefühl, etwas positiv zu verändern ist toll. In meinem Fall ist es der Umstand, dazu beigetragen zu haben, dass Patient:innen länger Zeit gegeben wird, um ein besseres Leben zu führen, als sie durch ihre Grunddiagnose haben. Dazu muss man aber durchhalten, denn diese Sachen gehen nicht schnell.

Einfacheres Verfahren, weniger Hürden: Was die Reform der Rot-Weiß-Rot–Karte bringt

Margit Kreuzhuber leitet den Geschäftsbereich WORK in AUSTRIA der österreichischen Standortagentur Austrian Business Agency (ABA). Sie bewirbt Österreich als Arbeitsstandort bei internationalen Fachkräften und unterstützt Unternehmen bei der Suche nach internationalem Fachpersonal. Mit der Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte wurde die Rolle ABA gestärkt. Sie ist nun als Beratungsstelle für alle rechtlichen Fragen zur Rot-Weiß-Rot-Karte, Blauen Karte EU etc. gesetzlich verankert und unterstützt Unternehmen, Fachkräfte und ihre Familienangehörigen im Verfahren.

Frau Kreuzhuber, warum brauchen wir internationale Fachkräfte in Österreich?

MK: Der Fachkräftemangel ist eine Tatsache und internationale Fachkräfte sind wichtig, um offene Positionen zu besetzen. Den volkswirtschaftlichen Effekt hat eine kürzlich präsentierte IHS-Studie belegt. Sie zeigt, dass internationale Fachkräfte mit durchschnittlich 38,7 Mrd. Euro oder rund 10 Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr einen wesentlichen Beitrag zum Wohlstand in Österreich leisten. Betrachtet man die gesamten Beschäftigungseffekte durch internationale Fachkräfte, so lässt sich feststellen, dass internationale Fachkräfte rund 528.000 Jobs in Österreich geschaffen oder gesichert haben. Was mich besonders freut ist, dass der Frauenanteil dabei höher ist, als man vermuten würde: er liegt im Durchschnitt bei 43 Prozent. Und Österreich ist sein attraktiver Arbeitsmarkt für weibliche internationale Fachkräfte.

Warum denken Sie, ist Österreich für Frauen attraktiv?

MK: Uns, die wir hier leben, fällt das vielleicht gar nicht mehr so auf, aber Österreich ist ein sehr sicheres und familienfreundliches Land. Wir haben sehr innovative Unternehmen mit attraktiven Arbeitsbedingungen, ein gut funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem, ein gutes Bildungssystem und die Möglichkeit der Kinderbetreuung und nicht zu vergessen eine sehr hohe Lebensqualität. Das sind für Familien, die sich überlegen, für einen Job umzuziehen, wichtige Kriterien. Zudem sind flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitmodelle in Österreich möglich – natürlich nicht nur für Frauen. 

Wie kann man als Land bzw. als Arbeitgeber gezielt weibliche Fachkräfte anwerben?

MK: Wir sehen im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe, dass vor allem das Gesamtpaket zählt, dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Österreich ist ein attraktives Land, dies zeigt auch eine weltweite Umfrage von BCG:  Österreich zählt bei hochqualifizierten Fachkräften aktuell zu den attraktivsten 10 Zielländern. Damit die Spezialistinnen tatsächlich ins Land kommen, spielen Themen wie Rahmenbedingungen für Familienangehörige, Verfügbarkeit von attraktivem Wohnraum oder ein guter Überblick über die Situation im Zielland eine wichtige Rolle. Wir versuchen hier seitens WORK in AUSTRIA umfassend zu unterstützen und haben beispielsweise mit dem Essential Guide to Living and Working in Austria alle wichtigen Fragen, die sich in Zusammenhang mit einem Umzug nach Österreich stellen können, abgedeckt und beraten auch bei individuellen Anfragen. 

Die Rot-Weiß-Rot-Karte wurde reformiert, seit 1. Oktober ist das Gesetz in Kraft. Ist es nun einfacher, Fachkräfte nach Österreich zu holen?

MK: Die Rot-Weiß-Rot-Karte ist so etwas wie das Eintrittsticket in den österreichischen Arbeitsmarkt und gilt für alle internationalen Fachkräfte aus nicht EU-Ländern, die in Österreich arbeiten möchten. Mit der Reform der Rot-Weiß-Rot – Karte wurde ein wichtiger Schritt gesetzt, um den Fachkräftemangel zu lindern. Wir haben unsere Erfahrungen der letzten Jahre hier auch aktiv eingebracht und freuen uns sehr, dass im Zuge der Reform das Verfahren gestrafft, Hürden abgebaut und Nachweispflichten stärker an die Bedürfnisse der Praxis angepasst wurden. Eine weitere Änderung im Rot-Weiß-Rot–Karten Verfahren betrifft uns selbst. Wir wurden mit der Reform im Gesetz verankert und können so sowohl Fachkräfte als auch Betriebe noch besser unterstützen und enger mit den Behörden und zuständigen Stellen zusammenarbeiten.

Wie kann man sich die Rolle der ABA vorstellen?

MK: Die Abteilung WORK in AUSTRIA innerhalb ABA bringt Unternehmen und Fachkräfte durch ihre Jobbörse zusammen. Gibt es ein Arbeitsplatzangebot für eine Fachkraft, ist bereits eine wichtige Voraussetzung für die Rot-Weiß-Rot-Karte erfüllt. Auf unserer Website bieten wir mit unserem Immigration Guide eine erste maßgeschneiderte Orientierung. Wir empfehlen sowohl Betrieben als auch Fachkräften, sich noch vor der Antragstellung an uns zu wenden, damit wir sie bestmöglich unterstützen können und auch die geeignete Zuwanderungsschiene mit ihnen abstimmen können. Unser Ziel ist, die Anträge so gut vorzubereiten, dass das gesamte Verfahren so rasch und reibungslos wie möglich abgewickelt werden kann. 

Wer kann sich an Sie wenden?

MK: Wir beraten und unterstützen sowohl heimische Unternehmen als auch internationale Fachkräfte bei Rot-Weiß-Rot–Karten Verfahren und zum Thema Leben und Arbeiten in Österreich. Auch bei Fragestellungen zum Steuer- und Gesundheitssystem bis hin zu Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder der Fachkräfte sind wir die richtigen Ansprechpartner:innen. Wir sind ein One-Stop-Shop und können einerseits bei sehr spezifischen Fragenstellungen helfen, haben gleichzeitig aber den Überblick über die Gesamtsituation. So können wir für alle Beteiligten die besten Lösungen finden.


Mehr Informationen zu den Leistungen von WORK in AUSTRIA gibt es hier: www.workinaustria.com 

 

Aus der VOGELperspektive: Was ist das Mögliche?

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Unsere Kolumnistin Melanie Vogel mit einer Inspiration für das neue Jahr: Was ist möglich? Sie ermutigt: Alternativlosigkeit ist ein Mythos, Möglichkeiten entstehen überall.

„Nichts ist unmöglich.” „Das ist unmöglich.” „Du bist unmöglich.” Solche Sätze fallen regelmäßig in unterschiedlichen Kontexten. Doch was ist das Mögliche? Und was heißt „Möglichkeit” überhaupt? Und wieso urteilen wir oft so vorschnell in den Kategorien „möglich“ und „unmöglich“? Mit dieser Frage beschäftigen sich Philosophen seit hunderten von Jahren und man sollte meinen, irgendwann hätten wir den Dreh raus, reflektiert und bewusst das Mögliche zu erkennen. Doch so einfach, wie wir es uns oft machen, ist es – leider – nicht. Fangen wir daher mit der Suche nach dem Möglichen an.

Fragen wir die Suchmaschinen, so klären uns die Suchergebnisse darüber auf, dass das Mögliche, das Ausführbare, das Erreichbare und das zu Verwirklichende ist. Alles, was denkbar, infrage oder in Betracht kommen kann, ist demzufolge möglich. Das Mögliche weist und aber auch auf Alternativen hin – und hier könnten die geneigten Leserinnen ins Stutzen kommen. Alternativen? Haben wir nicht seit vielen Jahrzehnten die Alternativlosigkeit vor Augen gehalten bekommen?

Erst durch Margaret Thatcher, die mit TINA („There is no Alternative“) die Alternativlosigkeit ihrer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik propagierte. Gefolgt einige Jahrzehnte später von Angela Merkel, die sich insbesondere (aber nicht ausschließlich!) in den letzten eineinhalb Jahren ihrer Kanzlerschaft auf Alternativlosigkeit berief und so eine Pandemiepolitik durchzog, die sich immer am Rande des einstmals für unmöglich Gehaltenen bewegte und niemals nach Alternativen suchte oder solche auch nur zuließ.

Auch sprachlich sollten wir es besser wissen, denn wenn wir grammatikalisch das Mögliche konstruieren, so steht uns hier eine Vielfalt an Ausdrucksvarianten zur Verfügung, die uns, unserem Hirn und möglichen Gesprächspartnern das Konjunktivistische deutlich machen können:

  • Wir können uns voluntativ äußern und so das Absichtsvolle in den Mittelpunkt rücken, also das, was gewünscht ist. Heute und/oder in Zukunft.
  • Wir können uns optativ äußern und Optionen zur Wahl stellen.
  • Wir können das Futur nutzen und überlegen, was zukünftig sein könnte.

Auch Immanuel Kant hat sich mit dem Möglichen beschäftigt und bietet uns drei Modalitäten des Seins, die uns die Möglichkeiten vor Augen führen:

  1. Das Wirkliche: Wir nehmen wahr, was das aktuell Gegenwärtige ist und zwar genau jetzt. In sämtlichen Achtsamkeitslehren fokussiert man sich darauf, diesen Daseinszustand zu trainieren, um bewusster zu leben und resilienter zu agieren.
  2. Das Notwendige: Hier fordert uns Kant auf, die Essenz der Dinge zu betrachten und darauf zu schauen, was sein muss bzw. nicht sein kann.
  3. Das Mögliche: Hier legen wir den Fokus auf das potenziell Realisierbare und überlegen, was sein könnte. Und da niemand von uns die Zukunft vorhersagen kann, durchbrechen wir allerspätestens hier die Alternativlosigkeit und wenden uns verschiedenen Zukunftsszenarien zu. Mindestens zwei stehen uns zur Auswahl: Der Worst-Case und ein imaginierter Best-Case. Und wenn wir uns weder für den einen noch den anderen Fall entscheiden können oder möchten, dann wählen wir den Weg der goldenen Mitte – und schon haben wir eine dritte Möglichkeit, die sich offenbart.

Das Mögliche ergibt sich auch, wenn wir lernen, uns auf Möglichkeiten zu fixieren. So kreieren wir uns Wahlmöglichkeiten:

  • Folgen wir unserem freien Willen, können wir eine Handlung ausführen oder nicht. Hieraus ergeben sich schon zwei Handlungsmöglichkeiten.
  • Wenn wir annehmen, dass wir uns permanent in sich ständig verändernden Situationen befinden, unser Leben sich also täglich situativ aufbaut, dann können sich aus den situativen Umständen jeden Tag unterschiedliche Handlungsziele entwickeln. Auch hier kann erneut der freie Wille eingreifen und das Leben anreichern durch Handlungsoptionen, die sich daraus ergeben. Und schon wird das Leben komplex und voller Möglichkeiten…
  • Wir haben zusätzlich Handlungsfreiheit. Hier wählen wir zwischen ja und nein. Und wenn wir uns nicht entscheiden können, bewegen wir uns im vielleicht – und schon stehen wieder drei Optionen zur Verfügung, die uns Möglichkeiten eröffnen.

Unser Denken verläuft nicht einseitig, auch wenn wir oft so tun. Das Denken in Möglichkeiten können wir auf mindestens drei Arten trainieren. Alle drei erlösen uns aus der vermeintlichen Alternativlosigkeit und zeigen uns stattdessen Optionen auf.

  1. Transgenerationales Denken: Was verändert sich, wenn wir über unser eigenes Leben hinausdenken und alles, was wir tun, einmal unter dem Aspekt der Enkeltauglichkeit betrachten? Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir Lebensaspekte erkennen, in denen wir uns anders verhalten können.
  2. Futurizing: Was verändert sich, wenn wir 5 bis 10 Jahre in die Zukunft denken? Welche Zukunft können wir uns vorstellen? Welche finden wir erstrebenswert? Allein ein Blick ins Jahr 2023 könnte schon ausreichen. Wie stellen Sie sich das aktuelle Jahr vor? Welche Veränderung wollen Sie in Ihrem Leben initiieren? Was soll anders werden? Welche Alternativen – welche Möglichkeiten – haben Sie?
  3. Teleologisches Denken: Welcher Zweck Ihres Denkens und Handelns steht im Vordergrund? Und was wäre, wenn Sie den Zweck ändern oder wenn Sie gezwungen werden, den Zweck zu verändern. Erneut öffnet sich der Möglichkeitsraum, denn tatsächlich ist vieles möglich.

Der Philosoph Nicolai Hartmann sagte einmal: „Die Tragik des Menschen ist die des Verhungernden, der an der gedeckten Tafel sitzt und die Hand nicht ausstreckt, weil er nicht sieht, was vor ihm ist. Denn die wirkliche Welt ist unerschöpflich an Fülle, das wirkliche Leben ist wertgetränkt und überströmend, wo wir es fassen, da ist es voller Wunder und Herrlichkeit.“

Nehmen wir uns das zu Herzen und verabschieden die Alternativlosigkeit dahin, wo sie hingehört: In die Welt der Mythen. Das Leben ist ein Potpourri an Möglichkeiten!

Wer Lust hat, über das Mögliche nachzudenken, kann das am 13. Februar 2023 tun. Von 19:00-20:30 Uhr philosophieren wir in der SHERO.community über die Frage „Was ist das Mögliche?“ Ein Tagespass kostet EUR 15,-. Weitere Informationen gibt es hier: https://shero.community/philosophischer-abend/

­Melanie Vogel

Melanie Vogel, seit 1998 passionierte Unternehmerin, ist Brückenbauerin in eine neue Zeit. Analytisch, mit Scharfblick und Herzenswärme betrachtet sie die Welt aus der für sie typischen VogelPerspektive. Das von ihr entwickelte und mehrfach preisgekrönte „Futability®-Konzept” ist ihre Antwort auf VUCA – eine Welt radikaler Veränderungen. Als VUCA-Expertin macht sie Menschen fit für eine Welt dauerhaften Wandels, als WirtschaftsPhilosophin sorgt sie für nachhaltige Perspektivwechsel, als Business-Vordenkerin und Innovation-Coach bietet sie Prozess- und Führungskräftebegleitung an.

Die mehrfache Buchautorin und Lehrbeauftragte der Universität zu Köln war von 2018 bis 2021 Mitglied der Arbeitsgruppe „Hochschulbildung für das digitale Zeitalter im europäischen Kontext”, initiiert vom „Hochschulforum Digitalisierung” der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Die dreifach ausgezeichnete Innovatorin schreibt regelmäßig als Fachautorin für die Publikationen „PersonalEntwickeln” und „Grundlagen der Weiterbildung”.

