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Investorinnen: Ein positiver Hebel für Innovation

Start-up-Investments sind eine spannende Anlageklasse. Denn wer in Innovationen und Gründer*innen investiert, lernt viel Neues und inspirierende Menschen kennen. Doch derzeit sind nur acht Prozent der Investor*innen weiblich. Vier Frauen, die dieser Minderheit angehören und hoffen, bald viele Mitstreiterinnen zu finden. 

von Svenja Lassen

Noch vor drei Jahren konnte Katja Ruhnke mit Startups nichts anfangen. “Das war ein Befgriff aus der TV-Sendung ‘Die Höhle der Löwen’, sonst hatte ich keine Berührungspunkte zu dieser Szene”, erinnert sie sich. Ihr Trauzeuge, der gerade selbst gegründet hatte, sollte das ändern. Er nahm sie mit zu einem Pitching-Event beim Münchner Netzwerk BayStartUP – und veränderte damit nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihrer Schwester Conny Hörl und vieler anderer Gründer*innen positiv und nachhaltig.

Die Impact-Investorinnen Katja Ruhnke…

Gleich der zweite Pitch, also die Präsentation einer neuen Geschäftsidee, begeisterte Katja so sehr, dass sie Kontakt zum Team aufnahm und bei Backware investierte. Die erste von mittlerweile zehn Beteiligungen der CK Venture Capital GmbH, die die Schwestern eigens dafür gründeten. Denn ursprünglich entstammen die beiden einer Münchner Unternehmerfamilie.

… und Conny Hörl wollen mit CK Venture Capital GmbH die VC-Szene weiblicher machen.

Der Funke war also übergesprungen, die Faszination für Neues groß. Zudem sind sie sich bei Investments schnell einig. “Wir müssen beide komplett für eine Idee sein, um finanziell einzusteigen. Für uns zählen vor allem die Menschen dahinter und die positive Einflussnahme”, sagt Conny. Anfangs dachte sie an die Bereiche Food und Fitness, in denen sie sich durch ihre eigene Unternehmensgruppe in Salzburg bestens auskennt. Doch dann zog es sie zu anderen Inhalten. Aus Gründen der Risikosplittung – und aus purer Lust. “Mich reizt an Start-ups, dass ich dort ausleben kann, was mich wirklich interessiert. Das empfinde ich neben meinem auch mal langweiligen Hauptjob als extrem bereichernd”, betont Katja. Die Begeisterung komme dabei stets durch persönliche Aufhänger, “denn wenn Du keinen Bock auf ein Thema hast, magst Du auch keine Zeit investieren”. Und Zeit geben beide eine Menge, sie sind im engen Austausch mit den Gründer*innen ihres Portfolios und zur Stelle, wenn die Start-ups sie brauchen.

Dass ihr Engagement als Business Angels so schnell starten und intensiv werden würde, haben sie nicht geahnt. “Dann hätten wir es vielleicht nicht gemacht”, sagt Conny lachend. Sie ging davon aus, dass es viel länger dauern würde, bis sie ihr Portfolio füllen. Aber Investorinnen sind gefragte Ausnahmen – so wurden sie sofort von vielen angesprochen und schnell in die Szene gezogen. “Ich hätte nie gedacht, dass nach meiner Zeit auf der Bühne nochmal etwas so viel Begeisterung bei mir entfacht”, sagt Katja, die zehn Jahre als Musicaldarstellerin und Schauspielproduzentin tätig war, bevor sie in den Familienbetrieb einstieg.

Ihre neue Leidenschaft wollen beide weitergeben, “denn mit Investments kann man was bewegen – gerade als Frauen!” Sie teilen ihr Wissen gern, sind Vorbilder und genießen die Sichtbarkeit. Denn die noch sehr männlich und elitär geprägte VC-Szene aufzubrechen und weiblicher zu machen, empfinden beide als “höchst inspirierend”. Und sie merken, wie gefragt ihre Sichtweisen als Investorinnen sind uns wie viele Gründer sie gezielt ansprechen, weil sie gern eine Frau als Gesellschafterin im Unternehmen hätten.

Die Unternehmerinnen Dörte Kaschdailis (li.) & Silvia Sommer (re.) von opexxia investieren als smart impactxx.

Deswegen engagieren sich die Schwestern und teilen ihre Erfahrungen bei Events, in Webinaren, als Mentorinnen im Female Investors Network (FIN) von primeCROWD. “Sich in Netzwerken Sparringspartner zu suchen, ist das Beste, um die ersten Schritte als Business Angel zu gehen”, ist Katja überzeugt. Um mehr Frauen dazu zu ermutigen, schreibt sie an einem Buch übers Investieren, das im Herbst erscheint. Ihr wichtigster Tipp: einfach starten! Wie schnell es dann gehen kann, dafür sind beide der beste Beweis.