Julia Guizani ist neue Geschäftsführerin bei Sanofi Österreich

Mit 1. Januar 2023 hat Julia Guizani die Rolle als Country Lead und damit die Führung bei Sanofi in Österreich übernommen.

„Ich freue mich sehr zu Sanofi zurückzukehren und meine Expertise in die österreichische Landesorganisation einzubringen“, sagt Julia Guizani. Die erfahrene Managerin war bereits von 2017-2020 als Unit Head Morbus Pompe und danach als United Head Dermatologie für Sanofi tätig. Julia Guizani startete ihre Karriere mit einem BWL-Diplom und hat im Rahmen ihres MBAs in Ungarn und China studiert. Es folgten mehrere Jahre in unterschiedlichen Marketingpositionen und Indikationen bei verschiedenen Pharmakonzernen weltweit. Zuletzt leitete sie bei AstraZeneca als Business Unit Director die Agenden rund um das Atemwegs- und Immunologie-Portfolio.

Fabrizio Guidi, Country Lead Germany & MCO Lead GSA (Germany, Switzerland, Austria) ergänzt: „Mit Julia gewinnen wir eine sehr geschätzte Kollegin zurück. Ich bin davon überzeugt, dass sie unsere Organisation in Österreich durch ihre mehrjährige Führungserfahrung in verschiedensten Indikationsgebieten und durch strategische Ausrichtung noch weiter nach vorne bringen wird.“

Julia Guizani folgt Wolfgang Kaps, der sich nach fast 20-jähriger Tätigkeit bei Sanofi dazu entschieden hat, das Unternehmen zu verlassen.


Mehr als 15.000 Mitarbeiter:innen erforschen und entwickeln für Sanofi auf drei Kontinenten neue Medikamente und Impfstoffe. Sanofi in Österreich beschäftigt 150 Mitarbeiter:innen und erzielte im Jahr 2021 einen Umsatz von rund 163 Millionen Euro. Weltweit betrug der Umsatz von Sanofi 2021 insgesamt rund 37,76 Milliarden Euro.

Erfolgsmodell Share: Sozialer Konsum für eine bessere Welt

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53.3 Millionen Tage Zugang zu sauberem Trinkwasser, 30.6 Millionen Mahlzeiten, 28.9 Millionen Hygieneprodukte/-leistungen und 3.3 Millionen Unterrichtsstunden – Die bisherige Bilanz der Social Impact Marke Share kann sich sehen lassen. Das Ziel für die Zukunft? 1 Milliarde Spenden bis 2025!

Nicht einmal fünf Jahre ist es her, dass sich mit Iris Braun, Ben Unterkofler, Tobias Reiner und Sebastian Stricker, vier junge Menschen zusammen fanden, die eine gemeinsame Überzeugung verbindet: Menschen wollen Gutes tun. Man müsse es ihnen nur so einfach wie möglich machen im Alltag einen positiven Beitrag leisten zu können. Auf Basis dieses Gedanken entstand 2017 schließlich Share – kein Unternehmen mit Vision, sondern eine Vision mit Unternehmen.

Auf der guten Seite des Konsums

Das Geschäftsmodell basiert auf dem „Buy-One Give-One” Prinzip. Das Konzept dahinter ist so einfach, wie genial: jedes Getränk spendet einen Tag Trinkwasser, jedes Lebensmittelprodukt spendet eine Mahlzeit, jedes Hygieneprodukt spendet Hygieneleistungen und jede Schreibware spendet Schulstunden.

„Wir alle gehen einkaufen, jeden Tag. Wenn wir den Gang zum Supermarkt nutzen können, um etwas Positives zu bewegen, dann ist das ein riesiger Impact. Ein direkteres Modell als „den eigenen Konsum zu teilen“ können wir uns kaum vorstellen.“, sagt Iris Braun.

Sie ist Co-Founderin von Share und leitet mittlerweile das internationale Geschäft des Unternehmens. Die Harvard-Absolventin begann ihre berufliche Karriere bei der Boston Consulting Group, wo sie unter anderem für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen arbeitete. Danach war sie als Wissenschaftlerin an verschiedenen Entwicklungsprojekten beteiligt. Bis ihr Weg schließlich zu Share führte.

Seit dem Start des Labels hat sich einiges getan: Share gelang nicht nur der bisher größte Launch einer sozialen Konsumgütermarke in Deutschland, sondern auch die erste Mineralwasserflasche aus 100% recyceltem Altplastik auf den deutschen Markt zu bringen.

2019 folgte der Einzug in DM-, Billa- und Sutterlüty-Filialen in Österreich. Im selben Jahr wurde Share als B Corporation zertifiziert. 2021, als auch 2022 wurde das Unternehmen in der Kategorie „Best For The World: Community“ von B Lab ausgezeichnet und gehört somit zu den 5% der Unternehmen, die weltweit den größten Nutzen für die Gemeinschaft erbringen.

Heute arbeitet Share, unter anderem, mit dem UNO-Welternährungsprogramm, Aktion gegen den Hunger, Caritas Österreich, der Welthungerhilfe und der Tafel Deutschland zusammen.

Iris Braun, Co-Founderin von Share, darf sich über eine sehr positive Entwicklung ihres Social Impact Start-ups freuen.

Das Sortiment umfasst mittlerweile neben den Startprodukten Mineralwasser, Bio-Nussriegeln und Handseife auch Milchersatzprodukte, Bambus-Zahnbürsten, Reis, Pasta, Duschgel, Shampoo, Schreibwaren, Mützen und Schals und wird laufend erweitert. Dabei zahlen Kund:innen nicht mehr als für normale Markenprodukte. Wie das möglich ist? Was andere für Werbung ausgeben, spendet Share in großen Teilen.

QR-Code gibt Konsument:innen Sicherheit

Transparenz war den Gründer:innen dabei von Anfang an ein wichtiges Anliegen. „Mehr und mehr Unternehmen versprechen beim Kauf ihrer Produkte einen sozialen oder ökologischen Mehrwert. Viele Konsument:innen sind aber immer noch skeptisch und fragen sich, ob der Kauf wirklich so sozial ist, wie das Unternehmen es verspricht“, so Iris Braun. „Wir wollen unseren Konsument:innen Sicherheit bieten und ein gutes Gefühl beim Kauf vermitteln. Für uns ist es daher selbstverständlich, offen darzulegen, welchen Mehrwert wir leisten, denn wir sind uns sicher, dass sozialer Konsum die Welt verbessern kann.”

So ist auch auf jedem einzelnen Produkt ein QR-Code zu finden, der dem:r Käufer:in einfach und schnell zeigt, wo ihre Spende hinkommt.

www.share.eu

Sabine Pfeffer verstärkt das Vorstandsteam der Uniqa

Sabine Pfeffer wechselt mit 1. April 2023 in den Vorstand der Uniqa.

„Mit Sabine Pfeffer haben wir eine erfahrene, dynamische Managerin für das Ressort Kunde & Markt Bank Österreich gewonnen. Sie bringt jene Kompetenzen mit, mit denen unser Anspruch ‚gemeinsam besser leben‘ in all seinen Facetten für unsere Kund:innen genauso wie für unsere Mitarbeiter:innen Realität wird. Mit ihrer Leidenschaft für erstklassige Dienstleistungen und dem erfolgreichen Einsatz innovativer, digitaler Technologien wird Sabine Pfeffer eine Bereicherung des Uniqa Vorstandsteams sein“, freut sich Walter Rothensteiner, Vorsitzender des Uniqa-Aufsichtsrates.

Sabine Pfeffer folgt Klaus Pekarek nach, der nach vielen Jahren im Uniqa-Vorstand den Ruhestand antritt. Die 50-jährige Managerin wird die Leitung des Ressorts Kunde & Markt Österreich übernehmen und damit für die Marke Raiffeisen Versicherung zuständig sein. Sabine Pfeffer ist Diplombetriebswirtin, besitzt einen Master in Legal Studies und hat den  Universitätslehrgang Versicherungswirtschaft an der WU Executive Academy erfolgreich abgeschlossen. Sie kann auf mehr als 20 Jahre Führungserfahrung in der Versicherungsbranche zurückgreifen und hat zuletzt den Verwaltungsbereich Personenversicherung bei der Wiener Städtischen Versicherung geleitet.

Sabine Pfeffer verfügt neben ihrem umfangreichen Versicherungsfachwissen über Expertise im Bereich Human Relations, Prozess- und Projekt-Management sowie Compliance- und Risiko-Management.


Uniqa Goup

Die UNIQA Group ist eine Versicherungsgesellschaft mit den Kernmärkten in Österreich und Zentral- und Osteuropa (CEE). Rund 22.400 Mitarbeiter:innen und exklusive Vertriebspartner:innen betreuen in 18 Ländern knapp 16 Millionen Kund:innen. In Österreich ist UNIQA mit einem Marktanteil von rund 21 Prozent die zweitgrößte Versicherungsgruppe.

„Es wäre an der Zeit, den nächsten, mutigen Schritt zu wagen und das Neujahrskonzert 2025 von einer Frau dirigieren zu lassen.“

Das neue Jahr hat schon einmal gut begonnen. Wie die meisten Österreicher:innen, viele Deutsche und unzählige, andere Erdbewohner:innen habe auch ich den 1. Jänner 2023 vor dem Fernseher verbracht, um das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zu sehen. Die Live-Ausstrahlung wurde in mehr als 90 Länder übertragen und somit von einem Millionenpublikum beklatscht. Und: Zum ersten Mal waren auch Mädchen im berühmten Kinderchor!

Jetzt kann man das natürlich als Fußnote abtun. Ich sehe das keineswegs so. Es war und ist ein wichtiger Schritt, den Wiener Sängerknaben, die in diesem Jahr ihr 525. Jubiläum (!) feiern, ein weibliches Pendant gegenüberzustellen. Wichtig wegen des Bildes und der Botschaft nach außen. Wichtig, weil diese jungen Sängerinnen in jedem Fall Role Models und Ermutigerinnen für andere, begabte Mädchen sind. Immerhin mussten die Wiener Chormädchen, die 2004 als weibliche „Fraktion“ der Sängerknaben gegründet worden waren, 18 Jahre darauf warten, bis sie, an der Seite der Jungs im Matrosenanzug, einen Platz auf der televisionären Weltbühne bekamen.

Nun wäre es an der Zeit, den nächsten mutigen Schritt zu wagen und das Neujahrskonzert 2025 von einer Frau dirigieren zu lassen (2024 übernimmt Christian Thielemann das Dirigat). Kandidatinnen gäbe es; der gute Wille liegt allein bei den Wiener Philharmonikern. Bestimmt würden sie damit für neuen Gesprächsstoff sorgen. Und wahrscheinlich für eine nicht unerhebliche Erweiterung ihrer ­– bereits ohnedies gewaltigen – Fangemeinde.

Es gilt nämlich zu bedenken: Gerade jüngere Generationen wenden sich immer häufiger von Institutionen ab (egal wie legendär und hochkarätig sie sind), wenn diese nicht in glaubwürdiger und konsequenter Form Gleichstellung und Diversität vorleben. Selbst Tradition muss sich daher weiterentwickeln: „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern“, lässt der italienische Schriftsteller Giuseppe Tomasi di Lampedusa einen seiner Helden in „Der Leopard“ sagen. Wie weitblickend.

Mir persönlich ist der Blick nach vorn der grundsätzlich sympathischere (auch wenn ich ihn, wie eben, durch die Brille eines fast 70 Jahre alten Literaturklassikers geworfen habe); ich erspare Ihnen jedenfalls „meinen“ Rückblick auf das Jahr 2022, das viele als fordernd erlebt haben.

Schauen wir doch lieber mit Zuversicht den Veränderungen entgegen; entlocken wir diesen so häufig wie möglich freudvolle Seiten, indem wir sie mitgestalten. Daher wünsche ich Ihnen, trotz unserer schrecklich angespannten Weltlage, viel positive Energie, Durchhaltekraft und einen nicht versiegenden Optimismus!

Ein gutes, gesundes und erfülltes 2023!

Start-up Kuchentratsch: Oma Irmgard backt weiter

Das ehemalige Start-up Kuchentratsch, im Herbst übernommen von einer großen Münchner Traditionsbäckerei, führt Café und Betrieb erfolgreich fort. Senioren backen und verschicken hier ihre selbstgebackenen Kuchen und Torten.

Draußen ist es kalt, hinter den hohen Glasscheiben warten Kaffeeduft und selbstgebackener Kuchen in der großen Vitrine. Der Karottenkuchen von Oma Irmgard ist noch zu haben, er gehört zu den Bestsellern von „Kuchentratsch“. Das einstige Start-up, gegründet von Katharina Mayer, startete 2014 in München mit der Idee, Soziales und Entrepreneurship miteinander zu verbinden. Aus der kleinen Backstube für „Omas und Opas“, die sich u.a. im TV-Format „Die Höhle der Löwen“ präsentierte, entstand ein Betrieb mit 50 Bäcker:innen und ein deutschlandweiter Versand von Backmischungen und selbstgebackenen Kuchen.

Doch im Juli 2022 musste meldete das Unternehmen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht München Insolvenz anmelden. Nach Bangen und Hoffen übernahm schließlich im Herbst die Traditions- und Großbäckerei Höflinger Müller das Start-up und baute die offene Backstube in der Nähe der „Wiesn“ und das dazugehörige Café weiter aus. Auch der Onlinehandel läuft weiter.

Das Konzept scheint sich erfolgreich zu entwickeln. Zwischen Plüschsesseln, Teppich und Standuhr werden Kaffee, Muffins, Torten und Co von Omas, aber auch von jüngerem Personal serviert. Einige Filialen von Höflinger und Müller im Raum München verkaufen ebenfalls die Kuchen der Omas und Opas. „Die Idee hinter Kuchentratsch ist unternehmerisch und sozial. Es ist für mich so viel mehr als nur ein Unternehmen, bei dem Kuchen gebacken werden. Bei Kuchentratsch geht es um Senior:innen, um das generationenübergreifende Miteinander. Ich freue mich sehr, dass diese Vision zusammen mit Höflinger Müller weitergeführt wird“, sagt Gründerin Katharina Mayer.

„Wir können uns auch vorstellen, weitere Standorte und Cafés in Top-Lagen zu eröffnen“, Franz Höflinger, Geschäftsführer der Höflinger Müller GmbH und Sohn einer alteingesessenen Münchner Bäckerfamilie Höflinger. Es gibt viele Veränderungen bei Kuchentratsch. Bäcker:innen wie Oma Irmgard, seit 7 Jahren dabei und Rezeptgeberin des berühmten Karottenkuchens, stehen weiterhin für die gewohnte Qualität und die besondere Atmosphäre im Café.

Sunday Artletter: Neujahrswünsche von Eva Mueller

Zum neuen Jahr wünsche ich Ihnen mit diesem Gedicht des Johann Wolfgang von Goethe das Allerbeste: Gesundheit, Sinn, Freude, Liebe, Erfolg!

„Zwischen dem Alten,
Zwischen dem Neuen
Hier uns zu freuen,
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.

Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.

Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!

Dankt es dem regen,
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut,
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!

Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet, das Neue
Findet uns neu.

So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar;
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.“

Johann Wolfgang von Goethe, aus „Goethe, Gedichte, Ausgabe letzter Hand, 1827; gesellige Lieder“

Mit herzlichen Neujahrsgrüssen
Ihre Eva Mueller

Bier, regional und nachhaltig: ein vielfältiger Genuss 

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Im Bierkulturbericht 2022 wird der bierige Lebenszyklus vom Feld bis zum Genuss verfolgt.

Seit 2009 präsentiert die Kommunikationsabteilung der Brau Union Österreich jährlich eine Bestandsaufnahme der heimischen Bierkultur: den Bierkulturbericht. Ziel ist es, Trends und Entwicklungen im Konsumverhalten zu erkennen sowie die Bierkultur in und für Österreich nachhaltig zu verbessern, um Österreich zum Land mit der besten Bierkultur Europas zu machen. Die regionale Vielfalt und die hohe Qualität der österreichischen Biere sind dabei die Grundpfeiler der heimischen Braukunst.

Bieriger Lebenszyklus

Im November 2022 erschien die 14. Ausgabe des Bierkulturberichtes. Der diesjährige Bericht verfolgt den bierigen Lebenszyklus vom Feld bis zum Genuss und gewährt Einblicke in Verhalten und Prioritäten der österreichischen Biergenießer*innen. Die Leser*innen werden in diesem Bierkulturbericht ein Stück weit auf den Lebensweg eines Bieres mitgenommen, zu Gersten- und Hopfenbauern*bäuerinnen, in die Brauereien, in denen das Handwerk gelebt wird und dank Wissen und Pioniergeist federführende Innovationen beim Produkt, aber ebenso in der Produktion möglich werden. Selten liegen Tradition und Innovationskraft so nahe beisammen – nachhaltige Braukunst hilft, die Welt Schluck für Schluck besser zu machen.

Internationale Auszeichnung

Stolz über die prestigeträchtige Auszeichnung zeigt sich Gabriela Maria Straka, Director Corporate Affairs und ESG Sustainability der Brau Union Österreich
Stolz über die prestigeträchtige Auszeichnung zeigt sich Gabriela Maria Straka, Director Corporate Affairs und ESG Sustainability der Brau Union Österreich

Der A’Design Award & Competition ist der größte internationale Designwettbewerb und eine renommierte Auszeichnung für Produkte und Projekte, die in Design, besonderer Technologie und Kreativität herausragend sind. Der Bierkulturbericht 2020 der Brau Union Österreich hat die Jury überzeugt und trägt den Bronze A’Design Award, eines der renommiertesten internationalen Labels und das Symbol der Exzellenz in Design. Stolz über die prestigeträchtige Auszeichnung zeigt sich Gabriela Maria Straka, Director Corporate Affairs und ESG Sustainability der Brau Union Österreich: „Seit über einem Jahrzehnt präsentieren und prägen wir mit dem Bierkulturbericht das Thema Bierkultur in Österreich in einer zeitgemäßen Form. Neben konstanten Fragen, um Vergleiche ziehen und Trends erkennen zu können, achten wir darauf, immer neue Aspekte einzubringen. So auch im preisgekrönten Bierkulturbericht 2020, der fünf repräsentative Biergenießer*innen-Typen vorgestellt hat, oder in der heurigen Ausgabe, die sich besonders mit Aspekten wie Regionalität und Nachhaltigkeit beschäftigt.“

Alle Bierkulturberichte gibt es online unter www.brauunion.at/bierkultur zum Download.

Recap 2022: Nach dem Frauen-Staatspreis ist vor der Minerva

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Ein herausforderndes Jahr neigt sich dem Ende zu. Grund genug, kurz innezuhalten und nochmals an die vielen außergewöhnlichen, klugen und engagierten Frauen zu denken, über die wir hier bereits berichten durften. Inklusive Ausblick, was die eine oder andere unter ihnen 2023 erwartet.

Sheconomy wurde 2018 mit der Intention gegründet, weiblichen Role Models eine mediale Bühne zu geben und damit andere Frauen zu ermutigen, es ihnen gleich zu tun. Weibliche Identifikationsfiguren in Wirtschaft und Gesellschaft aufzuspüren, ist quasi Teil unserer publizistischen DNA.

Frauen-Staatspreis ging an #sheconomistas

Und: Wenn Mitstreiter:innen aus dem erweiterten Sheconomy Orbit auch von offizieller Seite her gewürdigt werden, ist die Freude groß. So geschehen beim Österreichischen Staatspreis für Frauen, der knapp vor Weihnachten im Bundeskanzleramt vergeben wurde.

Lisa-Marie Fassl – Female Founders

 

In der Kategorie Wirtschaft gewann Lisa-Marie Fassl von den Female Founders. Wir finden: Well deserved und höchste Zeit für diese Anerkennung. Zusammen mit ihrer Co-Founderin Nina Wöss war Lisa bei uns schon 2021 für eine Minerva nominiert. Damals hat es knapp nicht geklappt. Mal sehen, was der zweite Durchlauf bringt. Außerdem fiebern wir in der Redaktion schon dem nächsten – hoffentlich erneut gemeinsamen – Shepreneurship Schwerpunkt entgegen. Ganz nach dem Motto: Never change a winning team!

Sophie Rendl – Frauendomäne

Auch mit der Staatspreis-Gewinnerin in der Kategorie „Gesellschaft, Bildung und Arbeitswelt“, Sophie Rendl, verbindet uns ein längere Geschichte. Wir haben über ihre, gemeinsam mit Hannah Zach ins Leben gerufene, Expertinnen-Plattform namens Frauendomäne 2019 erstmals berichtet. Seit 2021 ist die smarte Plattform auch mit einem eigenen Eintrag in unserem großen Frauennetzwerk-Verzeichnis vertreten. Und als „Netzwerk der Woche“ haben wir die Frauendatenbank auch schon einmal vorgestellt.

Warum? Weil wir die Idee und das Angebot einfach großartig finden! Immer wenn uns ein Thema redaktionsintern besonderes Kopfzerbrechen bereitet und wir auf der Suche nach einer qualifizierten Ansprechpartnerin sind, dann ist die Frauendomäne eine der ersten Anlaufstellen im Netz. Tausend Dank dafür. Und eine Nominierung für eine unserer Gold-Statuetten ist dem Team 2023 bereits sicher.

Gerlinde Macho – MP2 Digital Solutions

Die dritte im Bunde, Gerlinde Macho, Siegerin des Staatspreises für Frauen in der Kategorie MINT war im Herbst 2022 eine von über 40 Speakerinnen bei unseren Shetech Online Days Sie hat unseren Teilnehmer:innen, wertvolle Einblicke in die Arbeitsrealität in der IT-Branche gegeben. Auch in diesem Fall: Herzliche Gratulation und wir sind gespannt, was uns das neue Jahr an gemeinsamen Projekten bringt.

Nach dem Frauen-Staatspreis ist vor der Minerva

Wie der Titel dieses kurzen Recaps bereits angedeutet hat, stehen bei uns in den kommenden Wochen alle Zeichen auf Minerva!

Die zweite Ausgabe unseres verlagseigenen Frauen-Awards, bei dem wir die Vordenker- und Gestalterinnen unter uns erneut mit einem großen Tusch inklusive TV-Übertragung und Gala-Abend feiern werden, findet dieses Mal Ende März statt.

Ehre wem Ehre gebührt

Wer am 26.03. im Radiokulturhaus bei der Show mit dabei sein wird, entscheidet unsere Community. Deshalb bitten wir alle auf diesem Weg nochmals bis spätestens 15. Jänner fleißig die persönlichen Favoritinnen hier anzumelden. Das funktioniert ganz einfach via Formular und nimmt nicht mal zwei Minuten in Anspruch.

Danke fürs Mitwirken und frohes neues Jahr.

„Ein Vogel kann nur dann Fliegen, wenn beide Flügel gleich stark entwickelt sind.“

Partner Bank & Two Wings – zwei Unternehmen, ein gemeinsamer Kern: Der Wille, einen Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft zu leisten. Im Interview mit SHEconomy gewährt das weibliche Führungstrio wertvolle Einblicke in Geschichte, Mission und Zukunft ihrer beiden Familienunternehmen.

Wie sah Ihr Weg in die Finanzbranche aus? Wie sind Sie zu dem gekommen, was Sie heute tun?

Sarvenas Enayati: Ich habe den klassischen Weg eingeschlagen und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln studiert. Schlussendlich habe ich dann aber in Soziologie promoviert, weil ich gerne mit Menschen zu tun habe und mich der Zusammenhang von sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung schon immer fasziniert hat. Nach dem Studium habe ich in einigen Unternehmen Arbeitserfahrung gesammelt, bis ich dann ins Family Business eingestiegen bin – eine Arbeit, die mir große Freude macht. 

Elham Ettehadieh: Ich habe Wirtschaftswissenschaften an der Johannes-Kepler-Universität in Linz studiert und war dann zwei Jahre im Ausland. Ein Jahr in London und anschließend ein internationales Studium, das mich nach Taiwan und Kanada geführt hat. 2006 bin ich dann zur Partner Bank gekommen. Anschließend war ich mehrere Jahre in verschiedenen Abteilungen der Bank tätig. Und seit 2013 bin ich im Vorstand. 

Wie sieht das bei Ihnen so aus, Frau Ettehadieh? 

Jasmin Ettehadieh: Ich bin seit ungefähr fünf Jahren im Vorstand der Two Wings Stiftung. Das mache ich ehrenamtlich. Beruflich bin ich in der Geschäftsführung unseres Familien-IT-Unternehmens. Mein Werdegang sah so aus: Ich habe damals in Wien Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert und dann in London meinen Master in Science, Technology and Society gemacht. Also Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft, das gibt es jetzt seit Kurzem auch in Österreich an der Universität. Neben dem Studium am University College London habe ich sehr viel ehrenamtlich im Jugendbereich gearbeitet. Die Liebe für diese Arbeit ist mir bis heute geblieben. 

Die Partner Bank und Two Wings arbeiten sehr eng mit- und beieinander. Wie genau kann man sich das vorstellen?

Jasmin Ettehadieh: Einige wenige Jahre nach der Gründung der Partner Bank wurde auch die Two Wings Stiftung gegründet. Wenn man so möchte, dann kann man die beiden Organisationen als Schwestern sehen, so wie uns. Der Grundgedanke beider Unternehmen ist der Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung in der Gesellschaft.

Sarvenas Enayati: Was mich immer besonders bewegt, ist, dass der Name Two Wings sich davon ableitet, dass auch ein Vogel nur dann fliegen kann, wenn beide Flügel gleich stark entwickelt sind. In dem Fall stehen die Flügel für Männer und Frauen oder aber für materiellen und sozialen Fortschritt. Wir glauben, dass Fortschritt in der Gesellschaft nur dann möglich ist, wenn beide Aspekte Hand in Hand gehen und der Fortschritt dann auch allen zugutekommen soll. Wir versuchen, gemeinsam mit vielen anderen Menschen, die Schere zwischen Arm und Reich nicht größer werden zu lassen. Und wir sind davon überzeugt, dass Bildung das wesentliche Instrument ist, um das Potenzial eines Menschen nachhaltig freizusetzen. Denn wir haben alle so viel Potenzial, dass durch Bildungsmöglichkeiten zum Vorschein kommen kann. Und dieses genutzte Potenzial, diese Talente, die kommen nicht nur dem oder der Einzelnen zugute, sondern auch der Gesellschaft. 

Was mich immer besonders bewegt, ist, dass der Name Two Wings sich davon ableitet, dass ein Vogel auch nur dann fliegen kann, wenn beide Flügel gleich stark entwickelt sind. In dem Fall stehen die Flügel für Männer und Frauen oder aber für materiellen und sozialen Fortschritt.

Was können Sie uns über Ihre aktuellen Projekte erzählen? 

Jasmin Ettehadieh: Wir haben einen Langzeit-Partner in Kolumbien, FUNDAEC heißt die Organisation. Die haben wunderbare Ausbildungsprojekte für Jugendliche, auch in den ländlichen Gebieten Kolumbiens, denn dort wurde die Ernährungssicherheit durch die Pandemie besonders geschwächt. Vor diesem Hintergrund sind dann Projekte zustande gekommen, die das Ziel haben, Menschen dabei zu helfen, ihre eigenen Nahrungsmittel anzubauen, um diese dann auch zu vermarkten und verkaufen und somit ihre eigene Ernährungssicherheit gewährleisten zu können. 2020 und 2021 konnten 2.000 Menschen an diesem Projekt teilnehmen. Dabei geht es nicht nur um den Anbau von Nahrungsmitteln, sondern auch um den Zusammenhalt in der Gemeinschaft und die Weitergabe von Wissen. Es sollen Tutor:innen und Koordinator:innen trainiert werden, die wiederum andere trainieren, damit das Wissen weitergetragen wird. Das bedeutet auch,  dass sie Frauen und Mädchen, eben alle, inkludieren. Egal, welchen Hintergrund man hat, die Menschen kommen zusammen und arbeiten gemeinsam an dem Fortschritt in ihrem Umfeld. Das sind alles Initiativen, die wir nicht allein unterstützen, sondern mitunterstützen. Und je mehr Spendeneinnahmen wir haben, desto mehr können wir hier beitragen. 

Sarvenas Enayati: Anlässlich unseres 30-Jährigen Jubiläums, das wir dieses Jahr feiern, haben wir mit Two Wings gemeinsam Finanzbildungs-Workshops in Österreich angeboten. Das Augenmerk liegt darauf, Frauen die Möglichkeit zu geben, mit uns über mehrere Stunden in die Welt der Finanzen einzutauchen. Sie sollen aufgezeigt bekommen, welche Möglichkeiten sie haben, um vorzusorgen und was sie dabei beachten sollten. All das, was sie wissen sollten, um dann qualifiziertere Entscheidungen treffen zu können.  

Sie haben es bereits angesprochen, die Partner Bank wurde 1992 gegründet, also vor mittlerweile 30 Jahren. Was hat sich seit den Anfängen getan und wohin soll es sich in Zukunft weiterentwickeln? 