Wer zupackende Umsetzung such, ist auch bei Dörte Kaschdailis und Silvia Sommer an der richtigen Adresse. Sie sind ein eingespieltes Team, klar in Prozessen und Ansprache – in ihrer Firma opexxia sowie seit 2020 auch als Investorinnenduo. Das Doppel-x steht in beiden Fällen für starke weibliche Kompetenz.

Und das, obwohl der erste Eindruck eher verhalten war. “Was ist das denn für eine Trulla?”, dachte, Dörte, als sie ihre heutige Geschäftspartnerin vor zehn Jahren erstmals sah. Da lief Silvia im Kostüm mit Rollkoffer und Seidentuch bei PlanetSports ein und entsprach dem Klischee der Beraterin. Die Operations-Chefin der Sportartikelfirma zog mit der Externen “wie Yin und Yang durch die Lager”. Dörte als Nordlicht von der Ostsee mit Konzern-Hintergrund, Silvia aus österreichischer Unternehmerfamilie und mit Beratungskarriere im Bereich Consumer Good. Beide merkten schnell, dass sie die gleiche Vorstellung von gut und richtig teilen und sich großartig ergänzen. Sie prägt der Wunsch nach Einflussnahme und Gestaltungsspielraum. Dieser Blieb ihnen beim damaligen Arbeitgeber nicht erhalten: Als Dörte nach der zweiten Elternzeit zurückkommen wollte, war kein Platz für eine Mutter in Führungsposition. Auch Silvia fand das enttäuschend und hatte sich ebenfalls entschlossen, den Job zu kündigen. Und so entstand auf einer Parkbank in der Mittagspause die Idee, gemeinsam etwas Neues zu starten.

2016 gründeten sie ihre Firma und bedienen jetzt mit ihrer operativen Beratung von Geschäftsprozessoptimierungen im Retail eine Nische. Schnell kamen Aufträge ohne Akquise, sie hatten gute Kontakte und Erfolg. Sie verdienten gut, wirtschafteten konservativ und beließen Gewinne in der GmbH für potenzielle Durststecken. Als diese ausblieben, stellte sich die Frage, was sie mit ihrem Geld tun wollten. Klar war, dass auch andere profitieren sollten.

“Wir wollen einen Teil unserer Einkünfte weitergeben an junge Unternehmen und Gründer*innen”, sagt das flotte Duo. Und so starteten sie 2020 unter smart impactxx ihre ersten Investments: “Was uns ausmacht, ist, dass wir selbst erwirtschaftetes Geld verwenden.” Ihren Fokus legen sie dabei auf Impact-Investments im B2B-Bereich.

Wobei sie parallel noch selbst gründeten: swarmscout, eine Plattform für die Jobvermittlung aus diversen Netzwerken, mit der sie den klassischen Recruitingprozess revolutionieren wollen. Eine Idee, die aus eigener Erfahrung entstand und beide begeisterte. Trotzdem bleibt opexxia ihr Haupterwerb, auch samt impactxx läuft nebenbei auf Zuruf. “Es ist auch immer die Frage, wie nah man am Thema dran ist und wie viel wir helfen können”, meint Dörte. Das ist abhängig von Start-up, der Phase, dem Gründerteam wie auch den Co-Investor*innen oder dem Investmentkonstrukt. “Wir haben durchaus mal unterschiedliche Meinungen, aber investieren nur, wenn wir uns einig sind”, so Silvia. Das Hauptaugenmerk gilt dem Team, immer gefolgt vom Gedanken, ob jemand dabei ist, der Vertrieb kann. Aktuell wiest ihr Portfolio die ersten fünf Investments in sechsstelliger Beteiligungshöhe auf, nicht alle sind aus Bereichen, in denen sie eigene Expertise haben. “Bei manchen Start-ups außerhalb unseres ‘home turfs’ glauben wir trotzdem ans Geschäftsmodell; bei anderen engagieren wir uns, weil wir selbst viel helfen können” – se es durch ihr großes Netzwerk oder die eigene Expertise. Dörte und Silvia mischen mit und nehmen Einfluss, getreu ihrer Motivatio: “Wir können nicht alles selbst gründen, aber wollen mitspielen und tolle Ideen vorantreiben.” Bleibt zu hoffen, dass ihnen in Zukunft viele Mitspielerinnen aufs spannende Start-up-Spielfeld folgen werden.

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Fotomaterialvia Pexels

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