Elham Ettehadieh: Die Partner Bank wurde 1992 mit dem Willen gegründet, einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft zu leisten. Damals hat man sich dafür entschieden, dass der Weg zur Förderung des Wohlstands der breiteren Masse jener ist, Menschen den Zugang zu einer fundierten Finanzberatung, aber auch zu Investment-Möglichkeiten von Topqualität, zu geben. Und da haben wir uns dann auch Fragen gestellt: Wie sollte man investieren? Was macht eine Person, die, sagen wir, eine Million zum Investieren hat? Was für Möglichkeiten hat er oder sie? Und daraus folgend: Warum sollte diese Möglichkeiten eigentlich nicht jeder bekommen? Und diesen Ansatz hat man über Jahrzehnte immer wieder weiterentwickelt. 

Die klassischen Formen des Sparens und Vorsorgens geben mittlerweile oft nicht mehr das zurück, was man sich erwarten würde. Was sind Ihrer Meinung nach im Moment spannende Möglichkeiten, die Kund:innen bei Ihnen haben? 

Elham Ettehadieh: Was sehr beliebt ist und auch viel Sinn macht, das ist ein Gold-Sparplan. Physisches Gold ist bereits seit Jahrtausenden ein Inflationsschutz, vor allem auf lange Sicht gesehen. Man kann schon ab 50 Euro im Monat Gold kaufen, das dann die Bank für einen aufbewahrt. Wenn ich mir den kurzfristigen Verlauf ansehe, sechs Monate, ein Jahr, dann stehen natürlich die Schwankungen im Vordergrund. Es kann raufgehen, es kann runtergehen, 10 Prozent da, 10 Prozent dort. Aber auf lange Sicht sind es tatsächlich solche Pläne, die den Wert meiner Investitionen sichern. Dasselbe gilt für Investitionen in Unternehmen. Die Erfahrungen, die wir die letzten Jahrzehnte gemacht haben, zeigen, wie wichtig es ist, direkt in Unternehmen zu investieren. Alles, was sich auch nur ein bisschen vom Direct Investment entfernt, ist in der Regel entweder teurer oder birgt aufgrund von Intransparenz Risiken, die man so vielleicht gar nicht vermuten würde. Deswegen raten wir unseren Kund:innen, direkt in Unternehmen zu investieren. Bei uns ist es so, dass wir Portfolios von 20 bis 30 Unternehmen haben, die entweder durch einen Sparplan oder durch Einzel-Erläge, bespart werden können. So baut man sich langsam Unternehmensbeteiligungen auf. Wichtig ist es, dass das schön aufgeteilt wird, damit man auch das Risiko streut. Denn egal wie super ein Investment ist, die Realität ist: Zu 100 Prozent wird man es nie wissen.

Sarvenas Enayati: Ich habe selbst drei Kinder und da macht man sich natürlich viele Gedanken zum Thema Vorsorgen. Wenn man möchte, dass es für alle einen gewissen Wohlstand gibt und alle ein würdevolles Leben führen können, dann bedarf es nun mal an Reserven. Unabhängig davon, für welchen Weg man sich konkret entscheidet, am Anfang steht immer die Finanzbildung. Es wird mittlerweile viel mehr Fokus darauf gelegt und es ist wichtig, dass junge Menschen das frühzeitig lernen. Immerhin braucht man gewisse Reserven, um investieren und Schwankungen durchtauchen zu können. Wohlstand ist nicht das endgültige Ziel, sondern immer ein Mittel zum Zweck: Damit man eine gute Ausbildung machen kann, damit man seinen Eltern oder sich selbst eine gute Pflege im Alter ermöglichen kann, damit man vielleicht ein Eigenheim haben kann. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass es vordergründig nicht um die Anhäufung des Wohlstands geht, sondern darum, dass man sozialen Zusammenhalt mit dem Wohlstand ermöglicht. Man sieht ja auch in Gesellschaften, wo die Kluft zwischen Arm und Reich besonders groß ist, dass das viele negative Folgen nach sich zieht und den sozialen Frieden gefährdet. Es ist ganz wichtig, dass alle genug haben, um ein würdevolles Leben führen zu können. Nur so kann man diesen sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft auch gewährleisten.

Jasmin Ettehadieh: Wir reden natürlich auch untereinander oft über Finanzbildung. Einerseits braucht es diese natürlich, dass man überhaupt mal versteht, wie man sein Geld veranlagt. Andererseits ist der Aspekt, den Sarvenas vorhin erwähnt hat, genauso wichtig. Nämlich darüber nachzudenken, was Wohlstand eigentlich für einen bedeutet. Wohlstand ist nicht nur mit Geld zu messen. Wohlstand sind auch deine Beziehungen, deine Familie, deine Ausbildung, die natürlichen Ressourcen unserer Erde. Zum Wohlstand gehört einfach viel mehr als nur das Geld und es ist wichtig, dass man das nicht zu eng sieht mit dem Wohlstand, aber Geld haben und Geld veranlagen sind natürlich dennoch ein Teil davon. 

Für lange Zeit galt der Mann als das Oberhaupt der Familie. Er brachte das Geld herein und sorgte vor. Frauen hingegen wurde der Zugang zur Vorsorge erschwert oder gar verwehrt. Das ändert sich zum Glück. Woran liegt es, dass es für Frauen oft nach wie vor schwieriger ist als für viele Männer? 

Elham Ettehadieh: In unseren Workshops hat man an den Gesprächen und Diskussionen, die geführt wurden, schnell gemerkt: Frauen sind wiff und reflektiert. Es fehlt nicht am Können, es fehlt an Sicherheit. Frauen haben die Vorurteile, die ihnen die Gesellschaft mitgegeben hat, einfach noch in den Knochen sitzen und dadurch glauben sie auch von sich selbst, dass sie weniger gut darin sind, finanzielle Entscheidungen zu treffen, was nicht stimmt. Es ist wichtig, den Raum und das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man sehr wohl diese Fähigkeiten besitzt. Außerdem sieht es in der Realität natürlich so aus, dass Frauen, strukturell gesehen, besonderen Herausforderungen ausgesetzt sind. Zum Beispiel sind viele in Teilzeit, weil die Verantwortung für die Kinder nach wie vor hauptsächlich ihnen zukommt. Das hat dann Auswirkungen auf das Einkommen, aber auch auf die Pensionsjahre und -höhe. Deswegen ist es bei uns im Vorstand der Bank auch ein großes Thema, wie wir die Strukturen und den Raum schaffen können, die Frauen und ihren Fähigkeiten es ermöglicht, diese verschiedenen Lebensbereiche in Einklang zu bringen. Dann ist es ihnen auch möglich, in all diesen Bereichen so viel Einsatz zu bringen, wie sie sich das wünschen würden. 

FRAUEN HABEN DIE VORURTEILE, DIE IHNEN DIE GESELLSCHAFT MITGEGEBEN HAT, EINFACH NOCH IN DEN KNOCHEN SITZEN UND DADURCH GLAUBEN SIE DANN AUCH VON SICH SELBST, DASS SIE WENIGER GUT DARIN SIND FINANZIELLE ENTSCHEIDUNGEN ZU TREFFEN, WAS NICHT STIMMT.

Sarvenas Enayati: Zum Beispiel durch das hybride Arbeiten, das sich durch die Pandemie etabliert hat, ist es Frauen jetzt auch eher möglich, Ihre verschiedenen Lebensbereiche zu vereinbaren. Zum Beispiel kann man durch eine Videokonferenz an einer wichtigen Sitzung teilnehmen und gleich im Anschluss an der Aufführung des Kindes teilnehmen, was früher oft durch das Pendeln nicht möglich war. Und das finde ich wirklich schön, dass es jetzt für viele Menschen die Möglichkeit schafft, die verschiedensten Lebensbereiche besser miteinander zu vereinen und ein kohärentes Leben führen zu können.

Sie sind alle drei in leitenden Positionen. Das ist etwas, was man im DACH-Raum, besonders im Finanz- oder Technikbereich, nicht sehr oft sieht. Wie schafft man es, mehr Frauen in leitende Positionen zu holen? Was müsste sich da gesellschaftlich und politisch noch ändern?

Elham Ettehadieh: Es braucht Vorbilder. Zum Beispiel unsere Mutter, eine gelernte Architektin, die dann auch in der Entwicklungsarbeit tätig war und als Consultant nach Indien gereist ist und dort Entwicklungsprojekte beraten hat oder im NGO-Bereich der UNO Funktionen innehatte. Das hat uns als Schwestern sehr geprägt und inspiriert, denn wir haben gesehen, wie sie sich sowohl um die Familie kümmert als auch Beiträge für die Gesellschaft leistet. Es ist wichtig, dass es Vorbilder gibt, die zeigen, wie und was möglich ist.

Jasmin Ettehadieh: Ein weiterer Punkt sind auch Mentoren, die mehr Erfahrung haben und einen engmaschig mitbegleiten können. Man braucht auf jeden Fall Menschen in Führungspositionen, mit denen man sich offen austauschen und von denen man lernen kann und die das Selbstbewusstsein stärken. Vor allem für Frauen ist es wichtig, dass ihr Selbstbewusstsein immer wieder gefördert wird und sie lernen, sich Führungspositionen auch zuzutrauen.

Sarvenas Enayati: Ich habe das große Glück, dass ich, abgesehen von großartigen Schwestern, auch ein Netzwerk an wirklich tollen Freundinnen habe und wir uns regelmäßig austauschen. Und wenn man in so einem Umfeld eingebettet ist, wo man zusammenarbeitet, sich füreinander freut, auch Möglichkeiten für den jeweils anderen sieht und auch mal sagt „Trau dich doch, dich da zu bewerben!“, dann macht das wahnsinnig viel aus. Wenn der Zusammenhalt unter den Frauen da ist, dann kann man füreinander auch wirklich viel bewegen.

WENN DER ZUSAMMENHALT UNTER DEN FRAUEN DA IST, DANN KANN MAN FÜREINANDER AUCH WIRKLICH VIEL BEWEGEN.

Jasmin Ettehadieh: Außerdem sollten Frauen, die in Führungspositionen sind, besonders darauf achten, dass sie ihre Mitarbeiterinnen bewusst ermutigen, wenn sie sich vielleicht einmal über eine Aufgabe nicht hinaus trauen und ihnen auch vermitteln, dass man Fehler machen darf. Und man natürlich auch darauf schaut, wenn Frauen Kinder bekommen. Denn man kann ihnen durch gute Planung und einer gewissen Flexibilität, sehr wohl auch die Möglichkeit bieten, weiterzuarbeiten. Man kann, wenn man will. Dass die Mitarbeiter:innen das Wertvollste im Unternehmen sind, ist nicht nur ein Satz, sondern es ist wirklich so und da kann man wirklich auch Maßnahmen setzen, die sie unterstützen.

Elham Ettehadieh: Und wenn die Männer in den höchsten Funktionen eines Unternehmens, das Ganze auch verinnerlichen und das wirklich aus Überzeugung vorleben, dann schafft das ein Umfeld, wo alle anderen nachziehen.

Sarvenas Enayati: Ich glaube, dass dieser Diversity Gedanke generell unheimlich bereichernd ist. Nicht nur in Bezug auf Männer und Frauen, sondern auch, wenn es um Nationalitäten und Religionen geht. Und ich glaube, dass in so einem Umfeld sich viel Potenzial freisetzen und entfalten kann. Man ist immer stärker zusammen und die meisten Menschen, die erfolgreich sind, haben immer auch ein ganz starkes Team. Das ist dann nicht nur eine Einzelleistung. 


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Stimmen gegen Gewalt an Frauen: Eine Umfrage in 5 Ländern

Weihnachten ist als das Fest der Liebe bekannt und wird von rund 24 Millionen Menschen weltweit gefeiert. Nicht in allen Häusern geht es zu dieser Zeit jedoch besinnlich zu. Studien zeigen, dass gerade über die Weihnachts- und Silvesterfeiertage das Konfliktpotential und damit die Gewalt gegen Frauen zunimmt. Eine Stimmungsumfrage in verschiedenen EU-Ländern.

Stress, durchgehendes Beisammensein auf engem Raum und ein erhöhter Alkoholkonsum werden als Gründe für dieses erhöhte Streitpotential genannt. Betroffene von häuslicher Gewalt können in Österreich auch während den Feiertagen und darüber hinaus über den stillen Notruf, der via der App DEC112 („Digital Emergency Call“) abgesetzt wird, Hilfe anfordern. Gerade in Situationen akuter Gefahr, in denen ein Anruf oder eine Nachricht nicht möglich ist, kann mit dem stillen Notruf die Polizei lautlos gerufen werden, daraufhin kann die Leitstelle ein Streife zu Standort der Person, die den Notruf absetzt, vorbeischicken. Seit März 2022 gibt es diese Maßnahme, sie ist Teil des Gewaltschutzpaketes der österreichischen Bundesregierung und soll Frauen vor physischer Gewalt im Privatraum schützen. Auch die Frauenhelpline 0800/222 555 steht Frauen aus ganz Österreich kostenlos und anonym rund um die Uhr zur Verfügung.

Jede dritte Frau kennt Gewalt

Aber auch außerhalb der Feiertage ist Gewalt gegen Frauen kein seltenes Thema in unserer Gesellschaft. In Österreich ist laut einer Erhebung der Statistik Austria aus dem Jahr 2021 jede dritte Frau ab dem Alter von 15 Jahren von körperlicher und/oder sexueller Gewalt innerhalb oder außerhalb intimer Beziehungen betroffen. In Deutschland bewegen sich die Zahlen in einem ähnlichen Rahmen – laut dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ist jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt geworden, dabei werden besonders bei Konflikten in Partnerschaften in erster Linien Frauen zum Opfer häuslicher Gewalt. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein, die Scham sowie die Angst vor weiteren Gewaltausbrüchen und davor, nicht ernstgenommen zu werden, ist hoch. Die Zahl der Femizide in Österreich ist in den letzten Jahren stark gestiegen: 2022 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik mutmaßlich bereits 28 Frauen ermordet (Stand 14.12.2022), 2021 waren es 31. Einen traurigen Rekord gab es 2018 mit 41 Femiziden. Die Zahl ist in den letzten Jahren, zwar mit Schwankungen aber doch unübersehbar, gestiegen – 2014 waren es noch 19 Frauenmorde. Weltweit wurden 2021 circa 45.000 Frauen durch Partner oder Familienmitglieder ermordet, so ein Bericht der UN Women Organisation, die auch die „Orange The World“ Kampagne ins Leben rief. Der 25te Tag jedes Monats, die sogenannten „Orange Days“, werden als Tage für die Sensibilisierung und für Maßnahmen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen ausgerufen. Gewalt gegen Frauen kann neben dem physischen Aspekt, der wohl zu den grausamsten Ausformungen zählt, auch psychischer Natur sein. Dazu zählen unter anderem Bedrohungen, Abwertungen, Demütigungen, Einschüchterungen und Beschimpfungen. Auch die Cybergewalt, bei der Frauen kontrolliert und gestalkt werden, nimmt zu.

Stimmen gegen Gewalt – Stimmungsbild aus Europa

Die weltweit umfassendste Umfrage über die Gewalterfahrung von Frauen wurde von der FRA (European Union Agency for Fundamental Rights, deutsch: Agentur der Europäischen Union für Grundrechte) durchgeführt. Die repräsentative Erhebung wurde 2012 umgesetzt und basiert auf der persönlichen Befragung von 42.000 Frauen in der EU. Angelehnt an die Fragen dieser Studie haben wir die aktuelle Stimmung und die Meinungen über die derzeitige Situation von Frauen in verschiedenen europäischen Ländern erfragt.

Italien

Über 100 Frauen wurden heuer in Italien ermordet, laut italienischer Polizei ungefähr die Hälfte davon von ihrem Partner oder Ex-Partner. Das italienische Statistik Institut ISTAT gibt an, dass 31,5% der Frauen in Italien schon einmal Opfer physischer und/oder sexueller Gewalt geworden sind. „Ich denke, dass Gewalt gegen Frauen in Italien ein relativ häufiges Phänomen darstellt“, sagt die 24-Jährige Magda Sadek aus Mailand. „Oft wird Frauen nicht geglaubt, sowohl von der Polizei als auch von ihrem Umfeld. Wenn Sie Anzeige erstatten, sind sie sich diesem Umstand sehr wohl bewusst.“ Selbst nach einer Anzeige, sei der polizeiliche Schutz in vielen Fällen nicht genug: „Die meisten Gesetze zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt betreffen Unterlassungsanordnungen, wenn Frauen Opfer von Stalking, Drohungen und Gewalt werden. 2019 wurde ein neues Gesetz verabschiedet, um den Schutz von Opfern sexueller und häuslicher Gewalt zu stärken. Die größten Änderungen betrafen dabei die Erhöhung der Strafmaßes. Mit dem Gesetz Nummer 134/2021 wurde der Schutz ausgeweitet, trotzdem sind die italienischen Nachrichten voll mit Meldungen über Frauen, die von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordet wurden, obwohl sie zuvor polizeiliche Hilfe beantragt hatten. Dieser Schutz ist oft nicht ausreichend“, so Sadek. Rund um den 25 November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, und dem achten März, dem Weltfrauentag, häufen sich die Kampagnen zu diesem Thema.

„Es gibt Kaum Kampagnen, die versuchen, Männer zu sensibilisieren, dabei könnte sich das erheblich auf das Phänomen auswirken.“

Was sich Sadek wünscht, ist eine realistischere Abbildung und Sensibiliserung der Gesellschaft: „Es gibt viele Kampagnen, die auf die Sensibilisierung von Frauen abzielen, was toll ist. Es gibt aber kaum Kampagnen, die versuchen, Männer zu sensibilisieren, dabei könnte sich das erheblich auf das Phänomen auswirken. Gewalt ist ein soziales Ereignis, das durch Gesellschaft, Erziehung und Beziehungen geprägt wird. Darüber hinaus werden Opfer häuslicher Gewalt in solchen Kampagnen häufig mit blauen Flecken und blutüberströmt dargestellt. Das schränkt die Realität von häuslicher Gewalt beträchtlich ein, macht sie viel kleiner als sie tatsächlich ist und birgt die Gefahr, dass sich Frauen selbst nicht als Opfer häuslicher Gewalt erkennen, nur weil sie nicht körperlich misshandelt werden.“

Deutschland

Jeden Tag gibt es in Deutschland einen polizeilich registrierten Tötungsversuch an einer Frau, fast jeden dritten Tag gelingt einer dieser Versuche. Journalistin Simone Fasse macht in ihrem Statement zu dem Thema auf die Verantwortung der Medien sowie auf die UN-Aktion „Orange The World“ aufmerksam: „Alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, das zeigen die Journalistinnen Laura Backes und Margherita Bettoni in ihrem Buch, das aufrüttelt (Buchtitel „Alle drei Tage.“, Anm. d. Red.). Sie beleuchten das drängende gesellschaftliche Problem und appellieren darin auch an uns Text-Profis und Berichterstatter:innen, das Thema nicht herunter zu spielen.

Statt den Begriff ‚Femizid‘ zu verwenden, der laut Duden die tödliche Gewalt gegen Frauen oder einer Frau aufgrund ihres Geschlechts bezeichnet, werden in den Medien noch viel zu häufig Begriffe wie ‚Familiendrama’ oder ‚Beziehungstat‘ verwendet, die diese Gewalttaten verharmlosen.

Wie in so vielen Bereichen schafft auch hier Sprache Realität. Redewendungen noch genauer hinterfragen, das mächtige Instrument Sprache noch sensibler einsetzen – dieses Bewusstsein sollten gerade wir Medienleute schärfen. Um die Menschen in Deutschland auf das Thema aufmerksam zu machen, wurden in den Tagen rund um den 25 November zahlreiche Aktionen vor allem in den Städten und Gemeinden organisiert. Von Notrufnummern auf Brötchentüten oder Initiativen für Frauenhäuser, Angebote für Selbstverteidigungskurse oder angestrahlte öffentliche Gebäude – für ‚Orange the World’ scheint es immer mehr Unterstützung zu geben.“

Griechenland

17 Frauen wurden griechenlandweit nach Angaben des öffentlichen Rundfunksenders ERT in 2021 von ihren Partnern oder anderen Familienmitgliedern ermordet. Die Regierung lehnte einen Änderungsantrag der Oppositionspartei Syriza, der die institutionelle Anerkennung des Begriffes „Femizid“ vorsah, ab und erntete heftige Kritik dafür. Die Gesetzesänderung würde Femizid zu einem besonderen Verbrechen machen. Premierminister Kyriakos Mitsotakis erteilte eine Absage – obwohl er den Begriff ‚Femizid‘ akzeptiere, glaube er nicht, dass er einen besonderen rechtlichen Status erhalten sollte, da er nicht akzeptieren könne, dass ein Femizid abscheulicher sei als der Mord an einem Kind oder einer älteren Person. Im September 2022 entfachte die Femizid-Debatte in Griechenland erneut, nachdem eine 55-Jährige Frau auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der Nähe von Thessaloniki verstarb, weil ihr Ehemann sie angeblich mit Benzin übergoss und anzündete. „Ich glaube, dass es heutzutage weniger Fälle von Gewalt gegen Frauen gibt, als in früheren Jahren. Sie werden aber mehr publik gemacht, vor 10 Jahren hörte man in den Nachrichten weniger oft von solchen Fällen, obwohl sie sicherlich vorkamen. Ich glaube, dass sich Griechenland weiterentwickelt und endlich den Beitrag von Frauen erkennt und sie wertschätzt. Psychische, körperliche oder verbale Misshandlung ist jedoch eine Situation, die jede griechische Frau irgendwann in ihrem Leben erlebt hat“, sagt die 29-Jährige Griechin Eva Mantouvalou. „Es gibt Praktiken zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt, beispielsweise die Möglichkeit, Zwangsmaßnahmen zu ergreifen oder den Betroffenen Unterschlupf zu gewähren. Das ist aber nur dann möglich, wenn die Person um Hilfe bittet, der Missbrauch nachgewiesen werden kann und der:die Richter:in es für richtig hält. All dies erfordert Geld, Zeit, Mut und nicht selten auch die Isolation des Opfers aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen. Selbst in einer bekannten Situation häuslicher Gewalt ist ein Eingreifen nicht möglich, wenn die betroffene Person nicht einwilligt“, weist Mantouvalou auf die Problematik in Griechenland hin. „Die Menschen müssen aufgeklärt werden. Ich glaube nicht, dass Gesetze viel bewirken werden, wenn wir Kindern nicht von klein auf beibringen, uns gegenseitig als Menschen zu respektieren, nicht nur aufgrund des Geschlechts, sondern aufgrund unserer einzigartigen Persönlichkeiten und Fähigkeiten“, sagt sie.

Norwegen

In Norwegen ist die Zahl der Femizide in den letzten Jahren gesunken. 16 Frauen wurden 2021 in dem skandinavischen Land ermordet, 2011 waren es noch 53. Zwischen 2012 und 2020 schwankte die Zahl im Bereich von 10-17. Simone Naumann, Gründerin und Geschäftsführerin der SMARTphotoschule in München, hat Familie und auch bald waihren Zweitwohnsitz in Norwegen. Zu der„Orange The World“-Aktion 2022 sagt die Wahlnorwegerin Folgendes: „In Norwegen ruft eine Kampagne dazu auf, genau hinzuschauen und es nicht hinzunehmen, dass in den vergangenen Jahren 67 Leben in dem skandinavischen Land durch Morde in der Partnerschaft ausgelöscht wurden. Die überwiegende Anzahl der Opfer waren Frauen. Laut Statistik ist einer von vier Morden ein Mord in der Beziehung. Und: Bei sieben von zehn dieser Morde wurde zuvor Gewalt in der Partnerschaft registriert. ´Wir alle können dazu beitragen, dass das Schweigen kein Leben kostet – sofern wir es wagen zu sehen und es wagen zu fragen‘, heißt es in dem Aufruf. Ich kann nicht beurteilen, wie breit der Aufruf wahrgenommen wurde. Aber den Appell nehme auch mir künftig noch stärker zu Herzen.“

Schweden

Schweden gilt als besonders fortschrittliches Land im Hinblick auf Gender Equality. Im Gender Equality Index des europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) aus dem Jahr 2020 belegte das skandinavische Land den ersten Platz mit 83,3 von 100 Punkten. 2021 berichteten Medien jedoch von einer Frauenmordserie ab dem 31. März. In wenigen Wochen wurden fünf Frauen ermordet, insgesamt fielen 2021 24 Frauen in Schweden einem Femizid zum Opfer. Die Schwedin Saga Nevhage Eliasson ist der Meinung, dass Frauen in Schweden zwar leicht Hilfe erhalten können, sie diese Hilfe aber in vielen Fällen nicht weiterbringe: „Es wird mehr geredet als gehandelt. Es gibt viele Maßnahmen, die Frauen und jenen Menschen helfen sollen, die Gewalt erfahren haben, aber in der Regel geht es nicht darüber hinaus. Um eine:n Täter:in zu verurteilen, ist eine ganze Menge nötig. Es gab zum Beispiel den Fall eines schwedischen Influencers, der beschuldigt wurde, seine Freundin ermordet zu haben, während ihr Kind im Haus war. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, und zwar wegen häuslicher Gewalt und dem Mitführen von Betäubungsmitteln und Waffengewalt, nicht aber für den Mord an der Frau. Heute ist er wieder ein freier Mann.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass Opfern häuslicher Gewalt mehr Glauben geschenkt wird: „Ich würde mich wünschen, dass Frauen von dem Moment an, in dem sie eine Gewalterfahrung äußern, viel ernster genommen werden. Der Staat muss einen Weg finden, damit Menschen sich wohl fühlen, wenn sie Hilfe suchen, und zwar ohne abgewiesen oder nicht ernst genommen zu werden. Wir müssen aber auch in der Schule Bewusstsein dafür schaffen. Sätze wie ‚Er ärgert dich nur, weil er dich mag.‘ müssen abgeschafft werden. Damit wird Kindern suggeriert, dass sie Zuneigung in einer Form der Gewalt zeigen können.

Wir müssen Gewaltopfern zeigen, dass richtige Hilfe existiert und dass sie sich für das, was ihnen widerfahren ist, nicht schämen müssen.“


Hilfestellen und Kontakt in Österreich

Männerinfo: Österreichweite 24-Stunden Telefon-Hotline für Männer, die befürchten, gewalttätig zu werden. 0800 400 777. Weitere Information unter https://www.maennerinfo.at/

Frauen-Helpline: Anonyme, kostenlose Helpline, 27/7. 0800 222 555. Weitere Informationen unter https://www.frauenhelpline.at/

Frauenhäuser: Kontaktinformationen aller österreichischen Frauenhäuser https://www.aoef.at/index.php/frauenhaeuser2

Frauen-Notruf: 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien. 01/71719. E-Mail Beratung unter frauennotruf@wien.at. Weitere Informationen unter http://www.frauennotruf.wien.at/


Unterstützen Sie gemeinsam mit uns den AÖF – Verein Autonomer Frauenhäuser Österreich.

Wir möchten ein Zeichen gegen die Gewalt an Frauen setzen und haben uns dazu entschlossen, 50 Prozent des Umsatzes aus allen Abo-Verkäufen im Dezember an den Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) zu spenden. Unterstützen Sie unsere Aktion! Das Thema Gewalt gegen Frauen ist präsenter denn je. Allein heuer wurden bereits 28 Femizide verübt. Das Team von Sheconomy möchte mit dieser Geste seine Solidarität mit den Betroffenen ausdrücken. Wenn auch Sie ein Zeichen gegen Gewalt setzen möchten, dann bestellen Sie jetzt unser Jahresabo unter sheconomy.shop. Für Sie selbst. Oder vielleicht als Geschenk.

Mehr Informationen zum Verein unter: www.aoef.at

Wiener Start-up ermöglicht nachhaltige Farbvielfalt dank dem Einsatz von Bakterien

Das Vienna Textile Lab ist ein österreichisches Biotech-Start-up, das daran arbeitet, mikrobielle Farbstoffe aus natürlich vorkommenden Mikroorganismen für Anwendungen in der Textil- und Modeindustrie herzustellen. Ziel ist es, eine wettbewerbsfähige und nachhaltigere Alternative zu herkömmlichen synthetischen Farbstoffen und Pigmenten zu schaffen.

Der Bedarf an sauberen Prozessen steigt

Die Mode- und Textilwelt ist im Wandel. Als weltweit zweitgrößter Umweltverschmutzer werden die Rufe der Gesellschaft und Nachfrage bei Einzelhändlern, Marken und Produzenten nach nachhaltigeren Produktionsmethoden mit geringeren Umweltauswirkungen immer lauter. Um die Textilindustrie zu verändern zu verbessern, sind neue saubere Technologien und Prozesse erforderlich. Hier kommt der Einsatz von mikrobiellen Farben, wie jene vom Vienna Textile Lab, ins Spiel. „Wir sehen uns als ‚Enabler‘ für verschiedene Nachhaltigkeitsziele“, erklärt Karin Fleck, Gründerin & CEO des Vienna Textile Lab, in ihrer jüngsten Pressemeldung. Das Start-up möchte mit ihrem verbesserten Produktionsverfahren seinen Kunden die Herstellung nachhaltigerer Produkte, die weniger toxisch sind und weniger Abfall produzieren, ermöglichen.

Galactica project: Weiterentwicklung von Weltraumtextilanwendungen

Das Start-up macht auch vor dem Weltraum keinen Halt. Das Projekt „Galactica“ ist ein von der EU finanziertes Projekt, das die Schaffung neuer industrieller Wertschöpfungsketten in der Textil- und Luftfahrtbranche auf der Grundlage fortschrittlicher Fertigung unterstützt. Vienna Textile Lab nahm mit dem Projekt „BiomX“ an der Pioneer Acceleration Ausschreibung teil. Es konzentrierte sich auf die Erforschung einer antimikrobiellen Ausrüstung für Weltraumtextilanwendungen. Das Programm unterstützte das Vienna Textile Lab nicht nur mit finanziellen Mitteln, sondern bot auch Networking-Veranstaltungen und Lernexpeditionen, die das Start-up auf der Reise, Partner, potenzielle Kund:innen und Investor:innen zu finden, begleiteten.

Verband der Akademikerinnen Österreichs (VAÖ) feiert 100. Geburtstag

Das bedeutendste Akademikerinnen-Netzwerk in Österreich feiert heuer sein 100-Jähriges Bestehen. Es wurde zu einer Zeit gegründet, als Frauen noch hart um ihr Studium kämpfen mussten.

Zum Jubiläum fand an der Universität Wien eine hochkarätig besetzte akademische Festveranstaltung statt, bei der gemeinsam mit internationalen Gästen aus korrespondierenden europäischen Vereinigungen rege über aktuelle Themen, Probleme und Entwicklungen diskutiert wurde.

Ein Blick zurück zu den Anfängen

Am 14. Mai 1922 erschien im Wiener Tagblatt der Aufruf „an alle Frauen, die an der Universität oder an einer staatlichen, als gleichwertig anerkannten Hochschule abschließende Prüfungen gemacht haben“, einen unpolitischen Verband zur Vernetzung und Förderung von Akademikerinnen zu bilden.

Die Initiatorin hinter diesem Aufruf: Elise Richter. Sie wurde 1865 als Tochter eines jüdischen Arztes in Wien geboren und wuchs in großbürgerlichen Verhältnissen auf.  Im Verlauf ihrer Ausbildung und Karriere fiel sie gleich mehrmals als Pionierin auf. Nachdem es 1896 Frauen gestattet wurde, zur Reifeprüfung anzutreten, legte Richter 32-Jährig als Externistin am Akademischen Gymnasium in Wien die Matura ab – als erste Frau.

Ein Jahr später wurden Frauen auch an der philosophischen Fakultät der Universität Wien zugelassen. Richter inskribierte klassische Philologie, Indogermanistik und Romanistik als ordentliche Hörerin. Sie schloss ihr Studium 1901 mit der Promotion zum Doktor der Philosophie ab und habilitierte 1905 als erste Frau an der Universität Wien. Anschließend lehrte sie dort als Privatdozentin. Ihre Antrittsvorlesung im Herbst 1907 – die erste einer Frau im deutschsprachigen Raum – löste erhebliche Proteste durch klerikale und nationale Studenten aus, die ihre Lehrtätigkeit zu sabotieren versuchten. Als Anlass nahmen diese nicht nur Richters Geschlecht, sondern auch ihre jüdische Herkunft. Der männliche Gegenwind begleitete Richter ihre gesamte akademische Laufbahn.

Die VAÖ Gründerin Elise Richter um 1907

Vor diesem Hintergrund gründete Richter 1922 schließlich den Verband der Akademikerinnen Österreichs. Ähnliche Zusammenschlüsse gab es damals bereits in den USA und in Großbritannien, mit denen Richter in regem Kontakt stand. In den darauffolgenden Jahren wuchsen die Mitgliederzahlen stark an. Anfang der 1930er zählte der Verband 739 Mitglieder.

Zweiter Weltkrieg

Mit den politischen Unruhen in Österreich und der anschließenden Machtübernahme Hitlers mussten die Akademikerinnen ihre Arbeit einstellen. Der Verband wurde 1938 zwangsaufgelöst. Die transnationalen Akademikerinnen-Netzwerke, die sich zwischen den Weltkriegen gebildet hatten, kamen aber nicht zum Erliegen. Ganz im Sinne der Gründungsidee, bemühten sich nationale Verbände und der Weltverband der Akademikerinnen (GWI) darum, ihre Kolleginnen aus den betroffenen Ländern herauszuholen oder sie anderweitig zu unterstützen.

Elise Richter wurde im KZ Theresienstadt ermordet

Mit Beginn des zweiten Weltkrieges wurde es so gut wie unmöglich, Personen aus dem Land zu holen. Elise Richter, die laut der nationalsozialistischen Nürnberger Gesetze als Jüdin galt, wurde mit dem „Anschluss” Österreichs die Lehrbefugnis entzogen und sie verlor ihre Lebensgrundlage. Von da an wurden ihre ältere Schwester Helene und sie von der GWI finanziell unterstützt. Im Oktober 1942 wurden beide in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo Helene Richter bereits am 8. November 1942 und Elise Richter am 21. Juni 1943 verstarben.

Neubeginn 1945

Nach dem Ende des Krieges begannen 1945 einige der alten Mitglieder des VAÖ wieder Kontakt zueinander aufzunehmen und den Verband erneut aufzubauen. In den ersten Jahren nach dem Krieg konzentrierte sich ihre Arbeit vor allem darauf, die Verbandsmitglieder zu unterstützen. Die Ressourcen ließen es erst in den 1950er Jahren zu, die Tätigkeiten wieder vermehrt nach außen zu richten. Im November 1952 zählte der Verband österreichweit 859 Mitglieder. Um die verschiedenen Interessen und Aufgaben im Verband besser verteilen zu können, entstanden im Laufe der Jahre immer mehr Ausschüsse und Arbeitsgruppen.

1971 wurde ein Studentinnenheim in Wien, 1982 eines in Graz, eröffnet – beide vom VAÖ finanziert. Zwei prominente Mitglieder aus dieser Zeit waren unter anderem die damalige Bundesministerin für Wissenschaft und Lehre Dr.in Herta Firnberg und die Wiener Stadträtin Dr.in Alma Motzko. Letztere vermachte Ende der 60er Jahre dem Verband 100.000 Schilling zur Förderung von Akademikerinnen. Der VAÖ richtete daraufhin den Dr.-Alma-Motzko-Fond ein, der bis heute dafür genutzt wird, wissenschaftliche Forschungen von Jungakademikerinnen zu fördern.

Der VAÖ heute – Erreichtes halten, Missstände aufzeigen

Braucht es heute angesichts von vielen Frauen mit akademischem Abschluss überhaupt noch einen Verband der Akademikerinnen? VAÖ-Präsidentin Maria Tiefenthaller beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja!

„Es gilt, Erreichtes zu erhalten und weiterhin die Gleichwertigkeit der Frauen zu fordern, Missstände aufzuzeigen und dazu Stellung zu nehmen und auch mutig Tabuthemen in Angriff zu nehmen.”

VAÖ Präsidentin Maria Tiefenthaller

Zudem engagieren sich die Mitglieder des VAÖ seit Jahrzehnten als Repräsentantinnen der Graduate Women International (GWI) an der UNO in Wien und der University Women Europe (UWE). Auf nationaler Ebene ist der Verband mit UN-Women, PRO SCIENTIA, dem BÖFV (Bund österreichischer Frauenvereine), dem Frauenring und dem Frauenrat vernetzt.

Ein ganz wesentliches Ziel des Verbands, der sich als generationenübergreifend, überparteilich, gemeinnützig und interkulturell versteht, ist es, den Austausch zwischen qualifizierten und engagierten Frauen auf der ganzen Welt zu ermöglichen. Durch das Netzwerk entstehen internationale Kontakte, die häufig in lebenslangen Freundschaften münden.

Geschlechtergerechtigkeit muss stets neu verhandelt werden

Gabriella Hauch Universitätsprofessorin für Geschichte der Neuzeit/Frauen- und Geschlechtergeschichte, appelliert angesichts der aktuellen weltweiten Krisen, die Wissenschaften weiter zu fördern und neue Instrumentarien zu entwickeln, welche in der Zukunft allen Menschen auf der Welt ein gutes Leben sichern. „Das kann nur in einer geschlechtergerechten Gesellschaft – und damit einer frauenfreundlichen – geschehen.”

Silvia Ulrich vom Institut für Legal Gender Studies der Johannes Kepler Universität Linz

Trotz verfassungsrechtlicher Gleichstellung der Geschlechter gelte es Gleichstellung als Prozess zu sehen, in dem die Geschlechtergerechtigkeit stets neu verhandelt und verortet werden muss, meint Silvia Ulrich vom Institut für Legal Gender Studies.

Eine aktuelle Bestandsaufnahme zeige, dass vieles erreicht wurde – nicht zuletzt durch das Engagement der vielen Pionierinnen aus den Reihen des VÖA. Es gebe aber nach wie vor auch viele ungelöste „Baustellen“. Durch antiemanzipatorische Bewegungen geraten Frauen heute zusätzlich unter Druck. Aber, so Ulrich, „Gleichheit, (Gewalt-)Freiheit und Selbstbestimmung sind das unverrückbare Fundament für geschlechtergerechte Lebensverhältnisse”.

Kapitalmarkt Rückblick & Ausblick 2023

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Festtagsstimmung ist Ende 2022 Fehlanzeige. Ein Jahr, das vielversprechend und mit hohen Erwartungen begann, endet als schlechtestes Jahr für globale Anleger seit Jahrzehnten und mündet wahrscheinlich für viele Volkswirtschaften in einer Rezession mit steigender Inflation.

In den letzten zwölf Monaten gab es nur wenige Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, da die grundlegendsten Bausteine diversifizierter Portfolios nicht den üblichen Schutz boten. In „normalen“ Zeiten hätte man erwarten können, dass eine starke Verschlechterung der Wachstumsaussichten die Aktienmarktbewertungen zwar beeinträchtigt, der daraus resultierende Schmerz aber dadurch gemildert wird, dass Zentralbanken die Leitzinsen senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Konsequenz wäre dann normalerweise eine Rally der Anleihenmarkt-Bewertungen gewesen: Ein Teil des Portfolios leidet, aber der andere Teil gleicht aus.

Übliche Lockerung der Geldpolitik blieb aus

2022 war jedoch kein „normales“ Jahr. Da Aktienmärkte angesichts der sich drastisch verschlechternden Wachstumsaussichten abverkauft wurden, blieb die übliche Atempause einer Lockerung der Geldpolitik aus. Die Zentralbanken waren vielmehr gezwungen, die Bekämpfung der durch den Ukraine-Krieg angeheizten Inflation zu priorisieren und zu zähmen. Die eindeutige Antwort der Notenbanker in Frankfurt, London und Washington auf die Frage „Muss es sein?“ war ein entschlossenes und einheitliches  „Ja“. In der Folge sind Aktien gefallen, Zinsen gestiegen – und die Diversifizierung im Portfolio hat wenig Schutz geboten.

Inflation dürfte Höhepunkt erreicht haben

Für diejenigen Anleger, die nach einem Hauch von Trost suchen, bietet der Ausblick für 2023 weit mehr Potenzial. Das Rezessionsrisiko ist allgemein bekannt und mittlerweile in vielen Anlageklassen eingepreist. Die Inflation dürfte nun ihren Höhepunkt erreicht haben, während der Weg der Inflation zurück auf zwei Prozent eine beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen könnte. Die Mäßigung der Preissteigerungen im Laufe des nächsten Jahres könnte den Zentralbanken die nötige Atempause verschaffen, um innezuhalten und von ihrer unerbittlich aggressiven Straffung der Geldpolitik abzusehen (irgendwann im ersten Halbjahr). Wirtschaftlich dürften die nächsten Monate stürmisch bleiben, jedoch könnten sich die Wolken über den Anlageaussichten allmählich verziehen.

Risikoarme Staatsanleihen dank aktuell verfügbarer Renditen wieder attraktiv

Ein bedeutender Vorteil für Anleger besteht darin, dass der Anstieg der Zinssätze ein breiteres Spektrum an Anlagemöglichkeiten eröffnet hat. Die Senkung der Zinssätze durch Zentralbanken – in ihrem Bestreben Inflation und Wachstum anzukurbeln – hat während des größten Teils des letzten Jahrzehnts festverzinsliche Wertpapiere vor Herausforderungen gestellt. Der Kauf einer zehnjährigen deutschen Staatsanleihe zu einer Rendite von fast minus einem Prozent war nur begrenzt attraktiv. Der Kauf desselben „sicheren Hafens” zu plus zwei Prozent sieht jedoch viel attraktiver aus. Wenn Sie den Charme 10-jähriger US-Staatsanleihen bevorzugen, liegen die jetzt verfügbaren Renditen bei etwa 3,75 Prozent, was einem Anstieg von mehr als drei Prozentpunkten gegenüber ihren COVID-induzierten Tiefstständen entspricht.

In ähnlicher Weise bieten risikostarke Rentenanlagen – seien es Unternehmensanleihen oder Schwellenländeranleihen – aktuell über das gesamte Spektrum hinweg ein interessanteres Renditeprofil. Selbstverständlich müssen die zugrunde liegenden Risiken sorgfältig analysiert werden, da wir möglicherweise auf eine Rezession zusteuern. Es wäre ein Fehler, nach den höchstmöglichen Renditen zu streben, ohne Rücksicht auf die damit verbundenen Anlagerisiken zu nehmen. Jedoch gibt es mittlerweile in jedem Segment der Anleihen einige interessante Gelegenheiten für Anleger.

Am Aktienmarkt steigern Umwälzungen das Potential einzelner Titel und Themen

Diese Jubelrufe für Anleihen sollen die Chancen an den Aktienmärkten nicht schlecht machen, obwohl wir Bedenken haben, dass Aktienmärkte übermäßig auf die (vorteilhaften) Auswirkungen eines möglichen „Wendepunkts“ in der Geldpolitik fokussiert sind, die (schädlichen) Auswirkungen einer möglichen Rezession auf Unternehmensgewinne jedoch nicht ausreichend im Auge haben. Infolgedessen bleiben wir in Bezug auf die globalen Aktienmärkte insgesamt etwas vorsichtig, suchen jedoch nach einzelnen Titeln oder Themen, bei denen wir einen Mehrwert sehen. In diesem Sinne entstehen global anwendbare thematische Ideen als Alternative zur traditionellen geografisch isolierten Art der Anlage in Aktien: Die Zukunft des Gesundheitswesens, der Energie und der Technologie wurde (global) durch einschneidende Erfahrungen der vergangenen Jahre geprägt, und die Kapitalströme, die auf die Umwälzung dieser Gebiete ausgerichtet sind, haben das Potenzial, eine Vielzahl spannender Investitionsmöglichkeiten zu schaffen.

Niemand behauptet, dass 2023 ein leichtes Jahr werden wird, aber in mancher Hinsicht könnte es sich als Gegenbild zu 2022 herausstellen (ein Jahr, das vielversprechend begann und doch in einer schweren Lage endete). In wirtschaftlicher Hinsicht kann es sich für den größten Teil Europas und möglicherweise die breitere Weltwirtschaft durchaus noch verschlimmern, bevor dann eine Erholung eintritt. In Verbindung mit den immer noch erhöhten geopolitischen Risiken sollten wir auf eine erhebliche Marktvolatilität vorbereitet sein. Trotz all dieser (erheblichen) Vorbehalte bedeutet das Ausmaß, in dem die Markterwartungen einen Großteil dieser Schwierigkeiten (verspätet) eingepreist haben, dass es für aktive Manager, die in der Lage sind, die Spreu vom Weizen zu trennen, eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten gibt.


Die Autorin Sandra Straka ist Executive Director bei Goldman Sachs. In ihrer Sheconomy Kolumne „Market, Trends & More“ teilt die Asset Managerin regelmäßig wertvolle Insights aus ihrer Branche mit unserer Community.

 

Weihnachten: Wie beschenken Sie sich selbst? Teil 2

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In Teil 2 unserer Weihnachtsserie „Was schenke ich mir selbst zu den Feiertagen“ antworten die Expertin für Leadership und Gender Balance Anke van Beekhuis und Gehalts- und Karrierecoach Martina Ernst.

Anke van Beekhuis, Leadership & Performance Expertin:

Dieses Jahr endet unerwartet stressig. Nicht wegen des Besorgens der Weihnachtsgeschenke. Das habe ich schnell erledigt. Ich weiß ja, was meine Lieben gerne haben. Sondern im beruflichen Sinn.

Irgendwie scheint es wieder einmal so, als folge auf den Jahreswechsel doch kein neues Jahr. Einiges sollte unbedingt noch im alten Jahr fertig werden. Teilweise sehr dynamisch und konstruktiv, trotzdem aber auch ein wenig anstrengend. Mein Jahr endet aber wie es angefangen hat: Mit Dankbarkeit für meine Familie und für das, was ich habe. So beende ich jedes Jahr. Einen klassischen Rückblick mache ich lange nicht mehr, weil ich regelmäßig zurückschaue. Ich reflektiere wöchentlich oder monatlich, ein Jahresrückblick bringt mir also keinen Erkenntnisgewinn und macht wenig Sinn.

Dankbar zu sein, braucht aber immer noch eine gewisse Übung. Wie viele in meiner Umgebung bin ich da einfach nachlässig. Ich vergesse es einfach. Viel zu oft nehme ich mein Leben als selbstverständlich. Erst durch Gespräche mit anderen wird mir bewusst, wie besonders es ist. Daher gehören Dezember und Jänner fix zu meinen Dankbarkeitsmonaten. Täglich nach dem Aufstehen bedanke ich mich gedanklich bei Menschen, Situationen, dem Leben, meinen Liebsten, KundInnen, KollegInnen und mir selbst. Oft spreche ich es auch aus und freue mich über die Reaktionen. Ich bin dabei auch sehr gerührt, weil es ausgesprochen noch mehr Kraft hat.

Was schenke ich mir? Zeit. Dieses Jahr steige ich zwei Wochen aus meinem Job aus. Kein bisschen hier, und kein bisschen jenes. Nichts. Das klingt nicht nach viel, aber wer selbstständig ist, kennt dieses Thema zur Genüge. Die Liste ist niemals leer und selbst im Urlaub wird schon mal an dem ein oder anderen gearbeitet. Ich mag das und mache es gerne. Aber es hält mich auch davon ab, Abstand zu gewinnen. Abstand hilft aber, innovativ zu sein. In 18 Jahren Unternehmerinnendasein ist es mehr als einmal passiert, dass mein Unternehmen meine Ferien unterbrochen hat. Dieses Jahr nicht. 100 % off. Das ist heuer mein Geschenk an mich.

Mehr Infos zu Anke van Beekhuis unter: www.beekhuis.at

Martina Ernst, Gehalts- und Karrierecoach: k.und k. oder noch viel besser!

Wer jetzt glaubt, ich sei Monarchistin, hat sich getäuscht, obwohl mir ein bisschen k. und k. schon wichtig ist – nur eben anders: An Weihnachten gönne ich mir eine kaiserlich – königliche Behandlung und lasse ‚alle viere g’rad sein‘. In diesem Sinne genieße ich jede einzelne der circa 20 Kekssorten, die mir meine allerbeste Freundin jedes Jahr in der Adventszeit bäckt – ohne mich auch nur eine Sekunde zu fragen, ob es gesund ist oder ob ich mir das kalorientechnisch leisten darf. Purer k. und k. Genuss!

Und während ich gerade einen Taler mit Nugat-Fülle und Marzipan-Sternchen bewundere, (bevor wir uns gegenseitig erliegen ????), kann ich es wieder einmal nicht fassen, wie gut es uns allen geht: Frieden, politische und finanzielle Sicherheit, Gesundheit und Liebe  – dieses Geschenk ist so unfassbar schön und groß, dass man es ruhig jeden Tag wieder aufs Neue ‚auspacken und bestaunen‘ darf.

Und ich wünsche uns allen die Kraft, an diesem Geschenk zu wachsen und täglich ein kleines bisschen davon den Menschen weiter zu schenken, die unter einem weniger guten Stern geboren wurden als wir.

Mehr Infos zu Martina Ernst unter: www.salarynegotiations.at und www.colourfulcareer.com

„Alle schwärmen von Diversität, alle wollen sie – doch sie verlangt ernsthafte Auseinandersetzung mit den Zielgruppen.“

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Neulich lernte ich einen bemerkenswerten, jungen Mann kennen. Es war nach einem Konzert im Wiener Musikverein mit dem hinreißenden Duo Leonidas Kavakos (Geige) und Yuja Wang (Klavier). Weil der Abend so sprühend war, nahmen mein Mann und ich im Anschluss noch einen Drink im Hotel Sacher. Zu uns kam ein Kellner, der einen Wein vorstellte, dessen Name wir nicht verstanden. Also fragten wir nach, worauf er freundlich antwortete: „Es tut mir leid, aber Deutsch ist nicht meine Muttersprache“. Weil ich – nicht immer zur Freude meines Mannes – auch nach einem Konzert, in einer Bar und ganz generell im Leben nie ganz aufhöre Journalistin zu sein, wollte ich natürlich gleich wissen, woher er kommt, was ihn nach Wien geführt hatte.

Er erzählte, dass er vor drei Jahren als Flüchtling ins Land kam, ohne ein Wort Deutsch zu können, die Sprache aber rasch lernen wollte und seine Ausbildung in zwei anderen Wiener Luxushotels absolvierte. Ich war tief beeindruckt von seiner Geschichte, auch weil mich das Thema schon seit mehreren Monaten beschäftigt hatte: Warum werden asylberechtigte Menschen nicht stärker darin unterstützt, in der Hotellerie/Gastronomie Fuß zu fassen? Sie haben es dort mit einer Klientel zu tun, die selten etwas dagegen hat, Bestellungen auch mal auf Englisch zu formulieren, lernen rasch die örtlichen Gepflogenheiten kennen, werden nach Kollektivvertrag bezahlt und, weil sie im Team arbeiten, rasch integriert.

Mittlerweile weiß ich, dass ich vieles viel zu blauäugig gesehen habe – unsere Tourismus-Expertin Angelica Freyler hat dazu einen ausführlichen Bericht verfasst, in dem alle Seiten zu Wort kommen. Aber auch: die Kollektivverträge im Gastgewerbe sind bescheiden, viele Chef:innen, Kolleg:innen und Gäste sehen es – sobald man sich aus Wien hinausbewegt – mit dem Englisch doch nicht so locker. Und auch die Arbeitgeber:innen verhalten sich nicht immer wie im Hotel Sacher, wie sich in einer Der Standard-Reportage nachlesen ließ.

Es zeigt sich – und das nicht nur in der Gastronomie: Diversität wird nicht immer so einfach gelebt, wie sie aktuell postuliert wird. Alle schwärmen von ihr, alle wollen sie, weil sie, richtig umgesetzt, Produktivitäts- und Imagegewinn verspricht. Doch sie verlangt ernsthafte Auseinandersetzung mit den Zielgruppen, fundamentale Learnings für alle Seiten, was Sprachregelungen und Verhalten betrifft, Geduld und den beidseitigen Willen aus Fehlern zu lernen.

Mit dieser Erstausgabe von WEconomy, einem Spin-Off von SHEconomy, zeigen wir die Vielfalt von Vielfalt – und mit welch wachem Blick sie betrachtet und gepflegt werden muss, um nicht zum bloßen Schlagwort zu verkommen. Etwa wenn es darum geht, Gender Parity und kulturelle Fairness zu realisieren oder das Potenzial von Menschen mit Behinderung zu würdigen. Zu diesen ebenso wundervollen wie auch heiklen Themen konnten wir hochkarätige Gesprächspartner:innen gewinnen wie u. a. die Soziologin Jutta Allmendinger, die Influencerin Yael Meier, den österreichischen Arbeitsminister Martin Kocher oder den Unternehmer Martin Rohla. Außerdem publizieren wir die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse rund um eine top-aktuelle, repräsentative Diversitäts-Studie, die PwC gemeinsam mit Ketchum in Auftrag gab.

Dieses Magazin steht für mehr Offenheit und gegenseitiges Verständnis, für Gerechtigkeit und Chancengleichheit, Anerkennung und Respekt. Tauchen Sie mit uns in ein in diese abwechslungsreiche, bunte, aber auch fordernde Welt, denn ich bin ganz sicher: Sie bringt uns alle weiter!

Buchtipps zu den Feiertagen

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Als Geschenkidee oder für die ruhigen Tage zum Jahreswechsel: Mit diesen aktuellen Büchern liegen Sie richtig.

 

„Grüne fahren SUV und Joggen macht unsterblich“ – Campus Verlag

Mit ihren Mitstreitern Gerd Gigerenzer, Thomas Bauer und Walter Krämer zeigt Katharina Schüller in der „Unstatistik des Monats“, wie schnell falsche Interpretationen von Daten in die Irre führen können. Neue spektakuläre Beispiele dazu haben die vier in ihrem neuen Buch gesammelt. Schüller und Co wollen hier einmal mehr zeigen, wie sich Unsinn erkennen und Prognosen richtig einordnen lassen – inzwischen ist dies für die Statistikerin zu einer echten Mission geworden. „Zahlen lügen nicht, das stimmt eben nicht“, mahnt Schüller im Interview mit Sheconomy. „Manchmal lügen sie doch, wenn sie nicht eingeordnet und in einen Kontext gestellt werden, denn dann verleiten sie uns zu den falschen Schlüssen.“

 

MITGEFÜHL – Warum Emotionen im Job unverzichtbar sind“ – EMF Verlag

Das erste Buch von Magdalena Rogl passt in die Zeit der „neuen Arbeit“. Wie uns Gefühle stärken, zeigt sie in „MITGEFÜHL – Warum Emotionen im Job unverzichtbar sind“. Der Kommentar einer Kollegin: „Lena, du bist viel zu emotional. Das untergräbt deine Autorität“ war der Auslöser für Magdalena Rogl, sich tiefer mit dem Thema Emotionalität in der Arbeitswelt auseinander zu setzen. „Emotionen“ und „Arbeit“ sind zwei Begriffe, die für viele Menschen nichts miteinander zu tun haben. Aber ich bin davon überzeugt, dass das ein Trugschluss ist und dass Emotionen im Job unverzichtbar sind“, sagt die ausgebildete Kinderpflegerin im Gespräch mit Sheconomy. Innerhalb weniger Jahre hat sie es zur Führungskraft in der Digitalbranche geschafft. Seit 2016 arbeitet sie für Microsoft Deutschland, seit 2021 ist sie dort Diversity & Inclusion Lead. Nicht nur in ihrer Karriere, auch beim Schreiben ihres Buches die „Schnellstraße“ genommen. Nach nur wenigen Monaten eigener Autorenarbeit – parallel zu Vollzeitjob und Patchwork-Familie – gelang ihr das Autorinnen-Debut.

 

„Selbstbestimmt – Wie wir mit Erwartungen umgehen
und ein authentisches Leben führen“ – Kösel Verlag

„Wir haben große Freiheiten und viele Wahlmöglichkeiten – trotzdem fühlen wir uns oft fremdbestimmt und getrieben von äußeren und inneren Erwartungen“, sagen die Resilienz-Expertinnen Dr. Tatjana Reichhart und Claudia Pusch. Mit ihrem gemeinsamen Buch wollen sie wissenschaftlich fundiert und leicht nachvollziehbar Strategien an die Hand geben, mental gesünder zu leben und in die Selbstführung zu gehen – nicht für Selbstoptimierung und Egoismus, sondern für mehr Entfaltung und Lebensfreude. Angereichert werden die zahlreichen Anleitungen zur Selbstreflexion, Fragenbögen und Übungen durch Beispiele aus der therapeutischen und Coaching-Praxis. Das Interview mit Sheconomy finden Sie hier.

 

Mehr Mental Health durch Selbstbestimmung

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Wie können wir mit den Erwartungen anderer privat und beruflich besser umgehen? Die Resilienz-Expertinnen Dr. Tatjana Reichhart und Claudia Pusch liefern in ihrem neuen Buch die Antworten dazu.

 

Was heißt selbstbestimmt für Sie?

So zu sein, wie ich bin, mehr von dem zu tun, was mir guttut und mutig zu sein in eigener Verantwortung (auch unangenehme) Entscheidungen zu treffen. Im Einklang mit seinen Werten, Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten zu leben und die innere Vielfalt all unserer Facetten zu nutzen. Um uns darin zu reflektieren und liebevoll zu führen, braucht es eine gute innere Führung, die uns mit Kopf und Herz gleichermaßen zur Seite steht. Denn welches Selbst bestimmt in uns? Im Buch beschreiben wir, wie man den inneren Teammanager findet und wie er uns für unsere Selbstbestimmungsprojekte unterstützen kann.

 

Warum ist Selbstbestimmung wichtig?

Wenn ich mich nur nach den anderen und deren Erwartungen und Meinungen anpasse, obwohl ich manchmal gar nicht weiß, ob die anderen wirklich so denken, richte ich mich zu viel nach dem außen und vernachlässige mich. Dann lebe ich das Leben der Anderen. Irgendwann merken das der Körper und die Psyche und senden uns Warnzeichen, etwa in Form von innere Unruhe, Angespanntheit, Schlafstörungen, Verspannungen, Schmerzen und so weiter. Unsere psychische Widerstandsfähigkeit wird geschwächt, wir sind anfälliger für Erkrankungen, denn unser Körper empfindet diese unstimmigen Zustände als Stress. Selbstbestimmung ist wichtig, um ein gesundes und glückliches Leben zu führen.

 

Tatjana, Ihr erstes Buch heißt „Das Prinzip Selbstfürsorge“. Wie ist die gedankliche Fortsetzung mit „Selbstbestimmt“?

Selbstfürsorge ist ja die Basis für die seelische Widerstandsfähigkeit, also die Resilienz. Und in diesem Buch geht es jetzt noch stärker darum, wie wir selbstverantwortlich unser, für uns passendes Leben gestalten. Denn wir hören in unseren Coachings oft, – und das zeigen auch die Zahlen der Krankenkassenreporte-, dass sich die Menschen trotz (bzw. sogar aufgrund!) der unerschöpflichen Wahlmöglichkeiten in unserer Gesellschaft so oft fremdbestimmt fühlen und sich stark am Außen orientieren. Was gibt uns die Gesellschaft vor, unser kapitalistisches System, was zeigen die (Sozialen) Medien und die Werbung, wie ein glückliches Leben auszusehen hat. Und so entfremden wir uns immer mehr. Das neue Buch setzt genau hier an: sich selbst mit allen Möglichkeiten aber auch Grenzen besser kennenzulernen und einen eigenen, realistischen Lebensentwurf zu gestalten. Dabei geht es nicht darum, das ganze Leben umzuwerfen, genauso wie Selbstfürsorge, findet Selbstbestimmung gerade auch im Kleinen statt. Z.B. wenn wir öfter nein sagen, wenn wir eigentlich nein meinen oder wenn wir mehr davon machen, was uns gut tut. Und so schließt sich der Kreis.

 

Wie kam es zum gemeinsamen Projekt?

Der Kösel-Verlag war liebevoll hartnäckig, dass es nach Tatjanas ersten Buch ein zweites geben sollte. Und da wir beide zu dem Zeitpunkt gerade auch ein gemeinsames Fachbuch zum Thema Resilienz-Coaching geschrieben haben, dachten wir, dass sich das auch gut für dieses Buch anbieten würde. Zusätzlich haben wir beide recht ähnliche Werte hinsichtlich unserer eigenen Autonomie und auch ähnliche Erfahrungen mit Klienten und deren Fragestellungen gemacht. Uns ist es ein großes Anliegen, Menschen darin zu bestärken, dass sie ihren eignen Weg finden und auch selbstbewusst umsetzen.

 

Sie bieten gemeinsam auch die Ausbildung zum „Resilienz-Coach“ an – inwieweit sind die Learnings daraus in das Buch eingeflossen?

Wahrscheinlich haben wir unser gesamtes kondensiertes Wissen in das Buch einbringen können. Also nicht alles, aber, das was zentral für diese Fragestellung war. Und so befruchten sich solche Projekte auch gegenseitig. Die Frage nach dem sinnerfüllten, bedeutsamen und authentischen Leben stellt sich ja häufig auch in Coachings, die zum Ziel haben die Resilienz der Klienten zu fördern.

 

Wer sollte das Buch unbedingt lesen?

Insbesondere würden wir das Buch denjenigen ans Herz legen wollen, die sich schwer damit tun, sich abzugrenzen, die vielleicht gar kein Gefühl mehr dafür haben, was sie selbst wollen oder brauchen. Auch alle, die an Lebensumbrüchen stehen, oder in der sogenannten Midlife-Crisis sind, können von dem Buch profitieren. Wir denken, allen gute Anregungen und Anleitungen geben zu können, die Balance zwischen den eigenen und den Erwartungen von außen zu finden, aber vor allem auch sich selbst zu reflektieren. Nicht um noch besser zu werden oder um noch stärker um sich selbst zu kreisen, sondern um im stimmigen Leben anzukommen. Denn, wenn man da ist, lebt es sich leichter und das überträgt sich dann auch auf den Umgang mit anderen.

 

Wie hat sich das Schreiben zusammen befruchtet?

Sehr gut. Da wir ja aus unterschiedlichen „Schulen“ kommen, Tatjana aus der Medizin und Verhaltenstherapie, Claudia aus der Pädagogik und systemischen Beratung und Therapie, konnten wir unser Wissen für die Leser:innen zusammenbringen und geben so hoffentlich ein breites Spektrum an psychologischen Insights, aber auch an sehr praktischen Übungen.

 

Dr. med. Tatjana Reichhart ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Nach Jahren an der Klinik der TU München – zuletzt als Oberärztin – arbeitete sie international als Trainerin in Unternehmen und Behörden zum Thema „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“. 2015 gründete sie das Coaching- und Seminarcafé Kitchen2Soul und die gleichnamige Akademie. Sie ist Autorin des Buches „Das Prinzip Selbstfürsorge“.

Claudia Pusch ist systemische Beraterin und Therapeutin (DGSF). Mit Coachings und Trainings begleitet sie seit 2010 Privatpersonen und Unternehmen. Neben ihren Schwerpunkten Resilienz und gesunder Selbstführung ist sie Lehrtrainerin, dazu Gründungs- und Teammitglied der Kitchen2Soul Akademie. Gemeinsam leiten die beiden Autorinnen dort die Ausbildung zum Resilienz-Coach.

 

Cornelia Samec: „Man muss in der IT nicht alles bis ins kleinste Detail können“

Cornelia Samec arbeitet seit 20 Jahren in der IT. Beim Tech-Konzern Tietoevry hat sie als SAP Senior Consultant angefangen, wurde bald Topic Ownerin für Industrie 4.0 und ist heute People Managerin. In dieser Position betreut sie 62 Mitarbeiter:innen und ist ihnen nicht nur Vorgesetzte, sondern auch Mentorin und Coach.

Tietoevry möchte mit seinen Technologien „zu einer besseren Welt beitragen“. Welche Technologien sind das und wie wollen Sie damit die Welt verbessern?

Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben, um es ein bisschen greifbarer zu machen. Unser Projekt FrostStrat zum Beispiel soll Obstbauern und Winzern das Leben erleichtern. Oft setzt der Spätfrost recht unerwartet ein, die Landwirte müssen dann, um ihre Ernte zu retten, die ganze Nacht auf der Lauer liegen. Wenn die Temperaturen fallen, müssen sie ihre Pflanzen räuchern oder beregnen. Unser Projekt hat zum Ziel, diese Situation zu verbessern.

Wir haben mit Wetterstationen Daten gesammelt, sie in der Microsoft Cloud verfügbar gemacht, Prognosemodelle erstellt und eine App für die Landwirte entwickelt. Sie bekommen einen Alarm, wenn die Temperatur zu sinken beginnt und in einigen Stunden unter dem Grenzwert sein wird. Das macht ihnen das Leben leichter und hilft, Energie einzusparen. Mit FrostStrat haben wir bereits zwei Nachhaltigkeits-Awards gewonnen.

Sie engagieren sich in diversen Mentoring-Programmen für Frauen in der IT. Wieso sollen junge Frauen oder Quereinsteigerinnen einen Job in der IT annehmen?

Für mich war es immer ganz normal, in der IT zu arbeiten, da meine Eltern das auch beide taten. Meine Mutter war Anfang der 80er Jahre sogar eine der jüngsten Entwicklerinnen im Bundesrechenzentrum. Ich habe erst lernen müssen, dass das gar nicht so „normal“ ist, und möchte deshalb andere Frauen dabei unterstützen. Gerade für Mütter ist ein Job in der IT super, weil man in Bezug auf die Arbeitszeiten und den Ort in der Regel ungebunden ist und sich den Tag flexibel einteilen kann.

IT bedeutet außerdem nicht, nur vorm Rechner zu sitzen und Codezeilen zu schreiben. Es heißt auch, für seine Kunden mit Kolleg:innen Lösungen zu entwickeln oder ein Projektteam zu führen. In der IT kann man auch als Scrum Master arbeiten. Dieser Job ist weit weg davon, zu verstehen, was in einer Datenbank passiert. Dafür braucht man viel Empathie und Menschenkenntnis. Ich möchte Quereinsteigerinnen die Angst nehmen, dass sie alles bis ins kleinste technische Detail können müssen.

Was glauben Sie braucht es gesellschaftlich gesehen noch, um mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern?

Das Aufbrechen der typischen Rollenbilder: Kinder sind von Natur aus neugierig, aber schon im Kindergarten wird ihnen das sehr oft abtrainiert. Es gibt klassisches Spielzeug, aber wenig Digitales. Besonders Mädchen entwickeln so kein technisches Interesse. Viele haben auch nicht den Vorteil, daheim Eltern zu haben, die sich mit Technik oder IT auskennen. Daher müssen unsere Bildungseinrichtungen dafür sorgen, dass unsere Kinder alle Bereiche kennenlernen, um dann aus allen beruflichen Möglichkeiten wählen zu können. Leider ist es aktuell nicht so, und das Drama setzt sich dann fort, wenn Jugendliche zur Jobberatung gehen und dort für Mädchen noch immer die traditionellen Bürojobs angeboten werden.

Ich kann nicht von einem jungen Menschen mit 19 Jahren erwarten, sich für die IT zu entscheiden, wenn es davor überhaupt keine Anknüpfungspunkte gegeben hat. Mädchen wird noch immer hauptsächlich eine Puppe geschenkt, und Burschen das Feuerwehrauto. Im Erwachsenenalter gibt es dann nur die Möglichkeit, aufzuzeigen, wie flexibel ein Job in der IT sein kann. Und dass man dort auch mit Menschen zu tun hat.

Welchen Stellenwert werden IT-Jobs in der Zukunft haben? 

Die Frage ist: Was wird als IT-Job bezeichnet? Ich denke, dass es in Zukunft nahezu keinen Job mehr ohne IT-Komponente geben wird. Daten werden jetzt schon als das „Öl der Zukunft“ betrachtet, und damit wird es gerade in diesem Bereich auch in Zukunft sehr viel Bedarf an IT-Fachkräften geben. Allerdings wird es auch noch mehr Fachwissen benötigen: sei es im Datenschutz oder wenn es darum geht, die Business-Prozesse der Kunden zu kennen und zu verstehen.

Der IT-Job hat in den letzten Jahren schon mehr Facetten erhalten und wird noch ein paar dazubekommen. Daher finde ich es ausschlaggebend, dass sehr früh mit digitaler Bildung begonnen wird. Kinder brauchen ein gutes Basiswissen, damit sie morgen aus der Vielfalt an Berufen wählen können.

Sie stehen für eine „neue Art der Führung“. Wie sieht diese aus?

Unter einer „neuen Art der Führung” verstehe ich, sich zurückzunehmen und nicht alles bis ins kleinste Detail mikromanagen zu wollen, sondern einen Schritt zurückzugehen und das Team aus dem Background zu unterstützen. In der Organisation haben wir uns darauf verständigt, auf Selbstverantwortung zu setzen.

Die Mitarbeiter:innen sollen einen Purpose haben und wissen, warum sie bei uns arbeiten. Sie sollen selbst Entscheidungen treffen – meine Aufgabe dabei ist es, sie anzuleiten und ihnen im Hintergrund zur Verfügung zu stehen. Die Mitarbeiter:innen können mit mir über ihre persönliche Weiterentwicklung ebenso reden wie darüber, was gerade in der Organisation passiert. Vor meinem Team stehe ich übrigens sehr wohl auch, nämlich dann, wenn es zu Konflikten mit Kunden kommen sollte. 

Ihr Office in Wien ist zentral gelegen, groß und top-modern ausgestattet. Was kann Tietoevry seinen Mitarbeiter:innen bieten, sowohl was Räumlichkeiten und Equipment betrifft, als auch in puncto Social Benefits?

Wir haben neben Wien auch Büros in Graz und Linz. Alle Standorte bieten höhenverstellbare Tische, zwei Bildschirme am Arbeitsplatz und natürlich eine Kaffeemaschine. Das sollte mittlerweile jedoch Standard sein. In Wien haben wir mit zwei Stockwerken im Millennium Tower mehr Bürofläche zur Verfügung, daher haben wir auch noch Platz für einen Massagestuhl und eine kleine Bibliothek, die sich gut als Besprechungsraum für unsere Mentoring-Sessions nutzen lässt, und einen Tischfußballtisch.

Wir bieten unseren Mitarbeiter:innen eine Vielzahl an Benefits: flexible Arbeitszeiten, Homeoffice (jederzeit, so es mit Kundenterminen vereinbar ist), die Möglichkeit, Equipment für daheim auszuborgen, eine Auswahl an neuesten Smartphones als Diensthandy sowie Sodexo-Gutscheine. Zudem sind unsere Kolleg:innen sehr aktiv im Organisieren von diversen After-Work-Events: von Bouldern über Spieleabende bis hin zu einer „Tour de Tietoevry“.


Über Tietoevry Austria

Die Österreich-Tochter des größten nordeuropäischen IT-Dienstleisters Tietoevry betreibt drei Standorte in Wien, Linz und Graz sowie ein Büro in Zürich (Schweiz) mit insgesamt rund 300 Beschäftigten. Tietoevry steht mit seinem skandinavischen Ethos dafür, sinnvolle Innovationen und Technologien rund um Daten, Software und Cloud für einen positiven Business Impact und nachhaltige Veränderungen einzusetzen.
Als einer der größten Implementierungspartner von u.a. SAP, Microsoft und Salesforce ist Tietoevry langjähriger Sparringspartner von Banken, Versicherungen, Industrie, Telekom-Providern, Energieversorgern sowie des öffentlichen Sektors.
Zu den namhaften Kunden zählen ÖBB, ASFiNAG, ÖAMTC, Semperit, Wienerberger, Stadt Wien, BAWAG u.v.m. Diversität, Inklusion, Agilität und gesellschaftliches Engagement sind zentrale Werte des internationalen Unternehmens. Der börsennotierte Tietoevry-Konzern erwirtschaftet mit rund 24.000 Mitarbeiter:innen in mehr als 90 Ländern einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Euro. Weitere Informationen auf
www.tietoevry.com/at

 

Was uns Zuversicht bringt

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Ein kleiner Rückblick auf Rolemodels und Ereignisse, die uns in diesem Jahr Mut gemacht haben.

 

Zugegeben, in diesem Jahr voller schlechter Nachrichten gehört schon ein bisschen der viel beschworenen Resilienz dazu, sich auch an die positiven Dinge zu erinnern. Mir hilft dabei immer wieder mein Journal – eine Art strukturiertes Tagebuch zum Selbst-Coaching, mit Unterteilungen für Erfolge, Dankbarkeitsmomente und Ziele. Auch für 2023 liegt das neue Exemplar schon bereit. Das ist übrigens auch eine der wichtigsten täglichen Investitionen in mich. Was einige unserer Kontributorinnen für das neue Jahr planen und wie sich in sich selbst investieren, lesen Sie aktuell bei uns.

Das Scrollen auf unserer Plattform gibt ebenfalls Anlass für etwas Optimismus Jahr, allein durch die zahlreichen Rolemodels, die wir interviewt und portraitiert haben. Auch die Arbeit der verschiedenen Netzwerke, die wir vorstellen, bringen Sisterhood weiter voran.

Was uns besonderen Mut gemacht hat:

  • Rolemodels und engagierte Frauen wie Tatjana Kiel, die mit der Initiative @weareallukrainians in Zusammenarbeit mit Unternehmen wertvolle Hilfe vor Ort Das Interview, das ich im Frühjahr mit ihr führen durfte, hat leider nichts an Aktualität verloren.
  • Konferenzen wie die